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Ich fürchte, ich komme nicht wirklich drumherum um den Besinnungsaufsatz. Nicht weil man mich drängte, sondern wegen mir, weil ich mich besinnen muß.

Eigentlich bin ich ja die ganze Zeit herumgelaufen und dachte: Blogblues? Welcher Blogblues? Mein Durchhaltevermögen in Sachen Unbekümmertheit reichte genau bis Freitag Vormittag. Dann kam Praschl und hielt einen Vortrag. Entschuldigt, wenn ich wieder darauf zurückkommen muß, aber da fing ich an nachzudenken und tue es seitdem.

Keine Angst, ich habe keine Pläne, das Blog zu schließen. Weil mir sonst etwas fehlen würde. Etwas, was ich stärker vermissen würde, als mir gewisse Figuren jemals auf den Nerv gehen könnten. Aber ich bin ins Grübeln gekommen, und das ging los, als da einer kam und erzählte, wie es war, und ich dachte, ja, genauso war es, und weil ich da die ganze Zeit so organisch dringesteckt habe, hab ich nicht gemerkt, daß es nicht mehr so ist. Natürlich ist mir klar, daß sich die Dinge ändern, man kann die Zeit nicht anhalten, aber da ist etwas verlorengegangen, und nicht nur die vielen Blogger, die irgendwann aufgehört haben, sondern etwas, das viel mehr Kultur war, als Werbebanner es je sein können, aber lassen wir das.

Kann es sein, frage ich mich, daß ich zu einem jener alten Säcke verkomme, der ich niemals hatte werden wollen? Der die schönen neuen Möglichkeiten, die Aufbruchseuphorie der Jugend, die nachwachsenden Subkulturen nicht mehr versteht? Der ewig und drei Tage auf die Musik seiner Abifeier abtanzt? Weil es so kuschelig ist, so identifikatorisch und generationenkonstituierend? Bin ich jemand geworden, den ich eigentlich verachte? Was kann ich jemandem erwidern, der mir genau das vorwirft?

Ich kann sagen: Früher wohnten wir in einem kleinen Dorf, das hieß Kleinbloggersdorf, und jeder kannte jeden, das war schön. Das klingt aber wie Werbung für genfreie Milchprodukte. Ich kann sagen: Früher, da ging es um nichts als Text und ab und zu ein Bild, heute ist überall klickibunti. Das klingt nach DOS-Diktatur. Ich kann auch sagen: Früher, da wußte noch niemand von uns und alle ließen uns in Ruhe. Klingt nach Eremitentum. Egal wie man es dreht und wendet, es klingt nicht gesund.

Also sage ich all das nicht, aber das ist egal. Jeder kann sehen, wieviel Tage ich online bin, und schon Tausend-Tage-Blogger gilt als Beleidigung. Ich kann mich dann gleich doppelt beleidigt sehen. So kann man unter einem Text, in dem ein Link auch hierher in die Antville-Ursuppe führt, einen Kommentar lesen:

oh ja, oh ja. antville. arrogante, sich selbst für unheimlich wichtig erklärende altblogger gehen mir auf den sack.

Was bitte habe ich diesem Menschen getan? Soll ich den Anbieter wechseln? Soll ich mich öffentlich für unwichtig erklären? Soll ich ein neues Blog aufsetzen und so tun, als wär ich erst drei Wochen dabei? Was wollen solche Leute eigentlich von mir? Und was wollen die von sich selbst? Ich fürchte, das wird kein Besinnungsaufsatz, das wird ein Fragenkatalog.

Gerade hab ich noch gedacht, puh, der Ton wird aber deutlich schärfer in letzter Zeit, da werden schärfere Geschütze aufgefahren, da explodiert Maingold an der Blogbar und erklärt die Beendigung seines Blogs in unabgemilderter Drastik. Einer, der nichts mehr zu verlieren hat. Und er schreibt:

Die Bezeichnung „Blogger“ ist im Laufe der Zeit zu einem regelrechten Schimpfwort verkommen, welches für mich bedeutet, dass hier “extrem wichtige” Personen tagtäglich virtuelle Kämpfe um Positionen und Links mit bescheidenem Inhalt ausfechten. Die Blogosphäre ist zu einer überdimensionalen, virtuellen Schleimspur von meinungslosen Linkhuren verkommen, die nur der Chartpositionen wegen bloggen, und dies noch nicht mal großartig zu verheimlichen versuchen. Sie tragen halbstarke Scharmützel auf Buchstabenebene aus, fechten einen lächerlichen pseudointellektuellen Kampf, während die meisten von ihnen vor der Kneipentür beliebig ein paar in die Fresse bekommen würden. Es ist leicht sich hinter einem Blog zu verschanzen, etwas vorzugeben was man nicht ist, seine eigene Persönlichkeit zu schönen und hemmungslos auf die Scheiße zu hauen. Es geht nur noch darum das eigene Blog mit allen verfügbaren Maßnahmen auf mittelmäßige Positionen zu heben. Inhalte? Egal! Blog Karneval? Ja Gerne! Technorati Linkaktion? Sofort dabei!

Bevor ich gebloggt habe – jetzt erzählt Oma mal kurz vom Krieg – hab ich ein sogenanntes Internet-Tagebuch geführt. Nach ein paar Monaten stieß ich dann auf das Phänomen des Weblogs, das war in einem dieser Newsletter von Dr. Web, die ich abonniert hatte. Ich sah mir die dort verlinkten Weblogs an und traf gleich auf den Zirbel und die Stattkatze und BlackandWhiteandBlue und das Sofablog und ich dachte, Mensch, ja, sowas machst Du ja eigentlich auch. Jetzt hast du endlich ein gutes Wort dafür.

Ich bin bis heute der Meinung, daß das ein gutes Wort ist, egal, was andere daraus machen oder damit verbinden. Ich bin bis heute Blogger, so heißt das, was ich hier tue. So heißt das, was die anderen tun, die sich dazugefunden haben. Irgendwann stellte sich heraus, daß es eine prima Möglichkeit gab, auch von unterwegs zu bloggen, und das war ein System, das ein paar Wiener erfunden hatten und Antville nannten. Dort fand sich erst das Sofa ein, dann ich, Markus Hammerschmitt, Irene. Da gab es auch ein paar schräge Leute, und das schlimmste Schimpfwort war Blogbedeutungsmafia.

Es kamen mehr, und das war gut. Eigentlich ist es immer noch gut, denn Antville wurde schon so oft totgesagt, daß ich das Mitzählen aufgegeben habe. Und siehe da, es lebt; und wie die Spendenaktion zum Summer of Code zeigt, kann man sich auf die Ameisen immer noch verlassen, wenn es sein muß. So ein bißchen Lokalserverpatriotismus kann man da schon mal pflegen.

Mit dem Beschimpftwerden ist es ja so: Jemand muß sich angesprochen fühlen, sonst läuft eine Beschimpfung ins Leere. Als Antville-Blogger und Altblogger kann ich mich schonmal prima angesprochen fühlen, also rege ich mich darüber auf und fühle mir ans Bein gepinkelt. Als meinungslose Linkhure fühle ich mich nicht angsprochen und bin entsprechend entspannt.

Der Unterschied dürfte klar sein: Für das Entstehungsdatum meines Blogs fühle ich mich ebenso verantwortlich wie für meinen eigenen Geburtstag, nämlich gar nicht. Meinen Hoster hab ich auch eher zufällig aufgrund praktischer Kriterien gewählt, es gab ja nichts vergleichbares. Für Linkdichte, Klickibunti und Großmäuligkeit ist aber jeder selbst verantwortlich, und Leute, die da aufjaulen, kann ich leider nicht verstehen. Es ist doch so einfach, sich nicht getroffen zu fühlen, man darf nur nicht von sich selbst denken, eine meinungslose Linkhure zu sein. Das sollte doch irgendwie zu schaffen sein.

Aber was ist das für ein seltsamer Grabenkampf? Eigenwilligkeit gegen Mainstream? Da setzt doch jeder die Kriterien anders an. A-List gegen Long Tail? Definitiv nein, die A-List ist unter sich schon nicht gerade eine homogene Harmoniehütte. Erzählen gegen linken? Beides gab es doch von Anfang an und existierte lange Zeit friedlich nebeneinander her. Warum gerade jetzt diese Angekotztheit? Etwa immer noch die Sache mit dem Kommerz?

Das wurde irgendwann unsexy, hat Praschl gesagt. Irgendwann, das heißt wohl ungefähr jetzt. Ist das so, daß Blogs das gleiche Schicksal bevorsteht wie Moonwashed Jeans und dem Zeppelin und dem Dodo? Das nächste große Ding, dann peinlich, dann irgendwann ausgestorben und halbvergessen und vielleicht als Retroschick wiederbelebt? Maingold ist es ja richtiggehend peinlich, als Blogger tituliert zu werden. Weil Bloggen unhip ist? Spießig? Langweilig? Schon wieder so viele Fragezeichen.

Und wie ich mich auch immer weiter zu besinnen versuche, mehr kommt im Moment nicht dabei rum. Verlassen wir den Seitenpfad, zurück zum Thema.

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also ich beschimpfte blogger schon wo ich ein blog bei antville hatte

mir wär auch in diesen frühen zeiten nix anderes in den sinn gekommen.

das problem liecht doch wohl in den anfängen der briefmarkensammler-ichversteher etwas zurück

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Eh klar, Sie Antville-Altblogger, Sie.

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aber es hat sich schon was geändert

früher verstand man sich als community im engsten sinne. wenn du da einen beleidicht hast dann war das zentrum und die peripherie erregt und dann ham se sich nachträglich geärgert weils so viel kommentare hatte was für das dumme volk unheimlich wichtich is.

blogger waren immer schon eine lächerliche veranstaltung zwischen schürze und gummibärchen

heute is man da cooler oder desillusionierter

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Jaja, Awareness ist die Währung, wenn schon kein Geld rumkommt.

Wahrscheinlich haben sich die Gründe geändert, warum man sich beleidigt. Es geht plötzlich um was.

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Mehr muss auch gar nicht,

das ist doch schon eine ganze Menge. Tatsächlich kann ich das Erregungslevel des Maingold-Machers auch nicht so recht nachvollziehen. Genausowenig verspüre ich Neigung, mir den Schuh mit den "meinungslosen Linkhuren" und "extrem wichtigen Leuten" anzuziehen. So was mag es geben, sicher. Eine Verpflichtung, mich dafür in irgendeine abstrakte Sippenhaft im "Blogger"-Block nehmen zu lassen, vermag ich darin nicht zu erkennen.

Unverkennbar ist jedenfalls, dass die Bloggerei derzeit von einem gerüttelt Maß an Utopieverlust gebeutelt wird. Weder ist sie als Gegenöffentlichkeit zu dem etablierten Mediengedöns sonderlich erfolgreich und bedeutsam geworden noch weisen die Gesamtzahlen darauf hin, dass sich hier noch eine große Welle auftürmt. Auch mit dem Business bleibts ja sehr überschaubar, wenn ich mir die verwaisten Werbeblöcke bei den von Adical vermarkteten Adressen so ansehe. Das ist alles kein Stadionrock, sondern Kneipenbeschallung gegen Freigetränke (Stichwort: Holsten-Flatrate).

Stört mich das? Um ehrlich zu sein: nein. Ich habe keine Aktien drin in der Frage, ob das Blogdings noch abhebt oder nicht - oder es zunehmend zum Egomanen-Stadl mutiert. Wenn ich den Spaß an der Sache verlieren sollte, dann werde ich es eben bleiben lassen und meiner Wege gehen. Ganz einfach.

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Da haben Sie wohl recht, mit Utopieverlust und Kneipenbeschallung, so kommt mir das auch vor.

Mir ist grad so Die Wohnung ist okay, aber die Nachbarschaft ist ziemlich laut. Früher haben da Leute gewohnt und ihre Vorgärten gegossen, jetzt sind da lauter Bürohäuser. So ungefähr. Daß die Büroklötze eh bald wieder verwaisen, hilft da nicht wirklich weiter.

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Ja, verstehe ich.

Wobei ich differenziere, wo ich von meinem Fenster aus noch intakte Nachbarschaft sehe und wie nah oder weit die Gewerbegebiet-Großbaustellen sind. Da empfinde ich meine unmittelbare Nachbarschaft (blogger.de-Buddies, paar Straßenzüge im Ameisendorf und paar verstreutere Adressen anderswo) noch als einigermaßen intakt. Aber das könnte auch relativ schnell kippen, wenn etwa irgendwelche zwonulligen Heuschrecken Dirk Olbertz ein Angebot machen, das er nicht ablehnen kann, was auch immer. Ich habe zwar noch eine weitgehend unbenutzte Zweitwohung bei twoday, aber ich weiß nicht, ob ich nochmal den Nerv hätte, mir das alles kommod einzurichten, Postkärtchen mit der neuen Adresse zu verschicken und all das, was an so nem Umzug dran hängt. Ich weiß es wirklich nicht.

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Sie machen mir Angst. Über sowas habe ich noch nie nachzudenken gewagt. Umzug? Undenkbar. Unmöglich.

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da hab ich keine probleme

ich bin ueberall präsent wenn ich will
bei die neonazis wie bei die antifa

alle lieben den zitterwolf

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Sie sind ja auch eine Kunstfigur, die echte Menschen beleidigt. Ich bin vor allem mein Archiv. Wenn das weg ist, bin ich nix, rein virtuell zumindest.

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ach keinen menschen kann man beleidigen wenn er nich beleidicht is

wenn beleidige ich ihre selbstdarstellung
den menschen nie

nur da sind die total sauer weil se nich als selbstdarstellung beleidicht werden wollen

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Tschuldigung, hab ich den Zwinker-Smilie vergessen?

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moonwashed jeans ware ja nie hip. dodos auch erst nach ihrem tod.
zeppeline sind immer hip, zumindest kenne ich niemdn, der sich ihrem charme entziehen kann.
bloggen ist nicht wie poesiealbum, nicht wie tagebuch und nicht wie, naja, so andere moeglichkeiten, zu kommunizieren.
weil die interessanten sachen da passieren, wo weder sender noch empfaenger dem jeweils anderen reinkucken koennen.

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ja wenn du kochen könntest

das wär ma ne interessante sache

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Ich glaube, man denkt eh nur, daß man reingucken könnte.

Und manche verstehen es ganz gut, Reingucksimulanz zu generieren. Aber eigentlich sieht man auch da nix, was einem nicht gezeigt werden soll. Glaube ich. Natürlich geht mit Küchenpsychologie immer noch was.

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Ich denke, Du solltest Dich nicht frustrieren lassen. Natürlich existiert jeder Mensch in seinem Umfeld, aber zunächst existiert jeder Mensch ja mal auch für sich. Was man liebt, macht man gut. Und Du bist gut, weil Du vermutlich Deine Reisenotizen gerne schreibst. Ob das im Trend liegt, passé ist, von allen gleichermaßen und angemessen gewürdigt wird oder von den üblichen Theoretisierern, die alles zerreden müssen, weil sie sonst nichts können, ins Bodenlose diskutiert wird, ist unerheblich. Selbst die Frage, ob Idioten Deinen Blog nicht mögen, weil sie selber sich weder ausdrücken können, noch irgendeine Ahnung von Orthographie haben, ist auch unerheblich. Ja, es gibt inzwischen viele Blogs. Ja, die meisten taugen nix oder sind nur Info Plattform für große Gruppen (wie meiner z.B.).
ABer dass das so ist hat keinerlei Einfluss auf das, was Du machst. Unabhängig davon, welchen kommunikationstheoretischen Schwellungen sich die bildungsbürgerlichen Pflichtkulturabsolvierer gerade hingeben, das hat alles keinen Einfluss, auf das, was Du machst. Nämlich einen guten Blog schreiben.
Und wenn Du Werbung auf die Seite nehmen wolltest, fände ich das völlig in Ordnung. Für den Duden zum Beispiel.

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Ja, ich weiß, ich versuche auch, mich nicht beirren zu lassen. Nur manchmal guckt man auf und guckt sich um und das, was man sieht, ist nicht gut. Im ZKM traf ich leider auf eine geballte Ladung "nicht gut". Und auf zwei gute alte Antville-Nachbarn, die deshalb gar nichts mehr schreiben. So weit wüde ich nicht gehen, aber ich kann das Unbehagen schon nachvollziehen.

(Ich würde ja Werbung für guten Kaffee machen oder für Schuhe oder feine Schreibgeräte, aber die Anfragen halten sich bislang noch sehr in Grenzen.)

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@zwei gute alte Antville-Nachbarn, die deshalb gar nichts mehr schreiben

Ich muss gestehen, dass diese Begründung in meinen Ohren (auf die Distanz zumindest) etwas wohlfeil klingt. Natürlich kann es jede Menge gute Gründe geben, den Spaß an der Sache zu verlieren und aufzuhören. Aber ich persönlich würde das dann nicht unbedingt an "den anderen" festmachen, den Aufmerksamkeits-Betriebswirten, den Alphatierchen und ihren Adabeis. Das ist es auch, was mir an dem (in Strecken durchaus nachvollziehbaren) Maingold-Rant aufstößt: pauschale Schuldzuweisungen à la "bäh, sind die alle blöd", aber kein bisschen Selbstreflektion. Kein Gedanke daran, dass die Unlust vielleicht auch daran liegen könnte, dass die eigenen Akkus leer sind, dass man alles gesagt haben könnte, was man zu sagen hat - und dass das Spielzeug Blog eben auch deswegen den Reiz verloren hat. Da ist es natürlich einfacher, die eigene Rolle in dem Spiel komplett auszublenden und irgendwelchen Deppen, die ich nicht mal beim Namen nenne, noch eins mitzugeben.

Andererseits habe ich natürlich auch gut reden, da ich die kuscheligen Anfangstage der antville-Altsteinzeit selber nicht erlebt habe. In den drei Jahren, in denen ich ins Internet reinschreibe, hat sich so rasend viel eigentlich nicht verändert, abgesehen davon, dass das gestiegene noise level auch ein paar Geschäftemacher angelockt hat. Aber laut und linkgeil ging es auch schon zu, als man statt technorati-authority noch Blogstats checkte.

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Daß hin und wieder der ein oder andere am Wegesrand zurückbleibt, ist normal. Da sag ich gar nichts.

Aber im Moment habe ich den Eindruck, daß es sich ballt. Und da frage ich mich eben: Warum? Warum gerade jetzt? Könnte es sein, daß sich die Blogosphäre gerade ausdifferenziert – aber in welche Lager?

Ich bemühe mich um Überblick. Es geht ja auch gar nicht um mich, eher um die Aussicht vor meinem Fenster.

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Das ist wie mit der Stadtentwicklung der 60er Jahre: Die Altstadt wird aufgegeben, weil manche wegsterben, andere ziehen in die Vorstädte, wo auch die billigen Einkaufszentren gebaut werden, dann auch noch die Massensiedlungen der Flüchtlinge, früher die Nazis aus dem Sudetenland, heute die New-Eco-Totalitaristen, und all das Pack zieht des Nachts in die paar Kneipen der Innenstadt, wo sie sowas wie Menschlichkeit für sich requirieren, bevor es wieder heimgeht zum blauen Spreeblick-Bock, später dann 9live und am Morgen das Bildblog, die Bild der Blogger, brought to you by Adical.

Da hilft nur Restaurieren, weitermachen und den Hauswandpissern b und zu eine Ladung Schrot verpassen. Für schöne Innenstädte, gern auch mit Liebhabern, die wieder reinziehen, jungen Familien, die was davon verstehen, und der Plebs vor der Stadt wird sich mit rauchen und Verfettung schon rechtzeitig aus der Existenz ballern. Die Altstadt wird das überleben.

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Und Klein-Bloggersdorf ist jetzt Groß-Bloggersdorf und überall stehen die Mediamärkte auf grüner Wiese und die geklonten Fertigbausiedlungen in Einheitslayout und Werbung und Paybackkarten und Kundenkarten und alle wollen sie den Verkehr noch beschleunigen und keine Umwege fahren und keinen Meter mehr zu Fuß gehen und funktional soll es sein und abwischbar und mit Glitzerfassade.
Nicht meine Welt. Hier ist trafficberuhigte Zone. Hier sind die Decken unökonomisch hoch und die Energiekosten immens. Und ich würde nichts anderes wollen.

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Vielleicht sollte man beginnen, über Toskanösenblogger zu reden.

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Zeppeline

Also über Oberschwaben kreist längst der Zeppelin NT und das hindert keinen Konstanzer Studi, ins Gratisfreibad zu gehen, anstatt dreistellig für ein NT-Ticket hinzublättern.

Anders: Was andere machen, muss einen nicht so arg betreffen, wenn man nicht betroffen werden will.

Wie Robert geschrieben hat: Manche von uns haben Usenet, IRC, MUDs, Bitnet und Mailinglistenzeiten hinter und neben sich und bloggen halt auch. Und emailen und chatten.

Ein Problem gibt das, wenn man sich darüber komplett definiert und wenn anderen einen versuchen zu definieren. (So hab ich P. z.T. verstanden.)

Es gibt auch 'bloghistorisch' die Tagebücher (zuerst, ein Studi 1995) und dann die Linkblogger (1996? 97? keep forgetting, Jorn Barger mit RobotWisdom, der das Wort 'Weblog' prägte).

Wenn man zur Deckung quenglen will, was sich nicht zur Deckung bringen lässt, das kann schon frustrieren. Muss sogar.

Man kann auch feststellen, dass verschiedene Dinge versehentlich gleich heißen. Oder ähnliche Software benutzen. (Wobei Livejournal und Blogger.com sich schon arg unterscheiden.)

Mir hat kopfschüttelnd einer erklärt, er verstehe nicht, wieso ich trotz der Technoratilinks noch pinklelnde Hirsche moblogge. Ich fand den Hirsch halt komisch, das Wortspiel wollte raus und es ist mein Blog. Fertich.

Ich hab auch oft mit Bloggern mit 1000+ Besuchern geredet und die waren zum Teil nicht glücklich darüber. Fühlten sich eingeschränkt, weil unter 1000 immer einer grad wütend ist oder was missversteht. Versteh ich auch, wenn man das dann lässt. Muss man sich ja nicht alles antun.

Dass es am mangelnden Geld liegt.... , nun, weder beim Blogfrust von Scoble, noch bei dem von P. noch bei dem von z.B. Martin Röll dürfte das auch nur am Rande ne Rolle gespielt haben. Wer nicht weiß, WARUM er bloggt (so oder so), der dürfte sicher auch nicht immer wissen, warum er-sie-es weitermacht.


Ach ja, bei Twoday kann man die Daten exportieren, wie es bei Antvillle ist, weiß ich nicht. Aber ob man extern sichern kann, sollte man sich vielleicht mal erkundigen.

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"früher die Nazis aus dem Sudetenland"

wie schindler vermutlich.

die aaa-blogger sind doch das wertvollste an geist, esprit und talent. mit ihren lobhudlern die perle jeder community.

da wehklagen jezze die kleinbürgerlichsten gazetten ob die dokumenta: kein strezz keine provokation kein eklat kein skandal!
wie langweilich.

in der blogosphäre is immer dokumenta
den aaa-bloggern sei dank

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Die "Ausdifferenzierung" hat bereits letztes Jahr begonnen. In meinen Augen wirkt da der Nachhall der damaligen Kommerzialisierungsversuche, der begleitenden Kloppereien und der vergifteten Atmosphäre, die seitdem verstärkter durch die Blogosphäre wabert. Das waren nicht nur Nicklichkeiten, die immer schon mal auftraten. Da wurden Grenzen gezogen. Für mich bleibt 2006 - "The Year that Blog broke", um auf Sonic Youth anzuspielen (wenn schon immer auf den Vergleich mit "Punk" abgehoben wird).

Das "Wir", die Dorfstruktur ist wohl Vergangenheit, jetzt sitzen die Leute eher in ihren anonymen Mietbüros, man grüßt sich höchstens im Fahrstuhl (manche nicht einmal dort), ein paar setzen sich auch mittags in der Kantine zusammen. Man hat sich eine zeitlang mal sehr angezogen und nach einer Zeit um so stärker wieder abgestoßen. Jetzt mag man sich neu verdrahten, oder besser noch einfach rausgehen, was erleben, über das es dann zu schreiben gilt.

Der Nachteil ist ja bloß, daß man nicht mehr "mitgezogen" wird, wenn man selbst mal durchhängt. Wenn jeder nur für sich selbst "ins Internet reinschreibt", erleben sich die Krisen und Durststrecken intensiver. Das erlebt man aber mit jedem Medium.

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An dem Tag, als Schwenzel, Winks, Lobo und andere für ihre Opels über Poodlepop hergefallen sind, und mir einer von denen Poodlepops Tätigkeiten mailte und mich aufforderte, nach dem Motto "Der Feind meines Feindes ist mein Freund" ebenfalls auf ihn einzudreschen - der Tag war der Beginn, von da an geb es kein Zurück mehr. Blogger, die andere Blogger des Geldes wegen auffordern, Blogger fertig zu machen.

Dennoch, ich glaube, da muss man durch, und in Karlsruhe habe ich es ja gesehen, wie es auf der anderen Seite aussieht: Der infantile Winks, dem wegen seiner Schleichwerbung für Holsten und deren Bierlieferung die Begeisterung entsprudelt, und der Bildblog-Schultheis, der seit zwei Monaten keine Adical-Werbung und folglich auch wenig Einnahmen gesehen hat, sind zusammengenommen die Sackgasse der Kommerziellen. Gier nach ein paar Essensresten vom Tisch der Reichen, Unsicherheit, das dumme Gefühl, so weit gekommen zu sein und am Ende mit leeren Händen und ramponierten Image dazustehen. Ich glaube, die wissen das auch. Sie sagen es nur nicht.

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Entwicklung weg von der Dorfstruktur ist ja erstmal nicht nur schlecht. Bleibt die Frage, wie man sich einrichtet in der schönen neuen Urbanität. Wo sind die Museen und die Kulturangebote? Können doch nicht nur Bürokomplexe rumstehen hier. Muß doch mehr als nur eine Bar geben. Es kann doch nicht nur ums Geld gehen, ob man sich nun dadurch definiert, daß man welches verdient, oder dadurch, daß nicht.

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andreaffm

antville war nie ein dorf
ein dorf is viel facettenreicher

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Die Enttäuschung der ambitionierteren Blogger mag doch in deren übersteigerten ökonomischen Erwartungen begründet sein? Die Sehnsucht nach der Kuschelecke, die nie eine war? Bei fast jeder Nabelschau der Bloggeria ist meist kein Ausdruck zu hart und keine Perspektive drastisch genug. Danke für den entspannten Artikel hier.
Es hat dem usenet z.B. eher gut getan, nicht mehr im Zentrum des ökonomischen Interesses zu stehen. Diejenigen welche gerne dort schreiben und diskutieren haben keinen Tag damit aufgehört. Es springen deshalb vielleicht nicht weniger Spinner herum; die Abmahnwelle von Unternehmen -und schlimmer- der Aktiven untereinander ist dort nicht so present.
In meiner Umgebung gibt es eine Unmenge von Bars, Cafes, Museen, Kinos, Vereine, Parks und Gärten. Allein man muß dazu vor die Tür gehen. Manchmal macht eine Kneipe zu, dafür öffnet eine andere, manchmal ist der Stadtteil superhipp, manchmal nicht mehr en vogue. Ich wohne gerne hier.

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für mich war die bloggerei immer ein slum und wird es auch immer bleiben

wie ich in lyon mal nen algerier besucht hab wo da in sonner hochhaussubkultur wohnte

blogger sind kleinbürgerlich agressiv
die rennen nich mit eisenstangen rum und zerstechen reifen
aber hässlicher und boshafter sind se schon
als leute die busse anzünden

ich kann jedenfalls berichten
meine karre war vorher wie nachher da tadellos und bin sogar mit die leute in die altstadt essen gegangen

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El loco, schön, einen Optimisten zu treffen. Also Kopf einziehen, bis die Kommerzwelle über uns hinweggebrandet ist. Danach ist zwar bißchen naß, aber wieder alles sauber in der Nachbarschaft. Ich hoffe sehr, daß es so kommen wird.

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also die kommerzwelle is eher ein verzweifeltes rufen im walde

von leuten die sich im realen leben keine zukunft versprechen können
totale versager die zu berufs und aaa-blogger mutierten

die kommerzwelle gibt es nich

sicher die narren dürfen mal opel fahren na gut und was noch schlimmer is:
es wurden nich allen aaa-bloggern ein astra zur verfügung gestellt

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Sehen wir es doch mal

realistisch: Da ist keine große Kommerzwelle, die die vier Ecken unseres Dörfleins mit Gewerbegebieten, Bürotrakten und Bankentürmen zuzubauen droht. Da sind ein paar wenige Hansels, die ganz gern paar Öre einsammeln würden mit wenig Arbeit, mehr nicht. Sollen die doch machen. Die sind, auch wenn paar bekannte Nasen dabei sein mögen, nicht wirklich repräsentativ für die Dorfbevölkerung. Die macht größtenteils weiterhin ihr Ding, postet Katzen-, Karnickel- oder Kuchenbilder und tratscht halt gern.

Vielleicht haben wir den Peak der Kommerzialisierung ja schon gesehen, wer weiß. Dass adical derzeit nicht mal Brosamen einsammelt, wirft das ganze Blogwerbebusiness doch um Jahrzehnte zurück.

Nachtrag: Ah, Ziwo ist mir schon zuvorgekommen beim Dekonstruieren der Kommerzwelle. Brav!

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Ich korrigiere mich: Kommerzrinnsal über uns hinweggetröpfelt ist. Dafür wird aber ganz schön viel Aufhebens gemacht.

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Gut, dann können die Kommerzregenschirme wieder eingeklappt werden. Es gibt ja nun "Second life" oder man könnte einem Clan auf einem Gameserver beitreten und für Opel Werbung ("Clan der Opelaner") machen. Das gelobte Land Web3.0 ist in Sicht. Die vom Web 2.0 nicht eingelösten Versprechen sind kein Grund dafür, daß das nächste Tal nicht noch grüner sein könnte.
Dann kann ich mirs für meinen Teil wieder mit einem Stück Apfelkuchen gemütlich auf dem Sofa machen und eine herrlich meandernde Geschichte lesen. Oder Katzen-, Hasen-, Apfel- oder Techicontent lesen, gucken und erwartungsgemäß dumme Bemerkungen dazu absondern.

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Spannend ist doch, wie stark das Bedürfnis nach Identifikation zu sein scheint und wie wenig Gelassenheit herrscht, wenn es darum geht, daß einige Begriffe neu besetzt werden.

So etwas passiert normalerweise in substanzarmen Subkulturen, die sich weniger über Praktiken als über Posen definieren. Ich habe den Eindruck, daß genau das bei den Bloggern passiert ist. Die Praxis des Online-Tagebuchschreibens selbst, die Gewohnheit, die Kleinigkeit auszuformulieren und zu notieren, die sonst, weil sie keinen aktuellen Verwertungszusammenhang im eigenen Leben hat, verloren gewesen wäre, ist doch gar nicht angreifbar.

Angreifbar sind die Posen und gemeinschaftsstiftenden Attitüden. Wo Bloggen versucht hat, eine Blogger-Identität zu stiften, ist es gescheitert, was kaum verwunderlich ist -- das ist nur die übliche Geschichte einer Subkultur ohne Immunsystem.

Die Metaphern hier -- ein Dorf wird von einer Welle überrollt, die, etwas wellenuntypisch, leere Bürohochhäuser baut -- mit ihrer Romantik der bedrohten kleinen Gemeinschaft rühren mich doch ein wenig: Es fällt mir schon sehr schwer nachzuvollziehen, wie das so wichtig sein soll, Blogger zu sein. Bloggersein taugt nicht zur Identität.

Wenn es ein über die Bedrohtheit der Posen hinausgehendes Problem gibt, dann vermutlich das der enormen Ungeschütztheit, die das öffentliche Tagebuchführen mit sich bringt: Ein Praschltext braucht die Authentizität in seinem Kern, die ist ihm wesentlich -- und derart ungeschützt kann man sich nur unter lieben Menschen bewegen oder unter solchen, deren Interessen jedenfalls durchschaubar und harmlos sind. Diese Zeiten sind vorbei; das ist traurig und war vermutlich unvermeidlich.

Ich selbst (und ich weiß, ich wiederhole mich da) kann nicht anders; es ist diese Gewohnheit, Sätze zu tippen. Ich gucke obsessiv fast jede Stunde in meine Statistik. Nicht, weil ich hoffe, daß es plötzlich ein paar tausend geworden sind, die da mitlesen, sondern weil ich hoffe, daß ein Kluger dabei ist, den ich noch nicht kenne. Daran hat sich nichts geändert und ich sehe auch nicht, wie das passieren sollte.

Nachtrag: Übrigens bin ich einigermaßen sicher, daß die Kommerzialisierung nicht das Problem und also der falsche Gegner ist. Wir würden vermutlich bessere Weblogs sehen, wenn man davon leben könnte und die Leute also mehr Zeit hätten für ihre Sache.

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Die Metapher von den Wohnzimmern, die zunehmend zu Büros werden, hat Vanesa Diemand in Karlsruhe aufgebracht. Ich fand das recht passend, weil es die Entwicklung vom Privaten zum Geschäftlichen verdeutlicht. Leute wie der Winkel sind ja nicht mehr wirklich Tagebuchblogger, der ist eher Entertainer. Launig dargebrachte Schwanks aus der Jugend haben auch nichts ungeschütztes mehr.

Und scheinbar, wenn ich ihrer Argumentation folge, ist es doch weniger die Hoffnung auf Identifikation als vielmehr die Hoffnung auf liebe Menschen, deren Interessen durchschaubar und harmlos sind, wie Sie sagen, die einem erlauben, ungeschützte Texte zu schreiben. Und die einem erlauben, Dinge festzuhalten, die keinen aktuellen Verwertungszusammenhang im eigenen Leben haben und sonst verloren gingen – ich wiederhole das nochmal, um es neben die bewußte Verwertungsschiene zu stellen. Das sind ja zwei grundsätzlich unterschiedliche Ansätze und Motivationen, Dinge ins Internet zu schreiben. Wobei die Entertainment-Info-Schiene zur Zeit dominiert.

Wir übrigen müssen uns dann wohl als Tagebuch-Blogger oder Erzähl-Blogger bezeichnen lassen (wenn Kulturen sich ausdifferenzieren, braucht man differenzierte Begriffe dafür).

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"ungeschützte Texte" und "liebe Menschen"...

was wäre wenn simone de beauvoir ihre briefe an sartre gebloggt hätte?

das unemanzipierte kontrastprogramm hätte wahrlich liebe menschen gebraucht

was wäre wenn klemperer sein tagebuch aus der ddr-zeit gebloggt hätte?
(so im wortlaut: es geht wohl nich anders im kampf der systeme. ein dritter weltkrieg is unvermeidbar. da kann man nix machen)

da hättes auch liebe menschen gebraucht

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Wogegen nichts spricht, ich bitte Sie! -- Und wir sind hier nicht Fernsehen. Wenn da ein weiterer schlechter Entertainer kommt, geht ein Dokumentarfilmer, weil das Medium begrenzte Kapazitäten hat. Das vermutlich einzige, was das Internet aber langfristig von den alten Medien unterscheidet, ist die quasi-Unbegrenztheit der Kanäle. Daß sich alle Sorten Leute in so einem Medium herumtun, also die, die wir mögen und die, die wir nicht mögen (das sind mehr), mag zwar den kleinen Stalinisten in uns reizen, aber dieser Regung versuche zumindest ich ja schon lange, dringend, zu entwachsen.

Was die Dominanz der Entertainment-Info-Schiene angeht: Ich weiß nicht, wo die dominiert. In den Charts? Da darf sie gern, dieser Logik wollten wir uns doch gerade nicht ergeben.

Das Weblog ist nicht in einer Krise. In einer Krise ist die Illusion, mit einer bestimmten Art, in Weblogs zu sprechen, in der Welt wirken zu können, also: Ein normatives Vorhaben. Ironischerweise tragen solche Vorhaben immer zum Verfall einer Subkultur bei. Die Forderung Werdet gesund an uns! endet ja doch meist damit, daß man krank an den anderen (oder sich selbst) wird.

Ich verteidige auch nochmal die bewusste Verwertung: Stellen Sie sich ein Reise-Weblog vor, in dem (Obacht Gemeinschaftsstiftung) ein paar von uns herumreisen und Unfug treiben und davon erzählen -- und stellen Sie sich vor, wir könnten damit genug erlösen, um diese Reisen zu bezahlen. Wie hell, wild und wunderbar könnte das sein! Die bewusste Verwertung ist nicht das Problem. Das Problem ist, wie meistens, die Unzulänglichkeit des Publikums. Ah, und die eigene Feigheit, vermutlich.

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Mir deucht's, es liegt am Herbst.

Ich meine, ich habe jeden Herbst eine Identitätskrise, es ist imho saison-bedingt. Dann wird mein "imho" besonders "h".

Aber, ernst betrachtet, das ist echt ein Generationsproblem. Ich meine damit keineswegs "Man, werden wir alt" (daran hat nie ein Generationsproblem gelegen). Ich meine nur "o tempora, o mores". Die Komprimierbarkeit des Netzes wirkt langsam schnell, zu schnell auf uns und auf die Umwelt - wo draussen Monate vorbeiziehen, "drin" huschen Jahrzehnte vorbei. Man zieht ein, schönes Haus, aber plötzlich wuchern überall Hochhäuser.

Mein persönliches Problem ist, ich will nicht wegziehen von meiner einst neuregistrierten Hütte. Aber es interessiert ja auch niemanden. Einerseits beruhigend, andrerseits deprimierend.

Fürwahr, herbstbedingt.

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Herr Spalanzani, die Entertainment-Info-Schiene dominiert den öffentlichen Diskurs, finde ich. Also Tagungen, Vorträge, Berichterstattung. Mag sein, daß ich mich davon einfach nicht angesprochen fühlen soll, aber wenn die von Bloggern und bloggen reden, dann horche ich erstmal auf, nur um zu merken, daß es schon wieder um etwas geht, was mich nicht betrifft.

Dieses ständige Aufhorchen und Abwinken fällt mir langsam auf, weil es mich zunehmend nicht betrifft, wenn über Blogs geredet wird. Frag ich mich: Ja wen betrifft es denn? Gibt es wirklich soviele Leute, die das alles interessiert? Und warum macht niemand mal was, was mich betrifft, so zur Abwechslung? Das wäre einfach mal an der Zeit. Das denke ich, dann kommt der Praschl und redet in einer Sprache, die ich verstehe, und der Rest kratzt sich am Kopf und sagt: Kapier ich nicht und wo war das Powerpoint?

Ich möchte hier auch Kid37s These vom "Year that Blog broke" auch nicht völlig unter den Tisch fallen lassen. Ob es wirklich dieses Jahr war, weiß ich nicht. Aber es ist wohl was geknackst, wenn Blogger nicht mal mehr dieselbe Sprache sprechen.

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@andreaffm

wg. Tagebuch/Erzählblogger.

Ggf. war ich zu unpräzise, aber: das differenziert sich nicht JETZT aus.

Linkblogger (Jorn Barger, 17.12.1997) vs. Tagebucherzählblogger (Justin Hall, 1994) waren von Anfang an 2 Gruppen, die das selbe Tool (Hammer) [Blogs als Software gab es damals ja noch nicht mal, das konvergierte später] sehr verschieden benutzt haben (Schwiegermutter killen vs. Haus bauen).

Man könnte sagen: Es zerfällt, was nie zusammen gehörte und nur den selben Namen hatte.

Online-Tagebuchschreiber gab es in D auch schon in der Netzliteraturszene bevor die Blogs einzogen.

Vgl.: Claudia Klinger heute
bzw.
Claudia Klinger damals

Provokativ hat Martin Röll mal nach dem ersten Bloggertreffen Stuttgart/Karlsruhe gefragt, wie es Bloggertreffen geben könne, es gebe doch auch keine E-Mailer-Treffen. Anders: Er fragte, was Bloggern denn gemeinsam sei.

Ich denke allen Bloggen, ob 'böse Corporates' oder 'Tagebuchblogger' ist gemeinsam, das sagte ich ihm damals, dass sie denken, dass man das Publizieren im Web nicht (allein) 'den Medien' überlassen sollte. (Das gilt wahrscheinlich sogar für die Blogspammer bezogen auf die "Kleinanzeigen" g.)

Was immer das jetzt sagt.
Aber so viel jedenfalls: Das ist keine neue Dichotomie.

Sie ist eigentlich nur ein Problem, wenn die einen finden, dass die jeweils anderen da was falsch machen, weil sie es anders machen.

Hochmut hat ja insofern nen Punkt, dass es das Netz ohne die Firmen nicht so gäbe. D.h. die frage sei, wie man sich in deisem objektiv gegebenen Rahmen eben ein Netz für den herrschaftsfreien Diskurs schaffe (so am Do abend im ZKM).

(Und orthodoxe Usenetter fanden, RSS sei doof sollte lieber wie NNTP funktionieren ;) )

But I digress.

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[Ich hab Dir mal eben die Links etwas eleganter gesetzt, das zerschießt mir immer gleich die Spalte]

Ähm, ich schrieb doch oben, wenn ich mich zitieren darf: Erzählen gegen linken? Beides gab es doch von Anfang an und existierte lange Zeit friedlich nebeneinander her. Warum gerade jetzt diese Angekotztheit?

Eben, warum gerade jetzt? Weil 2006 the Year that Blog broke war?

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@andreaffm

Sagen wir: Weil es manchen halt 2006 aufgefallen ist, dass es da mindestens 2 Herangehensweisen gibt.

Ich find es z.B. auch nicht per se böse, wenn Firmen sich fr ihre Kunden interssieren und wie Frosta (das ja anfangs wegen eines 'authetisch' im Untertitel massiv angegangen wurde) oder die Saftkellerei Walther bloggen.

Nochmal: Bloggen heißt (IMO ;) ), dass man das Publizieren nicht 'den medien' überlässt. Dei einen bloggen Hinweise auf das was es im netz gibt, andere erzählen über ihre Firma, dritte über ihr Privatleben oder fiktionale Teile davon.

An sich MUSS es probleme geen wenn
a) Medienleute über Tagebuchblogger herfallen
b) Tagebuchblogger die Link- oder Businessblogger seltsam finden
c) Journalisten Tagebuchblogger anch Businessthemen ausquetschen (so habe ich teilweise die enstandene Ittitation beim Sofablogger (eventuell miss)verstanden.)

Ich würde das auch nicht 2006 ansetzen sondern eher 2002 als im gefolge von 9/11 in den USA die Politblogs hochkamen, das war schon (Meinungs-)Marketing. Dann 2004 die US-Wahlen, das erst recht.

Aus Literatur- und KUnstgeschichtlichen Spielereinmit epochen und Datierungen wissen wir ja zu Genüge dass solche "Datumslinien an sich fiktiv sind.

Meine These eben und: again:
Es handelt sich von Anfang an um zwei (bis mehrere) verschiedene Dinge mit ähnlicher Benennung, weswege irgdwann Irritationen und Kommunikatiosnprobleme auftauchen MÜSSEN und mussten.

Eventuell fiel es 2006 eben besonders auf, weil da die Medien langsam nervös wurden Oder wasimmer.

Aber bloß weil man etwas deutlicher sieht, heißt das nicht, dass es auch erst da ist, seit man es wahrnimmt.

Blogs sind in den verschiedensten Zusammenhängen sinnvoll einzusetzende Kommunikationstools (z.B. und vor allem auch in Intranets) und so lange keiner dem anderen erklärt, wie man sein Frühstücksbrot zu schmieren hat, sehe ich nicht, wieso Grund zu Depression, Ausstieg oder Kriegsgeschrei bestehen würde.

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"Beinah alles gehört hierher: Dahin ist es gekommen. [...] Unvermeidlich die Anfälle von Entmutigung vor dem unauflösbaren Dickicht, [...]. Überlegend, sich erinnernd, beschreibend Schneisen durch den Dschungel schlagen (und dabei Rechenschaft geben wollen nicht nur über den Befund, auch über das Befinden) - dazu bedarf es einer bestimmten, leicht störbaren Balance von Ernsthaftigkeit und Leichtfertigkeit. Ein Notbehelf bleibt es. [...]
Immer ist der Entwurf so viel schöner als die Ausführung."
(Christa Wolf in "Kindheitsmuster". 1977)

Eine Textpassage aus dem Kontext gerissen und hier in einen neuen gesetzt.

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jo sven aus dem kontext gerissen wie

hitlerzitate beim focus zur "familienpolitik"

aber immerhin christa lupus gelesen wenn auch nich verstanden

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Die Focus-Artikel hab' ich noch gar nicht gelesen, aber das französische Kinderbuch "L'œil du loup" von Daniel Pennac. Sie müssen der afrikanische Junge sein, wenn sie entscheiden, wer verstanden hat und wer nicht.

Aber Sie haben auch recht: Der Anlass hier ist (ohne abwertend zu sein) zu gering um Bücher mit einem solchen Hintergrund zu zitieren.

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Ohne den ganzen Kommentarschwanz gelesen zu haben, kann ich für mich selbst nur sagen: Es ist doch wie beim Fernsehen, es ist ein Aus-Knopf dran. Was mich nicht interessiert, lese ich kein zweites Mal. Wo es interessant ist, nach meinen ganz persönlichen Kriterien, da bleibe ich dran.

Also, z.B. bei Leuten, die gut schreiben und die spannende Fotos machen. Wen wundert's, dass es oft Menschen mit journalistischem Hintergrund oder Autoren sind. Bewegtbilder und Ohrenzeugs interessieren mich in der Regel nicht sehr. Das hat nichts mit Moden und technischen Möglichkeiten zu tun, viel mehr mit meinen Vorlieben und Gewohnheiten. Deswegen können das Andere dennoch tun wie's ihnen beliebt und sich etwa ihre Seite mit Geflacker und Werbung vollmachen wie sie mögen. So what.

Soll ich mich grämen, weil ich erst kam als Antville schon dicht war? Dass mich kein "A-List"-Blogger kommentiert? Quatsch, das.

Also, ich bin kürzlich über einen Link bei der Kaltmamsell hier gelandet, freue mich über das was hier klug geschrieben und gut illustriert steht und lese interessiert mit.

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Ich spare mit jetzt auch mal einen ganzen Kommentarschwanz und greif zum herzhaften So soll es sein!

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