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Am Morgen taucht die Band zum Frühstück auf, die haben gestern noch aufgebaut. Hallo Slut-Jungs. Ich sitze da mit meiner Tasse Kaffee und bin umzingelt von Ingolstädtern, die sich über das Ingolstädter Bauamt unterhalten und warum es kein Wunder ist, daß diese Stadt so aussieht wie sie aussieht. Jaja, faszinierendes Thema.

Jetzt aber endlich Messe, beschließen Klara und ich. Im vollgerümpelten Bandbus geht es aus Jott We De in die Stadt hinein, von dort mit der Straßenbahn in einem langwierigen Gezuckel zur Messe. Wenigstens regnet es nicht mehr.

In meinem üblichen Frankfurter Messetempo laufe ich die Belletristik-Stände ab. Damit bin ich nach einer knappen haben Stunde durch. So, und jetzt? Erstmal was essen. Voll ist es in der Glashalle, irgendwie gab es früher immer große Kübel mit Suppe, die gibt es nicht mehr. Auch der Osten ist nun vollvercatert. Ein Witz von einem Schnitzel, ein erbärmliches Häuflein Pommes und ein Pfützchen Apfelsaft: Acht Euro zehn. Ja, das sind Messepreise.

Irgendwie bin ich zu faul für alles. Ich lasse mich bei der Leseinsel "Junge Verlage" nieder und mich dort belesen. Ein Autor nach dem nächsten defiliert auf der Bühne vorbei, anmoderiert, abmoderiert. Quasipornografisches von Mathias Faldbakken, der da herumsitzt und guckt, während die Leserin seinen Text vorträgt. Finnisches von Kookbooks. Was vom mairisch-Verlag, was ich schon wieder vergessen habe. Dabei lese ich die Buchbeilage der Jungle World, hinten drin ein übler Verriß von Alexa Hennig von Langes neuem Roman. Wäre ich Alexa Hennig von Lange, bekäme ich jetzt eine langwierige Schreibblockade, oder würde erstmal fünf Kinderbücher schreiben.

Nach der Messe Treffen mit Klara draußen an der Fontäne. Irgendwie müssen wir uns jetzt nach Jott We De durchschlagen, da nehmen wir erst einmal die Tram. Die Tram ist wiedermal voll bis Anschlag, und eine Leipzigerin schimpft unflätig vor sich hin über Dinge, die sich nicht ändern lassen: Volle Straßenbahnen und rote Ampeln.

Fahren bis in die südliche Innenstadt, dann denken wir, wir könnten ja noch umsteigen und bis Markkleeberg Ost weiter, dann ist es mit dem Taxi nur noch ein Katzensprung. Inzwischen wird es dunkel, und in Markkleeberg gibt es keine Taxen. Also fragen wir den Busfahrer, der hier gerade anhält, ob er die Nummer vom Taxiruf wüßte. Wo müßt ihr hin? Nach Auenhain? Wir sollen einsteigen und an der Endstation sitzenbleiben. Ich fohr euch rieba, sagt er. Und da fährt uns der Busfahrer erst zur Endstation, dann in einer Schleife direkt vor unsere Unterkunft. Na, das ist mal ein Service.

Am Abend die Veranstaltung mit Juli Zeh und Slut. Die kannten sich vorher eigentlich nicht, aber Nicole, die Veranstalterin, kannte die Slut-Jungs und wollte gern mal was mit denen machen. Sie schlug ihnen mehrere Namen vor, und die Band wollte Juli und Juli wollte die Band. Anfangs vermittelte Nicole noch, dann wurde die Zusammenarbeit zum Selbstläufer, und aus dem Konzert mit Lesung entwickelte sich ein ziemlich eigenes Ding: Lese-Theater-Musik-Performance oder so ähnlich. Der Begriff "Rockoper" fiel auch. Na, jedernfalls komponierten Slut acht neue Stücke und unterlegten die Texte mit Soundcollagen. Ein antikes indisches Instrument kommt ebenso zum Einsatz wie elektroisch verzerrte Stimmen. Gelesen wird mit verteilten Rollen.

Eigentlich mag ich Juli Zehs Texte nicht so besonders. Aber dieser Abend funktionierte wunderbar, weil Juli nicht so im Mittelpunkt stand, wie das sonst bei Lesungen üblich ist und weil die Musik das manchmal doch sehr Schneidende und Kalte ihrer Texte ein wenig ausgleichen konnte. Aber zum Fotografieren war das die Hölle: Düster war's, und blitzen konnte ich auch nicht, weil im Hintergrund reflektierende Leinwände herumstanden. Da hilft nur Luft anhalten und das beste hoffen. Das Publikum jedenfalls war zahlreich erschienen, fast fünfundert Leute, die ausdauernd applaudierten, und auch der rauschebärtige Verleger schien sich recht wohlzufühlen. Wir hingegen begaben uns zum Absacker in die Hauptpost.

Klara und ich verfuhren uns erst einmal. Wir strandeten an einer Straßenbahnhaltestelle in den Outskirts, und dort standen auch schon zehn Jugendliche mit Bierflaschen. Händimukke knarzte aus dem Lautsprecherchen. Ein Besoffener war auch da und mit irgendwas unzufrieden. Angenehme Gesellschaft. Man will in Leipzig ja eigentlich nicht aus der Innenstadt raus, denn sofort wird es unangenehm. Bei uns hier in der Nähe steht eine Platte, da wirbt das Plakat vom Makler mit dem in der Nachbarschaft befindlichen Baumarkt. Daß das ein Verkaufsargument für eine Wohnung sein kann, war mir bislang nicht klar.

In der alten Post also The Place to be: Die Party der jungen Verlage. Hier treff ich mich mt einem jungen Herrn, der mich auf der letzten Buchmesse im Frankfurter Hof aufgegabelt hatte und mich sofort erkannt hatte. Wir haben uns mal beim Rainald-Goetz-Symposium im Literaturhaus kennengelernt, das ist schon ewig her, und er war mit Hagestedt aus Marburg gekommen. Inzwischen ist er ins Lektorat eines angesehenen Verlags aufgestiegen, mit befristetem Vertrag und selbstredend unterbezahlt. Aber was tut man nicht für die Kunst.

Sein Tipp der Buchmesse sei Verena Rossbacher, Verlangen nach Drachen. Alle Hymnen seien völlig angebracht. Er habe gehört, man sage, das sei das Beste, was das DLL je hervorgebracht habe. Ich muß mir das mal besorgen, glaub ich. Verena Rossbacher ist zwar auch demnächst im Lese-Musik-Zimmer in Frankfurt, aber ich bin da nicht da, wie man mir kurz zuvor telefonisch mitgeteilt hatte. Für alle anderen: 2. April, Café im Kunstverein.

Außerdem hat mein Junglektor einen sehr schönen Satz an einem Stand gehört: "Ich hätte ja auch gern so einen kleinen Benjamin Lebert zum Knuddeln zu Hause." Und er sagt einen sehr schönen Satz: "Die Flügel sind die ZVAB-Tüte des Manga-Fans." Dann erheben wir uns aus den tiefen Lounge-Sofas und schauen mal, was sonst so abgeht.

Nicole, Juli und die Slut-Jungs sind auch schon da. Klara tanzt irgendwo. Am besten stellt man sich oben auf die Empore und schaut hinunter in die Eingangshalle, wo die Discokugel rotiert. Am unklügsten stellt man sich in die Raucherlounge, denn dort ist es kalt, dunkel, eng und es stinkt. Natürlich stehen alle in der Raucherlounge. Dort treffe ich auch zwei Mädels, eine aus Frankfurt-Oder, eine aus irgendwo Ludwigshafen oder so. Vergessen. Und wer seid ihr? Wir sind Slut-Fans! sagen sie. Keine Groupies, Fans. Da sei nämlich ein Unterschied.

Irgendwie ist mir der Junglektor abhanden gekommen, Slut findet die Musik doof, Klara tanzt. Am Ende fahren Klara und ich mit dem Taxi heim, während die Band für Fahrdienste Fans hat, die nüchtern bleiben. Nach einem sehr seltsamen Gespräch über die Schweiz an und für sich ziehe ich mich zurück, denn ich habe genug für diesen Tag und will, daß von Morgen noch was übrigbleibt.

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Tja, wo kommen nur all die vielen Menschen her, die es vorziehen in diesen hässlichen Plattensiedlungen zu hausen und sich mittels rostiger, ratternder, quietschender Straßenbahnen fortzubewegen?
Da geht es in Ffm doch anders her: Hier hält man gepflegt haus im Schatten der Türme, in geräumigen, wohlsanierten Jugendstilwohnungen und fährt zum Shopping bei Feinkost-Aldi mit Taxi oder sanft gleitender U-Bahn vor.
Womit haben wir diese Prolo-Teile im Osten unseres schönen Landes eigentlich verdient?
Lang, lang ist es her, dass ein gewisser JWG von F nach L zog und ausrief: "Mein Leipzig lob ich mir..."

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Eigentlich fand ich die Straßenbahnen weder rostig noch ratternd noch quietschend. Vielleicht einfach Glück gehabt.

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'einen hab ich noch'


hi,hi; kleiner Witz!wo geht's denn hier nachKönnen! , vor LACHEN!Übrigens mein Physiklehrer hatte noch den Witz auf Lager:Kunst kommt von Können und nicht von Wollen,sonst würde es Wulscht heißen! heiß, heiß, heiß...Ich wünsch Dir noch einen schönen Tag, Andrea.Bis denne,Hans  ...
[hadephy am 29.01.17 23:39]

For the (holy) sake of Fun! (or: just for Fun)


Mir is was zur Aufheiterung eingefallen, das ich Dir nicht vorenthalten möchte.Das Wär mal angebracht (Ne: nicht der Griff zum Wegschmeißen, Außer: Rofl!, he, he)(echt Der Bringer!, respektive the Burner! on three Cookies!, he, he)(kurz gesagt:J.oke W.ith A.nnouncement!):Das fragsch Du... ...
[hadephy am 01.01.17 20:24]

American Standard wisdom: "I don't feel sorry For you"


And I would conclude with some wisdom of my own, "well": 'Life isn't That complicated!'The most important goal then would be to have an appreciable agenda over the daytime!First a ball ( or what did Ms. Sanchez-Vicario say? :-) )... ...
[hadephy am 10.12.16 16:05]

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Schreiben ist kein Hobby, es ist die Zeit in der uns unsere Gedanken nicht zufrieden stellen können. Es ist der Moment in dem wir nach unserem Glück Ausschau halten und versuchen, den Steckbrief unserer Wünsche zu formen. Und geben wir... ...
[EinGedanke am 13.09.14 11:27]



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