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10.20 Mit nur wenig Verspätung in Karlsruhe eingetroffen. Noch läuft das Grußwort, scheinbar nichts verpaßt. Gleich am Eingang steht Robert Basic, da drüben sitzt Jan Schmidt, jaja, kennt man ja. Ich darf mich erst nach dem Grußwort setzen, meine Absätze sind zu laut.

10.25 Don Dahlmann stellt das Programm vor und die einzelnen Referenten und erklärt nochmal das Photoverbot. Deshalb gibt es auch hier keine angeblitzten Bloggervisagen. Höchstens bißchen Athmo.

10.30 Peter Glaser beginnt mit seiner Keynote. Unbewaffnet, wie er sagt, ohne Computer und Powerpoint. Er versucht es mit einer strukturell-musikalischen Verdichtung, wie er sagt, und zwar strikt vom Blatt. Er sei ja schließlich ein Schreiber, kein Redner. Und redet von den Netzen im Laufe der Jahrhunderte, babylonische Bewässerungssysteme und Pyramiden. Und die Gene, immer wieder die Gene. Ist das Thema nicht langsam durch, abgesehen von ein paar nimmergenmüden FAZ-Feuilletonisten?

10.40 Warum, fragt Peter Glaser, orientiert sich das Netz nicht am Organischen? Warum baut keiner Links, die vormittags woanders hinführen als Nachmittags? Warum baut keiner Links, die mit den Jahreszeiten die Farbe ändern? Wo bleibt der Fortschritt?

10.45 Stichwort: Second Life, sagt Peter Glaser. Stichwort: Wie schnell das nun wieder vorbei war, denk ich.

11.05 Glaser redet ud redet, bringt wohlformuliertes Beispiel um wohlformuliertes Beispiel, die alle irgendetwas verdeutlichen sollen, ich weiß aber nicht genau, was. Vermutlich Netzigkeit. Ich hab Durst. Mir ist es hier zu eng.

11.10 Anderer Sitzplatz. Herrn Winkels Fankurve kommt. Vanessa Diemand vom ZKM, Soziologin und Kunstgeschichtlerin, referiert über Blogs. Ich-Konstruktion durch Autor und Leser. Sie beginnt mit Rembrandts Selbstbildnis. Oh Mann, Kunstgeschichtler. Sie bemüht sich aber redlich, die kunsthistorischen Grundlagen im Tausend-Meisterwerke-Ton auch anwesenden Nicht-Kunsthistorikern verständlich zu machen. Auf der Powerpoint-Folie steht: "konstruiert sich als Objekt seiner Betrachtung".

11.15 Nichts neues über Liebligsbücher, Liebligsmusik und Lieblingsphotos, mit denen wir unser Ich öffentlich kostruieren und uns biographisch kommunizieren. Aber ich bin ja erst zufrieden, wenn der Blogger an sich nicht mehr als soziologisch interessantes Subjekt erforscht werden soll, sondern wenn das Blog als kulturelle Äußerung wahrgenommen wird. Aber bis dahin ist es wohl noch ein langer Weg.

11.30 Das Blog, das vorher sowas wie die Wohnung des Bloggers war, wird zunehmend zum Büro, sagt Frau Diemand. Schön! Sie freut sich, das als Wissenschaftler nur beschreiben und nicht werten zu müssen. Die Wahrnehmung gegenüber solchen Blogs müsse man überdenken. Zum Schluß nimmt sie nochmal Bezug auf den unsäglichen Süddeutsche-Artikel, der mehr Relevanz gefordert hat, das sei der falsche Ansatz.

11.40 Don Dahlmann zitiert A.S. Byatt im Cicero, die vom Konsenspopulismus spricht, der rechte und linke Tendenzen ablösen wird, wie sie glaubt. Das könne man Don Alphonso nicht vorwerfen, der nun an der Reihe ist. Eine Verschriftlichung gibt es hier zum Nachlesen.

11.45 Don Alphonso sagt, er sei konfliktscheu. Herr Turi und Herr Winkel amüsieren sich offenbar bestens, aber Herr Alphonso sagt: "Lachen Sie nicht! Mein Vater sagt wirklich, ich sei konfliktscheu, und der wird's ja wohl wissen." Aber man könne sich nicht hinstellen und auf der Grundlge des Blogs sagen: So isses. Das ist nur eine Wahrscheinlichkeitswolke. Bestimmte Bereiche werden ausgeklammert.

11.50 Vor zwei Jahren war es Alphonsos Grundthese, daß es gerade die Authentizität ist, die die Blogger den Journalisten voraus haben. Nach einer Umfrage an der Blogbar könne er die These knicken, denn da sagt so gut wie jeder, daß er bei Bedarf literarisiert.

12.00 Don Dahlmann: "Jetzt kommt der Mann, der schuld daran ist, daß ich bei Antville gelandet bin –" (beipflichtendes Nicken meinerseits) – "Peter Praschl".

12.05 Was sie sagen: "Daß wir einsam waren, daß wir manisch waren, daß wir sonst nichts hatten." Und irgendwie stimmt das ja auch, sagt Praschl. Wir wollten es ihnen zeigen, den Landvermessern, den Powerpointern. Text atmen, organisch, vegetativ. Ach, Praschl, mir wird ganz warm ums Herz. "Ein seltsames Wir, das sich da eingestellt hatte." Warum zur Hölle kann ich nicht jeden Satz mitschreiben, weil es alles so wahr ist, weil es wahrer ist als alle Soziologenerkenntnisse zusammen.

12.10 Unangenehm irgendwie, plötzlich lief es auf etwas hinaus: Bürgerjournalismus, Relevanz, Aufmerksamkeitsökonomie. Das Weblog wird Bestandteil der Biographie, dabei hatte man eben dagegen anschreiben wollen.

12.12 Praschl rockt.

12.15 Die anderen: Atmen noch, mühsamer, Lagerkoller, Herbstdepression, nichts schlimmes. Das schöne ist, daß es das immer noch gibt. Das bleibt. Man könnte es eine Erfolgsgeschichte nennen, wenn man Erfolgsgeschichten haben wollte. Und aus. Ach, ich heul gleich. Scheiß sentimentaler Antville-Moment. Und: Podiumsrunde.

12.17 Praschl erkärt das Aufhören: Das wurde irgendwann unsexy, spätestens, als die Url im Kress stand. Aber er hätte sich nicht vorstellen können, das mit einer Kunstfigur zu machen, weil das so eine Art Wette gegen sich selbst war. Don Alphonso erklärt, er will eine Distanz haben, er will das im Blog nicht näher an sich heran haben.

12.25 Praschl findet Identität überschätzt. Er weiß nicht mal, wie es ist, mit sich identisch zu sein. Ich überlege, Praschl in der Pause einen Heiratsantrag zu machen.

12.30 Publikumsfragen: Turi fragt Alphonso wie es denn ist mit Persönlichkeitsschutz, wenn er über andere Menschen schreibt? Ist es nicht so wie in dem Spruch (Gedicht!): Die Jungen werfen die Steine nach den Fröschen aus Spaß, die Frösche sterben im Ernst – für Euch bei Dotcomtod war das nur Spaß. (Oh Mann, jetzt geht das los.) Das ist jetzt wie die Opas, die vom Krieg erzählen, sagt Alphonso. Aber Dotcomtod sei das Geringste gewesen, was er gemacht hat, die New Economy war dumm doomed from the Start. Dafür schäme er sich nicht.

12.35 Christoph Schultheiß (Bildblog) wiederholt die Frage, wie es ist, als Kunstfigur reale Menschen anzugreifen. Alphonso mahnt eh selten ab, sagt er, nur einmal den Turi. Turi meldet sich wieder und korrigiert Details. Privatscharmützel. Fragen nach Provokation und Fairness. Blogbar als "institutionalisierter Streitpunkt der Blogosphäre" (Don A.).

weiter mit Teil II

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Warum keine Fotos? Hatte man Angst, dass nur gähnende und nasenbohrede Leute auf den Bildern sind? ;-)

Und damit Du, Andrea, dich gleich besser fühlst: Dein schönes Gesicht kann kein Foto entstellen. :-)

Marc

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Persönlichkeitsrechtliche Gründe. Siehe hier:
14tage.twoday.net

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Ach so. Vorher fragen tät ich sowieso. Zugegeben aber nicht bei einem Bild, das einen vollen Hörsaal zeigen soll.

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@praschl & the oulde days:

Das soll jetzt keine Majestätsbeleidigung sein, wenn ich sage, dass ich aus meiner Perspektive des Vielspäterdazugekommenen nicht mehr so recht nachvollziehen konnte, aus welchen kraftvollen Quellen sich dieser Mythos einst gespeist haben mag. Als ich vor über drei Jahren meine ersten Erkundungsexpeditionen in dieses Blogdings startete, war das Sofa immer noch ein vielverlinkter Hotspot. Seine beste Zeit musste dieser Ort aber schon lange hinter sich gehabt haben, nur manchmal blitzte da noch etwas durch, wo ich dachte, hey, wow, dieser Typ kann schreiben, das hat wirklich Wucht, aber warum tut er das nicht öfter? Vielleicht sprang auch deswegen der Funke selten über bei mir, weil es mir an Background oder Empathie fehlte, um mit hingehuschten Ein- oder Zweizeilern ohne Prädikat und klares Subjekt/Objekt wirklich was anfangen zu können.

Deswegen würde ich's (auch auf das Risiko hin, dass Oma und Opa vom Krieg erzählen) wirklich gerne wissen von jemand, der damals dabei war: Was war es, was den Mythos Peter Praschl ausmachte?

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Er hat sagenhaft formuliert, und sehr prazise gesagt, was zu sagen war. Danach hätte man meines Erachtens die Veranstaltung beenden können; und die Zeit meines Vortrags zur Diskussion über Glaser nutzen sollen.

Es war nicht die Sache mit dem Krieg, da war einer ganz er selber. Wenn man wollte und nicht nur dauernd blöde Witze reissen mochte (wie hinter mir sehr störend zwei Kommerzheinis), konnte man das auch begreifen.

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Meine Frage zielte weniger

auf seinen aktuellen Vortrag, sondern sondern auf die Anfänge, die Gründungsmythen und all das, was man als Späterdazugekommener nur sehr schwer rekonstruieren kann, selbst wenn man sich mal Zeit nimmt und im Archiv weiter zurück klickt.

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Fallhöhe

war das Geheimnis des Praschl-Erfolges

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@mark: Oh, das ist eine längere Aufsatzaufgabe, das zu beschreiben. Praschl hat es heute ganz großartig erklärt. Vielleicht ist es machbar, den Vortrag irgendwo im Netz zu lesen. Ansonsten muß ich vertrösten.

Und die Fallhöhe spielte sicherlich eine Rolle, dennoch: Der war einfach gut. Ich bin sonst wirklich nicht so leicht zu rühren.

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Für mich war Praschl immer der, der Dinge als erster gemacht, als erster aufgeschrieben hat. Ein bisschen der Puls der damals noch überschaubaren Blogosphäre. Erster nicht im Sinne von Scoops oder Gadgets oder was auch immer heute angeblich so wichtig ist, sondern Geschichten, Gedanken, Ansätze. Worte, bei denen ich ab und zu die Luft angehalten habe. Einträge, die ich aus Respekt nicht kommentieren wollte.

Was bei Praschl stand, war wichtig. Oder diskussionswürdig. Oder herzzerreißend.

Aber vielleicht war er das auch nur für mich, keine Ahnung.

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Manchmal konte ich mit dem Praschl-Blog garichts anfangen, und dann wieder traf es einen Nerv oder zwei. Aber immer war es wie jemandem in den Kopf gucken, und das ist ja manchmal kryptisch.

Heute aber. Wie Alphonso schon sagte, das war einfach kurz und gut gesagt, was gesagt werden mußte. Und angesichts des derzeitigen Zustands der Blogosphäre ist das dann halt wirklich zum Heulen.
(Ich weiß nicht, ob ich das sagen darf, aber später hat er uns erzählt, daß er den Vortrag am frühen Morgen noch schnell runtergeschrieben hat. Pure Genius.)

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"Blog als kulturelle Äußerung", "sich biographisch kommunizieren" und "wie es ist, mit sich selbst identisch zu sein" haben mich begeistert. (Ein Aspekt von) Blogs(.) als Gedanken- und Erfahrungschronik und gleichzeitig das "für sich selbst sichtbar machen" der eigenen Ideologie und Weltanschauung.

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Hm, ich bin mir meiner eigenen Identität ja nicht immer so sicher. Die ist längst nicht so kongruent wie das bloggende Ich. Inwieweit die beiden sich überhaupt die Hand reichen oder gegenseitig beeinflussen, das kann ich gar nicht sagen – da stimme ich Praschl zu, der auch nicht weiß, wie es ist, mit sich ident zu sein. Aber es fängt ja schon damit an, daß ich an so etwas wie das einzige, wahrste, wirklich innerste Ich eh nicht glaube.
Für sich selbst sichtbar machen, ja. Aber nicht alle Aspekte des Daseins, nur die einigermaßen vorzeigbaren. (Und was vorzeigbar ist, davon hat jeder andere Vorstellungen.)

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Es kann ja sehr interessant sein die (eigentlich nicht vorzeigbaren) inneren Abgründe zu nennen. Nur wer will sich schon selber öffentlich diskreditieren? Da müsste man sich dann eine Kunstfigur schaffen.

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schön beschrieben andrea.
man sass da, hörte praschl reden und war dabei unheimlich bewegt.

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kleine Korrektur...

gesagt wurde
"...die New Economy war doomed from the Start."
und nicht
"...die New Economy war dumm from the Start."

Aber vielleicht stimmt beides. :)

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Ach Du meine Güte. Ja, tippen und zuhören gleichzeitig geht mitunter schief.

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