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Bisher gab es in der deutschen Schriftsprache genau 26 Versalien plus drei Umlaute, macht 29 mal Großbuchstaben. Oder: GROSSBUCHSTABEN. Das Eszett ist ja kein Buchstabe, das ist eine Ligatur, eine Verschmelzung zweier Buchstaben zu einem Druckzeichen. Wie fl oder fi bei Serifenschriften zusammenrücken, weil es sonst häßlich aussehen würde, sind vor langer Zeit einmal s und s zusammengerückt, als die Schrift noch lispelte und man zwischen langem s und Schluß-s unterschied.

Und da es langes s und Schluß-s nur minuskelnd gibt, muß man, wenn man groß schreibt, GROSS schreiben. Oder GROSZ. Das war irgendwann Anfang des letzten Jahrhunderts einmal als Übergangslösung gedacht, bis jemand ein großes Eszett erfindet. Weil das Doppel-s ja auch zu Verwechslungen führen kann. Aber wie das so ist, alle bosseln rum und niemand kommt zu Potte. Irgendwann wurde es auch der Dudenredaktion zu blöd und sie strich den Passus mit dem Notbehelf und dem fehlt leider noch. Man hörte auf zu warten, bis jemand daherkommt und das ultimative große Eszett baut und erklärte den ehemaligen Notbehelf kurzerhand zur Norm.

Das galt, wie gesagt, bisher. Seit Montag gilt anderes: Das trotz zäher Bemühungen von Eszett-Verächtern hierzulande immer noch nicht abgeschaffte Eszett wurde durch Versalisierung geadelt. Fortan gibt es das auch in groß. Damit ist es keine Ligatur mehr, sondern ein Buchstabe namens LATIN CAPITAL LETTER SHARP S. Und der hat nun offiziell seinen Platz im Zeichensatz ISO-10646 und trägt die stolze Bezeichnung 1E9E.

Und wie kommt das Ding jetzt auf die Tastatur? Dafür braucht es einen Treiber. Richtig viele Schriften, die das können, gibt es auch noch nicht. Und deshalb gibt es hier auch kein Beispiel. Man kann das zwar auch als html-Code tippen, aber dargestellt wird hier nur ein trauriges leeres Kästchen, in das sich jeder seine ß-Majuskel hineindenken darf. (Max Goldt ist da schon weiter.)

Und es kommt noch schlimmer: Obwohl das große Eszett jetzt internationale Norm ist, ist es noch lange kein Bestandteil der deutschen Rechtschreibung. Nun gibt es also das Zeichen, offiziell und genormt, aber es darf nicht angewandt werden. Und damit ist es in der Sprache vorerst heimatlos.

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Du meinst, man kann das große Eszett noch abschieben?

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Ich weiß nicht. Mir tut es ja irgendwie leid.

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Ist doch ganz liab, das ß. Man erkennt doch sehr hübsch die ehemalige sz-Ligatur. So können wir uns ja langsam an das Lang-s wieder herantasten ;)

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Und die Umlaute abschaffen, und kleine es dranschreiben. Die Kommas durch Schrägstriche ersetzen. Und, ganz wichtig, ein Strich über zu verdoppelnde Konsonanten.

Wenn ich es mir recht überlege: Wozu überhaupt Regeln?

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Die strichverdoppelten Konsonanten fand ich immer sehr charmant , schade, daß die aus der Mode gekommen sind ...

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bei all dem eszett muss ich plötzlich daran denken, dann auch gern in groß

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Angesichts des herben Untertones der Geschichte dann aber bitteschön in zartbitter!

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Ich fand das ja schon immer etwas verwegen, das tatsächlich als Brotbelag zu deklarieren. Aber gut. Auch ein plattgedrückter Negerkuß kann ein Brotbelag sein.

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...und schmeckt als solcher ja auch gar nicht schlecht, sofern in homöopatischer Dosierung serviert und nicht alle Tage. Es bleibt freilich ein klebriger Ruch von billiger Vulgarität. Die eszett-Schnitten dagegen können ohne weiters als gediegene Delikatesse gelten, am besten kalt serviert auf frischem Butterbrote. Knacken muß es beim Zubeißen, krachen gar! O selige Jugendzeit, wie bescheiden waren Deine Genüsse...

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Ich warte nun auf die ersten Wörter, die mit LATIN CAPITAL LETTER SHARP S anfangen.

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SSeise?

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"Scharfer Senf "wird zu "ßenf".
Hat doch was, oder?

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das würde ich mir sofort schützen lassen!

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