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Normalerweise werden Feuilletondebatten ja über mehrere Medien hinweg gespielt. Momentan aber kann der geneigte Kulturteilleser eine Debatte verfolgen, die Die Zeit gänzlich aus eigenen Personalreserven bestreitet, und mittlerweile ist bereits der dritte Feuilletonredakteur darin involviert. Popcorn!

Thema ist mal wieder das Internet und der damit verbundene Untergang der westlichen Zivilisation. Natürlich, denn ganz offensichtlich blickt da keiner durch, daher läßt es sich umso schöner mutmaßen, verdächtigen und beschuldigen. Aber fangen wir doch einmal genüßlich von vorn an.

Aufschlag Soboczynski

Alles begann nämlich mit Adam Soboczynski (dessen Buch ich ja eigentlich mal lesen wollte, wovon ich allerdings inzwischen gehörigen Abstand genommen habe), der ein paranoides Traktat über eine von ihm wahrgenommene Intellektuellenhatz im Internet verfaßte, womit er natürlich auch und zuvörderst sich selbst meinte. Das Ganze wurde prompt in der Wochenzeitung aus Hamburg veröffentlicht und Herr Soboczynski für dieses Gewäsch vermutlich auch noch entlohnt. Allein das ist ja schon skandalös. Aber damit müssen wir Fußvolk halt leben, wir Landwirte auf der Geisteskolchose (originelle Wortfelder macht er ja immerhin auf): Ein vom Verlag angestellter Journalist ist gegenüber dem Blogger immer schon im Unrecht – wie einst der Fürst im Ancien Régime gegenüber dem Bürger, der Moral und Fortschritt auf seiner Seite hatte. Oder wie der Redaktionskollege letztens, das Sonderheft der Süddeutschen in wenigen Worten zusammenfassend, zu mir meinte: "Du bist die Zukunft, wir sind bloß Sesselfurzer." Solche Meinung geistert natürlich herum, und ich lasse sie einigermaßen unbeeindruckt an mir vorbeigeistern. Eiche, Sau und so.

Nun sind all das Dinge, über die man ja reden kann. Allerdings nicht mit Herrn Soboczynski, denn der wird angesichts des Hasses, den er sich selbst entgegenschlagen sieht, hysterisch und schreibt erste Sätze wie diesen: Der Abscheu, der sich im Internet über die letzten Bastionen sachkundiger Meinungsbildung ergießt, hat unverkennbar revolutionären Anstrich. Sachkundig ist er selbst, klar. Er will nur ein bißchen Anspruch postulieren, aber es wird und wird ihm einfach nicht gedankt. Im Gegenteil, da gibt es Leute, die ihm widersprechen. Ihm! Der Bildung! Der Zivilisation! Jedem, der wachen Auges durch das Internet streift, ist die antiintellektuelle Hetze in den Kommentaren vertraut, die sich gegen angeblich Sperriges richtet, gegen kühne Gedanken, gegen Bildung überhaupt. Man lese nur jene höhnischen Nutzerbeiträge, die sich als Wurmfortsatz unter einem typischen Feuilletonartikel finden. Jetzt könnte man wieder einwenden, daß Eiche Sau und so, aber eigentlich bin ich schon längst weiter, nämlich bei Wald rein, Wald raus. Und daß jeder die Kommentatoren hat, die er verdient.

Denn was hat jemand verdient, der allen Ernstes in diesem Zusammenhang sagt: Bildungsfeindlichkeit gelangte zuletzt prägnant zur Blüte in den beiden sozialistischen Totalitarismen des 20. Jahrhunderts. Das ist ja sicherlich für sich genommen nicht falsch, aber in welche Nähe wird man da gerückt? Erst muß man sich vom Staat als Pädophilenversteher beschimpfen lassen, wenn man Stopschilder ablehnt, jetzt wird man von wildgewordenen Feuilletonisten in die Nähe eines totalitaristischen Regimes gerückt – ja geht's noch?

Eine Haltung, die sich derartigem Kulturalarmismus nicht anschließen mag, wird als "plump" abgewatscht: Mit zum Plumpesten gehört derzeit die Kritik an Kulturkritik. Der Kulturkritiker, heißt es, habe schon immer in übertriebener Weise vor dem Radio, dem Fernsehen und der Popmusik gewarnt. Tatsächlich hätten die schöne Literatur, das Feuilleton und das Sachbuch bestens überlebt. Gefragt wird nicht: Auf welchem Niveau? Doch, das wird sogar ständig gefragt. Bei jedem einzelnen Buch, bei jeder einzelnen CD, sogar von Nicht-Feuilletonisten, die das rezensieren. Jetzt frage ich mich allerdings, was der Zustand der deutschen Gegenwartsliteratur mit Kommentatoren im Internet zu tun haben soll. Wäre das neue Buch von Judith Herrmann irgendwie knackiger ausgefallen, wenn nicht so viele dumme Leute ihren Senf unter online publizierte Artikel schrieben? Ich bin einmal so frech und negiere da jeglichen Zusammenhang.

Denn der Autor bringt da wohl einiges durcheinander: Ein Beitrag im Netz, so die Verheißung, werde in der sogenannten Wissensgesellschaft wertvoller, je mehr Autoren an ihm herumlaborieren, ihn kommentieren, entweihen, seine wohlkomponierte Geschlossenheit aufbrechen, ihn kollektivieren zur flüchtigen Gedankenkolchose. Kooperation und Austausch sind die heiter propagierten Fetische, im Netz wie in Kultur- und Wissenschaftsinstitutionen, die Muße bekämpfen und intellektuelles Einzelgängertum, da sie für die Volksgemeinschaft nicht verwertbar scheinen. Offenbar kann Soboczynski nicht recht unterscheiden zwischen einem Lexikonartikel auf Wikipedia und einem subjektiven Text, einem Produkt eines Einzelnen, wie etwa dieses Elaborat hier, das Sie gerade lesen. Das unentweihte intellektuelle Einzelgängertum, das ich hier regelmäßig auslebe, ist allerdings beizeiten auch wieder nicht recht und wird gern, wenn mans braucht, mit eigens angepaßten Diffamierungsstrategien belegt: Bauchnabelschau, ausgelebte Egoismen, Auslaufen von Subjekt-Intimitäten. Man kann es ihnen ja nicht recht machen.

Denn der Intellektuelle an sich bloggt nicht. Der Grund: Tödlich wäre es für den Intellektuellen, einzustimmen in den Lobgesang einer bunten Welt von Teilöffentlichkeiten, die eine bislang klar strukturierte, von Institutionen gefilterte Öffentlichkeit ersetzt. Er mag zwar einen feinsinnigen Blog führen, doch seine Minderheitenmeinung ist darin zu schwach, um gehört zu werden – oder gar um lukrativ zu sein. Das Intellektuelle ist ein zartes Pflänzchen, das des Treibhauses der Instituition bedarf, um überleben zu können. Denn der Freßfeind des Intellektuellen ist der überall herumwimmelnde Nichtintellektuelle: Es eint der Neid die Amateure. Was zu kompliziert scheint, wird verhöhnt.

Völlig unvorstellbar scheint es Soboczynski, daß Teilöffentlichkeiten und institutionell gefilterte Öffentlichkeiten in Friede und Ergänzung nebeneinander existieren könnten. Nein, sie liegen in ständigem Krieg und kannibalisieren sich stetig. Darf ich einmal Soboczynskis These durchbrechen, nach der Interaktion im Netz jeglichen Aufklärungsdiskurs verhindert, und hier partizipativ zur Aufklärung beitragen?

Also, was will der Blogger vom Medium? Der Blogger will vom Medium, daß es kapiert, daß es auf der großen weiten Flur der Öffentlichkeit nicht mehr alleine dasteht. Der Blogger will weder das Medium übernehmen noch beherrschen noch auffressen. Er will reden. Er will kommunizieren. Er will nicht beschimpft werden oder diffamiert. Er will, daß die Medien die Grundregeln zivilisatorischen Miteinanders, die sie ständig postulieren, auch auf den Umgang mit Bloggern anwenden. Das wäre sehr nett, danke.

Konter von Randow

Gero von Randow hat den Artikel seines Kollegen gelesen und schüttelt nun verständlicherweise verbal den Kopf. Wie es sein kann, daß das Wort "geistesaristokratisch" allen Ernstes als schmückendes Attribut verwendet wird, während die Demokratie zur "Mehrheitsdemokratie" herabgewürdigt wird, versteht er ebensowenig wie ich: Die Mehrheit spielt in dem Artikel eine ungute Rolle. Ihm zufolge treibt der Pöbel im Verein mit Verlagskaufleuten die Intellektuellen an den Rand der Gesellschaft, wo sie in Bälde nur noch ein unbeachtetes Dasein fristen dürfen. Und stellt erst einmal klar, wer überhaupt ein Intellektueller ist: Sartre war einer, ich bin keiner. Damit legt er deutlich mehr Bescheidenheit an den Tag als Soboczynski, der sich ganz selbstverständlich dazurechnet.

Und schlägt mit gleicher Waffe zurück, indem er nämlich die Verachtung "derer da unten" mittels zwei historischer Beispiele in Traditionen stellt, die nicht eben schmeichelhaft sind für denjenigen, der eben noch entsprechende geistige Regungen verspürte. Aber er macht das ungleich geschickter als Soboczynski, denn er läßt das Ganze nicht gleich in Terrorregime münden.

Wunderbar auch, wie er die in der Vergangenheit angeblich so gefilterte Öffentlichkeit auseinandernimmt: Deutschlands demokratische Öffentlichkeit war auch »bislang« keine Akademie, kein Ministerium, keine Industrieanlage aus Rohren, Filtern, Steuerpulten. Sie ist vielmehr, und erfreulicherweise, ein Gewusel. Und das Netz, so von Randow, funktioniere nun ganz ähnlich wie eine Stadt. Dem Konservativen ist unwohl in einer Welt, in der nicht alles am Platz bleibt. Er hat schon die Stadt und den Asphalt gehasst, um wie viel mehr nun das Netz und die Blogs!

Nicht, daß Randow nicht auch Gefahren sieht: An anderer Stelle freilich wird die Sorge geäußert, dass im Netz die »geschlossene Form« verschwinde – und das, ja, das ist eine Gefahr. Keine technisch bedingte, sondern die einer falschen publizistischen Strategie. Es fließt manch ein Euro in die »Suchmaschinenoptimierung«, der für die Verbesserung des Onlinejournalismus sinnvoller ausgegeben wäre. Was soll man dazu noch sagen außer: Amen?

Jens Jessens multimediale Offensive

Jens Jessen schlägt gleich doppelt zurück. Einmal in Buchstaben, und da macht er lieber mal einen Nebenkriegsschauplatz auf: Das Internet könne nicht demokratisch sein, solange Staaten das Netz zensieren. Nach einem Schlenker über das Scherbengericht als demokratisches Verfahren landet er schließlich wieder grob beim Thema: Wer je nach Argumenten gegen die direkte Demokratie suchen wollte, im Netz würde er fündig. Den spontanen Aufwallungen des Volkszornes, der Bereitschaft zur Diffamierung und Verfolgung Andersdenkender steht keine zivilisierende Bremse entgegen.Im Netz gebe es vielmehr eine Abneigung gegen jegliche Einordnungsversuche: Es wird im Netz nicht gern gesehen, wenn Äußerungen qualifiziert oder gar nach Würde und Sachhaltigkeit des Argumentes in eine Hierarchie gebracht werden. Das Unterfutter der Netz-Utopie bildet offenbar ein tief empfundener Egalitarismus, der nicht duldet, dass es etwas anderes als Meinungen, womöglich sogar gültige Urteile geben kann.

Wenn ich so etwas lese, frage ich mich, ob diese Menschen jemals ein Fachforum (Aquaristik, Fotografie, Dackelzucht) von innen gesehen haben. Die meisten verfügen durchaus über FAQs oder Bitte-lesen-Postings, über Beiträge erfahrener User, die jedem allzublöd fragenden oder behauptenden Anfänger vor die Nase gelinkt werden.

Aber Jessen besteht auf der Diktatur der Dummen. Der Intellektuelle solle gefälligst auf Augenhöhe diskutieren, solle gar nicht erst so tun als ob er mehr wisse, weil das diskriminierend wirken könne, man solle sich als Wissender möglichst dumm stellen und so weiter. Wer im Netz seinen Egalitarismus einklagt, ist aber die bildungsferne Mittelschicht. Die Pisa-Katastrophe, überall sonst beklagt, ist im Netz zur Norm erhoben worden. Und überall sonst auch, wo die bildungsferne Mittelschicht sich herumtreibt, wenn sie nicht gerade Unterschichtenfernsehen glotzt, wo der Intellektuelle aber nie hinkommt und es deswegen nie mitkriegt. Im Netz kriegt er es mit, also muß das Netz schuld sein. Wer so denkt, kann eigentlich kein Intellektueller sein, möchte man/ich meinen.

Aber damit nicht genug, Jessen macht das böse Internet auch in seiner Videokolumne zum Thema. Es ist ja auch alles hochdramatisch: Das Internet steht am Scheideweg! Und zwar hat es die Auswahl, sich zivilisatorischen Normen zu unterwerfen oder weiterhin ein Paralleluniversum mit weitem Raum für kriminelle und halbkriminelle Aktivitäten dazustellen. Wenn das Internet eine Stadt sei, so Jessen, dann sei diese Stadt von trüben Winkeln und marodierenden Banden durchzogen. Es werde dort gestohlen, vergewaltigt und diffamiert. Und genau das gehöre, sagten die Internetverteidiger, zu der schützenswerten Freiheit des Netzes, das einige zu tolerierende Nachtseiten habe.

Ich kenne eigentlich keinen Internetverteidiger, der meint, Kinderpornografie sei im Sinne der Freiheit zu tolerieren. Das zu behaupten grenzt an Verleumdung. Wer das allen Ernstes öffentlich äußert, hat offensichtlich nichts, aber auch gar nichts verstanden. Worum es geht, ist, daß die bereits bestehende Gesetzgebung ausreicht, Kinderpornographie zu verfolgen, man muß sie nur konsequent anwenden. Worum es auch geht, ist, daß die derzeit vorbereiteten Maßnahmen (umgehbare Stopschilder, geheime Listen, BKA als oberste Zensurbehörde) kein Kind schützen, aber die Informationsfreiheit über Gebühr einschränken.

Meines Erachtens ist es ein Skandal, daß Leute wie Jens Jessen, die mit derartigem Unwissen gesegnet sind, weiterhin öffentlich ihre Meinung im Internet verbreiten dürfen. Wenn ich diese Äußerung mal eben in eine Hierarchie bringen darf: Ganz, ganz unten, Herr Ressortleiter Feuilleton.

Und solche Leute, die offenbar nicht einmal in Ansätzen nachvollziehen können, warum derzeit viele um die Freiheit des Netzes besorgt sind, ja schlimmer noch: die sich nicht einmal die Mühe machen zu verstehen, worum es eigentlich geht und warum sie selbst auch davon betroffen sein könnten, solche Leute greinen rum, posieren in der Rolle des unverstandenen Intellektuellen und lassen sich dafür auch noch bezahlen. Ihre Zeit füllen sie damit, alles Pack zu beschimpfen, das ihnen zuwider ist: Kriminelle, Blogger, Kinderschänder, Pöbler, Urheberrechtsverletzer, Kommentatoren. Alles Abschaum, Asoziale, langhaarische Bombelescher. Und dann wundern sie sich noch, warum sie so manchen unfreundlichen Kommentar einkassieren.

Wie sagt Adam Soboczynski so schön? Da der Intellektuelle aus der Mehrheitsdemokratie geistesaristokratisch herausragt, ist er der Einzige, der die Bedingungen der Staatsform, in der er lebt, zu reflektieren vermag. Und wenn er nicht ragt, und wenn er nicht zu reflektieren vermag? Wenn er sich offensichtlich nicht die Mühe macht, sich zu informieren, weil es der Meinung, die er sich schon so hübsch zurechtgelegt hat, widersprechen könnte? Was ist dann?

Im Gegensatz zu Soboczynski bin ich durchaus der Meinung, daß es zwischen Intellektuellem und Nichtintellektuellem einige bunt schillernde Zwischenstufen gibt. Wir wollen es, den Herren Feuilletonisten zuliebe, einfach einmal annehmen.

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Ach, das war wieder eine Freude, Ihre kleine Streitschrift, Frau Diener! Ich lese Sie immer am allerliebsten, wenn Sie etwas Inkommodierendes so böse + wies scheint lustvoll zerrupfen. Jessens Debattengeschwurbel kennt man ja ... Aber als ich den Soboczynski gelesen habe, hab ich auch gedacht, icg spinne. Hab mich dann aber erinnert, dass schon einmal eine Zeitautorin zu so grobem argumentativem Gerät griff, um Internetschreiber zu dissen. Von Randow hat ja wirklich das Wesentliche gesagt über die ungute Tradition der antidemokratischen Geistesaristokraten. Was mir noch einfällt + was von Randow am Ende nur kurz streift: Die Konkurrenz zwischen Print – und Onlineschreibern um Aufmerksamkeit, um symbolisches + „echtes“ Kapital. Nur deshalb wird doch so viel Gift gespuckt, von beiden Seiten. „Soboczynskis“ + SZ-Journalisten wissen doch selbst sehr gut, dass auch die Zeitung immer mehr boulevardisiert + PR macht (ich sage nur Zeitmagazin, Martenstein ausgenommen, oder die seltsamen SZ-Beilagen). Ich meine: hier wie dort Schrott + Ödnis. Und hier wie dort Qualität, Feuilleton im besten Sinn, Widerspruch, Überraschung.

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Ja, da fragt man sich mit Randow, woran das liegt, daß da mit großem Waffenarsenal ein Kulturkampf initiiert wird, der allein finanziell nicht zu erklären ist. Aber wirklich erschreckend finde ich, daß das offenbar nicht nur die alten grauen Herren befällt. Dieser Soboczynski ist ein Jahr jünger als ich, hat es auf einen Redakteursposten bei der Zeit geschafft und ist offenbar immer noch nicht zufrieden mit der Welt. Ja was will der denn noch? Mehr Aufmerksamkeit?

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Ui, da hätte ich bei der Altersschätzung um Faktor 2 danebengelegen - ob der bestaunenswerten Ahnungslosigkeit.

Aber der Reihe nach. Vielen Dank, dass Sie sich dieses Artikels angenommen haben. Wenn man's liest denkt man voller Schwung, dem Autor schreibe ich jetzt, aber man kommt ja zu nix. Jetzt kann man hierher verweisen, "da, das ungefähr hätte ich dem geschrieben".

Man wundert sich, welcher Teil von "die über das Internet zugänglichen Inhalte sind zu 99.9% übelster Schrott, 0.1% sind gut. 'Das Internet' ist gross, und 0.1% von gross ist viel" oder von "Herr S., stellen sie doch mal ihren Artikel (den sie ja bestimmt für grossartig halten) ins Internet. Dann betrifft ihr Text auch ihren Text. Und? Stimmt der dann noch in seiner vollen Pauschalität?" so schwer zu verstehen sind.

Sie haben recht, wenn man "das Netz tut ...", "das Netz denkt ..." schon liest...

Und dann sind Sie noch so nett, gar nicht darauf einzugehen, dass Herr S. ja schon in der ersten Spalte darauf abhebt, dass den bösen ins-Internet-Schreibern es ja nur um Klickzahlen ginge. Ohne das den Motiven von Verlegern gegenüberzustellen (die bestimmt rein karitativer Natur sind - und die sog. Klickstrecken findet man ja auch quasi nur bei diesen ins-Internet-Schreibern). Oder darauf, dass Programmierern pauschal die Fähigkeit abgesprochen wird, fundiert über Afghanistan zu schreiben. (Wie viel Fantasie braucht man, um sich einen gebürtigen Afghanen vorzustellen, der in Deutschland Afghanologie und Politologie studiert hat und ob der Brotlosigkeit dieser Künste sich als Programmierer verdingt?)

Und um eins Ihrer Beispiele weiterzuspinnen: die genannten Straftaten finden auch in der Stadt Hamburg statt. Und deshalb machen wir Hamburg pauschal zu? Einschliesslich bestimmter Redaktionen?

Ja, es werden einfach verschiedene Begriffe von "der Intellektuelle" sein, beim Herrn S. ein sehr spezieller, der den Herrn Sartre dann im Zweifel aussen vor liesse. Und vielleicht auch ein spezieller Begriff von "das Netz", vll. hat die Redaktion ja ein Intranet.

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Ja, ich bin auf einiges nicht oder nur am Rande eingegangen, weil es mir zu krude wurde. Über das Intellektuellenbild deutscher Kulturmedien ließe sich vermutlich eine eigene Magisterarbeit schreiben. Oder im Jessen-Text: Die angeblich diffus bleibende Diskussion im Netz ist auch auf Seite der Feuilletonisten eine, solange er nie ein Beispiel anführt, welcher arme Mensch denn ständig quer durch alle Netzforen diffamiert und verfolgt wird. (Mir fallen auf Anhieb jedenfalls einige Beispiele dafür ein, welche armen Menschen bereits medialen Kampagnen zum Opfer fielen.)
Dann: Wenn man den "authentischen Ausdruck des Volkes" kritisieren will, so muß man das so tun, wie es der Kritiker gelernt hat: Hübsch einzeln und anhand von Kriterien. Pauschales Genöle im Sinne von "Die sind immer alle so …" ist keine Kritik, sondern pauschales Genöle. Man kann es darauf verkürzen, daß der intellektuelle Kritiker hier einfach seinen Job nicht macht.

Da ließe sich so viel darüber sagen, das könnte man sicherlich auch auf 50 Seiten ausbreiten. (Da seht Ihr mal, was ich Euch alles erspare.) Aber was das für ein Internet ist, in dem all diese Feuilletonisten sich tagtäglich bewegen, das wüßte ich schon gern. Mein Internet ist meistens ein Hort gelehrter Ausenandersetzung – aber vielleicht kenne ich auch nur all die In-Cafés und die eben nicht, landen in seltsamen Kaschemmen und wundern sich dann über die Welt. Man wüßte es gern, aber sie nennen wohlweißlich nie Beispiele, anhand derer man wirklich eine differenzierte Auseinandersetzung aufhängen könnte. Ich fürchte fast, Differenzierung ist schlicht nicht erwünscht.

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Man nehme lieber einen Schlauen, statt 5 Intellektuelle

Mit der Materie nur wenig vertraut, scheint es mir ohne den Schutz von Universität & Berufsgeflecht, weitaus schwieriger zu sein, sich auf dem offenenen, ungeschützten Feld des Netzes mit seiner Meinung zu behaupten. Das dürfte dann wenigstens zur Freude Aller auch einige neue, lobbyunabhänige Charakterköpfe hervorbringen und es besteht zudem nur eine geringe Gefahr der Betriebsblindheit.
Ich hoffe so sehr, dass die Zeiten des gemästeten, geschützten, selbstgefälligen „Intellektuellen“, der durch die o.g. Institutionen auch 20 Jahre nach seinem geistigen Hirntod noch das für ihn angedachte Publikum mit inaktuellem Krimskrams beglückt, vorbei sind. Ich hoffe halt…

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Hm, ich glaube, das ist eine Charakterfrage und keine Institutionenfrage. Ich halte es für möglich, daß sich auch im Netz kluge Menschen frei und undiffamiert bewegen können und durchaus Neues zur gesellschaftlichen Lage im Allgemeinen beitragen können. Das geht auch an der Universität und vermutlich in einigen Feuilletonredaktionen, aber eben auch im Netz. Das von vorn herein abzulehnen zeugt von einiger Betriebsblindheit. Und von mangelnder Information, aber ich glaube fast, sich im Netz irgendwie nicht auszukennen, gilt unter einigen Redakteuren noch immer als Qualitätsmerkmal.

(Ob die merken, wie sie sich blamieren?)

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angry-young-man

Aber bitte nicht vergessen, dass viele sog. „Charakterköpfe“ auch durch die Mühlen der Institutionen geprägt werden. Oft nach jahrelanger Tröpfchenfolter, aber irgendwann dann doch.
Drum sind mir Gedanken im Netz sehr wichtig. Denn sie sind oft unangepasst, ganz im Gegenteil zu unserer momentan herrschenden, extrem angepassten Arbeitswelt.
Es ist ja gerade das Schöne an den Onlinegedanken, dass ihnen das „Vorabkorrektiv“ fehlt und sie mit dem Peperonigehalt des berühmten „Angry-young-man“ daherkommen.

Wieso sollten gerade die das merken ? Wollen die das überhaupt merken ? Wer merkt denn eigentlich noch irgendwas, könnte man aktuell fragen ?
Mal weg von Wort und Schrift, ab in die Realworld: Merkt ein Herr Funke, dass er sich blamiert ? Merkt ein Herr Wiedeking, dass er sich blamiert ? Merkt eine Frau Schaeffler, dass sie sich zum bundesweiten Dreiste-Schmincktussi-Blödobjekt degradiert hat ? Wohl eher nicht.
Ich denke, die Schamgrenze, die man ja benötigt, um eine Blamage wahrzunehmen, liegt derzeit einige Kilometer unterhalb eines gesuchten Flugschreibers und ist auch noch warm ummantelt vom etwas zu dick aufgetragenem Selbstbewusstsein einer „Nimm-es-Dir-Generation“

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An sich bin ich dieser Gefechte so müde, dass ich sie nur noch überfliege. Doch Ihre Reflexion ist mal wieder so ausgezeichnet formuliert, dass ich sie lückenlos gelesen habe. Danke schön.

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Inzwischen betrachte ich es wirklich als "Müll rausbringen". Aber wenn es jemanden amüsiert, gern geschehen :)

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grundsätzlich ist zu sagen, dass journalismus sich nicht durch die verpackung, sondern durch den inhalt definiert. ob eine geschichte im print, tv, radio oder online erscheint, macht, bis auf die form der präsentation, keinen unterschied.

warum aber fühlen sich die "alten" journalisten so bedroht vom "mob"? weil sie schon vor langer zeit den kontakt zum publikum verloren haben. oder sie bildeten sich eines ein, dass es in der masse, wie sie es gerne hätten, einfach nicht gibt. pisa hin oder her, der großteil der menschheit will am abend ein bier trinken, einmal pro woche vögeln und irgendwann ein haus bauen. das war es dann mit den grundsätzlichen ansprüchen ans leben. das ist weder verwerflich noch verachtenswert, sondern jederzeit und immer legitim. und macht den, der mehr will, um keinen deut besser, sondern einfach anders. das ist zu respektieren und sich gegenseitig mit verachtung zu strafen nicht zielführend.

viele journalisten haben lange zeit in einem elfenbeinturm gelebt, aus dem sie herabgepredigt haben, in der annahme, sie seien die hüter des wissens und entsprechend allmächtig. das ging so lange gut, bis sich die öffentlichkeit so weit vernetzt hat, dass sie bis über landesgrenzen hinweg diskutieren und meinungen austauschen kann - bisher ein privileg des journalismus. denn wer kann schon mal einfach in den zb. jemen (nur ein beispiel) jetten, um sich dort das wahre leben anzuschauen? heute aber kann man aber auch als ottonormalverbraucher zb. blogs von dort lesen, in direkten kontakt treten, sich selbst eine meinung bilden.

jeder artikel ist gefärbt, objektivität gibt es nicht, weder von journalisten noch von bloggern. wenn nun ein journalist seine meinung publiziert, kann die öffentlichkeit im netz direkt und gezielt darauf reagieren. wer sagt denn, dass sie nicht auch schon vorher diskutiert hat und die dargebotenen inhalte für schwachsinn hielt oder anderer meinung war? nun aber sagt sie es laut, für alle welt lesbar, verlinkbar, zitierbar, greift direkt an - genauso wie es in blogs oder tagtäglich an jedem stammtisch passiert. nun aber ist es für jeden, der will, auch lesbar.

statt respektvoll mit diesen anderen meinungen umzugehen, werden sie verachtet, diffamiert, in den schmutz gezogen, als dreck bezeichnet, anstatt sie aufzugreifen und zu versuchen damit zu arbeiten. und sollte sie tatsächlich grundlos sein, dann sollte man - gerade als "intellektueller" - darüber stehen können, wenn man denn schon angeblich so viel weiß übers leben und wie es wirklich rennt. das wäre in meinen augen ein adäquate reaktion, anstatt wie eine beleidigte leberwurst auf alles einzuhacken, das nicht der eigenen meinung oder ansicht entspricht.

wer als journalist so reagiert hat meiner meinung nach in dem job nichts mehr verloren, denn wir sind immer noch eine art dienstleister und schreiben nicht für den pulitzer-preis, sondern für die leser da draußen. und man kann sich jetzt gerne laut darüber beschweren, dass gute artikel nicht oder immer weniger gelesen und geschätzt werden, aber die anderen deswegen als deppen zu degradieren ist schlicht niveaulos.

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Ich verfolge diese Debatte auch mit wachsendem Staunen. Ich kann mir nur vorstellen, dass da Leute mit Browsern und Blogs gefoltert werden oder ein neuer Thinktank für scharfzüngige Hassprediger getestet wird.

Oder das ist eine neue Methode Klicks zu generieren, Beachtung zu suchen. Diese Klickstrecken einmal anders, mehr für Zeitleser. Fehlt eigentlich nur noch die Radisch dabei.

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Eigentlich fehlt nur noch, daß in beleidigter Leberwursthaftigkeit von "Denkverboten" und "Gutmenschen" gesprochen wird, dann haben wir das ganze Reflexrepertoire der Konservativen.

Ich glaube, das mit dem Dienstleistergedanken geht gerade mit Pauken und Trompeten unter. Einerseits kann man Texte beobachten, die sich wirklich nicht mehr sonderlich von der Pressemeldung des Unternehmens ihres Vertrauens unterscheiden (was viele Qualitätszeitungen über die Mille Miglia schrieben, war eine Art Verkaufsbeilage für Automobilkonzerne, aber keine Berichterstattung), andererseits leistet man sich Gelehrte mit Allüren, die sich nicht eingestehen können, wenn ein Text einfach nicht funktioniert – im Zweifel war das Publikum zu ungebildet/undankbar/aufmerksamkeitsschwach. Das, was die da machen, ist ja keine Kunst im Sinne von Literatur und auch kein Beitrag zur Forschung, sondern Vermittlung. Insofern kann man auch schlecht den Untergang der Bildung herbeireden, denn die Kulturprodukte bleiben ja von dem ganzen Aufstand unberührt.

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Ach Frau Diener...

... wer soll denn DAS alles lesen?

stöhnt der HH.

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Ich bin ja nicht gerade ob der Kürze meiner Texte bekannt. Das Gute ist: Man kann, aber keiner muß. Man soll nicht mal. Man darf, wenn man will :)

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Zu: massendemokratische wurmfortsätze

Wo der Comic der Realität vorangegangen ist, da finden sich Perlen wie die "Watchmen".

Klar ist im Wertesystem unserer Gesellschaft, daß Kinder schützenswert sind und Vergewaltigung etwas Furchtbares, aber der reflexhafte Ruf nach dem starken Staat wird in den eben erwähnten "Watchmen" auf das stärkste relativiert: quis custodet ipses custodias? Wer paßt auf die Aufpasser auf? Bei aller Anerkennung für die unnachahmliche Wahlkampfstrategie der Frau von der Leyen soll hier ein Instrument installiert werden, das unüberwacht dem Grundgesetz ins Gesicht schlägt (für alle, die den Schuß nicht gehört haben: im GG steht, "eine Zensur findet nicht statt"). Das Land muß andere Möglichkeiten finden als eine Sackgasse, in der am Anfang (sicherlich wohlverdient) nur der Pädophilenporno, später aber vielleicht auch anderweitig Mißliebiges verschwinden kann. Zu groß ist meines Erachtens nach die Verlockung eines solchen Instruments in Zeiten, in denen so mancher Parteifürst oder Plutokrat sich in Unsicherheit ob des randalierenden Volkes windet, so daß die eigene Zukunft gar nicht mehr so unbedingt planbar erscheint, wie es der Plan ursprünglich vorgesehen hatte.

Nur kurz noch eine Anmerkung zu Herrn Soboczynski: der Autor hat so manches mißverstanden, wenn er dem Internetz ein eigenes Wesen, eigene Absichten unterstellt. Um einen seinerzeit sehr beliebten Slogan zu recyceln: "DU bist das Internet." Wenn diese Grundwahrheit nicht erfaßt wird, dann ist jeder Versuch, das geheimnisvolle Wesen Internet zu fassen zu kriegen, schon im Ansatz gescheitert.

Und wenn andreaffm am Montag, 8. Juni 2009 um 08:17 schrieb:
"Ich bin ja nicht gerade ob der Kürze meiner Texte bekannt. Das Gute ist: Man kann, aber keiner muß. Man soll nicht mal. Man darf, wenn man will :)", dann möchte ich wollen dürfen tun sollen. Grad aus dem Bauch raus, als Reaktion. Weil ich es kann - und will.

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Die Wesensheit Internet wird verkörpert durch eine unverstandene und daher als Bedrohung aufgefaßte Menschengruppe. Inwieweit diese Gruppe überhaupt einigermaßen umreißbar und bestimmbar ist, kann ich auch nicht sagen, aber bis dahin verwendet man halt mal das schon irgendwie bedrohliche Wort "Masse". Das sagt er vermutlich auch nur, weil man heutzutage als aufgeklärter Mensch nicht mehr Pöbel sagen darf (und für aufgeklärt hält er sich ja).

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bedrohlich, weil unkontrollierbar auf gewisse weise.
obwohl, es wird ja gerade versucht, hier zu kontrollieren.

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hi,hi; kleiner Witz!wo geht's denn hier nachKönnen! , vor LACHEN!Übrigens mein Physiklehrer hatte noch den Witz auf Lager:Kunst kommt von Können und nicht von Wollen,sonst würde es Wulscht heißen! heiß, heiß, heiß...Ich wünsch Dir noch einen schönen Tag, Andrea.Bis denne,Hans  ...
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For the (holy) sake of Fun! (or: just for Fun)


Mir is was zur Aufheiterung eingefallen, das ich Dir nicht vorenthalten möchte.Das Wär mal angebracht (Ne: nicht der Griff zum Wegschmeißen, Außer: Rofl!, he, he)(echt Der Bringer!, respektive the Burner! on three Cookies!, he, he)(kurz gesagt:J.oke W.ith A.nnouncement!):Das fragsch Du... ...
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And I would conclude with some wisdom of my own, "well": 'Life isn't That complicated!'The most important goal then would be to have an appreciable agenda over the daytime!First a ball ( or what did Ms. Sanchez-Vicario say? :-) )... ...
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Schreiben ist kein Hobby, es ist die Zeit in der uns unsere Gedanken nicht zufrieden stellen können. Es ist der Moment in dem wir nach unserem Glück Ausschau halten und versuchen, den Steckbrief unserer Wünsche zu formen. Und geben wir... ...
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[andreaffm am 12.08.14 17:04]

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[andreaffm am 27.04.14 13:39]

...
Ist hier : www.wrint.de  ...
[andreaffm am 07.03.14 21:53]

...
DA freu ich mich drauf! :-)  ...
[m8 am 07.03.14 21:42]

...
Ich erzähle was über Burundi.  ...
[andreaffm am 06.03.14 21:34]



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