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Wenn der Herr Menasse kein Schriftsteller geworden wäre, dann hätte er einen prima Prediger abgegeben. Falls ich eines Tages doch nochmal eine atheistische Kirche gründe, so werde ich mir den Menasse vormerken. Das mit dem Donnern von der Kanzel versteht der besser als jeder Katholik.

Aber von vorn. Die 55. Poetikvorlesung ist gut besucht, ganz Suhrkamp ist beim schönen Wetter rübergeradelt und sogar Hubert Winkels gibt sich die Ehre. Den hab ich hier ja noch nie gesehen. Man nimmt Platz, der Autor wird vorgestellt, Germanistik, Philosophie und Politologie in Wien und einem italienischen Sonnenscheinort (nein, nicht Capri, irgendwas mit M, ich komm grad nicht drauf), Gastprofessur in Sao Paolo. Das erklärt auch die Sao-Paolo-Lastigkeit seines Romans "Selige Zeiten, brüchige Welt", also desjenigen, den ich mir zur Vorbereitung schonmal gegönnt habe. Der ist auch ziemlich philosophielastig, an allen Ecken und Enden hegelt's und möchte die Welt endgültig erklären. Nein, zum Glück nicht der Autor, sondern der Protagonist.

Diese Vorlesung trägt übrigens den Titel "Die Zerstörung der Welt als Wille und Vorstellung". Germanistik, Philosophie und Politologie, darum dreht sich alles, drei Fächer, die Herrn Menasse umtreiben. Und so geht es auch weiter. Kalauernd allerdings, was das Publikum sofort für ihn einnimmt: Herr Menasse, so eröffnet er, sei deshalb so unbeliebt, weil er vor Zeugen ausgerufen haben soll: "Ich bin ein deutscher Dichter" - wo es doch selbstverständlich sein sollte, in der Sprache zu Hause zu sein und nicht in dieser kleinen Nation Österreich.

Dann die üblichen Umreißungsversuche: Was das ist, Poetik, Wie sinnvoll sind diese Privatpoetiken, was ja konsequenterweise hieße, daß diese Poetik nur ein gelungenes Beispiel aufweise, nämlich das Werk des Dichters und Poetikinhabers selbst, was das überhaupt solle, die Sache mit der Tradition, warum man in Traditionen schreibe, wo man doch auch nicht in Traditionen liebt, zum Beispiel. Hüten solle man sich auch vor Werkstattberichten, es erleichtere einem keinesfalls den Zugang zu einem Werk, wenn man über die Information verfüge, daß der Dichter überhaupt nur nackt und petersilieessend in der Lage sei zu dichten. Das hilft einem garnichts.

Neinnein, es sei die Zeit, die wichtig sei, die Zeit als Gegenstand der Literatur, die Lebenszeit, die Zeit, in der man lebe. Seinetwegen auch noch Gott und die Welt, Realismus und Engagement. Ein Ausflug in die Politik: Wie es kommt, daß Fatalismus wieder hip ist, wenn die Politiker achselzuckend beteuern, keine andere Wahl zu haben, was es überhaupt bedeutet, zu behaupten, man habe keine andere Wahl, wenn einem doch weder Inhaftierung noch Folter drohen. Was es bedeutet, in Zeiten der Globalisierung zu leben, die Menasse als eine Art technische Restauration empfindet, und ihre Systemlogik als voraufklärerisch. Waren wir nicht mal weiter, hatten wir nicht mal Alternativen, hatten wir nicht mal die Meinung, die Wahl zu haben, anstatt uns zwingend dem zu ergeben, was da auf uns zukommt? Aber Alternativen sind vermeintlich rar geworden.

Was hilft? Tja, man müßte das Wort "Engagement" wieder mit konstruktivem Inhalt füllen. Müßte sich als gesellschaftlich handelndes Subjekt begreifen, das nicht nur hilflos in den Zeitläuften herumgeweht wird, sondern das Bedurfnis verspürt, das vermeintlich vorgezeichnete Schicksal zu besiegen. Es geht, so Manesse, um das "Wachsen der Vernunft in der Freiheit und der Freiheit in der Vernunft". Und wie man darin schreiben kann, in diesen Zeiten, und das auch noch engagiert, das erfahren wir nächste Woche.

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Und wie immer rechtzeitig vorher kündige ich auch dieses Mal an: Die nächste Poetik-Vorlesung bestreitet

tata!

Robert Menasse. Ab nächsten Dienstag, den 12. April, immer um 18 Uhr im Hörsaal römisch-sechs, das ist der ganz oben. Und diesmal gibt es vom wortgewaltigen Erklärer Österreichs auch was nettes in der Presse zum Einlesen:

Sie ersuchen bloß submissest darum, nicken zu dürfen, und sie vibrieren vor Hass, wenn ihnen das Nicken im Nacken stecken bleibt. Sie wollen hofieren und Hofrat werden. Diese Definition von bürgerlichem Selbstbewusstsein ist das wahre Verhängnis Österreichs, eines Kapitalismus ohne Bürgertum.
[...]
Einer wie ich war nicht dazu vorgesehen, studieren zu dürfen. Aber ich hatte Glück: Es gab einen historischen Moment, in dem dies plötzlich möglich war. Ich werde dafür ewig dankbar sein. Und es ist ein Ausdruck meiner Dankbarkeit, dass ich heute jene kritisiere, die die Bildungschancen der nächsten Generationen zerstören. Und ich bin auch dankbar für das gute Wasser. Aber können es mir jene reichen, die die "Presse" judenfrei haben wollen, mich auffordern, das Land zu verlassen, oder von mir verlangen, dass ich dem Nato-Fan Schüssel dankbar dafür sein möge, dass wir seit 60 Jahren keinen Krieg haben?

[via Thomas von Wos waas a Fremda, der die ganze Affäre für Nicht-Ösis nochmal im Küchenkabinett ausführlich erklärt]

Und das kurz nach der orangefärberei der braublauen Soße. Das kann ja interessant werden. Also: nächsten Dienstag im Kalender anstreichen, 18 Uhr dasein. Ich bin's auch.

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Endlich Wochenende! Nein, nicht Samstag oder Sonntag, bei mir ist dann Wochenende, wenn ich zwischendurch mal nichts zu tun habe. Also heute. Und am Wochenende kann ich all die Dinge nachholen, die ich nicht tun muß, sondern tun will. Und ich will schon seit letzter Woche einen Bericht über den Ausgang der Poetik-Vorlesung schreiben. Brauchte dazu aber ein Wochenende, und das ist heute.

Ja, die Frau Maron und ihr letzter Roman, "Endmoränen", der handelt davon: "Eine Frau fährt aufs Land, weiß nicht, was sie da soll und fährt wieder nach Hause." Sagt Frau Maron und wir grinsen. Natürlich geht es um mehr, um Stadt und Land, ums Älterwerden und um Lebensprojekte, die scheitern oder auch nicht. Also eigentlich um eine ganze Menge.

Wenn es jetzt einen zweiten Teil gibt, dann geht es darin natürlich um was anderes. Dieselben Figuren zwar, aber andere Themen, andere Probleme. "Balance", sagt Frau Maron, und die Ahnung, daß die bisherige Lebensbalance auf einer Täuschung beruht. Die Ahnung, daß dahinter Leere ist, und der Versuch, die Leere mit Sinn zu füllen. Aber eigentlich ist die Leere die Wahrheit, der Sinn ist wiederum nichts als Täuschung.

Ist das so? Ach, was ist Wahrheit? Auch Zivilisation ist Wahrheit, Kultur ist Wahrheit, und gleichzeitig nichts als eine große, bunt schillernde Blase. Essen, scheißen, atmen, das ist Wahrheit, darauf kann man das reduzieren, aber das will doch keiner, so will doch keiner leben. Die Überzeugung, daß es wichtig ist weiterzuleben, ist auch nur eine Täuschung, aber was für eine! An die klammern wir uns doch alle und halten sie für ein Grundrecht. Ein wüstes leeres Universum mag ein wahrhaftiger Zustand sein, aber eben auch ein trauriger.

Meine Gedanken driften ab, während Frau Maron von ihrer USA-Reise erzählt. Man dürfe nirgends rauchen, und im Park alles voller Jogger und Golden Retriever. Frau Maron raucht viel, und muß prompt husten. "Genau!" sagt sie und lacht, und das Publikum hat wieder mal Grund, mit ihr zu kichern.

Und die Erzählperspektivenfindungsprobleme. Die sind interessant: Traut man ihr zu, aus der Sicht eines Mannes zu erzählen? Herr C. zweifelt, Freundin K. bestärkt. Noch ist das Buch nicht fertig, noch ist der Roman nicht geschrieben, aber in der Zwischenzeit kann man die Poetik-Vorlesungen erwerben, die erschienen rechtzeitig am Tag der letzten Lesung bei Fischer. Satte Leistung! Das ist erst einmal passiert, irgendwann früher mal.

Der immer noch rappelvolle Saal applaudiert, dann gehe ich nach draußen ins Foyer. Ein Bekannter ist auch da, der zündet sich erst mal eine Zigarette an, und in diesem Moment kommt ein älterer Mann auf ihn zu: "Machen Sie sofort die Zigarette aus!"
"Darf man hier nicht rauchen?" wundert sich mein Bekannter. "Hier stehen doch Aschenbecher."
"Sie vergiften uns alle!" schreit der Mann aufgebracht. "Machen Sie sofort die Zigarette aus!"
"Hörn Sie mal, ich studier hier, und hier stehn den ganzen Tag die Profs und die Studis, und die rauchen hier auch alle", versuche ich den Mann zu beruhigen (und ihn zart darauf hinzuweisen, daß das immer noch eine Uni ist und er hier nur Gast), aber der hört nicht auf mich und rückt meinem Bekannten schreiend auf die Pelle.
"Jetzt beruhigen Sie sich doch!" sagt mein Bekannter, und: "Ich werde die Zigarette nicht ausmachen".
Wenn irgendwo Aschenbecher stehen, darf da auch geraucht werden, das kann man mögen oder nicht, sollte es aber hinnehmen. Ab und an ein bißchen stinkige Luft einatmen gehört eben auch zu den Grundbedingungen der Zivilisation. Vorausgesetzt, man befleißigt sich dabei eines zivilisierten Verhaltens.
Der renitente Rentner schreit was von Krebs und geht nun zu Handgreiflichkeiten über, die aber nur die Zigarette treffen, nicht meinen Bekannten, aber der Mantel ist jetzt vollgeascht.
"Was soll das denn?" wundert sich nun Prof. Bohn, Chef von der Veranstaltung hier, der selbst gerade ausnahmsweise nicht raucht, obwohl er das sonst immer und ausdauernd tut. Reiner Zufall, daß der Krebsmann auf meinen Bekannten und nicht auf ihn losgegangen ist.
"Kennen Sie den?" frag ich.
"Nie gesehn", sagt Prof. Bohn. "Wenn der das nochmal macht, laß ich ihn entfernen."

Mir als Nichtraucher ist sowas immer äußerst peinlich. Das verdirbt unser Image. Nichtraucher haben immer sowas aggressiv lustfeindliches. Und ich dann auch noch als Protestantin, und dauernd schwarz angezogen. Man kämpft ja praktisch permanent gegen ein Puritaner-Image an. Raucher fragen schon nicht mehr: "Bist du'n Nichtraucher?", sie fragen: "Bist du'n sehr militanter Nichtraucher?"
Und dann muß man erklären, daß man Nichtraucher ist, aber nicht sehr militant, daß man anderen gern sein Vergnügen gönnt, nur ab und an mal etwas Luft braucht, weil sich der Qualm sonst als schmieriger Film auf den Kontaktlinsen absetzt und man den Rest des Abends im Nebel verbringt, was also rein physikalische Probleme birgt und keine grundsätzlich weltanschaulichen. So ein Raucher weiß ja oft gar nicht, welche Auswirkungen sein Hobby auf Kontaktlinsenträger hat, das muß man den meisten auch erst mal erklären.

Meistens haben Raucher viel Verständnis. Nicole hat letztens den umgekehrten Fall erlebt, und zwar bei der Stimmenauszählung der Uniwahlen. In dem Raum, in dem gezählt werden sollte, hat man sich per Abstimmung auf Nichtrauchen geeinigt. Die Raucher konnten raus auf den Gang, das sind vielleicht fünf Meter, und bekommen dafür sogar noch zusätzliche Raucherpausen zugestanden. So ein paar Spezialisten (ihr könnt Euch jetzt einfach vorstellen, wen ich meinen könnte) allerdings haben's nicht so mit den demokratischen Grundregeln und qualmten trotz Mehrheitsbeschluß fröhlich den Raum voll. Protest seitens der arbeitenden Nichtraucher wurde mit Nazi-Beschimpfung quittiert - der Nichtraucher als Faschist, soso. Daß das schon reicht heutzutage.

Nach dem Raucher-Incident weiter ins Literaturhaus zum Abschlußempfang. Da stehen so ein paar Promis herum, Herr Mosebach und die Chefinnen von Suhrkamp und Fischer und ein paar Germanisten von Rang, die ich nicht kenne, mein Bekannter aber schon. Es gibt den obligatorischen Quiche, mit Spinat für Vegetarier und mit Speck für die Carnivoren, dazu Wein en masse. Ich wundere mich, daß der Germanistikstudent im 36. Semester mit seinen Plastiktüten nicht auftaucht, der ist doch immer da, wenn's was umsonst zu saufen gibt. Dafür ist die nervige Frau da und quatscht abwechselnd die Lektorin und die Fischer-Chefin voll, die armen.

Früh lichtet es sich, irgendwo ist offenbar eine Konkurrenzveranstaltung (später erfahre ich, daß Brussig nen Preis bekam und daher aus den Fischer-Reihen einige fehlen). Auch Frau Maron verabschiedet sich langsam.
"Wer von Ihnen hat eigentlich den Text im Internet geschrieben?" fragt sie.
Naja, da muß ich mich wohl outen.
"Ich fand den ja nett, aber eine Sache muß ich doch korrigieren: Es ist nicht so, daß die Fischer-Autoren nur vier Vorlesungen halten dürfen und die Suhrkamp-Autoren fünf. Man hat mich sogar sehr gedrängt, fünf zu halten, aber ich wollte nicht."
Ich verspreche, das zu korrigieren, was ich hiermit getan habe. Es ist also nur ein böses Gerücht, von suhrkampkritischen Geistern in die Welt gesetzt. Da die Empirie ihm bisher recht gab, hab ich das Gerücht geglaubt. Jetzt glaube ich natürlich Frau Maron.

Und als wir gehen, da steht der Germanistikstudent im mittlerweile vermutlich 38. Semester an der Bar und trinkt hastig und redet hastig. Neben ihm die nervige Frau, auch hastig trinkend und hastig redend. Immer wieder schön zu sehen, wie sich am Ende doch noch Topf und Deckel finden.

Apropos Topf: Meinem Bekannten geht's nach dem Empfang gar nicht gut. Keine Rauchvergiftung, eher eine "Fischer-Vergiftung", wie er meint (was ich für einen so plausiblen Sachverhalt halte, daß ich das Wort stantepede in meinen Alltagswortschatz aufzunehmen beschließe). Vermutlich der Quiche, vermutlich die Eier, vermutlich nicht ganz frisch, daher die ganze Nacht fiese Koliken. Und er sei auch nicht der einzige, da hätten noch mehr geklagt. Gut, daß ich einen Magen aus Stahl hab.

Ach ja, die Preview, das hätte ich fast vergessen: Das nächste Mal ist Robert Menasse dran, das verspricht unterhaltsam zu werden, und danach dann wieder mal ein Eingeborener, Wilhelm Genazino (der mit dem Büchner-Preis).

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Ich war ein bißchen später dran als geplant, weil ich mein Fahrrad in die Frühjahrskur geschickt habe. Bekommt vorn ein neues Radlager, bis dahin fahr ich mit Ersatzrad. Durch den Hauptbahnhof gerannt und gerade noch rechtzeitig, um fünf nach sechs, im Hörsaal angekommen. Viel später hätte es nicht werden dürfen, Hörsaal H römisch-sechs war voll bis obenhin. Zwar noch nicht richtig gernhardtvoll, aber deutlich voller als angelakraussvoll.

"Wie ich ein Buch nicht schreiben kann und es trotzdem versuche" nennt Monika Maron ihre Vorlesungsreihe, die wie immer, wenn es sich um eine nicht-Suhrkamp-Autorin handelt, aus nur vier Terminen besteht statt aus fünf.Denn Suhrkamp bezahlt ja, und für Hausautoren eben einen Abend mehr. Was den unguten Effekt hat, daß die, die wirklich was zu sagen hätten, dies möglichst etwas knapper halten sollten, während die Nasenbohrer sich ellenlang verbreiten dürfen.

Monika Maron gehört, dieses Gesetz unterstützend, definitiv nicht zu den Nasenbohrern. In Berlin geboren und lange Jahre dort lebend, arbeitete sie zunächst als Journalistin für ostdeutsche Magazine und Zeitungen (z.B. Wochenpost), bevor sie ihren ersten Roman veröffentlichte. "Flugasche" beschreibt das Geeiere, das notwendigerweise dazugehört, wenn man schreiben will und kann, aber nicht alles schreiben darf, und natürlich die Folgen der ewigen Selbstzensur für den Einzelnen. Dieses Thema verfolgt sie auch in ihren weiteren Büchern, später kommt, vor allem in "Endmoränen", ihrem bisher letzten Buch, das Thema des Älterwerdens hinzu. Was ist geworden aus den Lebensentwürfen - und was wird aus den Menschen, die diese Entwürfe zerbröckeln sehen?

"Wenn ich über das Schreiben spreche, muß ich über mich sprechen - beim Romanschreiben ist das anders. Diese Figuren sind nicht ich - ich bin nur ihr verfügbares Material", sagt Frau Maron, und daß sie es als etwas intimes und geradezu exhibitionistisches empfindet, einen Vortrag über ihr Schreiben zu halten. Aber sie ist nunmal eingeladen, der Hörsaal ist voll, alle warten und da muß sie nun wohl oder übel durch.

Der Plan zur Zeit des Niederschreibens dieses Vortrags (Februar letzten Jahres) bestand darin, einen neuen Roman zu schreiben, der die Figuren aus "Endmoränen" wieder aufnimmt, die Geschichte fortschreibt, aber trotzdem ein eigenes Thema aufbietet, einen eigenen Ton findet. Denn die Figuren haben durchaus noch Potential. Was interessiert mich? hat sie sich gefragt und kam zu dem Ergebnis: Ich will wissen, wie das jetzt weitergeht!

Maron erzählt von Versuchen und Ansätzen, liest verworfene Anfänge vor, was nun wirklich etwas Intimes ist: Textstücke zu zeigen, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Erste Probleme auf Seite 9 (Abbruch, nachdem das Ganze in eine Dreiecksgeschichte Frau/Mann/Hund auszuarten drohte), dann wieder, nach einem neuen Anfang, auf Seite 37 (diesmal wegen akuter Ziellosigkeit). Nach einigen Experimenten mit auktorialer Erzählperspektive wird Johanna nun auch das zweite Buch erzählen.

Bei Frau Maron darf man direkt mit auf den Schreibtisch gucken. Sie salbadert nicht über Theorien und Zeug, das nur Germanisten interessiert (also mich schon nicht mehr), sie geht direkt von den Figuren aus und arbeitet sich von dort mühsam vorwärts, in eine Handlung, eine Geschichte hinein. Das wird auch beim Seminar deutlich.

Nicole und ich sind ein wenig verstimmt, weil wir eigentlich Hunger haben und das Literaturhaus-Restaurant komplett für den Fischer-Verlag reserviert ist. Man serviert uns gar unfreundlich ab (elitäres Kellner-Pack, denken wir), weshalb wir uns auf die Suche nach dem nächsten Döner machen und immerhin ein Bistro am Eck finden. Etwas zu spät und etwas gehetzt kommen wir wieder im Seminarraum an, aber unten läßt man sich augenscheinlich Zeit mit dem Dinieren. Die hätten wir uns auch lassen können, wenn wir das gewußt hätten. Die guten Rosmarinkartoffeln hab ich liegenlassen. Naja, Fischer. Ich sag nix mehr. Wenn Fischer im Spiel ist, wird gehungert, das muß scheinbar so sein.

Die Kommilitonin, die so viel redet, daß sie das Gepräch auch locker im Alleingang hätte erledigen können (nein, nicht ich), erzählt von unserer Lektüre von "Endmoränen" im Seminar.
"Aber ein bißchen komisch fandet ihr es doch hoffentlich auch?" fragt Frau Maron nach. Denn auf ihren Lesungen würde immer viel gelacht. Manchmal seien Leute erstaunt, daß das Buch, das sie zu Hause gelesen hatten, auf einer öffentlichen Lesung mit Zuschauern plötzlich viel komischer ist, so lustig hätten sie es gar nicht in Erinnerung gehabt. Ein seltsames Phänomen, das ich auch schon beobachtet habe. Hatte eine Theorie gestern, die mit der menschlichen Stimme zusammenhängt, der man viel mehr Zwischentöne geben kann als dem reinen gedruckten Text. Den nimmt man schneller mal wörtlich, feine Ironie geht dann gern unter. Vielleicht ist es das. Vielleicht hängt es auch mit der Dynamik des Publikums zusammen.

Frau Maron und die Kommilitonin, die viel redet, unterhalten sich übers Älterwerden. Die Kommilitonin redet von ihrer Oma. Ich hätte da zwar auch noch die ein oder andere Frage zum Text, aber anderer Leute Oma haben da natürlich Vorrang. Muß ich mich eben bis zum nächsten Mal gedulden, bevor ich mehr darüber erfahre, welche Rolle die Kunst in Endmoränen spielt und im neuen Roman spielen wird.

Nach dem Seminar tratscht Nicole noch ein bißchen mit der Lektorin von Frau Maron, die auch da war. Frau Maron sei jemand, der ohne Kopfballast und dafür mit viel Menschenkenntnis an die Sache heranginge, sagt sie so ungefähr, und dem kann ich mich auch anschließen. Trotzdem sind die Bücher nicht unpolitisch, ganz im Gegenteil. Mein Favorit bisher ist übrigens "Stille Zeile Sechs", und das ist ein sehr politisches Buch. Das kann ich übrigens auch empfehlen, wenn jemand mal etwas von Monika Maron lesen möchte. (Obwohl man vielleicht besser mit der "Überläuferin" anfangen sollte, die dazu und davor gehört, die ich aber noch nicht kenne.)

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In einer Woche ist wieder Poetikvorlesung (same procedure: 18 Uhr s.t. im Hörsaal römisch-sechs, anschließend Wein und Seminar).

Ich hab diesmal was ganz neues probiert: ich bin ins Vorbereitungsseminar gegangen, habe fleißig keinmal gefehlt, habe alle Bücher gründlich und rechtzeitig gelesen und weiß jetzt doch ein bißchen was über das Werk von Monika Maron. So. Und nächste Woche kann ich dann vielleicht ein bißchen mehr dazu sagen.

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