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Alle sind da bis auf einen, denn Rolf Lappert ist in Lettland. Ansonsten aber ist die komplette Riege buchpreisshortgelisteter Autoren am Samstagabend im Frankfurter Literaturhaus zu besichtigen. Am Ende ist Samstagnacht, Ingo Schulze liest und die Hälfte des Publikums hat nicht durchgehalten. Aber aufgeben kommt für mich natürlich nicht infrage.

Beginnen wir damit, wie es begann, nämlich mit dem Kulturdezernenten. Der freut sich über die Preisverleihung in seinem schicken Rathaus und meint, die eindeutige Gewinnerin sei die deutsche Literatur. Daß nichtgelistete Bücher vernachlässigt werden stimme nicht, das sehe er samstags immer, wenn er in die Buchhandlung geht. Da liegen ganz viele nichtgelistete Bücher herum, also werden die auch nicht vernachlässigt, wenn die da liegen dürfen. Ich finde es auch nett, daß es in deutschen Buchhandlungen mehr als zwanzig Bücher zu kaufen gibt, das wäre sonst ein bißchen arg wenig Auswahl.

Den Anfang macht Dietmar Dath, der das Publikum in zwei Hälften teilt. Die kleinere ist jung, kennt Dath und ist begeistert. Die andere, größere Hälfte ist gesetzteren Alters, kennt Dath nicht und ist auch sonst einigermaßen ratlos. Man neigt ergraute Häupter zueinander, tuschelt und hebt Augenbrauen, während Dath so schnell vorliest wie er vermutlich schreibt.

Nach jeder Lesung schließt sich eine Diskussion an, und so wird auch hier dem Autor die Gelegenheit gegeben, sich zu wundern, warum das mit dem deutschsprachigen Literaturbetrieb und der Phantastik so gar nicht zusammengehen mag. Wenn Südamerikaner das eine Zeitlang machen, ist das magischer Realismus, so Dath, aber wenn Deutsche das über 60 Jahre hinweg machen, sind das so komische Einzelkämpfer.

Die Quotenfrau der Liste ist Iris Hanika. Von ihr und ihrem Roman "Treffen sich zwei" habe ich überhaupt keine Meinung, aber schon beim ersten Satz bilde ich mir eine. Darin ist nämlich neben ein bißchen Wetterbericht gleich von der Endlosigkeit des Daseins die Rede. Uff. Ich wünschte, ich hätte mehr zu Mittag gehabt als ein bißchen Brokkolicremesuppe, denn sowas geht auf quasinüchternen Magen eigentlich gar nicht. Dauernd ist da alles erhaben, und zwar wörtlich, also erhaben, der Ton weihevoll bis biblisch. Worum gehts? Darum, daß sich zwei treffen und miteinander ins Bett gehen und dann wird es kompliziert.

Frau Hanika sagt, sie hätte den Roman ohne die ihm vorangehende Therapie nicht schreiben können. Außerdem sei das alles gar nicht ironisch, denn sie hasse Ironie, und wenn ihre Mutter sie immer dafür lobt, daß ihre Texte so herrlich ironisch seien, wisse sie nicht, was sie sagen solle. Also, schließe ich daraus, sind die Texte unfreiwillig ironisch und sollten von der Autorin nochmal durchanalysiert werden.

Der Lektor habe jedenfalls, so erzählt sie, bemängelt, daß der Mann im Roman zu einfach gestrickt sei. Ich find den gar nicht so einfach, sagt Hanika, ich find den einfach nen Mann. Lacher im Saal. Dieser Satz, denke ich, hätte jetzt auch von Susanne Fröhlich kommen können. Frauen mit biologistischem Überlegenheitsgestus gegenüber Männern gehen mir immer schwer auf die Nerven. Wenn die sonst nichts haben, worauf sie stolz sein können als ihr Geschlecht, für das sie nichts können, tun die mir leid. Das Publikum ist allerdings nicht genervt, das ist rechtschaffen amüsiert. Schon interessant, was Leute so witzig finden.

Rolf Lappert ist wie gesagt nicht da, sondern in Lettland. Deshalb wird sein Roman ohne ihn verhandelt und jemand anderes muß lesen. Der liest das so weg und das hört sich so weg, das zischt wie Appelsaft, könnte man sagen. Man darf allerdings nicht näher hinschauen oder hinhören. Sonst könnte einem auffallen, daß immer das naheliegendste Bild, die nächstbeste Umschreibung verwendet wurde. Das ist sprachlich ziemlich erwartbar mit den ganzen wie-Vergleichen, die ja eigentlich eh handwerklich pfuibäh sind.

Genau das Gegenteil gilt dann aber für die Handlung und das Personal, da wurde immer die am wenigsten naheliegende Wendung, die seltsamste Eigenheit gewählt. Es schicksalt und zufallt, daß es nur so kracht. Das liest sich dann ungefähr wie eine Mischung aus John Irving in der verquasten Cider House Rules/Owen Meany-Phase und dem Irischen Lebenslauf von Flann O'Brien, den aus Versehen jemand ernst genommen hat.

Nun ist Uwe Tellkamp an der Reihe. Ich kann mich noch lebhaft an den Bachmann-Auftritt erinnern, den ich, nun ja, was soll ich sagen, ich hab das irgendwie nicht so ganz kapiert. Ich hab schon den Vorstellungsfilm nicht kapiert, den er damals selbst gedreht hatte. Und den folgenden Sprachstrom dann auch nicht so ganz, der sich seines Spezialwortschatzes freut und vor sich hinmäandert. Das ist so Sprache, die sich selbst ziemlich großartig findet und mir auch dauernd zeigen muß, wie großartig sie ist. Vermutlich, aber da bin ich mit mir selbst noch nicht ganz einig, ist das aber auch ein Sympathieproblem und kein ästhetisches.

Denn das paßt ja schon zusammen, daß man da von diesen ganzen Bildungsbürgern liest, die nichts haben als ihr zu Tode kultiviertes Dasein, das vor niemandem etwas gilt als vor den Mitgliedern ihrer kleinen Enklave, und die Werte hochhalten, die einer versunkenen und abgehakten Epoche angehören. Zumindest in den Augen so ziemlich jedes Zeitgenossen um diese Enklave drumherum, die aber auch nur eine sogenannte deutsche demokratische Enklave in Anführungszeichen ist mit ein paar Bruderstaaten hintendran. Sowas muß man vielleicht genau so erzählen. Das Publikum jedenfalls findet einen Zugang.

Sherko Fatah liest eine knappe, trockene Szene, stark in ihrer Brutalität. Im Publikum stöhnt es. Dann liest er weiter, und das knappe, trockene vertröpfelt sich leider und wurschtelt sprachlich unbestimmt vor sich hin. Schade. Ich habe den bösen Eindruck, daß das Buch nicht hält, was die ersten Seiten versprechen. Er ist aber ein guter Gesprächspartner auf dem Podium. Man munkelt, daß solche Kriterien für einen Buchpreis nicht ganz unwichtig seien.

Den Abschluß macht Ingo Schulze. Das Publikum ist schon ziemlich ausgedünnt, als er den Anfang der Geschichte von Adam und Evelyn liest. Das ist jetzt ein netter kleiner Roman, aber sicherlich nicht das große Meisterstück des Schulzeschen Werks. Trotzdem, gemessen am mitunter üblem Quark dieser Shortlist und der der letzten Jahre, schreibt der Schulze einfach mit einer sprachlichen Sicherheit, die nichts bemühtes, nichts gesuchtes hat. Das ist nicht durchdrungen von Kunstwollen und der macht nicht auf locker. Der macht einfach. Und wenn es schiefgeht, geht es gleich mal auf einem ganz anderen Niveau schief als so manch anderes.

Am Ende dieses Abends füchte ich nun, daß Uwe Tellkamp diesen Preis bekommt, dieses Buch, das als geradezu buddenbrooksch belobigt wird, und die hab ich schon nicht durchgehalten. Sherko Fatah hat Außenseiterchancen.

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Wuuhaaa … die gruseligen »kriechenden Augen« der Iris Hanika.

Ich erinnere mich. War auch ja mit an dem Abend, wenn auch nur für den ersten Leseblock, weil ich — wie ich drüben bei mir melde — endlich mal den Herrn Dath life erleben wollt.

Erwähnt hat Dath im Zusammenhang mit den kuriosen Einzelkämpfern der Phantastik übrigens drei wirklich feine Namen/Titel der Nachkriegsliteratur: Arno Schmidts »Die Gelehrtenrepublik«, Carl Amerys »Die Feuer der Leyermark« und Wolf von Niebelschütz »Die Blaue Kammerherr«. — Schmidt wurde ja dank umtriebiger Fanbase mittlerweile ›rehabilitiert‹, Amery rutscht Jahr für Jahr weiter ins Vergessen (Werksausgabe anyone?) und Niebelschütz erfreut sich alle paar Jahre neuer Auflagen, obwohl man nicht viel über ihn spricht (ach ja: »Kammerherr« feiert nächstes Jahr den 60ten Geburtstag).

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Hah, Amery, dass ich das noch erleben darf!

Ich habe die Heyne-Taschenbuchausgabe der Leyermark, aber die geb ich nicht her. So wenig wie den "Untergang der Stadt Passau!"

Richtig, Amery als SF-Autor geht immer weiter unter!

*sorry Andrea, war off topic!

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Bücher sind hier nie off topic.

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