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Am Wochenende bei Goethe eine Begegnung der interessanten Art. Ein freundlicher, aber frustrierter Uruguayer fragte mich über Goethe aus, den habe er früher schon gelesen, seit seiner Kindheit, dann kamen wir ins Gespräch. Über das, was er so macht. Ich glaube, er wollte da was loswerden.

Er sei hier in Deutschland, weil er Krebsforscher sei und seine neue Therapie verkaufen wolle. Er habe sein Patent schon vor fünf Jahren angemeldet. Es handele sich um eine elektrische Therapie. Denn die derzeitige Behandlung von Krebs sei ein Irrweg, müsse ich wissen. Sei von Grund auf falsch, diese Chemotherapie.

Die momentane Krebstherapie baue auf auf Erkenntnissen, die nach dem 2. Weltkrieg in Großbritannien über die Zelle gewonnen wurden. Aber diese Erkenntnisse seien mittlerweile überholt. Nicht der Nukleus bestimme, was mit der Zelle vor sich geht, sondern die Membran gebe elektrische Signale an den Nukleus, wie ein Regisseur. Und der Nukleus folgt dann und wächst oder was auch immer Zellen eben so machen.

Ja, und diese Erkenntnis könne man sich zu nutze machen. Man könne diese elektrischen Impulse messen, da sie individuell verschieden sind, und dann könne man die falschen Impulse widerrufen, wenn das Gerät erst einmal auf die Meßdaten des Patienten eingestellt ist. Also mit der Zelle telefonieren, wenn man so will. Und ihr sagen, daß sie jetzt aufhören soll zu wachsen. Zum Beispiel.
Aber all die Krebsforscher, die derzeit herumlaufen, seien vor allem chemische Mediziner, die sich mit Elektrik nicht auskennen. Daher eröffne er ein völlig neues Feld, und alle müßten umlernen. Man bräuchte neue Experten.

Und das funktioniert? frag ich. Das klingt so einfach.

Das funktioniert! Und es sei in der Tat recht einfach, und vor allem schonender für den Patienten als die bisherigen Behandlungen. Er habe es an seiner Mutter ausprobiert, und die laufe immer noch höchst lebendig herum. Auch am St. Paul's Hospital in London durfte er eine Versuchsreihe machen, mit vielversprechenden Ergebnissen. Aber keiner wolle das Gerät in Serie herstellen. Er habe bereits alle großen Firmen abgeklappert, seine Ergebnisse vorgelegt. Alle haben gesagt, ja natürlich sei das besser als das, was wir derzeit machen. Aber man habe letztendlich abgewunken und gesagt, solange wir unsere Kohle mit den alten Geräten noch nicht wieder drinhaben, werden wir uns hüten, neue herzustellen. Überall dasselbe Argument. Und die Amerikaner wollens auch nicht kaufen, die haben auch Angst um ihre gut florierende, hübsch aufwendige Apparatemedizin. Die Industrie, müsse ich wissen. Sitzen auf ihren Pfründen.

Er habe dann, nach der Versuchsreihe am St. Paul's, im britischen Health Board vergespochen, bei Tony Blairs Nachfolger, dem Zaren der britischen Krebsforschung, wie die Presse ihn nennt. Der sei bei der Präsentation der Ergebnisse knallrot geworden. Warum man ihm das nicht gesagt habe? Warum er erst jetzt davon höre?
Er sei trotzdem erst mal in Urlaub gefahren. Vier Wochen USA. Ob ich mir das vorstellen könne?
Danach habe der Krebsforscher erneut versucht, ihn zu kontaktieren, doch er sei für ihn nicht mehr zu sprechen gewesen. Man habe ihn einfach nicht mehr vorgelassen. Abgewimmelt.

Jetzt sei er in Verhandlung mit Rußland. Die lassen ihn aber auch schon seit drei Monaten warten. Langsam verliert er die Geduld, sagt er. Bald wird er sich an Indien wenden, vielleicht wollen die seine Geräte herstellen. Aber überall versuche man nur, ihm Steine in den Weg zu legen. Allein für die Genehmigng eines Hinweisschildes auf der Straße gegenüber seines Labors habe man drei Jahre gebraucht. Dabei wolle er ja gutes. Für die Patienten. Für die Krebsforschung.

Leider mußte ich an dieser Stelle den netten, aber frustrierten Uruguayaner verlassen, wegen meiner Vierzehn-Uhr-Führung. Aber ein Happy-End gibt es bis jetzt ohnehin nicht. Das ist die ganze Geschichte.

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Schade, daß ich keine arbeitslose Schauspielerin bin. Denn gestern im Goethe-Museum bin ich mit einem äußerst freundlichen Engländer polnisch-russischer Abstammung und wohnhaft in L.A. ins Tratschen gekommen. Er sagte, er wär Regisseur.

Ich (blöde Frage, ich weiß): So are you famous or something?

Naja, immerhin working and living, meinte er. Aber er habe gerade diesen Film fertig. Ob ich mich für Filme interessiere?

Jo, sag ich. Ich war gestern immerhin gerade in Mulholland Drive gewesen, sag ich. Was stimmt, und als Beweis genügen muß.

Ach ja, der Herr Lynch, sagt er. Mit dem hat er ja auch in der Postproduction gesessen, sagt er. Haben gerade zur gleichen Zeit letzte Hand an ihre Filme gelegt und sich gegenseitig gezeigt. Crazy, er läßt seinen Finger in Schläfennähe kreisen, but brilliant, sagt er.

In diesem Moment merkte ich, wie sich meine degrees of separation zu halb Hollywood abrupt halbierten, mindestens.

Der nächste Film, sagt der Regisseur, das wird ein Post-War Drama, in Rußland spielend, und er dreht in Eastern Germany, will es zumindest, und so verschlägt's ihn zu Terminen nach Frankfurt, und weil er noch zwei Stunden Zeit hat, bevor im Turm-Kino (das englischsprachige, wo ich auch immer hingeh) die nächste Vorführungsschicht beginnt, da dachte er, er geht mal Goethe besuchen. Goethe deshalb, weil er so was dolles über creativity gesagt hat, Goethe's Principle, heißt das, jetzt zwar nicht parat, aber es war irgendwas kluges über creativity auf jeden Fall. Und nun diese ganzen dead people hier. One more Saxon-Weimar, and I scream. Wie ich das aushalte, den ganzen Tag?

Och, naja, manchmal immerhin lernt man ja doch ein paar interessantere Exemplare der Menschheit kennen. Nicht gerade Johnny, the swedish lawyer von letzter Woche, der mit mir und seinen friends Sylvester feiern wollte, die Füssli-Gemälde ganz toll fand und der von mir eine nicht gerade korrekte Telefonnummer bekam, jetzt nicht, weil er Füssli toll fand, sondern weil ich ihn nicht ganz so toll fand, aber ab und zu ist dann doch ein netter drunter.

Und weil der Regisseur ein sehr netter ist, krieg ich meine Stunde Museumsdienst, liebevoll von uns Aushilfen "die Einzelhaft" genannt, ratz-fatz herum, trotz der abgestanden-schweißigen Kälte in den Räumen, und merk gar nich, wie die Er- und Ablösung kommt in Form des Kollegen. Da fand ichs heute fast schade, wegzumüssen aus dem Museum, ist mir auch noch nie passiert.

Ach ja, und Mulholland Drive: Rätselhaft, aber ganz und gar zufriedenstellend. Kein großes HÄH am Ende. Wissen tut man ja nix genaues, aber irgendwie doch eine ganze Menge. Merkwürdiger Film, aber weit angenehmer als Lost Highway, dafür ein paar Szenen, die Brillenrandszenen sind, also solche, die ich über den Rand meiner Brille weg anschaue, wie zum Beispiel auch die Nachtsichtgerätszene aus dem Schweigen der Lämmer, wo sich Agent Starling in de Nähstube des Psychopathen herumtreibt. Schlimm. Brillenrand. Verschwommen halt ich das aus.

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