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In Berlin war Modewoche und zeitgleich die Bread&Butter-Modemesse. Zweitere ist aus Barcelona wieder an die Spree zurückgekehrt, was natürlich zum einschlägigen Wirsindwiederwer-Gejubel führen mußte, was hier im tiefen Westen immer noch keine alte Sau interessiert. Mailand ist von hier aus nur 90 Kilometer weiter weg als die kalte Stadt im Nordosten, die legt man gerne drauf und hat dann was Anständiges.

Aber was gab es denn nun zu sehen in Berlin? Man hört ja so viel über die Promis, die sich die Ehre gaben, die scheinen auch wichtiger zu sein als das, weshalb sie überhaupt gekommen sind. Auch ist die Meinung von Modekritikerin Suzy Menkes offenbar wichtiger als die Meinung der hiesigen Modekritiker, vermutlich mangels selbiger. Also schaut man sich als kritische Öffentlichkeit die Fotos an und denkt sich selber was dazu, wenn der Qualitätsjournalismus das nicht zustande bringt.

Und denkt, ja, die Dekonstruktion ist endgültig im Mainstream angekommen. Es flattert und hängt, es beult und steht ab, franst und ist schief, daß es nur so eine Freude ist. Für die Designer, für die Träger eher nicht so.

(Lala Berlin, Je suis Belle)

Sowas sieht an Kleiderständern vielleicht ganz gut aus, nicht aber an lebenden Menschen, die über Körper verfügen. Sowas geht als Experiment, dafür gibt es Kunsthochschulen, sowas geht theoretisch als Auseinandersetzung mit dem Material Stoff. Aber man sollte doch irgendwann mal aus diesem Stadium herauskommen, wenn man als Marke erwachsen werden will, denkt man. Mir drängt sich der Eindruck auf, daß da vieles einfach irgendwie zusammengeschnitten wird, weil unter dem Label Streetwear sowieso erstmal alles geht.

Aber das grundlegende Problem ist: Das ist ja nichtmal wirklich interessant. Das ist doch eigentlich so konventionell wie nur was, das überrascht keine halbe Sekunde lang. Das ist nicht wirklich ein Wagnis, sondern Kleider für Leute, die irgendwie was anderes wollen, aber bitte dabei nicht allzusehr auffallen. Das ist Kreativmainstream. Hach, der Reißverschluß ist schräg! Ja, ganz toll. Ist auch vorher noch keiner drauf gekommen. Wer wirklich das ganz Andere sucht, trägt sowas:

(Black Coffee and Ramirez, Starstyling)

Das Blöde bei künstlerischen Experimenten ist, daß niemand hinterher sagt, ob es schiefgegangen ist oder nicht. Das Experiment ist ein Wert an sich, dem es gefälligst zu huldigen gilt. Dabei riskiert man ja eigentlich nichts, weil es eben nie schiefgeht, und wenn, wird das totgeschwiegen und alle sagen, hach, wie mutig.

Und dann gibt es noch das genaue Gegenteil, nämlich Mode, die sehr tragbar ist, und zwar von Leuten, die sie auch kaufen können, weil sie genug Geld haben. Fußballergattinnen, russische Oligarchengattinnen. Man muß ja in der Krise sehen, wo man bleibt. Leider bleibt dann jeglicher Stil und guter Geschmack auf der Strecke. Oder ist das etwa ironisch gemeint?

(Kaviar Gauche, Guido Maria Kretschmer)

Der grobe Rest: geschätzte 3 Millionen Satinblüschen, ganz nette Sommerkleidchen und enge Hosen bis zum Abwinken. Auch auffällig: Die Abwesenheit von Accessoires. Es geht hier offenbar nicht um Styling oder um eine Vorstellung von Identität, sondern um das Kleid als Work of Art, das man am liebsten vor einer weißen Galeriewand mit Schildchen daneben präsentiert sehen möchte. Aber ohne Kunstkritik, alle sollen jubeln.

Trends? Ja: Schief und glänzend. Also so ungefähr das, was man nie tragen sollte, weil es immer schlecht aussieht, nämlich nach verrutschtem Pyjama. Aber komm mal einer der Avantgarde mit solchen Argumenten, geht nicht, ist ja Kunst.

Und auf diesem Kunstkissen ruht sich die Modewoche noch allzusehr aus, kommt sich aber wahnsinnig wegweisend dabei vor. Leider geht es dabei sehr viel um Eitelkeit und sehr wenig darum, wie Kleider Körper kleiden. Um Körper, um die Vorstellung des Menschen als angezogenes Wesen geht es nur selten. Es geht um eine Vorstellung von Avantgarde, die, wenn man Glück hat, auch jemand kauft und anzieht, aber das ist eher nebensächlich.

Habe ich vielleicht trotzdem etwas gefunden, was ich tragen würde? Aber ja doch.

Das tut mir jetzt ein bißchen leid für die vielen Jungdesigner, aber wenn ich mir was aussuchen dürfte, dann nehm ich diese beiden von Wunderkind.

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In Berlin wird gerade mal wieder die Modewoche hochgehypt, weil unser schönes Land ja eine Modemetropole braucht und nachdem das mit München und Düsseldorf nie richtig was wurde, versucht man es eben mit Berlin. Nun gut, vielleicht wird es ja auch was, wenn man genug Geld reinbuttert und sich alle gegenseitig versichern, wie wichtig und vornedran sie gerade wieder sind.

Dafür war ich gestern in Frankfurt auf der ersten Modenschau meines Lebens, in der Galerie Morgen, einem dieser Orte im industriebrachendurchsetzen Nirgendwo zwischen Hanauer Landstraße und Osthafen, die demnächst vermutlich auch noch durchgentrifiziert werden, wo man aber zur Zeit noch seine Ruhe hat vor Immobilienentwicklungsgesellschaften und kreativ vor sich hinwerkeln kann. Die Straße kopfsteingepflastert, die Eisenbrücke korrodiert, und nebenan verkauft einer Käferteile. Dort feierte das Frankfurter Label Goyagoya passenderweise sein zehnjähriges Überleben in der hessischen Modewüste.

Die letzten zwei, drei Jahre habe ich ziemlich viele Goya-Teile gekauft. Erstens habe ich etwas mehr Geld, so daß ich mich nicht unbedingt bei H&M zwischen 150 Teenager in die Kabine quetschen muß. Bei Goya in der Stiftstraße ist es ruhig und angenehm, man bekommt einen Espresso und eine ehrliche Meinung. Außerdem sind die Jacken für Menschen geschnitten, deren Körper Kurven hat und die Qualität ist so gut, daß alles nach dem Waschen aussieht wie davor, nur eben sauber. Ich habe mein Dasein gern ruhig und unkompliziert, die Unordnung kommt ja immer von allein.

Allerdings fühle ich mich noch nicht alt genug für den Erwerb von Kaschmirpullöverchen in Schnepfenboutiquen, wo einen toupiertes Dörrobst mit einer hochgezogenen Augenbraue begrüßt, wenn man es wagt, seine Kreise und die Ruhe des Etablissements zu stören. Ich bin ja eh nicht so der Blüschentyp. Ich will das, was ich kaufe, auch nicht prima zu Jeans kombinieren. Ich habe keine Jeans, Jeans sind hart und eng und kneifen überall da, wo man es nicht will, und wo sie nicht kneifen, da scheuern sie.

Sehr viel Auswahl hat man mit diesem Anforderungsprofil leider nicht in Frankfurt. Wenn man weder Teenie noch Bänkerin noch Bänkersgattin ist, wird es sehr schnell sehr eng. Wenn der finanzielle Rahmen dann noch eher begrenzt als nach oben offen ist, wird es schwer. Und wenn man dazu den Anspruch hegt, Teile jahrelang tragen zu wollen und nicht nur bis zur nächsten Saison: Oje.

Und genau da kommt nun eine Dame namens Elena Zenero ins Spiel, die Goya-Designerin mit ihrer Vorliebe für französische Filme und all things Dada. Das Ganze resultierte in einer Winterkollektion, die gestern erstmals zu sehen war und vermutlich mit dem Ruin meiner Person enden wird. Ist das nicht ein nettes Sommerkleidchen mit dem einen Träger?

Anprobiert werden muß auch dringend das hier:

Für Freunde des Punktes als Ornament ist auch wieder was dabei:

Ganz wunderbar ist auch das Topfpflanzenkleid, das an mir (Kurven) ob seines geraden Schnittes leider nichts aussehen wird. Aber toll ist es trotzdem:

Das letzte Bild: (Elena ist die kleine Dame in der Mitte.)

Was mich auch sehr begeistert: die kleinen Extras, die Gürtel und die Schleifen, sind alle austauschbar. Man kann das beliebig hinvariieren, schwarzes Kleid mit grüner Schleife, grünes Kleid mit schwarzer Schleife, hellblaues Top mit schwarzem Gürtel und so weiter. Wenn man da ein bißchen einen Grundstock hat, funktioniert das ganz wunderbar.

Wenn ich mir das so anschaue, dann werde ich auch weiterhin treue Kundin bleiben und die Schnepfenboutiquen links liegenlassen. Als ich das letzte Mal im Laden war, begegnete mir dort eine elegante, etwas extravagante ältere Dame, die ein Top reserviert hatte, das ich auch gern gekauft hätte. Sie sah darin ganz großartig aus. Und ich dachte, vermutlich gibt es überhaupt keinen Grund, jemals dort zu kaufen wo diese ganzen Leute kaufen, wenn sie älter werden, solange es solche Nischen gibt. Nischen, in denen man sich bestens einrichten kann mit Kleidern, die Zwanzigjährigen genauso gut stehen wie Sechzigjährigen, weil sie lustig und elegant und klassisch und nicht langweilig sind. Das muß man erst mal hinbekommen.

Also: Auf die nächsten zehn Jahre abseits des Modemetropolenhypes, auf die nächsten Kollektionen einfach guter, schöner, bequemer und unverwüstlicher Kleider.

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Leider gibt es nur wenige Gelegenheiten im Jahr, an denen man es kleidungsmäßig so richtig krachen lassen kann. Also so richtig. Full evening dress. Wenn man nicht gerade in einer glamourösen Branche arbeitet, in der Filmbälle zur üblichen Abendgestaltung gehören, bleiben eigentlich nur ein paar Hochzeiten übrig. Wenn man zu den Leuten gehört, die jemanden kennen, der derart üppig heiratet. Denn auch bei der Hochzeitsgestaltung hat ja vielerorts der Purismus Einzug gehalten.

Vor nicht allzu langer Zeit waren Opernabende, Empfänge und andere kulturelle Veranstaltungen noch Gelegenheiten, die Familienjuwelen auszuführen. Da wurde sich dann gegenseitig taxiert, ob die Perlen wohl echt sind und ob das Kleid maßgeschneidert ist oder von der Stange. Mittlerweile haben sich die Sitten zum Glück gelockert, und wer mit Turnschuhen in die Oper geht, wird nicht blöde angeguckt. Das ist schonmal ein ziemlicher zivilisatorischer Fortschritt.

Aber taxiert wird trotzdem noch: Ist die Blondierung rausgewachsen, schwabbelt das Dekolleté, hängt es gar, und hat die mehr Cellulitis als ich? Auch die Herren haben sicherlich so ihre Möglichkeiten, andere abzuschätzen. Mit der Abschaffung des Aufrüschzwanges sind wir jedenfalls kein Stück freier, gleicher und brüderlicher geworden, es haben sich nur die Kriterien geändert.

Und meistens gereicht das legere Outfit den Menschen nicht zum Vorteil. Das ist ja das Problem. Ein Anzug steht den meisten Herren besser als ein Sweatshirt, auch wenn er vielleicht nicht so bequem ist. Aber wenn es danach ginge, würde ich mich den ganzen Tag nicht aus meinem Pyjama herausbegeben, das kann es ja auch nicht sein. Nein, ich habe durchaus ein Bedürfnis nach Schmückung meines Selbst, ich kaufe gern schöne Dinge und behänge mich damit. Nicht im Übermaß, versteht sich.

Es gibt nur leider wenige Gelegenheiten, all die schönen Kleider auch außerhalb der Wohnung zu tragen. Und was man nicht praktiziert, das verlernt man, und vielleicht traut man es sich irgendwann auch gar nicht mehr. Da wird dann jeder Hut zum Wagnis. Das erklärt jedenfalls die vielen traurigen Erscheinungen deutscher Prominenter bei einigermaßen formellen Anlässen. Das erklärt die gähnende Langeweile, die die vielen Damen verströmen, die einfach auf Nummer Sicher gehen mit einem unaccessoriertem kleinem Schwarzen oder, noch schlimmer, einem Blazer. Die haben dann zwar nichts falsch gemacht, aber auch nichts richtig.

Heute Abend werde ich wieder Blazer sehen in allen Variationen. Kleine Schwarze mit schwarzen Schuhen. Mit schwarzen Handtaschen und hautfarbenen Strumpfhosen. Viel Gold. Viel toupiertes blondgesträhntes Haar. Weiße Blusen ohne Ende, darüber Pashminas. Ein paar Damen, die auf originell machen, werden vielleicht aus dem Rahmen fallen mit irgendetwas, was sie für originell halten.

Es ist ein festlicher Abendtermin, das Buffet ist üppig, das Ambiente stilvoll, die Lokalprominenz vor Ort, die Kerzen brennen, es ist eine Gelegenheit, es endlich einmal kleidungsmäßig krachen zu lassen. Aber am Ende traut sich doch wieder keiner, weil alle denken, ach nein, dann könnte ich ja am Ende noch auffallen.

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Willkommen in Rottach/Egern! Wir möchten Sie recht herzlich unter uns Bessergestellten begrüßen und laden Sie ein, morgen an der Strandpromenade am Musikpavillion unserer Blasmusi zu lauschen. Wie Sie vielleicht wissen, gehört zu einer angemessenen Assimilierung an diesen unseren wunderschönen Urlaubsort auch eine entsprechende Bekleidung. Wir bitten unsere Neuankömmlinge daher dringend, einem unserer Trachtengeschäfte vor Ort einen finanzkräftigen Besuch abzustatten.

Zum Beispiel freut sich das Dirndl-Maßatelier über Aufträge von gut betuchten Urlaubsgästen. Dieser festlich funkelnde Alptraum in Eiter wird Sie zum vielbestaunten Mittelpunkt einer jeden Abendgesellschaft werden lassen. Dazu paßt zwar keine vorn gebundene Schürzenschleife in Fuchsia, aber auch keine bunt geblümte Schürze mit regenbogenfarbig irisierenden Pailletten, insofern ist es auch schon wieder egal. Denn wie unverantwortlich Ihre Wunschkombination auch ausfällt, unsere farbenblinden Näherinnen realisieren jede Monstrosität ohne Widerspruch und in Windeseile.

Ebenfalls eine farbliche Herausforderung für die mutige Dame ist diese voluminöse Kombination in Moos und Rosé. Einen faltigen Hals ganz zauberhaft kaschiert ein grünes Gekröse im Frisierumhanglook, und gestärkte Puffärmel gelten geradezu als optische Wundermittel gegen die gefürchteten Bingoarme. Die leidige Devise No waving after forty ist Vergangenheit mit diesem floral inspirierten Ensemble aus verheißungsvoll knisternder Seide.

Doch auch für unsere Besucherinnen diesseits der fünfzig ist gesorgt mit diesem Mieder in raubtierhafter Eleganz. Alpenblumenstickerei auf Leopardendruck sind die ideale Dirndlkombination für die selbsternannte Femme Fatale. Damit uns keiner vorwerfen kann, wir hätten eine Geschmacklosigkeit ausgelassen, haben wir noch ein paar Glitzersteinchen draufgenäht. Verrenkte Hälse und Auffahrunfälle sind vermutlich noch die harmloseren Folgen dieser unglückseligen Marriage á la Mode.

Ein Dauerbrenner seit zwanzig Jahren ist die dekonstruierte Tracht. Rüschen und Riemen, Schnallen und Münzen, Knöpfe und Gardinenborten werden auf grobem Leinenstoff und Leder in Schlammtönen möglichst sinnfrei arrangiert. Beliebte wiederkehrende Motive sind dabei der Hirschhornknopf oder das Edelweiß, die dem fragmentierten Gebilde trachtenhafte Anmutung verleihen. Besonders beliebt beim burschikoseren Frauentyp und gern kombiniert mit dem sogenannten frechen Fransenschnitt in Auberginetönung passt dieser Look perfekt ins rustikalere Ambiente und ist damit die ideale Lösung für alle, die sich kein anständiges Hotel leisten können.

Auch für unsere protestantischen Jutebeutel-Liebhaberinnen haben wir etwas im Angebot. Fast wie selbstgefilzt präsentiert sich diese schlichte Kombination mit Blockstreifen, die im alternativen Sackschnitt den unförmigen Leib umschmeichelt. Für das süddeutsche Flair sorgen die beiden Knöpfe, die originellerweise unterschiedlich ausfallen. Wir behaupten, das sei Design, und meistens kommen wir damit durch. Perfekt kombiniert zum aschblonden Pagenschnitt und orthopädischem Schuhwerk für die Pfarrerstochter auf alpinen Abwegen.

Sehr jugendlich wirkt dieses klassische Almhüttengardinendirndl. Weil es so wirkt, wird es vor allem von Trachtenfreundinnen jenseits der Fünfzig bevorzugt, die an seiner Wirkung partizipieren möchten. Das geht meistens schrecklich daneben. Wer dennoch den wellnessgestählten Leib in diesen rosa Infantilismus klemmen möchte, dem wünschen wir an dieser Stelle viel Glück. Die Blume ist natürlich nur als Dekoration gedacht, es empfiehlt sich jedoch in der Regel, sie aus Rücksicht auf die soziale Umwelt an Ort und Stelle zu belassen.

Besucherinnen, die den eigenen angeheirateten Neureichtum mit einer Aura von Altadel veredeln möchten, empfehlen wir gern diesen schlichten Jagdrock. Wer so etwas trägt, kann die Reproduktionsbemühungen der Vorfahren bis in die Bronzezeit zurückverfolgen, denn das dezente Grau entfaltet den unwiderstehlichen Flair von Stammbaum und hektarweise Grundbesitz. Dazu passen Gummistiefel und Geländewagen.

Anton Maximilian und Anna-Lena Sophie Leonie müssen natürlich auch nicht in profaner Freizeitkleidung durch die liebevoll bepflanzten Rabatten der Uferpromenade marodieren. Die Lederhose, ein unverwüstlicher Klassiker, und das Dirndl weisen die gut betuchte neokonservative Familie aus, die sich die Kleidung für den Nachwuchs etwas kosten läßt. Man soll ja, besagt eine alte Regel, niemals an den Accessoires sparen.

Für die spritzige Münchnerin hätten wir diese edle Couture-Trachtenkombination im Angebot. Die urbane Farbwahl macht dieses Set stadttauglich – wichtig für Besucher mit schmalem Portemonnaie, die ihre Urlaubskleidung im Alltag auftragen müssen. Natürlich wünschen wir das niemandem, aber auch solche bedauernswerten Randgruppenvertreter finden mitunter den Weg an unseren herrlichen See.

Für die ganz schlimmen Sozialfälle hätten wir auch das Massendirndl aus fernöstlicher Kinderproduktion. Was die kleinen Bengel dort dilettantisch zusammenheften, ist natürlich keine richtige Tracht. Ein Dirndl aus profaner Baumwolle. Ohne Leopardenmuster, ohne Enzianstickerei, kein Hirschhornknopf und keine wogenden Rüschenkonglomerate. Natürlich ist so etwas nicht gern gesehen hier bei uns und wird bestenfalls als Notlösung akzeptiert.

Denn so wollen wir das haben! Komplett mit Hut und Haferlschuh. So eine richtige bayerische Seepromenadenidylle bekommt man eben nicht umsonst und auch nicht bei Aldi. Und wenn morgen die Blasmusi im Pavillion spielt, sehen wir alle miteinander recht zünftig aus.

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Ich habe ein ganz grundsätzliches Problem mit sportiver Ästhetik. Alles, was dazu da ist, vollgeschwitzt zu werden, neigt dazu, mir zu mißfallen. Das liegt daran, daß Dinge, die dazu da sind, vollgeschwitzt zu werden, meist sehr bunt und sehr unförmig sind. Und gerne auch aus Plastik, weil man da den Schweiß besser wegbekommt. Hygienisch mag es da also den ein oder anderen Vorteil geben, das Problem ist nur, daß ich mich mit so etwas buntem, unförmigem nicht sehen lassen kann. Und Sport findet ja üblicherweise zumindest halböffentlich statt.

In regelmäßigen Abständen habe ich halbherzige Versuche sportlicher Betätigung unternommen. Aus einer dieser Experimentalphasen stammen auch meine Turnschuhe. Ich weiß nicht mehr, ob das die Phase war, wo Fabiana und ich uns eingebildet hatten, regelmäßig joggen gehen zu können. Wir hatten manchmal solche Phasen, es gab da auch eine Schwimmphase. Aber aus der Zeit stammen meine Turnschuhe nicht, aus der Zeit stammt meine Schwimmbrille.

Ich hatte dann also diese Turnschuhe. Ich trage so etwas ja nicht, ich mag dieses schwammige Gehgefühl nicht, das einem alles wegpolstert, ich brauche Gefühl für die Straßenlage. Ich trage lieber Ledersohlen. Mehr als eine Korkausballung sollte nicht sein zwischen mir und dem Untergrund.

Und dann hatte ich also diese Turnschuhe, und nichts passendes dazu anzuziehen. Ich trage ja keine Jeans. Ich trage auch keine Trainingsanzüge aus den Siebziger Jahren. Kaum T-Shirts. Selten Hosen. Diese Turnschuhe waren von Anfang an ein Fremdkörper in meiner Garderobe.

Dabei waren sie nicht häßlich. Zu ihrer Zeit waren sie so mit das ansehnlichste, was sich erwerben ließ. Ich bin lange genug herumgelaufen, von Schuhladen zu Sportladen und zurück, und überall gab es dieses vage futuristische, grellweiße Zeugs, das kompliziert konstruiert und kompliziert geschnürt war. Ich war nicht der Meinung, daß meine Füße etwas derart kompliziertes benötigen, um öffentlich herumzurennen. Seit Jahrhunderten rennt die Menschheit in der Gegend herum und hat nie etwas derart kompliziertes benötigt, warum also jetzt damit anfangen?

Und überhaupt diese Farben: Weiß und grellorange, weiß und grau, weiß und weiß. Was soll das denn? Das wird doch wahnsinnig schnell schmutzig, und anständig putzen kann man das auch nicht, und dann sieht das alles noch schlimmer aus als ohnehin schon. Ich nahm die komplizierten, weißen, gummistinkenden, klobigen Dinger mit spitzen Fingern vom Regal und stellte sie ganz schnell wieder dorthin zurück. Und Schweißfüße bekommt man sicher auch.

Die roten Kängurus waren dann der Kompromiß zwischen mir und der Welt des Sports. Immerhin waren sie rot, tomatenrot. Sie waren aus Leder, nicht aus Gummi und angenehm unkompliziert. Sie hatten eine Schnürung, die nicht über fünfzig Laschen und Nebenösen führte und erinnerten in ihrer Form an Schuhe, nicht an Volonenraumschiffe.

Meine roten Kängurus waren, wie sich zeigen sollte, bald ziemlich populär. Immer mehr Firmen begannen, solche schuhähnlichen Turnschuhe zu produzieren. Bald gab es die Kängurus auch in anderen Farben. Alle trugen sie, nur ich nicht. Oder eben nur ziemlich selten. Mal auf Reisen, mal querfeldein.

Als ich nun Anfang diesen Jahres das mit dem Sport noch einmal überdenken mußte, weil mich mein Rücken ziemlich unsanft darauf hinwies, nicht noch einmal 34 unsportliche Jahre durchzustehen, besann ich mich wieder meiner roten Kängurus und trug sie ins Fitness-Studio. Dorthin schleppten wir uns dann ein paar Monate, dann trat ein, was ich schon lange erahnte: Die Kängurus lösten sich von innen her auf. Hinten an der Ferse fetzte die Fütterung, und die Innensohle war eine schwärzlich verfärbte, verzwirbelte Wurst.

Es war nichts zu machen, ich würde mich von den Kängurus trennen müssen und mich nach Ersatz umsehen. Ich befürchtete fürchterliches. Ich hatte wirklich gar keine Lust dazu, durch irgendwelche Sportläden und Schuhläden und wieder zurück zu rennen und mich mit der momentanen Sportschuhmode auseinanderzusetzen. Wer weiß, was da gerade modern ist. Man will es gar nicht wissen. Und am Ende soll man dann wieder einen Haufen Geld für einen Haufen kompliziert verschweißtes Plastik zahlen.

Doch soweit sollte es nicht kommen. Beim zufälligen Vorbeischlendern am Schaufenster der Schuhmanufaktur meines Vertrauens sah ich, daß die Turnschuhe gerade alle heruntergesetzt waren.

Sie sind zwar nicht ganz tomatenrot, aber ein bißchen, und außerdem sind sie aus Leder. Und unkompliziert. Und natürlich passen sie nicht zu meiner Garderobe, aber zu meinen Sportklamotten passen sie allemal. Ich packte also die Kängurus in eine Tüte und die Tüte in einen Altschuhcontainer und gestattete mir nur ein ganz klein wenig Sentimentalität, zu der ich angesichts verschlissener Dinge sonst sehr neige.

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