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Richard Kämmerlings, Karl Marx und die Päpste

Ach, die historischen Momente. Da sitzt man nichtsahnend wo herum, und ratze-fatze wird man vom Hauch der Geschichte angeweht. Mich ereilte es gestern im Hörsaal römisch-sechs, wo ich die zweite Folge der 55. Poetik-Vorlesung mit Robert Menasse besuchte. Herr Menasse nahm eingangs auf eine FAZ-Glosse (netterweise im Netz frei zugänglich) Bezug, und es wurde viel auf Kosten des Verfassers gelacht. Richard Kämmerlings habe sich von den Ausführungen Menasses peinlich berührt gefühlt, Menasse habe den Unterschied zwischen historischer Situation und der Gegenwart eingeebnet und die „Zufriedenen mit den Duckmäusern der Nazizeit gleichgesetzt“. Menasse habe etwas „beeindruckend Unzeitgemäßes“ - aber ja, betont der Redner, das lasse er gern gelten, die Zeit selbst sei nicht auf ihrer Höhe, per definitionem also eine Unzeit. Herr Kämmerlings derweil will kein Opfer sein, er will keinen Widerstand leisten, er ist auch kein Opfer, sagt er, Menasse allerdings wolle ein Opfer sein und die Welt zum Tyrannen erklären.

Nun ist es nichts Neues, daß der an Hegel und Adorno geschulte Menasse am Antlitz der (Schein-)Demokratie die Fratze des Faschismus wiedererkennt, die vermeintlich alternativenlose Globalisierung als Rückfall in die Schicksalsgläubigkeit der Vormoderne diagnostiziert und so die Aufklärung - als Ausgang aus selbstverschuldeter Unmündigkeit - erst am Anfang stehen sieht. Das hat bei allen Einseitigkeiten und Simplifizierungen, die Geschichtsphilosophie oft mit sich bringt, etwas beeindruckend Unzeitgemäßes und erfüllt erst recht eine wichtige Funktion im Binnendiskurs Österreichs, wo Menasse unlängst eine erregte Debatte über die Wiederkehr des Austrofaschismus (nicht bei Haider, sondern der ÖVP) ausgelöst hat.

Ähem, könnten die Herren sich mal eben beruhigen? Jaja, Herr Kämmerlings, aus der deutschen Sicht schießt der Menasse mit Kanonen auf Spatzen und daher weit übers Ziel hinaus, aber der österreichischen Sicht und entsprechend der dortigen Situatiuon gemäß handelt es sich mitnichten um ein paar zufriedene und daher minderpolitisierte Sperlinge. Kann sich der deutsche Rezensent eventuell mal vorstellen, sich in den österreichischen Dichter hineinzuversetzen - und umgekehrt? Ist ja nicht so, daß wir hier auf einer Insel der Seligen sitzen - aber gemessen an austriakischen Verhältnissen geht‘s hier dennoch recht zivilisiert zu. Sein wir doch froh. Und halten anderen nicht ihr Engagement vor.

Apropos Engagement. Traditioneller Adressat des Engagements war das Bürgertum, später dann die Arbeiterschaft, und da fing der Niedergang auch schon an. Das Proletariat, so Menasse, sei im Gegensatz zum Bürgertum nie eine revolutionäre Klasse gewesen. Auch wenn Marx sie als solche definierte. Marx übrigens, ein völlig unterschätzter Schriftsteller, der den ersten Roman mit einem kollektiven Helden geschrieben habe: „Das Kapital“. Leider sei der zweite Teil geistig und sprachlich niederschmetternd. Niemals in der Geschichte sei eine unterdrückte Klasse nach einem Umsturz zur nächsten herrschenden Klasse geworden, immer habe sich eine neu entstehende Klasse herausgebildet, die dann die Herrschaft übernommen habe. Insofern: die Arbeiterklasse sucht ihren Anteil an der Gesellschaft, aber revolutionätr oder aufklärerisch ist da nichts und niemand. Während das Kapital sich gerade globalisiert, sind die Gewerkschaften noch nicht mal fähig, sich auch nur auf europäischer Ebene zusammenzuschließen. Da sieht man mal.

Das Bürgertum übrigens habe auch die Literatur geprägt, im 19. Jahrhundert den Realismus, und sich für die Pressefreiheit eingesetzt. Die sind damals in die Bredouille gekommen, damit wir heute die Bild-Zeitung lesen können, überspitzt gesagt. Und ein kleiner Ausflug führt Menasse auch zum Papst, also zu Karol Woytila, über den Hondrich in der FAZ offenbar sehr viel lobendes gesagt hat, was Menasse kurz und fassungslos referiert. Hat der nicht in Polen noch die Revolution gestützt und gleichzeitig in Lateinamerika die engagierten Priester verraten? Und solche Bigotterie wird noch gelobt? Ach die FAZ, Zentralorgan des Bürgertums. Wo ist dein revolutionäres Potential nur hin? Sitzen die revolutionären Bürger alle hier im Hörsaal römisch-sechs, wo jetzt Menasse liest, wo einst Adorno las? Was wiederum die FAZ nicht wahrhaben will, denn heißt es da nicht:

Das Frankfurter Bildungsbürgertum applaudierte heftig und lang anhaltend. Wie ihn das gewurmt haben muß.

Ach, sind wir nicht alle ein bißchen revolutionär?

Und die Literatur? Zwängt sich in die Ritzen. Große Literatur ist mit Transformationen, zum Beispiel gesellschaftlicher Art, beschäftigt und sieht Zustände nicht als gegeben an. Und während alle noch klatschen und langsam ihre Sachen zusammenpacken, stürmt Professor Bohn nach vorn und tuschelt was mit Menasse. Der wendet sich daraufhin nochmal zum Rednerpult, er habe noch einen Nachtrag zu einem seiner heutigen Exkurse:

„Deutschland ist das neue Polen. Ratzinger ist Papst.“

Und ein Auditorium ruft 250-stimmig wie aus einem Munde: „Neiin!!“

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karachi.blog.de

aus gegebener entfernung dank auch für den zweiten bericht! hatte noch das letzte mal gedacht, hoffentlich geht sie auch zur nächsten vorlesung, und schreibt was drüber.
aber daß menasse mit kanonen auf spatzen schießt, ich fürchte, es ist ganz andersherum, was bewaffnung und ziel angeht.
leider haben die links (zu diesem kämmerer von weiß nicht wem) nicht funktioniert, deswegen gehe ich mal davon aus, daß der kursive text der kammertext ist.
was die spd in den gestalten müntefering und consorten z.zt. gerade aufführt, ist doch nicht anderes als die bestätigung der zurückgewonnenen unmündigkeit gegenüber betriebswirtschaftlichem denken. was ehemals politik und volkswirtschaft war, hat nicht nur, sondern soll auch keine chance mehr haben – und am besten nie wieder - gegenüber dem alleinigen primat von... ? aber raten sie selbst!
nächste woche hoffentlich wieder
andreas

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Ich weiß auch nicht recht, warum der Link nicht funktioniert, im Textkästchen hab ich den richtigen angegeben, aber beim fertigen Eintrag fügt Antville seltsame Zeichen hinzu.

Vielleicht so:
faz

[update]
bis auf die direkte verlinkung im text hab ich die links per c&p reparieren können. also, ihr habt nun zugang zum artikel.

und ich freu mich, daß es doch wen interessiert.

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"und ich freu mich, daß es doch wen interessiert."
Tut's.

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danke, der link hat diesmal funktioniert. dafür das hier, falls du´s noch nicht kennen solltest. www.zeit.de
und zu diesem kämmerling: man braucht gar nicht mehr an irgendwelchen masken herumzuzerren, man müßte nur ein wenig die augen aufsperren.
andreas
karachi.blog.de

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ja, den link kenn ich schon. trotzdem danke!

kämmerlings hatte ich bereits das vergnügen kennenzulernen. das meine ich jetzt gar nicht hämisch, ich finde ihn wirklich sehr freundlich. einer der raren menschen, die sich auf persönlicher ebene zu benehmen wissen. ich denk mal, der geht mit dem menasse einen trinken und gut ist.

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Schreiben ist kein Hobby, es ist die Zeit in der uns unsere Gedanken nicht zufrieden stellen können. Es ist der Moment in dem wir nach unserem Glück Ausschau halten und versuchen, den Steckbrief unserer Wünsche zu formen. Und geben wir... ...
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