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Vielleicht sollten wir wirklich wieder alle zurück in unsere Blogs und Texte schreiben, bei denen jeder einzelne Satz länger ist als 140 Zeichen, weil sie herummäandern und sich um einen wickeln und Schleifen bilden und Knoten, die die Welt und das Gemüt und überhaupt alles zusammenhalten, weil man ja sonst nichts hat und alles auseinanderfällt. Vielleicht sind diese Orte, von denen wir, wir von früher, mit soviel Zartheit und Behutsamkeit reden, das Wertvollste, was wir haben, weil es die Orte sind, an denen wir uns kurz entspannen können und atmen können und Text sein dürfen. Das war das Beste, was Blogs jemals hervorgebracht haben, und vielleicht auch das Beste, was es im Internet gab und immer noch gibt, aber es wußten nie viele und jetzt wissen es auch nur ganz wenige, weil die Karawane weitergezogen ist und wir wieder da sind, wo alles begann, in den kleinen finnischen Clubs, nur ohne Aufbruchsgefühl, sondern mit dem Gefühl des Zurückgebliebenseins, wir Veteranen, wir Textfetischisten, Wortatmer, Bildersammler. Es ging ja nie um die große Welt, es ging immer nur um einen selbst und das, was wir fühlten und sahen und dachten, diese kleinen Dinge, die aber wichtig waren, die uns wichtig waren, nein: mir wichtig waren, radikale Subjektivität schließlich, so nannten sie es, also diese Zwischengefühle, für die bisher niemand Worte fand, die nicht wichtig genug waren für Romane und zu wichtig, um sie einfach zu verschweigen und zu groß für 140 Zeichen. Es ging nie darum, sozial zu sein, seit wann überhaupt ist Textproduktion sozial, es ist das asozialste, was es gibt, Kunst, so ein großes Wort, aber egal: also Kunst ist immer sauasozial, weil da einer allein dahockt und auf Tasten tippt und um ihn herum ist nichts als Nacht und vielleicht was zu trinken und er redet mit sich selbst und alle anderen reden auch mit sich selbst und das ist überhaupt nicht traurig, nein: das ist wunderschön. Das ist viel schöner als alle behauptete Gemeinschaft es jemals sein wird mit ihren Babybildern und Zynismusposen, aber es ist eben leider auch vorbei, und vermutlich kommt es nie wieder, was so unendlich schade ist, nur ab und zu spürt man noch einmal einen Abglanz, in so einer Nacht, in der man sich alleine fühlt und niemanden zum Reden hat als das Internet, aber das ist nicht schlimm, und so redet man in ein Textfenster hinein und weiß, daß man sich bald beruhigen wird, weil es nichts beruhigenderes gibt als Tasten und Bildschirm und Text und Rhythmus, Rhythmus. Man beginnt die Sätze, die langen Sätze, die vage anheben und ein Bild liefern, um das herum sie sich dann schmiegen können, anlehnen können, Schicht für Schicht für Schicht, um dann auszufransen und sich zu verlieren und fast zu versickern und ganz am Ende nochmal einen Halt finden in einem Wort, das ausklingt wie ein Echo oder ein zarter, hingehauchter Schlußakkord ohne Pathos. Und da ist noch nichts gesagt über die Nacht und die Traurigkeit und das Bedürfnis und die Stimmung und die Melancholie, die es oft braucht, nichts über die Liebe zum Interface, die gibt es nämlich, die Knöpfe, die man so oft gedrückt hat, das Layout und alles, was das Heim ausmacht, das, wo man wirklich zu Hause ist, nicht nur auf Miete oder auf Durchreise, nein: wo man herkommt, wo so viele von uns herkommen. Man muß nicht dort bleiben, aber diese Heimatbesuche möchte man dann auch nicht missen, es ist wie auf dem alten Spielplatz neben der Schule oder den alten Kiosk, an dem man sich immer Eis geholt hat, genauso ist das alte Blog, man will, daß es immer so bleibt und sich nie, nie verändert, aber das geht natürlich nicht, weil man die Welt nicht anhalten kann und weil jede Geschichte weitergeht, auch meine und Deine, und die der Welt sowieso. Aber ab und zu: Anhalten, zurück zum Text, Schleifen schreiben und Knoten, man hat ja nichts sonst, es muß schließlich halten, irgendwie.

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Ich kann gar nicht sagen, wie sehr mir das aus der Seele spricht, nein - schreibt... aber irgendetwas ist passiert in den letzten zwei Jahren, irgendetwas, das ich nicht in Worte fassen kann, was quasi unblogbar ist, was eine Schreibblockade ausgelöst hat, ja in meinem Fall sogar schlimmer als das, eine totale kreative Blockade... aber es geht wieder aufwärts - wenn auch schleppend.

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Ich fühle mich gerade mit ein paar Dingen nicht wohl und versuche, etwas daran zu ändern. Mal sehen. Texte dürfen nicht nur zum Geldverdienen gut sein. Und Kontakt ist mehr als Tweets lesen. Ein bißchen zurück muß doch möglich sein!

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Geht mir ähnlich. Es ist das eigentlich in "Eigentlich geht es mir doch blendend", das mich inzwischen unendlich stört. Dazu dieses Gefühl des übersättigt seins, mit allem, und gleichzeitig das Gefühl, irgendwie zu nichts so wirklich zu kommen, obwohl doch genug Zeit da sein sollte (nun ja, den klassischen 9-5-Job habe ich ja nicht...), aber die wird einfach verplempert, mit - nichts. Weil einfach der Antrieb fehlt, weil ich nicht so recht weiß, wozu das alles überhaupt, weil ja jede schöpferische Tätigkeit eben doch irgendwie Arbeit ist... was mich dabei etwas beunruhigt ist die Tatsache, dass ich mich dann früher eben einfach ohne irgendein "Ziel" ans Klavier gesetzt und nur so gespielt habe, aber auch das ist eher selten geworden. Vielleicht ist es ja wirklich so, dass sich mit den schier unbegrenzten Möglichkeiten irgendwie eine Blockade aufbaut... vielleicht sollte ich erst einmal Ballast abwerfen.

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Danke! Auch mir spricht das aus der Seele. Ich blogge seit Monaten wieder mit Hingabe. Es geht mir besser als mit diesen Sprüchen.

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Sprüche haben was für sich. Ich finde Twitter ja wirklich ganz niedlich. Aber das ist eben nicht alles, es bleibt so viel ungesagt.

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Ein wirklich sehr schöner Text!

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Danke!

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Ja, bitte.
Ich persönlich kann gar nicht zurück, weil ich inzwischen seelisch völlig in mich hinein geschrumpelt bin und das im Internet damit zu tun hat, dass einem stets ohne Umstände vor Augen geführt wird, dass *jemand* einen gar nicht versteht und man von dieser meist einzelnen Person sofort erklärt bekommt, warum das falsch ist, was man eigentlich gar nicht gesagt hat.

Und dann fühlt man nur noch Ärger und das positive Feedback ist scheißegal, das sind ja nur die vernünftigen Leute, die zählen ja nicht.

Und dann beschweren sich von Zeit zu Zeit Menschen, dass die anderen immer so viel langes Zeug schreiben und damit ihre Liste / ihren Feed vollmüllen. Also versucht man nur noch TOTAL relevantes zu posten und außerdem Hemingway und nicht Mann auch wenn man eigentlich Kleist. Obwohl man sich eigentlich denkt "Bukowski! Dann lösch mich halt aus deiner Leseliste!*

Und mit den Jahren bin ich jetzt da, dass ich schon überlege, ob es nicht nervt, wenn ich auf Facebook drei Worte schreibe und wie ich das so machen kann, dass es absolut niemand missverstehen kann.

Aber als Leser kann ich nur sagen, wenn du es in dir spürst, wieder hier zu bloggen, werde ich ein dankbarer Leser sein, der sich über lange Texte freut und auch Hasen zu schätzen weiß. Ja die Nuller, das waren noch Zeiten.

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Auf Facebook bin ich ziemlich radikal, wer was lesen darf und wer nicht, ich filtere hemmungslos. Bisher hat mich auch noch niemand angepißt, zum Glück. Aber frei schreiben ist was anderes. Twitter ist ein bißchen freier, aber auch kein richtiger Auslauf. Das hat man nur hier.

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@Nella: "...warum das falsch ist, was man eigentlich gar nicht gesagt hat." Genau das ist es. Darum werde ich mich in Zukunft mit Kommentaren zu Kontroversen, die mich im Grunde sehr interessieren, zurückhalten.

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Sicher tue ich Ihnen Unrecht, aber als ich dieses Blog zum ersten Male anklickte, fand ich dort Reiseeindrücke. Daran hatte ich eigentlich keinen Bedarf, da ich regelmäßig den „National Geographic“ studierte. Für routinemäßige Leser von SPON schien sich die Blogosphäre eh zu erübrigen: Wollte ich etwas vom neuen iPhone sehen oder genauer über Herrn zu Guttenberg Bescheid wissen, las ich dort.
Die radikale Subjektivität der Blogosphäre erkannte ich darin, dass die „Veteranen“ sich gegenseitig herzeigten, was man wo bei welchem Wetter genossen hatte: Mit Bildern leergegessener Teller sollte das World Wide Web erobert werden!
Oh, ich sehe gerade, es gib wieder die Blogcharts: Was ist bei den Textfeteschisten und Wortatmern denn gerade Thema? Die Nr. 1, der „Postillon“, ist für den Grimme-Online Award nominiert! Aktuell wird dort gebloggt über den neuen Fünf-Euro-Schein und König Willem-Alexander…
Ist es da wirklich so schade, dass die Menschen draußen im Leben, die Verkäuferin in der Bäckerei, die Eltern, die Vereinskameraden kein Wort wissen von dieser „Heimat“?

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Ich glaube, wir reden grandios aneinander vorbei. Die, die es angeht, verstehen, anderen werde ich es nicht erklären können. Tut mir leid. Wirklich. Es soll nicht arrogant klingen.

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danke.

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Ich habs alles verstanden, kam gerade recht. Danke!

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Danke! Und besonders schön, dass Sie wieder da sind. Übrigbleiben ist vielleicht besser als Aufbruch.

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ich war schon wieder in china
[andreaffm am 12.08.14 17:04]

Ich erzähle was über den Mekong
[andreaffm am 04.06.14 23:06]

...
Ich erzähle was über Wien. flattr.com  ...
[andreaffm am 27.04.14 13:39]

...
Ist hier : www.wrint.de ...
[andreaffm am 07.03.14 21:53]

...
DA freu ich mich drauf! :-) ...
[m8 am 07.03.14 21:42]

...
Ich erzähle was über Burundi.  ...
[andreaffm am 06.03.14 21:34]

...
ihre seite ist eine wohltat für augen und seele. dankeschön.  ...
[allamaralla am 24.11.13 08:55]

der weg ist das ziel
aber ich finde Sie haben doch sehr viele Zuhörer mit ihren schönen Zeilen, ich mache Kunst und freue mich auf Ausstellungen jedesmal sehr wenn ich ein, zwei wirklich aufmerksame, interessierte Zuschauer finde die mir etwas mitzuteilen haben. Der rest hat... ...
[John J. Tortuga am 24.11.13 08:40]

...
Alle paar Tage schaue ich ganz gespannt, ob es wieder einen neuen Eintrag gibt... wo bleiben sie, die Texte? Sie fehlen mir... ...
[*Hanna* am 06.09.13 15:48]

...
Ich freue mich, wieder von Ihnen zu lesen, und dies sowohl vor kurzem in der Frankfurter mit Ihren Ausführungen zu Erfolg und Vergeblichkeit des Reisebloggens als auch, wie ich hoffe, erneut an dieser Stelle. Schreiben kann zur Routine werden und eingeübt,... ...
[quisquilia am 22.08.13 08:07]



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