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Es ist gut, wenn man weiß, daß ein Leiden einen Namen hat. Wenn man zu einer Gruppe gehört. Ich gehöre aktuell zu der Gruppe der Lehman-Geschädigten. Da würde ich eigentlich lieber nicht dazugehören, aber besser, man hat Leidensgenossen, als daß man ganz allein so blöd war, seinem Bankberater zu vertrauen.

"Ich hab immer gedacht, die Sparkasse betrifft das nicht", hat meine Mutter am Telefon gesagt, und ich muß gestehen, ich habe so etwas Ähnliches gedacht. So etwas betrifft nur Zocker, dachten wir, Leute, die mit ihrem Geld halblegales Zeug veranstalten, um es möglichst spektakulär zu vermehren. Das betrifft doch nicht unsereins Kleinsparer, die wir unser Geld zur Frankfurter Sparkasse tragen, im Glauben, es sei sicher.

Schließlich bin ich dort Kunde, seit ich als Erstkläßler mein erstes Sparbuch eingerichtet habe, mit fünf Mark drauf. Es war dunkelblau, hatte runde Ecken und dicke, braune, linierte Seiten und roch wie Papiergeld. Später habe ich dann mein Sparschwein dorthingebracht, als man sich noch dazu herabließ, sich mit solchem Kleinkram zu befassen. Zu Weihnachten und zum Geburtstag gab es manchmal einen Schein, die hab ich natürlich auch gespart.

Die Filiale war mit dunkelbraunem Teppichboden ausgelegt, der allen Lärm schluckte und dem Raum etwas Würdevolles gab. Die Wand war orange und es gab verwirrend viele Formulare für verwirrend viele verschiedene Möglichkeiten der Transaktion. Die füllte man an Pulten auf Kunstlederunterlagen aus, und obendrauf war ein Kugelschreiber angekettet. Den Rest erledigte der Mann an der Kasse hinter dem Glas. Für ganz wichtige Dinge durfte man auch zu den Leuten an die Schreibtische. Es war still dort, und alle trugen Anzüge.

Die Frankfurter Sparkasse hat mich weiterhin begleitet. Ich habe dann ein Girokonto eingerichtet, als ich meinen ersten Job hatte. Regale einräumen im Supermarkt. Erste Kontokarte und ein dickes Bündel Euroschecks. Irgendwann wurde das Sparbuch eingezogen und ich bekam auch dafür eine Plastikkarte. Dann kam das Geld, das meine Großmutter mir überschrieb, was man halt so macht, um Erbschaftssteuer zu sparen. Das Kind soll eine gute Ausbildung bekommen, hieß es, und wir legten das Geld an. Ab und zu hab ich mir einen neuen Computer kaufen müssen (oder ein Auto), aber ein großer Teil ist noch da.

Dieser Teil liegt in allen möglichen Formen herum. Man soll das streuen, sagte mein Bankberater, und das ist vermutlich das einzige Mal, das er recht hatte. Ich traue diesen Bankberatern ja. Die haben mich durch die letzte Krise gebracht, die werden mich auch durch diese Krise bringen, dachte ich. Schließlich ist das die Frankfurter Sparkasse, das altehrwürdige Institut, die haben ja einen Ruf zu verlieren. Solche Dinge denkt man und hat mindestens so unrecht wie der Bankberater, der einem erzählt, diese Zertifikate seien eine ganz sichere Sache, man bekomme das garantiert alles wieder zurückgezahlt. Aber wer garantiert das? Nicht der Bankberater, nicht die Sparkasse.

Die Frankfurter Sparkasse genießt eine Kundenbindung, von der andere Firmen nur träumen können. Ein Status wie ein Hausarzt oder ein Beichtvater. Dem Hausarzt vertraut man seinen Körper an, dem Beichtvater seine Sünden und dem Bankberater sein Geld. Das sind einigermaßen heikle Berufe, und wer die ausübt, sollte über ein gewisses Verantwortungsgefühl verfügen.

Allerdings hat gerade die Frankfurter Sparkasse Lehman-Zertifikate verkauft wie ein Weltmeister, denn da gab es ordentlich viel Provision drauf und seit diesem Jahr, was man hört, wohl nochmal ein bißchen mehr. Das besonders Hübsche daran war, daß die Sparkasse diese Zertifikate als eigene Produkte verpackt hat. Es gab ein Informationsheftchen mit ein paar leckeren Pralinen drauf, und da steht:

Wer dahintersteckt, erfährt man erst auf Seite 8, vorher taucht der Name Lehman nicht auf. Es sind in diesem Heftchen zwar auch Risiken aufgeführt ("Das sollten Sie bedenken"), aber natürlich steht da nichts davon, daß Lehman Pleite gehen und alles weg sein kann. Weiter hinten gibt es eine Fußnote, da steht: Die Rückzahlung am Ende der Laufzeit hängt von der Bonität der Emittentin bzw. Garantin ab. Im Beratungsgespräch wird dieser Fall aber nicht weiter erwähnt, er versteckt sich gut im Kleingedruckten ganz hinten und die Sparkasse hofft, daß man nicht soweit blättert, bevor man unterschrieben hat. Wenn die Sparkasse behauptet, auf die Risiken selbstverständlich hingewiesen zu haben, dann ist das eine glatte Lüge. Nur: Wie weist man die nach?

In der Schweiz werden Besitzer von Lehman-Zertifikaten zumindest teilweise entschädigt: Kleinsparer und Härtefälle bekommen etwas zurück. Hierzulande zuckt man Achseln und murmelt etwas von abwarten und nicht genau wissen und Entwicklungen, die nicht abzusehen sind. Möchte man so jemandem sein Geld geben? Ich nicht.

Letzte Woche noch riet mir mein Bankberater, den Aktienfonds zu halten. Ich bestand darauf, ihn zu verkaufen. Diese Woche mußte mein Bankberater zugeben, daß das eine gute Entscheidung war, "nach all den Turbulenzen". Eigentlich hätte der das wissen sollen. Ich habe mich auch geweigert, das Geld für ein Jahr festzulegen. Ich habe jetzt ein Sparkonto mit einer Plastikkarte, ich kann jederzeit alles abheben, auch darauf habe ich bestanden. Ich bin fast wieder in den Siebzigern angekommen. Nur der Teppichboden ist weg und das Vertrauen auch.

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Ob der Direktbankcomputer auch eine Provision bekommt? Oder nur der, dem der Computer gehört? Und meinen besorgte Eltern landauf und -ab jetzt noch immer, das Sparkassenangestellter ein "anständiger Beruf" sei? Ändert sich nun irgendetwas. Gibt es zukünftig Warnhinweise vom Verbraucherschutzminister an der Bankfiliale: Anlegen gefährdet ihre Finanzen. (Mindestschriftgröße entsprechend der aktuellen Zins-/Rendite-Zahl mit der geworben wird.)
Der Typ, der früher immer die Börsenkurse vorgelesen hat, der hieß ja auch schon Lehmann. Der ist jetzt im Ruhestand. Zufall?

Mein Beileid. Ich hielt Kapitalisten auch mal für vertrauenswürdig. Ich habe eine ungefähre Vorstellung, wie sich das anfühlt.

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Ich hielt die Kapitalisten von der Fraspa zumindest für so klug, es sich nicht wegen ein paar schneller Euros langfristig mit ihren Kunden zu versauen. Aber dumm halt auch noch.

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Das glaub ich Dir gern, das Du denen keinen Cent mehr anvertraust. Nur wem willst Du die verbliebenen Euros und Cents noch geben?
Vielleicht "hilft" ein alter Pispers beim verarbeiten.

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Fein, das hilft wirklich.

Ansonsten ist die Raiffeisen-Filiale sogar näher als die Sparkasse. Bankstreuung könnte auch zur Risikominderung betragen.

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Zwar sind solche Kabarettnummern ganz lustig - oder erhellend wie Vorträge bei linken Gewerkschaftern. Nur leider bestätigt das mir, wie der Hase läuft und das raubt mir für den Rest des Tages Motivation und die gute Laune.

Ach ja, ich habe heute mal gefragt, was mein Deka-Fond macht: 23,09 Euro Minus.

Marc

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Eigentlich müsste man Bänker und Versicherer immer fragen, was sie für eine Provision dafür bekommen, dass Du jetzt den Deal über sie machst. Und sich das alles schriftlich geben lassen.

Und ich kann mir sogar vorstellen, dass, wenn man nach der Sicherheit fragt, die Typen Sprüche klopfen wie: "Wenn ausgerechnet die pleite machen, dann haben wir ganz andere Probleme."

Marc

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Tatsächlich haben ja einige Kunden kurz vorher noch nach der Sicherheit gefragt, und zwar ganz konkret. Auch da wurde noch abgewiegelt. Ansonsten wird auf das Rating verwiesen, und das sei ja prima. Da wackelt nix, bekommt man gesagt. Da grinst einen die reine Zuversicht an.
Naja, immerhin haben die selbst dran geglaubt: Viele Fraspa-Mitarbeiter seien auch betroffen, las ich in dem FAZ-Artikel.

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cardinale

Vielleicht kann der Kardinal den Main aufwärts helfen, wie heißt der noch gleich, Lehmann, genau!

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So etwas gefällt mir:
“Das amerikanische Volk ist ärgerlich wegen der Managerver-gütung, und das zu recht”, so tönte Finanzminister Hank Paulson bereits gestern. Der Mann muß es wissen, hat er sich doch durch seine Tätigkeit als CEO von Goldman-Sachs ein Vermögen von 632 Mio. US$ “erarbeitet“.
(www.spiegelfechter.com)
Die Investmentbank Goldman-Sachs wurde ja gerettet. Lehmans
Brothers leider nicht. Das Bedauern gilt natürlich den geprellten Anlegern und nicht der Bank.

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632 Mio.? Reicht das für die Rettung eines kleineren Kreditinstituts?

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Wenn ein jeder von den Gaunern einen Teil von ihren ergaunerten Vermögen abgeben würden, dann wäre das zumindest ein Anfang.
Aber jetzt soll der Schaden ja durch die Bürger beglichen werden.

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Das darf doch wohl nicht wahr sein!

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Doch. Isses.
Und jetzt alle:

Nie wieder Hütchenspiel, nie wieder in die Spielothek
Nie wieder Hütchenspiel – oh, das ganze Geld ist weg!
Oh wie schade, oh wie schade
Nur noch trocken Brot und keine Schokolade.

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Die Ärzte haben immer recht.

Schon gehört, jetzt werden Lehman Memorabilia verkloppt: www.ftd.de

Lust, dem Geld noch mehr Geld hinterherzuwerfen? Einige Leute anscheinend schon.

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Mir wollte damals bei dem Abgang der New Economie mein Bankberater Morphosys Aktien verkaufen. Stutzig machte mich das er mich in meiner Firma deswegen anrief. Sie wären jetzt sensationell günstig zum Einstieg usw. usw. Die Dinger waren im freien Flug nach unten und haben nie wieder diesen Wert erreicht.
Der wollte mir tatsächlich seine Restposten andrehen.
Etwas ähnliches passierte mir Jahre vorher bei meiner Hausbank. Die wollten mir auch ihren Schrott andrehen.
Mein Fazit: Antizyklisch handeln. Zuerst fragen was der "freundliche" empfielt und dann davon weiten Abstand nehmen.

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Es gibt da ein BGH-Urteil (XI ZR 56/05 ), dass über Provisionen informiert werden muss:

"Wenn eine Bank einen Kunden über Kapitalanlagen berät und Fondsanteile empfiehlt, bei denen sie verdeckte Rückvergütungen aus den Ausgabeaufschlägen und jährlichen Verwaltungsgebühren erhält, muss sie den Kunden über diese Rückvergütungen aufklären [...]"

Und hier ist noch eine Kurzfassungssammlung an Urteilen

Marc

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auch kein trost

sieht wirklich schlecht aus, vielleicht läßt sich zumindest etwas mit anderen geschädigten und öffentlichem druck retten, ich drück dir die daumen!
und dann kommt jetzt noch die großspurige "staatliche garantie" für dein sparbuch, wer's glaubt... :-(

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Und man kann die Ausgabe nicht mal von der Steuer absetzen!

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Körperliche ...

Gewalt hilft – manchmal. :-/

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Wenn ich mein Bankberater wär, ich würd mich hier nicht mehr auf die Straße trauen. Echt jetzt.

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Herr Lehmann

Etwas Kritik. Beim Lesen so scharfsinnig und wachsam, daß ich mich heute sehr gefreut habe. Vom Internet wurde Ihre Seite nämlich gerade angespült.
Aber der stereotype Ärger über die Bank. Man kann doch beim ersten Blick sehen, daß alle überrascht waren, als Lehman Brothers pleite ging. Sehr wahrscheinlich sind sogar die amerikanischen Entscheidungsträger erstaunt zusammengezuckt, als die Bank auf einmal weg war.
Ich bin wahrscheinlich anders sozialisiert, aber das Braun und Orange der Siebziger und die förmliche Arroganz haben mir beim Betreten einer Bank nie Vertrauen eingeflößt.

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Prima, dann sollten die Banken sich ganz schnell etwas ausdenken. Verdient haben sie an mir, den Verlust soll ich aber ganz alleine tragen? Irgendein Zeichen des guten Willens fände ich schon angebracht. Meinetwegen sollen die wenigstens ihre Provision zurückzahlen. Aber ich sehe da nichts. Nichts außer Schulterzucken. Und da soll ich mich nicht ärgern?

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Es ist ja wirklich ärgerlich,

wenn einem jemand das Geld verbummelt (der auch noch dafür bezahlt wurde). Aber der eifrige Bankberater kann doch schon lange nicht mehr mit einem gewissenhaften Arbeiter verwechselt werden, der haltbare Schuhe anpaßt, feine Äpfel übern Zaun reicht usw. Den Verdacht, daß öfter falsch und teuer beraten wird, bin ich noch nie losgeworden.
Wie wäre es, beim Umgang mit den Geldverwaltern ganz auf den menschlichen Kontakt zu verzichten? Je abstrakter, um so besser. Statt sich vom Berater müde reden zu lassen, etwas rumgoogeln. Das Ergebnis ist sicherlich auch nicht schlechter und das doch etwas dröge Produktmanagement- und Marketingzeug der Bank (wenn ich schon die Fotos sehe...) muss wenigstens nicht mitbezahlt werden.
Oder nur ein Konto führen - den Schluß finde ich auch ganz gut.

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Problem ist, dass die Bankangestellten zwischen Beratung, Vorgaben von oben und Provisionen stehen, genau das aber nicht sagen.

Ich werde mich auch daran gewöhnen müssen, dass man immer erst nachfrag, was egal, welcher Verkäufer bekommt, wenn er mir ein Produkt nach einem Kundengespräch verkauft.

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HR-Online: Auch Frankfurt versenkt Millionen

Macht es nicht besser, aber warum sollte man als Normalanleger seinem Kämmerer nicht trauen? So fragwürdig manche politische Entscheidung auch ist, aber ich traue denen nicht zu, dass die das Geld auf dem Kapitalmarkt verzocken.

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Es ist zwar unendlich unschön, aber irgendwie tröstet mich das. Daß man nicht der gierige Dummbatz war, sondern einfach ein Anleger unter vielen, die halt Pech hatten.

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Notizen aus dem Führerbunker...

... oder wie man(n) Testosteron auf Kosten anderer abbaut:
tinyurl.com

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Danke für den Link. Jetzt hab ich das auch kapiert. Das war keine Firma, das war ein Hofstaat.

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'einen hab ich noch'


hi,hi; kleiner Witz!wo geht's denn hier nachKönnen! , vor LACHEN!Übrigens mein Physiklehrer hatte noch den Witz auf Lager:Kunst kommt von Können und nicht von Wollen,sonst würde es Wulscht heißen! heiß, heiß, heiß...Ich wünsch Dir noch einen schönen Tag, Andrea.Bis denne,Hans  ...
[hadephy am 29.01.17 23:39]

For the (holy) sake of Fun! (or: just for Fun)


Mir is was zur Aufheiterung eingefallen, das ich Dir nicht vorenthalten möchte.Das Wär mal angebracht (Ne: nicht der Griff zum Wegschmeißen, Außer: Rofl!, he, he)(echt Der Bringer!, respektive the Burner! on three Cookies!, he, he)(kurz gesagt:J.oke W.ith A.nnouncement!):Das fragsch Du... ...
[hadephy am 01.01.17 20:24]

American Standard wisdom: "I don't feel sorry For you"


And I would conclude with some wisdom of my own, "well": 'Life isn't That complicated!'The most important goal then would be to have an appreciable agenda over the daytime!First a ball ( or what did Ms. Sanchez-Vicario say? :-) )... ...
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Schreiben ist kein Hobby, es ist die Zeit in der uns unsere Gedanken nicht zufrieden stellen können. Es ist der Moment in dem wir nach unserem Glück Ausschau halten und versuchen, den Steckbrief unserer Wünsche zu formen. Und geben wir... ...
[EinGedanke am 13.09.14 11:27]

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[andreaffm am 12.08.14 17:04]

Ich erzähle was über den Mekong


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Ist hier : www.wrint.de  ...
[andreaffm am 07.03.14 21:53]

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DA freu ich mich drauf! :-)  ...
[m8 am 07.03.14 21:42]

...
Ich erzähle was über Burundi.  ...
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