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Irgendwann einmal habe ich aufgehört, Telepolis zu lesen, das muß so um 2000 herum gewesen sein. Wenn ich dann doch ab und zu mal hinklicke, vielleicht weil jemand sagt: Auf Telepolis war heut ein Artikel über Literaturkritik ins Blogs, dann weiß ich auch, warum ich es nicht mehr lese. Auf Telepolis war heut nämlich ein Artikel über Literaturkritik in Blogs von einem gewissen Oliver Bendel, der Germanist und Philosoph ist und als Professor für Wirtschaftsinformatik arbeitet. Wenn man böse wäre, würde man sagen, daß es seinen guten Grund hat, daß Herr Bendel nicht als Germanist und Philosoph arbeitet. Die Geisteswissenschaft als solche scheint nicht so sein Ding zu sein.

Allein schon der Anreißer ist einigermaßen gottvoll: Nun ist nicht jeder, der lesen kann, ein echter Rezensent – ach! Wie wird man denn ein echter, zertifizierter Rezensent? Muß man Rezension studieren? Oder zumindest Germanistik und Philosophie? Gibt es wenigstens ein hübsches Rezensentendiplom für die Wand über dem Schreibtisch? Warum hab ich noch keins?

Wer richtige Rezensenten sind, weiß er auch, aber das Internet leider nicht, das Internet ist dumm. Wenn Marcel Reich-Ranicki oder Joachim Kaiser und ein literarischer Laie ein Buch besprechen und dessen Titel oder den Namen des Autors erwähnen, werden die Beiträge von der Suchmaschine unter- und damit nebeneinander gelistet. Nun ist der Ausstoß von Marcel Reich-Ranicki und Joachim Kaiser ja nicht mehr der üppigste. Es dürfte einigermaßen schwierig sein, bei zufälligem Googeln auf eine Ranicki-Rezension zu stoßen. Aber gut, das Problem ist klar, Google wertet nicht, es hat keinen Qualitätsfilter, aber das hat es bei keinem Thema. Und untereinander ist nicht gleich nebeneinander, lieber Herr Wirtschaftsinformatiker, das Google-Ranking spielt eine enorme Rolle. Wer klickt sich schon immer bis Seite 52 durch? Wohl niemand. Die am besten verschlagwortete Seite gewinnt. Und das sind eher selten private Blogs oder Beiträge in den Tiefen irgendwelcher Foren.

Es schmerzt den Germanisten sehr, wie unfaßbar unsystematisch so ein Laienrezensent an ein Buch herangeht. Das ist ja alles so subjektiv! Demgegenüber steht eine enorme Anzahl von Blogs, die anstelle der Bücher das Seelenleben der Blogger behandeln. Es spielt weniger eine Rolle, wie das Buch ist, wie es sprachlich, inhaltlich, historisch und kulturell einzuordnen wäre, sondern mehr, wie es auf den Rezensenten wirkt, wie er sich fühlt beim Lesen und davor und danach. Das Gefühl drängt sich in den Vordergrund und wird häufig in einem euphorischen oder vernichtenden Urteil ausgedrückt; der interessierte Leser läuft ins Leere, da er bei einem Urteil eine Begründung erwartet und diese nicht erhält. Er kann sich nicht informieren und sich nicht aufklären lassen, er kann keine eigene Meinung und kein Auge für die Ästhetik der Texte entwickeln.

Wer dieser interessierte Leser sein soll, der sich zwar informieren möchte, den aber eine schlechte Rezension so nachhaltig an der Meinungs- und Geschmacksbildung hindert, würde mich sehr interessieren. Ich habe ja immer gedacht, diese gefühligen "fand ich gut/doof"-Rezensionen seien ähnlich unschädlich wie mündliche Empfehlungen aus dem Bekanntenkreis, die auch eher selten literaturwissenschaftlich unterfüttert sind, und nähmen einen ganz ähnlichen Stellenwert ein.

Zudem wäre ein derart leicht korrumpierbarer Leser auch ein ziemlich uninformierter solcher. Inzwischen sollte jedem klar sein, daß man etwa bei Perlentaucher oder literaturkritik.de andere Texte erwarten darf als, sagen wir mal, auf einer Website mit dem Namen "Hexi's Schmökerecke". Soviel Netzkompetenz kann von jedem erwartet werden, der es auch schafft, die RTL2-News von den Tagesthemen zu unterscheiden.

Was ist nun das Problem an "Hexi's Schmökerecke"? Wenn sich solche Blogs gegen ihre Tendenz an Analysen versuchen, scheitern sie meistens, denn es fehlt ihnen die Fachsprache, die wie die natürliche Sprache über Jahre erlernt werden muss. Und die natürliche Sprache ist selten das, was sie in diesem Kontext sein könnte und sollte. Die echte, kritische Analyse, die den Germanisten mit stiller Befriedigung auszufüllen versteht, findet noch immer auf Germanistendeutsch statt und nicht auf Vulgärdeutsch. Analyse auf Vulgärdeutsch kann nicht sein und soll nicht sein, nicht etwa weil sich Dinge anders nicht ausdrücken ließen. Nein, schon allein deshalb nicht, weil dann die über Jahre hinweg eingeübte Fachsprache obsolet würde – und Jahre des Einübens vergeblich waren. (Hätte man ja gleich mit den anderen abends Mädels aufreißen gehen können statt still über der UTB-Einführung in irgendwas Vormodernes zu brüten.)

Ein echtes Problem ist für Herrn Bendel auch die Anonymität im Netz: Solche Ungleichgewichte werden wesentliche Errungenschaften des Rechtsstaats auf die Dauer zerstören: Die scheinbare, grenzenlose Meinungsfreiheit wird die echte Meinungsfreiheit aushöhlen und zusammenstürzen lassen. Mindestens! Alle anzeigen! Sofort! Das ist so ungefähr das Rezept Bendels, der sich nicht vorstellen kann, daß anonyme Kommentare unter einem ziemlichen Imageproblem leiden und ungefähr so angesehen sind wie der zwanzigste Hund, der heute morgen hier an die Gaslaterne gepinkelt hat.

Aber das ist ja noch nicht alles. Es sind nicht nur die Blogs und die Amazon-Rezensenten, die Mobs bilden und unqualifiziert drauflosfühlen und -pöbeln. Eine weitere Entwicklung ist für die beschriebene Kulturkrise verantwortlich. Wer die Rezensionen in den Massenmedien betrachtet, stellt schnell fest, dass fast ausschließlich Bücher der "mächtigen" bzw. "etablierten" Verlage besprochen werden. Ja, so ist das leider oft. Man könnte fast meinen, ein klein wenig persönliche Frustration scheine durch diese Zeilen hindurch. Schlechte Erfahrungen gemacht? Aber wir sind ja unter Analytikern, hier wird nicht gefühlt.

Die Verstrickungen und Abhängigkeiten betreffen keineswegs nur die großen Zeitungen und Zeitschriften; auch kleine Radiosender profitieren von "Rahmenverträgen" mit Verlagen und Buchhandlungen. Mir ist ein Fall bekannt, wo ein Radiosender mit einem Autor ein Interview durchgeführt hat. Der Autor stellte auf Wunsch des Senders, für eine Verlosung, wie man ihm sagte, mehrere Exemplare seines neuesten Romans zur Verfügung. Als das Interview nicht gesendet wurde und der Autor sich nach dem Grund erkundigte, hieß es von Seiten der Verantwortlichen, es sei doch nicht so einfach, den Beitrag zu bringen, da man vertragliche Verpflichtungen habe. Im Klartext bestimmt ein Verlag oder eine Buchhandlung, welche Bücher der Sender vorstellt. Der Autor hat übrigens seine Bücher, die er seinem Verlag zum Autorentarif abgekauft hat, nie wieder gesehen ...

Entschuldigung, was ist das jetzt? Der Autor hat dem Verlag die Bücher abgekauft, um sie dem Radiosender zur Verlosung zur Verfügung zu stellen? Ist der blöd? Das ist doch wohl Sache des Verlags, ein paar Exemplare für Werbezwecke lockerzumachen. Und wie kommt Bendel jetzt auf das schmale Brett, anhand dieser Anekdote zu behaupten, Verlage oder gar Buchhandlungen (das ist mir ja völlig neu) bestimmten die Positionierung von Besprechungen, ich dachte, das lag hier am Radiosender, der keinen Slot freihatte? Kann man mir bitte nochmal ganz kurz erklären, wie sich die Sachlage darstellt und was ich nun daraus lernen soll?

Aha: In der Tat dürfen wir den kleinen und großen Massenmedien nicht vertrauen, wenn es um die Vorstellung und Bewertung von Literatur geht. Wir dürfen ihnen auch nicht vertrauen, wenn sie einen Autor als den besten oder ein Buch als das wichtigste rühmen; denn sie kennen 95 Prozent der Literatur nicht, und nicht nur wegen der fehlenden Lebenszeit, sondern weil sie sie nicht kennen wollen oder sollen. Im Grunde ist jedes literarische Urteil der Medien unter solchen Bedingungen eine Anmaßung.

Ich als eher kleines Massenmedium traue mir auch nicht. Aber ich habe jahrelang Fachvokabeln gebüffelt, auch wenn ich sie nicht dauernd raushängen lasse, weil ich die meisten Sachverhalte durchaus auch ohne deren Verwendung zu verbalisieren vermag, und daneben auch noch eine ganze Menge gelesen. Also das, was das meiste Massenmedienpersonal so getan hat, bevor es anfing, Autoren zu rühmen oder zu ignorieren. Aber irgendwann bekommt man doch so etwas wie eine, nennen wir es Bewertungsroutine, mit der es zunehmend leichter fällt, Bücher zu kategorisieren. Ich brauche das ja keinem erklären: Man lernt mehr kennen, versteht plötzlich Traditionen, erkennt Anknüpfungspunkte, weiß einzuordnen, wird empfindlich für sprachliche Qualität. Man entwickelt Expertenwissen und kennt sich in seiner Nische zunehmend gut aus. Andere Ecken betritt man nie und kann sich daher auch kaum ein Urteil erlauben (ich und Lautpoesie? Ich bitte Sie).

Nun aber will der Dilettant mitreden, statt still sein Zeitungsabonnement zu zahlen und ansonsten ruhig zu rezipieren. Der Dilettant könnte sich ja wenigstens abseitigen Nischenthemen widmen, aber genau das tut er nicht. Es tritt auf das Phänomen der Laien, die sich den Strukturen anpassen, in denen sie keinen Platz gefunden haben, oder vielmehr, die sich anpassen, soweit sie können: Sie sprechen von der Literatur, von der auch andere sprechen, nennen ihren unvollständigen Beitrag Rezension, und was auf den ersten Blick an Kaiser oder wenigstens Reich-Ranicki denken lässt, offenbart auf den zweiten den ganzen Wahnsinn einer Generation.

Wie kann der Laie es wagen, den echten Rezensenten im Wege herumzustehen, indem sie die gleichen Bücher lesen und sich dann auch noch darüber äußern? Und zwar in einer radikal subjektiven Manier und einer von germanistischen Termini völlig unberührten Sprache. Können die wenigstens aus dem Internet wegbleiben und das hektographieren oder fotokopieren, das ging ja früher auch? Es ist kein mildes Erschauern, das den Verfasser umtreibt, es ist tiefer Ekel vor einer einigermaßen unverblümten Generation, die er nicht mehr versteht, vor einer nichtakademischen Schicht, von der er sich abgekoppelt hat. Und nicht einmal von der akademischen Schicht ist noch Gutes zu erwarten:

In einer "Literaturgruppe" des studiVZ habe ich einmal Sätze über Vladimir Nabokov gelesen, die zutiefst beunruhigend waren. Verwechselt wurden Figur bzw. Erzähler und Autor, und das Buch wurde nicht als Fiktion, sondern als Dokumentation gelesen, mit fatalen Konsequenzen für den berühmten Schriftsteller. Die Sätze wurden in einer "Diskussion" von Personen vorgebracht, die sich anschließend wahrscheinlich heftig gegruschelt haben. Man hat sich lieb im Web 2.0, wenn man nicht gerade jemanden steinigt.

Unfaßbarerweise schaffen das auch sogenannte echte Kritiker mitunter, sogar in gedruckten Massenmedien. Aber wie das so ist: Leute kommen zusammen, und wie immer ist das, was Leute so reden, zu 80 Prozent Blödsinn. Man muß sich als halbwegs denkender Mensch dann zusammenreißen und darf nicht ganz so offensichtlich mit den Augen rollen, aber ab und an milde korrigieren. So ist das mit den Leuten eben. In solchen Situationen nicht allzulaut herumzublöken nennt man Sozialverhalten. Den Leuten den Mund nicht zu verbieten, egal wie dumpf der Blödsinn noch wird, nennt man Demokratie. Wenn man aufklärt, und es hört niemand auf einen, dann hat das auch seinen Grund: Wenn diese Leute öfter mal auf jemanden hören würden, würden sie nicht so einen Blödsinn reden. (Aus: Einführung in die Zivilisation, Basiskurs 1)

Und man darf Gespräch nicht mit Wissenschaft verwechseln (man sollte nicht einmal Feuilleton mit Wissenschaft verwechseln). Die Menschheit hat ein gutes Recht darauf, Diskurse zu führen, egal wo, und sie darf sich dabei irren, so oft sie möchte. Ob Student oder Hausmeister: Obwohl das studiVZ inzwischen von Hausmeistern und Autoverkäufern heimgesucht wird, die sich in meinVZ zu alt fühlen, sind nach wie vor genügend Studierende vorhanden, die ein gewisses Niveau aufrechterhalten könnten. Könnten, denn auch das ist interessant am Web 2.0: Auf den Schattenseiten der verschiedenen Social und Asocial Networks sind bezüglich Kommunikation und Kompetenz keine erheblichen Unterschiede festzustellen. Es gibt eben nur einen Mob - und nicht mehrere.

Weil es nur eine Menschheit gibt und nicht mehrere, und auch Germanisten und Philosophen gehören dazu. Sogar echte Rezensenten. Sie alle unterwerfen sich den Regeln des Menschseins, und das sieht gelegentliche Mobbildung leider vor. Es ist natürlich schön, wenn Menschen etwas besseres zu tun haben, als anderen ihre Andersartigkeit vorzuwerfen, ihre Ungebildetheit, ihre Pöbelhaftigkeit, ihr rohes Vokabular, ihre Unfähigkeit zur kritischen Analyse und ihnen darob heftig auf den Kopf pinkeln. Aber niemand ist gefeit davor, ab und zu verbal Amok zu laufen, und sobald sich Gleichgesinnte einfinden, ist der Mob auch schon unterwegs. So schnell geht das.

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Danke fürs Auseinandernehmen

Sowas gibt's ja immer mal wieder, und man zuckt die Schultern, aber dann nervt's doch - und ab und zu muss ja auch mal jemand den Müll runterbringen. Was "Telepolis" ist, wusste ich noch gar nicht (und anscheinend brauche ich's auch nicht zu wissen).

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Telepolis war mal echt wichtig. So zwischen 1997 und 2000 gehörte das zu den mustreads des Internets (wir hatten ja praktisch nichts, damals). Inzwischen ein wenig in die Bedeutungslosigkeit abgesunken, und scheinbar auch Plattform für Leute, die verbissen um Wissenschaftlichkeit auch da kämpfen, wo sie gar nicht hingehört. Oder so.

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"Es spielt weniger eine Rolle, wie das Buch ist, wie es sprachlich, inhaltlich, historisch und kulturell einzuordnen wäre, sondern mehr, wie es auf den Rezensenten wirkt, wie er sich fühlt beim Lesen und davor und danach."
Sieh an: Genau dieses Vorgehen ist doch bereits literarisch geadelt, nämlich durch Reading Lolita in Tehran von Azar Nafisi.

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Oh, da beißt sich dann eine Katze in den Schwanz: Wie kann dieses Buch nun rezensiert werden? Hat ein methodologischer Kritiker überhaupt Zugang dazu? Muß es praktisch zwingend wirkungsästhetisch untersucht werden? Oder gerade nicht? Fragen über Fragen.

Mich erinnert das auch ein wenig an den Empathiker vs. Gnostiker-Streit von vor drei Jahren.

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Ein schöner Verriss. Bitte mehr davon!

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Warum?

Also ich wäre froh, wenn solche "Verrisse" nicht nötig wären.

Im übrigen...wozu muss denn ein Text, Buch oder sonstig Geschriebenes sprachlich, inhaltlich, historisch und kulturell eingeordnet werden? Den Sinn von Kultur- und Kunsthistorie sehe ich ja noch ein, aber immer feiner und feinster geordnete und natürlich ausführlich in der entsprechenden jahrelang erlernten Fachsprache erörterte Schublädchen und Schächtelchen dienen doch nur der Selbstbeweihräucherung charakterlich reichlich unterentwickelter Bewohner von intellektuell verbrämten Elfenbeintürmen.

Uff

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Remington, manchmal ist es für Außenstehende schwer nachzuvollziehen, was sich in diesen sogenannten Laberfächern ereignet. Aber das, behaupte ich frech, müssen sie auch nicht. Sie müssen auch nicht die neuesten Erkenntnisse über Aminosäureproteinverkettungsdings wissen, falls es das überhaupt gibt. Dafür ist es Wissenschaft, und Leute studieren lange dafür.

Aber es gibt eben auch die Vermittlung, die steht auf einem ganz anderen Blatt. Und die darf ohne Fachwörter auskommen. Weil sie etwas ganz anderes bezweckt. Literaturkritik ist ja erstmal keine Forschung, das wird gern vergessen.

Und kecks: Danke.

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Ich denke ja auch, dass das Verstehen eines Buches nicht zwingend damit zusammenhängt, dass man es ins richtige Regal einsortieren kann. Ein paar Duftmarken gesetzt, dann kann das auch Flocki, der Nachbarshund. Allerdings ohne die fachspezifischen Termini. Und damit ist dann auch klar, wozu diese so nötig sind: damit man sich von Flocki unterscheiden kann.

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Wie man sich einen Elfenbeinturm baut...

Mir scheint als hätte der gute Herr Wirtschaftsinformatiker die Weisheit mit Löffeln gefressen. Ich finde es nämlich auch ungeheuerlich, dass sich Leute eine eigene Meinung bilden, über Werke, die sie rezipieren(darf man solche Fachbegriffe für den Pöbel verwenden oder sagt man dann einfach "lesen"? Und: Gibt es in der germanistischen Nomenklatur einen Unterschied zwischen Rezipienten und Leser? Und kann nur der Rezipient auch Rezensent sein und der schnöde Leser bleibt Konsument?) ohne vorher eine fundierte Ausbildung genossen zu haben. Und eine Meinung sollten sich nur die bilden dürfen, die die Theorien Genettes (oder wer gerade sonst angesagt ist...) im Schlaf rückwärts beschreiben können

Und überhaupt: richtig furchtbar dieses Internet. Jeder ist auf einmal in der Lage, seine eigene Meinung kundzutun. Man möchte fast meinen, wir lebten in einer Demokratie. Nein, der Herr Wirtschaftsinformatiker hat recht: Eine Meinung ist nur der Elite gestattet. Mich erinnert das alles furchtbar an die DDR - alle sind gleich, doch nur die Diktaur der Avantgarde darf öffentlich ihre Meinung verkünden - an dieser haben sich dann alle anderen zu orientieren. Aber auch die DDR ist ja gescheitert - man darf also noch Hoffnung haben...

Liebe Grüße aus Wien,
Benjamin (Germanistik-Student auf der Flucht vor dem Elfenbeinturm)

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Ich glaube, der Pöbel rezipiert durchaus, aber er rezensiert dann hinterher nicht, er schwätzt bloß. Und das soll er gefälligst unterlassen, jedenfalls in der Öffentlichkeit. Und er soll nicht über wissenschaftlich analysierbare Kulturgegenstände wie Bücher schwätzen, sondern lieber über Sachen, von denen er was versteht: Automechanik oder Boris Becker.

Immerhin, das muß man dem Wirtschaftsinformatiker zugestehen, ist er einmal an das Fenster seines Türmchens getreten und hat registriert, daß es da draußen Leben gibt.

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Dazu muss man wissen, dass besagter Oliver Bendel ein intimer Kenner der Materie ist. Er schreibt Handy-Romane!:
www.handyroman.net
Begründung für dieses Tun: "In Japan lesen Millionen Menschen..."
Dazu erlaube ich mir, auf mich selbst, bzw. meinen Blog zu verweisen:
litos.wordpress.com
Bendel kommt ganz am Ende.
J. H.

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Na Wahnsinn! Und er wurde von altehrwürdigen Feuilleton vermutlich vollständig ignoriert? Der Arme.

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schön

Ja, Telepolis war früher mal besser, wohl auch besser finanziert - aber das trifft leider auf vieles zu. Ich finde es gut, das der Herr Bendel sagt, was er denkt. Das ermöglicht immerhin eine Auseinandersetzung. Und die Antwort auf seine Meinung hier gefällt mir auch sehr, nur habe ich den leisen Verdacht, das die Erfahrungen mit dem Internet sehr weit auseinanderliegen - was mich bei Herrn Bendels Tätigkeit etwas überrascht - und daher die Schlußfolgerungen auch in unterschiedliche Richtungen laufen.

Den Vergleich mit den Fernsehnachrichten finde ich in dem Zusammenhang sehr wichtig, zeigt er doch Paralellen aber auch Unterschiede. Was heißt es denn, die RTL2-News von den tagesthemen unterscheiden zu können? Das sie unterschiedlich sind, müsste nach dem ersten Beitrag bereits klar sein (vor vielleicht 15 Jahren war es noch beim ersten Ton/Bild klar). Aber wie die Entscheidung ausfällt, welche Sendung nun schöner, interessanter, passender für die eigenen Interessen ist, fällt wohl bei vielen Menschen unterschiedlich aus. Genauso wie die Leute dann in Buchladen in die unterschiedlichen Ecken laufen. Und wenn die Buchbesprechungen dann ihre jeweiligen Zielgruppen versorgen und diese sich im Web dazu entsprechend äußern passt ja alles wunderbar zusammen. Oder nicht?
Für mich beginnt dann das "Problem", wenn man beginnt, einen Anspruch an die Weiterentwicklung von Kultur, Zivilisation, Demokratie, Menschheit, ... zu stellen. Dann war die Einführung des Privatfernsehens und(!) die Anpassung der öffentlich-rechtlichen an deren Niveau ein grausiger Rückwärtschritt und so ähnlich stellt es sich mit der Massenbesiedlung des Web heut wohl auch vielen dar. Aufstieg durch Bildung (wenn es das Ziel mal gegeben hat) wird so immer exotischer, da die Bildung nicht mehr durchdringt zu den Massen im großen Unterhaltungsrauschen.
Das Web hat für mich unheimlich viele Vorteile, was Informationszugang, Austausch, überregionale Kontakte, Entstehung von neuen Kulturformen oder auch Konsum angeht, aber wenn alle Menschen Sender und Empfänger sind, ist die Massenkommunikation natürlich weniger steuer-/kontrollierbar und wohin die Reise geht, können die, die sich bisher als verantwortlich oder auch nur mächtig gesehen haben, kaum mehr gestalten. Das kann gut und schlecht sein. Wir werden sehen.

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Genau!

Wo kämen wir denn hin, wenn keiner hin ginge, um zu sehen, wohin wir denn kämen...

Wie so oft, wenn jemand den Untergang des Abendlandes menetekelt, geht es doch in Wahrheit auch um den Verlust von Deutungshoheit. Ja, dürfen die denn das - einfach Bücher gut oder schlecht finden ohne einen richtigen Rezensenten zu Rate zu ziehen, der mit dem akademisch zertifizierten Instrumentarium ans Werk geht und mit den hochgelahrten Fachtermini jonglieren kann?

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Eigentlich, denk ich mir immer, dürfte doch spätestens die Einführung des Wahlrechts gezeigt haben, daß das nicht immer unbedingt schön ist, wenn alle mitreden dürfen, daß es aber trotzdem notwendig ist. Und mit den unqualifizierten Entscheidungen der Leut muß dann auch der Politikwissenschaftler leben. Das ist ja vor allem die Literaturwissenschaft, die dieses seltsame Anspruchsdenken vor sich herträgt, sich irgendwie abgrenzen zu müssen gegen unten.

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Danke für das Behandeln dieses Falls.

Ich frage mich, wann ist ein echter Rezensent ein echter Rezensent? Wenn er von einem noch echteren Rezensent als "echt" anerkannt wird?.. Herr Bendel scheint hier etwas verwirrt zu sein, oder verwirrend zu klingen. Und eine Rezension durch die Sprache zu beurteilen, in der sie geschrieben ist, gleicht der von Herrn Bendel gegeisselten Rezensenterei, die die Bücher eher nicht nach dem Inhalt beurteilt, sondern nach dem eigenen Einfühlen.

Ach übrigens, das, was man fühlt dem Buch gegenüber, ist es denn nicht das wichtigste für eine Rezension? (Im Unterschied zu einer literaturwissenschaftlichen Forschung).

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Ich glaube, ganz grundsätzlich ist Herr Bendel beleidigt, weil niemand sein Werk richtig versteht. Aber das ist natürlich nur mal so gefühlt und entbehrt jeglicher analytischen Grundlage.

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Bendels Beitrag ist alleine deswegen nicht satisfaktionsfähig, weil er nie Ross und Reiter nennt. Damit bleibt das alles diffus und nebulös (und dadurch stimmt's natürlich im ein oder anderen Fall tatsächlich auch).

Daneben argumentiert er auch nicht: Die Aussage, dass ein Rezensent "95% der Literatur" nicht kennt, spricht für sich. Ich setze dagegen und behaupte, dass die gängigen Feuilleton-Rezensenten den Grossteil der Klassiker nicht bzw. nur kursorisch gelesen haben und ihr Urteil aus zweiter oder dritter Hand beziehen.

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Was ein Klassiker ist, den man gelesen haben muß, darüber kann man vermutlich auch streiten. (Oder sich gegenseitig empfehlen, wenn es gut läuft.) Oft genug denke ich mir ja eher, die sollten sich mal mit den Vorgängen in der Welt befassen, damit sie nicht so seltsam romantische Vorstellungen davon haben. Dann sollten sie grob wissen, was es für Genres gibt, damit sie merken, wenn einer damit spielt. Sowas halt.

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For the (holy) sake of Fun! (or: just for Fun)


Mir is was zur Aufheiterung eingefallen, das ich Dir nicht vorenthalten möchte.Das Wär mal angebracht (Ne: nicht der Griff zum Wegschmeißen, Außer: Rofl!, he, he)(echt Der Bringer!, respektive the Burner! on three Cookies!, he, he)(kurz gesagt:J.oke W.ith A.nnouncement!):Das fragsch Du... ...
[hadephy am 01.01.17 20:24]

American Standard wisdom: "I don't feel sorry For you"


And I would conclude with some wisdom of my own, "well": 'Life isn't That complicated!'The most important goal then would be to have an appreciable agenda over the daytime!First a ball ( or what did Ms. Sanchez-Vicario say? :-) )... ...
[hadephy am 10.12.16 16:05]

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Schreiben ist kein Hobby, es ist die Zeit in der uns unsere Gedanken nicht zufrieden stellen können. Es ist der Moment in dem wir nach unserem Glück Ausschau halten und versuchen, den Steckbrief unserer Wünsche zu formen. Und geben wir... ...
[EinGedanke am 13.09.14 11:27]



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