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Wenn man mit dem Bus von der Touristenküste am Roten Meer durch die Wüste fährt, an der Wüstenraststätte die Händler deutsch sprechen und "frisches Wasser" dreisprachig an den Toiletten steht, gibt es kaum einen größeren Kontrast, als dann ins Niltal zu gelangen. Qena ist die größte Stadt in der Gegend, die Menschen sind meist Händler und kleiden sich betont bescheiden in die traditionelle, einfarbige Galabeya (die Leute hier sind sowas wie die Pfeffersäcke Ägyptens, könnte man sagen). Eine gute Straße (es war, so höre ich öfter, nicht alles schlecht unter Mubarak: Straßen und Autobahnen bauen konnte er. Das sagen die Menschen völlig ernsthaft, nur wir Deutschen hören da eine gewisse Ironie heraus) führt durch das grüne Niltal nach Luxor. Hier ist Zuckerrohrgegend. Ägypten ist für den Rohrohrzucker bekannt, der hier überall zu Kaffee und Tee gereicht wird. Transportiert wird er auf der guten Straße, die von blühenden Bougainvilleen und Minosen gesäumt ist und in orange, pink und gelb ziemlich undezent beblüht wird. An der Pracht fahren dann die Zuckerrohrbündel vorbei, und zwar fast ausschließlich in Eselskarren. Hinter den Hecken die Felder, sattgrün, mit einzelnen Palmen dazwischen. Dann kleine Dörfer, geometrische Lehmhäuser, mehr Esel, Ziegen, eine kleine Moschee. Menschen sitzen im Schatten unter Bäumen, Schulkinder laufen mit bunten Ranzen nach Hause. Wir hängen am Busfenster und gucken. Daß es das gibt, daß es das wirklich gibt. Und leider gibt es kein wirklich gutes Foto davon, denn der Bus ist unbarmherzig und hält nicht an. Weshalb ich mir denke, daß man sich eigentlich in Luxor ein Fahrrad mieten müßte und dann nach Qena radeln, ganz langsam, und überall gucken und reden mit Händen und Füßen.

Und dann Luxor. Daß das vollsteht mit Monumenten un Gräbern und Tempeln ist ja nichts Neues, da bräuchte man Wochen für. Nach der Kunstwelt an der Küste ist es eine ziemliche Erholung, wieder einmal in einer richtigen Stadt zu wohnen. Gut, unser Hotel ist so ziemlich die Quintessenz des britischen Kolonialismus, der Old Winter Palace nämlich, wo schon Agatha Christie wohnte und schrieb und trank. Aber es ist ein Hotel in einer normalen Stadt, die Angestellten wohnen und arbeiten hier, nicht in irgendwelchen Wohnheimen. Ein Kellner ist seit 30 Jahren hier, und er zählt auf, welche berühmten Menschen er schon bedient hat: Sarkozy. Tony Blair. Richard Gere war auch schon hier. Es ist ein Haus mit Geschichte, viel davon, die Stühle wackeln ein bißchen und die Fenster sind, nunja, englisch, aber man will es auch kein Stück anders haben. In meinem Zimmer hängen schätzungsweise dreißig Troddeln von irgendwas herunter, und es ist großartig. In der Lobby hängt ein Portrait von Lord Byron. Ich würde gern nur noch in Hotels wohnen, in denen Portraits von Lord Byron in der Lobby hängen, aber das schränkt die Auswahl wohl über Gebühr ein. (Und der Garten! Hach, der Garten!)

In Luxor gibt es auch einen Souk, einen Markt. Das ist eine schlimme Nippes-Touristenveranstaltung ohne Touristen, und der Kollege und ich heften den Blick gen Boden und rennen so durch. Dann findet sich ein jugendlicher Guide, der uns nicht von der Seite weicht, was aber gerade voll in Ordnung ist, er bringt uns nämlich jetzt zum Souk für die Einheimischen. All das kommuniziert er abwechselnd auf Deutsch und Englisch. Und nun endet der Touristensouk, und das Gewimmel geht los. Hier beachtet uns kein Mensch mehr, denn wir sind als Käufer gerade völlig uninteressant geworden. Im Souk gibt es halbe Hammel oder ganze Hühner, Plastikeimer oder Schrubber made in China, Auberginen und Knoblauch, Lederschlappen und Sporttaschen, illegal gebrannten Whiskey ("Johnny Talker"), Erbsenbohnenlinsen, Küchenschürzen, Kinderkleidung, Schrauben, Rollkoffer, Bügelbretter, kurz: Alles. Und das ist nun wieder interessant. Denn hier wird nichts für irgendwen aufgebaut, hier kann man sehen, wie ein Gemeinwesen funktioniert. Sehr archaisch und einigermaßen rustikal, aber es funktioniert.

Unser freundlicher Guide schnappt auch auf, daß ich durchaus geneigt bin, mir eine Galabeya zuzulegen und führt uns in den Laden eines Freundes. Hier gibt es auch nicht den seltsamen Polyesternippes, sondern schön bestickte Kleider aus ägyptischer Baumwolle. Gut gemacht, junger Guide. Wir bekommen Tee, der Kollege schnorrt sich eine Zigarette und tratscht mit dem Inhaber über das Thema, das fast alle Männer dieser Welt verbindet: Fußball. Ägypten, so habe ich nämlich behauptet, sei Afrikameister, und weil der Kollege mir das nicht glauben wollte, mußte er es sich hier bestätigen lassen. Natürlich hatte ich recht. Und natürlich kann ich dann wieder nicht handeln in dem leeren Laden, in dem ich gerade stehe und geduldig beraten werde, und zahle 400 Pfund für zwei Galabeyas, das sind so grob 50 Euro. Vermutlich haben die beiden gerade das Geschäft ihres Lebens gemacht.

Es gäbe noch so viel zu erzählen. Von der Totenstille in Hurghada, wo die Russen fehlen, vom Tal der Könige, wo wir unfaßbarerweise Fotografieerlaubnis hatten, vom ägyptischen Museum, wo wir ebenfalls Fotografieerlaubnis hatten, von dem T-Shirt-Verkäufer am Tahrir-Platz, der unendlichen Abfolge von gutem Essen und von den Dingen, die ich schon wieder vergessen habe. Davon, daß ich mich nie unsicher gefühlt habe. Man wird in Ägypten auch nicht beklaut, höchstens vom Händler übers Ohr gehauen, und die beste Möglichkeit, in Ägypten umzukommen, ist durch den Kairoer Straßenverkehr. Ich bin mir jedenfalls ziemlich sicher, daß dieses Land mich nicht das letzte Mal gesehen hat. Und die Straße von Qena nach Luxor hoffentlich auch nicht. Inschallah.

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Straßen und Autobahnen bauen konnte er.

Das Publikum kichert verständnisvoll und teilt mit: Wir hätten's auch in der Kurzform verstanden: Straßen bauen konnte er.

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Die Autobahnen sind aber wirklich gut und verdienen eine eigene Würdigung. Besser als alles, was sich in Belgien so schimpft.

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Gibt es eigentlich Radverkehr in Cairo und wie sehr muß man die Menschen bewundern die sich auf 2 Rädern dort hinein stürzen?

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Ja, gibt es, allerdings viel mehr motorisierte Zweiräder, wie Mofas und Vespas aller Art. Auf dem Land sind sogar sehr, sehr viele Motorräder unterwegs, und die Sättel werden mit Fransenbrokat im Sofakissenstil handgepolstert. Muß das Foto mal raussuchen. (Hab allerdings auch Brokat-Fahrradsattel gesehen.)

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voilà:

Hell's Angels Luxor.

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Mit Straßen bauen lassen kann man als Diktator anscheinend immer punkten. Ich bin mir sicher auf denen der Herrn Gadaffi oder Assad rollt es sich auch recht angenehm. Hätten sie die mit ihrer eigenen Hände Arbeit errichtet würde sie wahrscheinlich auch keiner mehr loben.
Aus Quena hörte man die letzte Woche leider wenig Gutes, schwere Auseinandersetzungen zwischen Salafisten und Christen. Während diese saudi-finanzierte Truppe hierzulande nur durch krude Kundgebungen auf sich aufmerksam macht steht dort unten anscheinend Destabilisierung durch ständige Angriffe auf Kopten auf der Agenda. Ich hoffe das sich eher der Geist des Tahrir-Platzes globalisiert als diese rückwärtigen Spinner. Braucht hier wie dort kein Mensch wirklich.

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Glückwunsch zum Kauf!

Meine vor vielen Jahren billigst in Dubai gekaufte Bauarbeiter-Galabeya (aus eben jenem merkwürdigen hellgrauen Polyestermaterial, mit tiefen Seitentaschen und neckischem Stehkragen) hat sich, angesichts zahlloser Wäschen, als außerordentlich haltbar erwiesen. Sie bietet bei Außentemperaturen über 25° unerreichten Komfort, stets umfächelt ein lauer Zephyr Stamm und untere Extremität. Die Jahre später erstandene weiße Baumwollvariante kann hier - wiewohl deutlich schicker - nicht ganz mithalten. Eine große Freude war anfangs auch die Reaktion der Mitmenschen in meinem oberbayerischen Grenzkaff. Mittlerweile läßt man mir auch diesen Aufzug kommentarlos durchgehen.

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Das Polyester bringt in der weiblichen Variante leider sehr häßliche Verunzierung mit sich. Die Baumwolle dagegen ist sehr geschmackvoll bestickt. Das sind so die Probleme, die die Männerkleidung global lässig umschifft – grau geht immer.
(Hier sind es im Sommer bislang nur die Orientalen, die darin rumlaufen. Hege dann immer leichten Neid. Bürotauglich ist das Dings dann aber doch nicht. Naja, könnt man ja mal testen, wäre bestimmt interessant.)

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Nur Mut..! Aber Damen bieten sich immerhin weit geschnittene Sommerkleider aus geeigneten Stoffen als Ersatz; da haben wir Herren mit der europäischen Fixierung auf gürtelgesicherte Hosen und eng anliegende Hemden schlechtere Karten.

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Oh mein Gott - Sie haben Autobahn gesagt... jetzt ist es vorbei mit der Karriere als Talkgast beim Kerner ;-)

Scherz beiseite - danke für den wundervollen Reisebericht. Es muss herrlich sein, so ganz ohne die üblichen Touristenschwärme.

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Ich freue mich immer sehr über Ihre Reiseberichte hier - nach der Twitter-Ankündigung habe ich mir eigens auch die Zeitung gekauft, um den "offiziellen" Teil zu lesen. Aber ich mag Ihre Beobachtungen, denen Sie hier und ohne Platzbeschränkungen nachgehen können, noch viel lieber.

Allerdings hängt mein Herz auch an Ägypten, obwohl ich nun schon länger nicht dort war. Und ich freue mich jedes Mal, wenn ich darüber Qualifiziertes lese.

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die desert road nach alexandria ist übrigens gar nicht mal so toll.
huebsche heritage hotels gibt's aber auch dort. Auch dort ist der verfall noch pittoresque, der gammel noch patina.

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Keine Ahnung. Ich war nicht in Alexandria.

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Die Mehrheit der Ägypter ist der Meinung, dass die Gesetze dem Koran folgen sollten. Du könntest den Reisebegleiter heiraten gegebenenfalls.

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'einen hab ich noch'


hi,hi; kleiner Witz!wo geht's denn hier nachKönnen! , vor LACHEN!Übrigens mein Physiklehrer hatte noch den Witz auf Lager:Kunst kommt von Können und nicht von Wollen,sonst würde es Wulscht heißen! heiß, heiß, heiß...Ich wünsch Dir noch einen schönen Tag, Andrea.Bis denne,Hans  ...
[hadephy am 29.01.17 23:39]

For the (holy) sake of Fun! (or: just for Fun)


Mir is was zur Aufheiterung eingefallen, das ich Dir nicht vorenthalten möchte.Das Wär mal angebracht (Ne: nicht der Griff zum Wegschmeißen, Außer: Rofl!, he, he)(echt Der Bringer!, respektive the Burner! on three Cookies!, he, he)(kurz gesagt:J.oke W.ith A.nnouncement!):Das fragsch Du... ...
[hadephy am 01.01.17 20:24]

American Standard wisdom: "I don't feel sorry For you"


And I would conclude with some wisdom of my own, "well": 'Life isn't That complicated!'The most important goal then would be to have an appreciable agenda over the daytime!First a ball ( or what did Ms. Sanchez-Vicario say? :-) )... ...
[hadephy am 10.12.16 16:05]

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Schreiben ist kein Hobby, es ist die Zeit in der uns unsere Gedanken nicht zufrieden stellen können. Es ist der Moment in dem wir nach unserem Glück Ausschau halten und versuchen, den Steckbrief unserer Wünsche zu formen. Und geben wir... ...
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