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Irgendwann einmal gab es den Literaturkritiker-Grabenkampf, bei dem sich die Emphatiker gegen die Gnostiker formierten. Ob die Emphatiker jemals geahnt haben, daß sie in Durs Grünbein einen büchnerpreisdekorierten Fürsprecher finden, der die Emphase auf die Spitze treibt und ganz wunderbare, neue Vokabeln erfindet für jenes Lawinengefühl, das die affektive Impression bezeichnet?

Kaum dachte man, die Hegemann-Debatte habe mit Iris Radischs Männerverschwörungstheorie den Gipfel der Flachheit erreicht, da kommt Durs Grünbein daher und schafft die Literaturkritik ab. Ich habe den Text kaum fertiglesen können, weil ich abwechselnd lachen und den Kopf schütteln mußte, aber mir fehlt ja auch die Gabe.

Grünbein ist also ganz angetan von diesem Buch, dessen Berückungsmacht ganz unvergleichlich ist in seiner Einheitlichkeit von Sprache und Lebensgefühl. Anscheinend kennt er sich bestens aus in Sachen Lebensgefühl wohlstandsverwahrloster Berghaingänger, das ist bestimmt genau seine Welt. So angetan ist er, daß er kurzerhand beschließt: mir scheint, die Behauptung, in diesem Buch sei irgend etwas unverarbeitet liegengeblieben, quellenmäßig übernommen, entlehnt oder gestohlen, entspringt einem Mangel an Gaben.

Da ist es wieder, das seltsame Wort, diesmal im Plural: Gaben. Es ist wohl ein Begriff aus der Germanistenesoterik und bezeichnet in etwa das, was bei Christen der Glaube ist: Die Fähigkeit, sich in ein wirres Gedankenkonstrukt einzufühlen, ohne genauer darüber nachzudenken. Denken ist nämlich nicht so Grünbeins Paradedisziplin, und beim Axolotl-Buch auch gar nicht angebracht, findet er, und dass dieses Buch jenseits der Nachprüfung steht und aller literarischen Intellektualismen. Wenn man etwas fragwürdig erscheinen lassen will, macht man am besten einen -ismus draus, schon hat es so einen stalinistischen Anstrich. Praktisch, nicht?

Und Intellektualismus muß durch Wolkigkeit ersetzt werden: Seit es Welten gibt, wo immer sich Reiche des Geistigen bildeten wie heute im Internet, gab es nur eine einzige Sphäre, in der alle Begriffe des Seelischen Maß und Halt, Verurteilung oder Rechtfertigung enthielten, die Sphäre des Schöpferischen, die Kunst. Es ist also ungefähr so: Hegemann kann gar nicht von Airen geklaut haben, weil sie beide aus ungefähr ein und derselben Sphäre stammen, aber nur Hegemann hat den Text richtig und vollständig durchatmet und durchströmt, also gehört er sowieso ihr. Wer durchatmet, der ist Eigentümer, und wer es nicht sieht, hat die Gabe nicht, da ist das Axolotlbuch der Lackmustest, und hier ist das Reich des Geistigen, nämlich das Internet, Amen.

Und was ist jetzt das Lawinengefühl? Das ist, laut Grünbein, jene erregende Sicherheit […], dass sich etwas Notwendiges und Neues unausweichlich auf einen zubewegt. Wie schön, daß es dafür jetzt ein Wort gibt. Ich wäre angesichts von Hegemanns Gestammel da jetzt nicht unbedingt drauf verfallen, aber ich bin da vermutlich zu intellektualistisch und gabenlos. Es ist so praktisch, daß man jetzt mit dem Finger auf Leute zeigen und sagen kann: Keine Gabe. Tja. Man zuckt mit den Schultern, dreht sich um und geht weiter.

Damit dürften sich ein für alle Mal sämtliche ästhetischen Debatten in kleine Logikwölkchen auflösen. Die Literaturkritik wird in toto überflüssig, die Zeitungen sparen eine Menge Geld, Urheberrechtsklagen werden eingestellt und Hegemann, die große Schöpferin, remixt bei Ullstein das Internet. Was für eine Dystopie! Ein großer Wurf, Herr Grünbein. Respekt. Volle und krasse Echtheit, davon verstehen Sie was.

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Ä-wäh-lontsch... Lawinen fallen über Blondinen her

Ist es eigentlich nur mir aufgefallen, daß das Fernsehprogramm dieser Tage zu wünschen übrig läßt? Na? Außer Olympia, "My Name is Earl" (die einzige Zuschauerquote, die RTL von mir kriegt - bei "DSDS" schau ich, hüstel, nur inkognito rein...) und diesen (jau, ich freu mich wie doof) Freitag davor "3 nach 9" (mit Dschohwanni! Und mit, hüstel-hüstel, "Du-weißt-schon-wer"... - Fernsehtip! DVD-Recorder programmieren!) scheint nichts mehr zu laufen. Da lob ich mir die ewige Telenovela "Helene - Wege zum Glück".

Olympia ist bald vorbei, Dschohwanni! (ohne Helene) gepflegte Langeweile, bleibt nur "My Name is Earl". Karma! Welchen Punkt auf seiner Liste wird er als nächstes streichen!? Das sind die Fragen, die mich beschäftigen.

Und Helene? Was wird aus ihr werden? Sie hat ja angekündigt, als nächstes eher einen Film zu drehen. Mit Büchern sei sie durch. Munkelt man. Wird sie ihren Paris finden und übers Meer nach Troja entfleuchen? Vor dem griechischen Herr der Feuilletoniken. O Tele! O Novela! O Agamemnon! Aarrgh, laß mich Deine Klytaimnestra sein!
Fernsehen kann so spannend sein.

PS
Kann mir bitte jemand den Durs-Grünbein-Text übersetzen? Ja? Danke. Den vesteh' ich nämlich nicht.
Und, äh, bei-se-way. Was oder wer ist eine "Dystopie"??

Netter Text übrigens.

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Die Wikipedia ist unser aller Freund:

de.wikipedia.org

Ansonsten hab ich keinen Fernseher, das erklärt vielleicht meine Begeisterung für längere Ballwechsel quer über die Feuilletons.

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Gute deutsche Geistestradition, dieses kosmische Gewehe und Geatme. Trotzdem, ich fass es nicht, dass ein erwachsener Mann so was ernst meinen kann. Und danke mal wieder fürs Sezieren, unterhaltsam zu lesen – wie immer.

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Danke, es war mir ein tiefes, inneres Bedürfnis.

Also Kunst in allen Ehren, und es hat ja manchmal auch etwas sehr unerklärliches, dieser Schöpfungsprozeß. Aber deshalb in so ein denkfeindliches Geraune auszubrechen und überall nur noch Odem zu ahnen, das kann doch keiner ernst meinen. (Obwohl.)

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Dichter sollten ja vor allem eines tun: Dichten.

(Und ich musste sehr lachen über den Kommentator, der Grünbein als "den größten lebenden Humoristen deutscher Zunge" bezeichnet.)

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Gemeine Menschen würden auch sagen: Dicht halten. Aber gut. (Ja, der Kommentar war ziemlich erheiternd.)

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Meta-Plagiat

Schon gesehen?

www.spiegel.de

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Grünbein ist doch selbst ein Plagiat

Der Benn-Sound ist ziemlich deutlich - bloss: Herr Grünbein ist doch selbst ein Remix aus Benn, den Jünger-Brüdern und einer Prise spätem Rilke. Und ab und an ein bisschen Kavafis.

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Nein, noch nicht gesehen. Aber irgendwie beruhigt es mich auch.
(Andererseits traue ich Menschen mit solchen Lederjacken und Brillen nahezu alles zu.)

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Ist doch genial und passt zu einem der Kulturakademie-Mitgliedschaften sammelt, wie andere Leute grippale Infekte. Er hat sich positioniert, ohne sich die Hände schmutzig gemacht zu haben, falls Hegemann doch noch in den Dreck fällt.

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Ja, und am Ende war alles nur irgendwie ironisch.

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Herr Grünbein scheint also davon auszugehen, dass Frau Hegemann ihren Preis bekommt. Ob sie dann auch, wie dazumal Frau Sanzara, den Preis ablehnt, wird sich zeigen.

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Das Buch von Sanzara erschien übrigens 1926 bei Ullstein....

Nett ist auch sein Interview in FAZ-online:

Fällt eigentlich niemandem auf, was für ein hässlicher Biodiskurs das Ganze ist? Der wahre Rassismus tobt sich augenscheinlich heute zwischen Jung und Alt aus, zwischen vitalen Welpen und kulturkonservativem Friedhofsgemüse. Wenn man so weitermacht, hat man bald den schönsten publizistischen Bürgerkrieg.

Ich bin dann wohl Friedhofsgemüse. Gut dass sich wenigstens Grünbein so jung gehalten hat.

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Öhm...

...Dystopie. Wikipedia. D a g e g e n war der Grünbein-Text ein Lesefluß. ;)
Macht nix. Bin in beiden ertrunken: de.wikipedia.org

Aber ich kann Dich (darf ich 'Du' sagen?) vestehen.

Der Bazaar der Möglichkeiten füllt das Horn der Lautmalerei mit der Reichhaltigkeit der Ebensucht.

TV.
www.youtube.com

PS
Der Grünbeintext war Ironie? Boah, keen Wunder, daß ich den nicht verstanden habe. tiefausatmenundwiederlangein

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Diese leidige Dauerdebatte um Frau Hegemann bekommt damit eine Drehung ins Dadaistische.

Eigentlich wäre mi eine Drehung ins Sachliche lieber. Eigenen Angaben zufolge wünscht sich Grünbein ja eine Literaturdebatte mit mehr Kriterien – auf die Weise bekommt er die auch nicht.

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...

"Axolotl oadkill" ist bei Amazon auf Platz 19 abgerutscht.
Auf Platz 1 steht jetzt "Hummeldumm".
Ich glaube, das beschreibt das ganze Theater noch am besten.

Wolle mer se reinlasse?

www.zeit.de

(Hm. Bei diesem Türsteher. Weiß nicht. Obwohl. Never judge a Mensch by its Aussehen.)

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Da muss es doch irgendwo in einem verschwiegenem Büro einen Panic-Officer geben. Jemanden, der ganz schnell veranlassen kann, dass Airens Buch nun bei Ullstein erscheint und der D.Grünbein so lange abfüllt, bis er in verschwurbelte Jubelarien ausbricht.

Wäre das nicht ein Job für Sie, Frau Diener?

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Bewahre. Da hab ich nicht die Geduld für.

(Außerdem neige ich mitunter dazu, Leute zu wörtlich zu nehmen, wie man hier mal wieder sieht.)

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Herrje, jetzt merke ich erst, dass Herr Grünbein selbst eine ironische Plagiats-Aktion mit seinem plagiierten Beitrag starten wollte.

www.spiegel.de

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Nicht ärgern, Frau Diener.
Sie hätten mit Ihrer Analyse immer noch Recht, egal von wem dieser Dünnschiß stammt.
Auf zu neuen Ufern...

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oh. ich habe den grünbein-text heute vormittag ausgedruckt u mit einigen unfeinen kommentaren versehen, einem freund eingesteckt, der momentan kein internet hat. (ja, ich mußte erst überlegen, was man in so einem fall tut, wenn man jemand nicht einen link per mail schicken kann. das ist eine weile her. ;-))

nicht zu grünbein, aber zu hegemann noch etwas amüsantes:
www.badische-zeitung.de

frau diener, meine dumme frage im bereich impressum können sie übrigens gerne löschen.

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Am schönsten an dem Artikel in der Badischen Zeitung ist die Werbung darunter: "Jugend forscht – Schüler experimentieren." Oder ist das jetzt schon wieder Biodiskurs, der in publizistischen Bürgerkrieg mündet?

Ich fühle mich so alt.

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Auch wenn es billig ist: Ich verweise zur Entspannung auf die englische Literaturszene. Der Guardian lässt sich von namhaften Schreibern und Schreiberinnen "Ten rules for writing fiction" nennen.
www.guardian.co.uk

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Danke für den Link. (Ach, ich mag Frau Kennedy.)

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... die Gaben...
Erinnert mich an meine durchgeknallte Nichte, die in diese christliche Fundamentalistensekte eingetreten ist und all ihr Hab und Gut dort abgegeben hat, um glücklich sündenfrei zu leben. Wenn man mit ihr redet, kommt man unweigerlich an den Punkt, wo die Logik aufhört (und selbst die Spiritualität größeren Schaden nimmt) und das Argument kommt: "Das verstehst Du nicht, denn DU bist ja nicht erleuchtet."
Die Gaben nicht zu haben muss ähnlich unerleuchtet sein.
Aber vielleicht bleibe ich doch lieber gnadenlos gabenlos.

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Du mußt ja auch gar nicht erleuchtet sein, Du bist ja eine große Schöpferin. Das gilt nur für die Rezipientenseite.

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ich gebe auf

Liebe A.
diese ganze Debatte macht mich fassungslos.
ich habe grosse Lust, mein eigenes Schreiben einzustellen.
ich gebe auf.
in einer Welt, in der diese Eskalation des Copy-Dünkels so grassieren und Geld und Auflage einfach alles rechtfertigt, mag ich nicht mehr. Auch nicht darauf warten, selbst ein Zipfelchen zu bekommen. Keine Manuskripte mehr, keine Versuche. Vielleicht auch kein Bloggen mehr.
Es hat wirklich keinen Sinn. Zumindest nicht für Kritiker noch Verlage. Nur für Leser. Fürs Brot hocke ich dann in eine andere Schreibstube, genau so, wie es früher schon Schreibmaniaks getan haben. Eine Tätigkeit, möglichst stumpf, damit die Energien für die Nacht bleiben, fürs Formen der Gedanken auf Papier.
Aber für wen? Wirklich: Ich habe keine Lust mehr.

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Aber doch nicht wegen dem Blödsinn! Mit Verlaub, fürs Aufgeben brauchen Sie schon einen etwas persönlicheren Grund. Regen Sie sich mal ordentlich auf, dann geht es Ihnen bestimmt gleich besser. Sie werden sehen.

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Gratulation...

... zu 3000 Tagen Netzpräsenz!

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'einen hab ich noch'


hi,hi; kleiner Witz!wo geht's denn hier nachKönnen! , vor LACHEN!Übrigens mein Physiklehrer hatte noch den Witz auf Lager:Kunst kommt von Können und nicht von Wollen,sonst würde es Wulscht heißen! heiß, heiß, heiß...Ich wünsch Dir noch einen schönen Tag, Andrea.Bis denne,Hans  ...
[hadephy am 29.01.17 23:39]

For the (holy) sake of Fun! (or: just for Fun)


Mir is was zur Aufheiterung eingefallen, das ich Dir nicht vorenthalten möchte.Das Wär mal angebracht (Ne: nicht der Griff zum Wegschmeißen, Außer: Rofl!, he, he)(echt Der Bringer!, respektive the Burner! on three Cookies!, he, he)(kurz gesagt:J.oke W.ith A.nnouncement!):Das fragsch Du... ...
[hadephy am 01.01.17 20:24]

American Standard wisdom: "I don't feel sorry For you"


And I would conclude with some wisdom of my own, "well": 'Life isn't That complicated!'The most important goal then would be to have an appreciable agenda over the daytime!First a ball ( or what did Ms. Sanchez-Vicario say? :-) )... ...
[hadephy am 10.12.16 16:05]

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Schreiben ist kein Hobby, es ist die Zeit in der uns unsere Gedanken nicht zufrieden stellen können. Es ist der Moment in dem wir nach unserem Glück Ausschau halten und versuchen, den Steckbrief unserer Wünsche zu formen. Und geben wir... ...
[EinGedanke am 13.09.14 11:27]

ich war schon wieder in china


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Ich erzähle was über den Mekong


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Ich erzähle was über Wien. flattr.com  ...
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Ist hier : www.wrint.de  ...
[andreaffm am 07.03.14 21:53]

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DA freu ich mich drauf! :-)  ...
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...
Ich erzähle was über Burundi.  ...
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