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Man muß es vielleicht so erklären: Drei Tage Gerenne, alles ist zu weit weg mit zu vielen Menschen dazwischen und zu viele Buchstaben und so wenig Zeit und immer zu wenig Hirn dafür und das Hirn, das man hat, ist mit ZVAB-Tüten-Slalom beschäftigt.

Da macht es auch nichts mehr aus, daß die Schlange hundert Meter lang ist und halb um die Katharinenkirche herum bis zur Zeil reicht. Ich stelle mich hoffnungsfroh an, hinter mir nette junge Katalanen, vor mir pfeiferauchende ältere Frankfurter, es mischt sich durch, das Volk, ich mittendrin irgendwo im hinteren Drittel der Schlange. Immer wieder Passanten, die neugierig fragen: Ist hier eine Lesung? Nein, sagen wir, hier ist ein Konzert.

Nach all den Tagen will man nicht einmal mehr Fahrpläne lesen müssen, abgesehen davon, daß es ohnehin nutzlos ist, die Bahnen kommen, wenn sie kommen, mit oder ohne Streik, mit oder ohne Signlstörung, man darf nur die Hoffnung nicht verlieren und einfach stehenbleiben und warten, und siehe, irgendwann kommt der Zug näher oder das Kirchenportal.

Eine Konzertkasse gibt es heute nicht, heute ist der Eintritt für alle frei, und so geht es vorbei am reich gedeckten CD-Tisch hin zu dem jungen Mann im Cultura-Catalana-T-Shirt, er verteilt Programmhefte und Anweisungen: Dort ist noch Platz oder dort. Mit Einzelbegrüßung geht es zwar nicht gerade schneller vorwärts, aber effektiver, ohne Lücken, ohne gierig stürzendes Volk, gemessenen Schrittes durch den Mittelgang oder, wie ich, gleich zur Seitenbank und aufgerückt.

Die Kirche ist brechend voll, alle Bänke restlos besetzt, dann werden die Türen geschlossen und das Licht heruntergedimmt. Vorn nun die Musiker: Das Vokalesemble Hespèrion XXI, La Capella Reial de Catalunya und schließlich der Dirigent und Solist an der Viola da Gamba, Jordi Savall. Alle gucken nach vorne, doch da legen schon Trommel und Bläser auf der Empore los, hunderte Köpfe drehen sich, und so beginnt der Abend mit Musik in Katalonien – von der Renaissancezeit bis zum Barock.

Wir beginnen um 1440 mit dem feierlichen Cant de la Sibilla, Solistin Monserrat Figueras und der Herr mit dem hackbrettartigen Instrument stehen seitlich auf der Kanzel, Sänger und Saiten vorne im Altarraum, später wird auch der Gang bespielt, von rundherum kommt Musik, gemächlich vor sich hinschnörkelnder Gesang und abrupt einsetzende Instrumentalpassagen.

Letzte Gäste huschen auf Plätze, dann beginnt der zweite Teil mit volkstümlicheren Liedern aus dem Gesangbuch Ferdinands von Aragonien, Herzog von Kalabrien. Schließlich geht es mit Tänzen richtig zur Sache, Ensaladas i Danses heißt diese Abteilung, die Trommel rummst kräftig und die Zink trötet fröhlich herum, es darf gehüpft werden, oder zumindest ein bißchen gewippt. Mateu Fletxa el Vell heißt der bedeutende Katalanische Komponist, der im 16. Jahrhundert die Ensalada entscheidend mitzuentwickeln half.

Wir begeben uns ins 17. Jahrhundert, auch hier zunächst ein stilles, sakrales Stück, El Misteri d'Elx, erst singt ein Engel auf der Empore, dann drei Apostel im Mittelgang, schließlich ist die Jungfrau mit ihrem Teil vorm Altar an der Reihe. Und abschließend wird es mit den Cants de la Terre de l'Esprit so langsam barock: Joan Cabanilles und andere Komponisten des späten 17. Jahrhunderts drehen reichlich vielstimmig auf.

Nach eineinhalb Stunden bin ich völlig weichgespielt, die Ohren rauschen nicht mehr, vor den Augen flackern keine imaginären oder realen Buchstaben, im Kopf eine ungewohnte Klarheit. Menschen stehen und klatschen und rufen Bravo. Es gibt zwei Zugaben, dann schieben wir uns nach draußen, so geduldig, wie wir uns hineingeschoben haben.

Immer wieder wird der Sinn des Buchmessen-Gastlandes angezweifelt, aber solange solche Gastgeschenke wie der koreanische Garten oder dieses Konzert dabei herauskommen, kann ich wenig dagegen sagen. Ich weiß nur, daß die bisher beste Veranstaltung der Buchmesse keine literarische war, sondern eine musikalische, und zwar eine des Gastlandes, für das man sich ja normalerweise immer nur so ein bißchen aus Pflichtgefühl interessiert. Das hier war keine Pflichtübung. Das war da, in völliger Selbstverständlichkeit, und niemand mühte sich ab, irgendwelche Bedeutungen zu erklären, weil es nichts zu erklären gab.

Draußen auf der Hauptwache stehen schon wieder die Indios mit ihrem monströs aufgeblasenen Andensound und spielen internationale Schlager nach. Ich biege sofort nach rechts ab.

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