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andreaffm, Do, 25.Juni.2009, 10:17 Einen wunderschönen guten Morgen, liebe Gemeinde. Wie jedes Jahr werde ich mich die nächsten drei Tage in meine Katakombe zurückziehen, um das jährliche literarische Ritual des Klagenfurter Bachmann-Wettbewerbs mitzuverfolgen. Und wie jedes Jahr werde ich natürlich mitbloggen. Der Kaffee ist frisch und warm, der Teekuchen wurde gestern gekauft, um mich über den Vormittag zu bringen, denn ich kann ja nicht aus dem Haus, und der Kühlschrank ist voller Pasta. Es gibt ja dieses Jahr keine Mittagspause. Ich muß also, um nicht hungers zu sterben, das MacBook mit in die Küche nehmen. Zum Glück hat ein genialer Mensch Zattoo erfunden, mit dem ich endlich mobil Fernsehen schauen kann. Nicht, daß ich es an den übrigen 362 Tagen vermissen würde.
![]() Was gibt es Neues? Erst einmal gibt es neue Wortunfälle mit Eva Wannenmacher. Die Autoren, so moderiert sie an, haben sich versammelt, um um die Preise zu buhlen. Ach je. Ich hoffe doch nicht. Auch die Studiomoderation ist neu: Clarissa Stadler ersetzt Dieter Moor, der das letzte Mal eine eher unglückliche Figur abgab. Auch einige neue Juroren gibt es: Paul Jandl von der NZZ ist neu dabei, daneben Hildegard Keller, Meike Feßmann und Karin Fleischanderl. Den Vorsitz hat weiterhin Burkhard Spinnen, daneben wird Alain Claude Sulzer wieder seine Wortgirlanden weben, die ich nicht anders als impressionistisch verstehen kann, falls so etwas plattes wie semantisches Verstehen hier überhaupt angebracht ist, und Ijoma Mangold ist wieder dabei, der jetzt wohl definitiv bald die neue Elke ist. Aber nun geht es los mit Lorenz Langenegger der ein wirklich sympathischer junger Herr ist, aber einen, freundlich gesagt, eher unauffälligen Text vorliest. "Der Mann mit der Uhr" heißt der, und es geht um zwei, die sich auf einer Parkbank treffen, einer davon der Erzähler, der ein rechter Kauz ist, wie viele, allzuviele Schweizer ja rechte Käuze sind. Das habe ich schon vielfach gehört, so zeitlupenhaft und kleinteilig und Genazinesk, aber ohne dessen Skurrilität, dafür mit vielen Plusquamperfekten, für die Langenegger offenbar eine Vorliebe hat. Er liest mit irgendwie weihevoller Stimme von Friedhöfen und Zimmerpflanzen und kranken Blutbuchen, aber darum geht es gar nicht, weil es ja eigentlich um eine Begegnung geht, die aber völlig zuwuchert mit Zeugs, das alles symbolisch interpretiert werden kann, aber nicht muß. Was hat der Text denn mit Ihnen gemacht? fragt die Moderatorin die Jurorin Meike Feßmann. Ich wünsche mir sofort Ernst Grandits zurück, da ging es noch um Einwände und Diskussionen, jetzt wird erst einmal in sich hineingefühlt, wie das Gedärm auf den Textstrom so reagiert. Der Kritiker als Seismograph. Frau Feßmann ist befremdet und referiert daher erst einmal den Inhalt, das ist ja immer gut, wenn einem sonst nichts einfällt. Dann diagnostiziert sie etwas expressionistisches, während ich mühsam einen Anfall von Radischraserei unterdrücke. Wenn Mangold offiziell verbrieft die neue Elke ist, Meike Feßmann gibt sich gerade alle Mühe, die neue Iris zu werden. Großartiger Einstand, liebe neue Jury. Macht nur so weiter. Paul Jandl (Note to self: Paul, nicht Ernst. Paulpaulpaul!) konstatiert, Männer wie diese haben es in der Ökologie der Städte nicht leicht, bemängelt aber einen Zug ins allzu Putzige. Fleischanderl findet den Text ruhig und stimmungsvoll, er zerfalle aber in zwei Teile. Mangold las eine Gesellschaftsutopie: Wenn wir uns nicht als Vertreter der Klassen, sondern als Individuen begegnen, könnten wir uns ganz nah sein. Die Symbolik sei aber zu vordergründig inszeniert. Frau Keller hörte ganz viel Lokalkolorit. Burkhard Spinnen lehnt sich wie immer verbal zurück und holt mit größerer Geste aus, um schließlich festzustellen, daß es sich hier um eine Etüde handele. Er jedoch sei ein fortgeschrittener Leser, der ein wenig Überraschung erwartet. Sulzer meint, es gebe genug Geheimnis, Feßmann sieht Kafka-Vokabular am Werk, Mangold findet den Text, wenn das nur Kafka ist, dann umso uninteressanter. Es gibt dann noch eine seltsame Debatte darüber, ob Menschen sich im 19. Jahrhundert auch gegenseitig auf Parkbänken Lebensgeschichten erzählt haben, und daß Feßmann behauptet, daß das nie der Fall gewesen sei, sagt vermutlich einiges über ihre Lektürevorlieben. Aber kommen wir zu Philipp Weiss und seinem Text "Blätterliebe". Philipp Weiss hat das vermutlich reduktionistischste Autorenportrait ever gedreht, das ihn in Schwarzweiß von vorne zeigt, er grimassiert ein bißchen, dazu Musik wie aus einer Siebziger-Jahre-Kindersendung. Die Tendenz zu selbstgedrehten Videos hat in letzter Zeit enorm zugenommen, seit viele Selbstdreher Preise gewonnen haben (Tellkamp, Passig). Weiss liest eins dieser schnellen elliptischen Dinger, bei denen man sofort an Thomas Bernhard denken muß und daran, was er Generationen von männlichen Jungschriftstellern angetan hat dadurch, daß er ihnen zum Vorbild gereichte. Leider reicht die Sprache bei Weiss nicht so weit, bleibt fürchterlich simpel, bekommt etwas Siebziger-Jahre-Kindersendungshaftes, aber ohne den Mehrwert, daß man hinterher weiß, wie Luftballons hergestellt werden. Insofern schonmal schlecht. Worum geht es? Um einen Schriftsteller, der beim Arzt eine Magenspiegelung bekommt und seine Freundin Simone, die Kindergärtnerin ist und darum, daß bei der Magenspiegelung lauter halbverdaute Texte (Pointe!) gefunden werden. Herzlichen Dank für diese nicht ganz unanstrengende Lesung sagt Frau Stadler hinterher. (Ernst Grandits! Wo sind Sie? Was muß man Ihnen dafür bezahlen, daß Sie wiederkommen und dieser Veranstaltung ein wenig Würde zurückgeben?) Aber nun zu den Juroren, die einen immer noch müden Eindruck machen. Sulzer hat den Text mit Vergnügen gelesen, findet natürlich Thomas-Bernhard-Anklänge (wer männlich und jung ist und schreibt, hat die Auswahl zwischen genau zwei Vorbildern: Bernhard oder Bukowski – insofern ist es ja eher ein Armutszeugnis, bei einem der beiden steckenzubleiben) und der Text trete lustvoll auf der Stelle. Ijoma Mangold ist genervt von der Fingerfertigkeit des Textes und konstatiert, daß er sich mehr für Kindergärtnerinnen als für Schriftsteller interessiert. Fleischanderl sieht ein postmodernes Problem originell gelöst. Frau Keller, die immer so euphorisiert klingt wie eine frisch erleuchtete Evangelikale, stellt die Einverleibung von Text in eine jahrtausendelange Tradition. Jandl meint: Nichts ist so anstrengend wie Humor, den man nicht teilt. Und er fand den Text sehr anstrengend, was eventuell auch Rückschlüsse auf Frau Stadlers Humorverständnis zuläßt. Mangold hält den Text für einen Klagenfurttext der Neunzigerjahre (auch mir scheint das alles die Avantgarde von vorvorgestern, vielleicht sogar noch früher). Burkhard Spinnen meint, das sei weniger eine Etüde als eher eine Variation, und der Autor macht jetzt was völlig verrücktes und ißt ein Buch. Haha! sagt die Moderatorin, da habe er jetzt ja Bachmannpreisgeschichte geschrieben! Verzweifelte gibt's. Karsten Krampitz liest den Anfang einer Novelle mit realem Hintergrund. Und da haben wir leider gleich mehrere Probleme: Erstens das Problem von Geschichtenanfängen, von denen wir nur vermuten können, wie sie später gelöst werden. Zweitens das Problem von Rollenprosa, deren Unzulänglichkeiten man immer auf die Unzulänglichkeiten der Figur schieben kann. Wenigstens mal anständige Musik im Portrait: Johnny Cash und nicht immer dieses kulturmagazinmäßige Geschrammel, aber das paßt zu einem, der sich berlinerisch-schnodderig gibt und aus Rüdersdorf stammt. (Rüdersdorf! Stammsitz meiner Familie mütterlicherseits! So wie der hat meine Oma auch gesprochen, aber mit mehr Singsang in der Stimme, aber das war eben noch richtig altes Brandenburgerisch, nicht so ein Großraum-Berlin-Berlinerisch. So wie man bei den alten Frankfurtern noch zwischen Griesheim und Höchst unterscheiden kann, während sich mittlerweile großflächig das sogenannte RMV-Hessisch durchgesetzt hat.) Aber was mich immer fertigmacht, das ist dieses Christliche: Leben ohne Gott geht ja noch irgendwie, aber Sterben ohne Gott ist Scheiße, sagt der Autor. Ja sicher, sterben ohne Gott. Wie denn sonst? Wenn es nur um den Trost geht, kann ich auch an ein Elysium glauben, das ist mir ohnehin kommoder als der Christenhimmel. Also gut, der Text heißt "Heimgehen", und er beschreibt zunächst mal, wie aus einem versoffenen Landstreicher ein ehrbares Mitglied einer christlichen Gemeinschaft wird. Egal, was danach noch kommt und egal, was noch angedeutet wird, das ist das Material, auf das wir uns berufen müssen. Und das finden die Juroren teils anrührend, aber entweder bin ich aus Stein oder das ist tatsächlich bißchen dicke in Sachen Sozialromantik aufgetragen. Die stehen ja alle herum wie im Heimatroman, der Pfarrer, die Pfarrerstochter, der versoffene Landstreicher mit dem goldenen Herzen, und dabei diese gewollt liebevolle Schnodderigkeit. Ich bin ja nicht der Meinung, daß das so geht. Frau Stadler würde sofort einen Preis in der Kategorie Charmanter Vortrag verleihen, sagt sie. Herr Sulzer fand den Vortrag auch ganz toll und hat nun Schwierigkeiten, ihn mit dem in Einklang zu bringen, was er gelesen hat, weil ihn das nicht so interessiert hat. Frau Feßmann kategorisiert, das sei eine Märtyrergeschichte, was aber egal ist, weil das Martyrium da noch gar nicht erzählt wurde, sondern nur der Anfang. Es müßte also heißen: Wenn das fertig ist, wird es mal eine Märtyrer-Geschichte. Herrn Jandl hätte überhaupt eher die Geschichte des Erzählers interessiert, den er für einen Spitzel hält. Statt diese interessanten politischen Fragen zu behandeln, gleite dieser Text aber leider ins Menschliche ab. Mensch, schade. Frau Fleischanderl ist mal wieder minderbegeistert und sieht hier eine durch und durch deutsche Biederkeit am Werk, wovon auch keine Distanzierung stattfinde. Auch Herr Spinnen ist hin- und hergerissen zwischen Lektüre und Vortrag. Frau Keller empfindet, der Text sei von innen heraus geschrieben, mit emotionaler Nähe und sei ein Stream of Wörter, Erinnerungen und Fetzen eines 78-Jährigen. Sulzer fehlt die Sprache: Man denkt, da erzählt jemand von seinem besten Freund. Mangold will dagegenarbeiten, daß der Text so schlecht abschneidet, weil der Vortrag so toll war. Das wär ja auch ganz schön ungerecht. Dann meldet sich der Autor selbst zu Wort: Krampitz plädiert für eine Unschuldsvermutung seines Erzählers, der sei kein Spitzel. Das wiederum freut Paul Jandl ganz und gar nicht: Nachdem, was Krampitz erzählt habe, werde der Text zu harmlos. Mangold gibt nichts auf Aussagen von Autoren über ihre eigenen Texte. Genau, das sollte man getrost ignorieren. Herr Sulzer mahnt Frau Fleischanderl aufgrund eines Murrens im Publikum, nicht Menschlichkeit mit Biederkeit gleichzusetzen. Fleischanderl läßt sich von ihrer Meinung nicht abbringen und findet den Text trotzdem bieder. Und damit schließt der Vormittag, die Pause wird im Studio bestritten mit einer Diskussion über Urheberrecht, die ich nur halb mitbekomme, weil ich jetzt erst einmal was zu essen machen muß. ![]() Mich wundert ein bißchen, daß die bei dem schönen Wetter nicht wie sonst immer draußen im Garten sitzen. Ich für meinen Teil wäre jetzt nicht ungern draußen. Aber ich harre aus und erwarte, was der Nachmittag bringt. Und er bringt Bruno Preisendörfer dessen weiches, gemächliches Südhessisch mit dem gerollten Rrr ich sofort als heimisch rheinmainisch erkenne, wenn der Mann auch in Berlin wohnt. Ich tippe Odenwald, er stammt aber aus Kleinostheim, stellt sich heraus, auf halben Weg zwischen Seligenstadt und Aschaffenburg. 30 Kilometer daneben sind auch vorbei. Sein Text heißt "Fifty Blues", der ist was für Altmännerversteher und mäandert so über Gott und die Welt vor sich hin. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich mich kompetent fühle, diesen Text beurteilen zu können, ich bin weder ein Mann noch fünfzig. Ich mag keine Psychoanalytiker und ich hasse Clowns, das erschwert den Zugang noch zusätzlich, denn davon wimmelt es in dem Text leider. Außerdem hat der Psychoanalytiker noch einen Kunden, das ist ein Anzugträger, der zu einer Domina geht (wenn einem was ungehöriges einfallen soll, man aber nur eine dreiviertel Sekunde Zeit hat, nachzudenken, dann fällt einem vielleicht sowas ein). Den Rest des Personals bestreitet Gott mit Fernbedienung (wenn man die Dinosaurier nicht mitzählt). Oh Gott. Paul Jandl sieht gleich drei literarische Gefahren: Gott, Clowns und fünfzigste Geburtstage. Ich sehe sogar noch mehr, ich sehe Psychoanalytiker, aber Jandl fängt nun an, irgendwas freudsches zu erklären. Ich bringe den leeren Nudelteller zurück in die Küche und kriege das daher nicht so mit. Frau Feßmann ist schier begeistert, wie dieser Text ständig von der Fern- in die Nahperspektive wechselt, und auch Sulzer ist davon völlig gefesselt. Spinnen meint, das könne man ja machen, seine unordentlichen Morgengedanken darstellen, die Frage ist, wie. Also ihm sei es ja um den Fünfzigsten dreckiger gegangen. Feßmann meint, der leide ja an der Welt, darauf Spinnen: Wenn Sie erst fünfzig sind, dann wissen Sie, das ist identisch. Mangold meint, das sei eine metaphysische Burleske über die Schwierigkeit von Sinnstiftung. Frau Fleischanderl meint, das sei voller Spassettln und Klischees, lauter Lachnummern von vorgestern. Frau Keller ist verwundert ob der hohen Wörter, denn Kleinigkeiten verstellen ihr den Blick (vielleicht ganz gut so). Frau Feßmann unverdrossen fragt: Warum haben Sie denn keine Freude an dem Handwerk, wie witzig das gemacht ist? Jandl meint, das sei eben nicht gut gemacht. Jaa, meint Feßmann, ein Kammerspiel ist ja immer einfach, hier hat man einen weiten Blick. Spinnen: Aber das ist doch keine Erweiterung des Raums! Sulzer findet, das Erhabene und das Niedrige in diesem Text, das gehe so hin und her. Spinnen: Das ist nicht das Erhabene, das ist das Erhobene. (Also, man kann ja sagen was man will über diesen Spinnen, er st einer der wenigen, der zumindest ab und an über so etwas wie Wortwitz verfügt. Man sollte ja meinen, daß diese Juroren zumindest auch aufgrund ihrer Fernsehtauglichkeit ausgewählt worden sind. Gut, die Feßmann sieht gut aus, aber was macht bitte dieser Sulzer da? Warum hat keiner der Strigl und dem Nüchtern fürchterlich viel Geld bezahlt, daß sie in der Jury bleiben? Und wo bitte ist Ernst Grandits? Herr Grandits, ich vermisse Sie ja so.) Aber weiter im Text und mit dem nächsten Text von Christiane Neudecker die von mir einen Sonderpreis für das peinlichste selbstgedrehte Autorenvideo aller Zeiten bekommt und Uwe Tellkamp damit auf Platz zwei verweist. Sie wird in diesem Machwerk boxkampfstyle vorgestellt, und sogar ein fingierter Trainer namens Vitali Ranitzky [sic!!] kommt darin zu Wort. Schlimm, ich schäme mich gerade sehr. Wenn man schon selbstdreht, dann soll man das doch wenigstens können. Platz drei belegt übrigens Philipp Weiss. Ich bin gespannt, was mich dieses Jahr noch erwartet. Erst einmal erwartet mich ein Text, bei dem ein Mann zu seinem eigenen Schatten wird und es natürlich nicht merkt. Eigentlich ein klassisches Gothic-Novel-Ding, Poe und so, es spielt aber in Hongkong und darin Technik eine nicht unbedeutende Rolle. Und viel Licht, vor allem künstliches. Warum dieser Mann sein Schatten wird, verstehe ich aber nicht. Es trifft ihn halt einfach so. Bumm. Irgendwie wird er es wohl verdient haben, nehme ich an. Es hilft meinem Verständnis leider nicht, daß Frau Neudecker den Text künstelnd gegen den Strich liest – Interpunktionen sind lustige Kleckse im Schriftbild, die mit der Betonung ihrer Meinung nach nichts zu tun haben. Frau Keller findet den Text sehr präzis, das Eintauchen in das Reich der Schatten entfalte trotz allem Technizismus seine Faszination. Sulzer fand die Ballettänzerin am Anfang sehr plastisch beschrieben. (Ja wo sind wir hier eigentlich? Immer noch in der Häschenschule? Das haben Sie aber schön plastisch beschrieben, Frau Neudecker. Himmel hilf.) Ansonsten freut er sich, daß hier mal eine klassische Horrorgeschichte kommt und fühlt sich an Daphe du Maurier erinnert. Die Autorin nickt. Fröhliches Vorbilderraten, die erste Runde geht hiermit an Sulzer. Ach, wenn Literaturwissenschaft doch immer so einfach wäre. Frau Fleischanderl findet es schwierig, dieser Tradition der Horrorgeschichte noch etwas hinzuzufügen. Ihr fehlt hier das Geheimnisvolle und Bedrohliche. Frau Feßmann, Achtung!, hat die Geschichte gefallen, weil sie so wahnsinnig spannend ist. (Frau Feßmann! Bitte sagen Sie demnächst irgendetwas Kluges, sonst fange ich an, blöde Witze über ihre Haarfarbe zu machen.) Die Spannung, dreht sie die Schraube noch ein bißchen weiter, komme von der Kunstfertigkeit her, die sie anwendet, das sei wie ein Taschenspielertrick, die Erzählerfigur während der Erzählung auszutauschen. (Frau Radisch, ich habe Ihnen all die Jahre über Unrecht getan. Ich dachte immer, blöder geht es nicht mehr. Ich sehe mich widerlegt. Es geht blöder.) Paul Jandl unterdessen will das Mysterium nicht rational erklären und findet den Text ansonsten sehr schön und wunderbar. Spinnen findet das Attribut spannend sehr subjektiv: Hier rächt sich mein massenhafter Konsum solcher Texte zwischen dem achten und 14. Lebensjahr. Außerdem fragt er sich auch nach der grundsätzlichen Motivation der Schattenwerdung des Erählers. Mangold erinnert daran, daß hier jedem Text der Vorwurf gemacht werde, schonmal dagewesen zu sein. Er fühle sich sehr unwohl, aber ihm komme das auch bekannt vor. Das sei gut gestrickt, aber halt gestrickt. Und somit endet der erste Tag von nun wieder drei Lesetagen, die nicht mehr so dicht gedrängt sind wie im letzten Jahr, was ich begrüße. Von den vier neuen Juroren sind zwei brauchbar (Fleischanderl, Jandl) und zwei sind komplette Schüsse in den Ofen (Feßmann, Keller). Alles in allem vermisse ich Daniela Strigl, Klaus Nüchtern und Ursula März. Aber am allermeisten vermisse ich Ernst Grandits. Und mit solch wehmütigen Gedanken begebe ich mich in die Hitze des Nachmittags. ... comment
eriktheodor,
Donnerstag, 25. Juni 2009, 13:59
Frau Feßmann erklärt ja gerne die Texte, so scheint's. Ich bin ihr da nicht undankbar, da kann man getrost hie und da bei den Autoren einnicken.
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eriktheodor,
Donnerstag, 25. Juni 2009, 14:42
Handlungsabwesenheit ist ja nun auch keine Entschuldigung für diese Oberstufenaufsätze. Man muß Frau Fleischanderl aber Dank zollen, die ist bald soweit und speit Galle, vielleicht haut sie auch die Keller. Oder sie schubst einen Autoren vom Sesselchen. Sie sah eben schon recht energisch aus. Da geht noch was.
Ich bin hier etwas unhöflich reingeplatzt, also erstmal Guten Tag. Wollte mich eigtl. nur für die tapfere Berichterstattung bedanken. In diesem Sinne, Danke für die tollen Texte. ... link
andreaffm,
Donnerstag, 25. Juni 2009, 15:07
Ja, Frau Fleischanderl macht mir auch Spaß, die hat so etwas angenehm resolutes.
Bisher war da noch wirklich kein Text dabei, der über die Ansprüche der Häschenschule hinausging. Ich bin einigermaßen enttäuscht und frage mich, ob ich jetzt alt und zynisch werde oder was da los ist. Ich kann und kann keine Begeisterung aufbringen. ... link
eriktheodor,
Donnerstag, 25. Juni 2009, 15:37
Ich hab' jetzt den Text von der letzten Berlinerin noch nicht
gelesen aber bislang ist das alles höchstens prätentiös. Der Krampitz ist sicherlich eine ganz ganz dufte Type aber wenn ich noch einmal Christusgemeinde höre, wird's unchristlich. Was jetzt mit dem Vorletzten (Preisendörfer?) und seinem Clown war, weiß ich schon garnicht mehr. Da bleibt nix hängen. Außer das Spinnen die Texte wohl allesamt hätte selber zu Ende schreiben können. ... link ... comment
Irene,
Donnerstag, 25. Juni 2009, 15:40
Was hat der Text denn mit Ihnen gemacht?
Da musste ich sofort an Beckmann denken, der seinen Gästen immer mit der Frage Was war das für ein Gefühl? in allen denkbaren Varianten zusetzt. Das Philipp-Weiß-Video hab ich leider verpasst, vielleicht taucht das ja auch noch auf Youtube auf? ... link ... comment
Olram X,
Freitag, 26. Juni 2009, 10:55
Wow! Was ’ne Maloche! 2002 hab ich mir mal das volle Programm gegeben. Deine abgespeckte Version reicht mir aber voll und ganz. Liest sich gut. Weiter so!
Übrigens, dass du deinen Laptop nicht „Läppi“ nennst, finde ich auch sehr schön. ... link ... comment
alex63,
Samstag, 27. Juni 2009, 19:48
care to clarify?
ich hasse Clowns
echt? das ist aber schade. du hasst die traurigen clowns? da versteh ich ja noch eher die leute, die kleine schreiende kinder hassen. haben die sich mal über dich lustig gemacht oder wie erklärt sich das? ohne eine dahinter steckende schwere psychische beschädigung kann ich mir den satz absolut nicht erklären. hassen ist viel zu stark in dem kontext, nicht mögen wäre ja ok. aber hassen? by the way ich finde clowns meistens auch nicht sehr lustig. sie haben was tragisches, müssen witzig sein, sind aber meist eher peinlich. ... link
andreaffm,
Samstag, 27. Juni 2009, 20:21
Ich mochte Clowns schon als Kind nicht, das ist irgendwie hängengeblieben. Sie sind so laut und so grell und so unlustig. Ich kann über sie nicht lachen und konnte es noch nie, dabei besteht deren ganze Existenz darin, Leute zum lachen zu bringen. Ich lache aber nicht, ich verstehe nicht, warum andere darüber lachen, ich schäme mich nur für sie und schaue weg. Das merken Clowns aber nicht und machen unverdrossen weiter, wie eine ewige Lustigmachmaschine, immer die gleiche Masche, weil sie nicht mehr können. Und für ihre Dummheit muß ich sie dann auch noch verachten. Und dann komme ich mir wie ein Spaßverderber vor, weil ja alle anderen lachen. Und dann gehe ich besser irgendwo anders hin, wo keine Clowns sind. So ungefähr.
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