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Okay, ich gebe zu, mich dem Hype gebeugt zu haben. Es gibt ja nur ganz selten richtige Literaturhypes, also nicht bloß Skandälchen um Nazizeugs oder sich gegenseitig beschimpfende alte Leute, sondern Hypes, und der um Charlotte Roches Feuchtgebiete ist ja wohl einer. Das merkt man daran, wenn man zum dritten Mal in den Buchladen kommt und schon wieder ist alles wegverkauft.

Der Hype, soviel ich weiß, besteht darin, daß eine bei Fotzenrockern hippen jungen Großstadtmenschen beliebte TV-Ansagerin mit tolerablem Aussehen und tolerablem Musikgeschmack ein Buch geschrieben hat, und zwar richtig selbst geschrieben und zwar einen Roman über weibliche Geschlechts- und sonstige Körperteile und ihre mit Flüssigkeitsauswurf verbundenen Funktionen. Das kann man schonmal interessant finden, denke ich und lese das.

Und lese das und lese das und finde es irgendwann nicht mehr so wahnsinnig interessant. Eine Menge der im Buch beschriebenen Phänomene des Flüssigkeitsauswurfs kenne ich ja auch von mir selber, aber ich bin bei weitem nicht so fasziniert davon wie die Protagonistin. Bei der hat sich der oft beklagte grassierende Hygienewahn und die Entfremdung von den eigenen Körperfunktionen umgedreht zu einem Schmuddelwahn und einer manischen Beschäftigung mit den eigenen Säften und Bröckchen und Sekreten, daß es auch schon wieder hinreichend unerfreulich ist.

Nun ist es ja leider so, daß Frau Roche nicht einfach nur ein Buch geschrieben hat, nein, sie hat eine Mission. Sie sitzt in Talkshows und gibt lauter Interviews, in denen sie etwas mitteilen will. Es ist ein bißchen schwierig, das Buch von dem vielen Gerede darüber zu trennen, das trübt vielleicht auch das literarische Urteil und vielleicht nimmt man dann auch nicht mehr das Buch selbst wahr, sondern das, was man wahrnehmen soll. Aber gut, man kann ja mal anhören, was die Autorin so zu sagen hat:

Es hatte erst ein Sachbuch werden sollen: Charlotte Roche empfiehlt Frauen, wie sie mit ihrem Körper umzugehen haben. Das kam mir dann aber zu plump vor. Eine Romanfigur war schon deshalb besser, weil sie sich grotesker aufführen kann als die Privatperson Charlotte Roche.

Vor allem, möchte ich einwenden, bleibt die Privatperson dann erst einmal unberührt. Aber gut, wir haben es also mit einem Roman zu tun, der deshalb ein Roman ist, weil die Autorin da eher die Sau rauslassen kann. Zuerst aber war da das Thema, die These. Und die These ist folgende:

Ich kann diesen ganzen Reinlichkeitswahn nicht nachvollziehen. Man ist so entfremdet, dass man Parfüm als gut riechend empfindet und Schweiß als stinkend.

Ich kann ja ehrlich gesagt diesen ganzen Entfremdungswahn nicht nachvollziehen. Diese Vorstellung, die Moderne sei eine Zeit, in der man sich von einem gesunden Umgang mit Tod, Verderben, Körperlichkeit und wasweißich entfernt habe, kommt mir reichlich romantisch vor. Da muß man sich ja eine Zeit denken, so eine Art goldenes Zeitalter, in der die Menschen in schönstem Einklang mit sich und ihren Exkrementen über die Wiesen gehüpft sind und ganz natürlich umgegangen sind mit den düsteren und schleimigen Ecken ihres Daseins.

Ich bin mir nicht sicher, ob es das in den letzten fünftausend Jahren gegeben hat. Ich glaube, wenn die Menschen die Wahl gehabt hätten, dann hätten sie dreimal täglich in Eselsmilch gebadet und sich mit Rosenwasser überschüttet. Die meisten Völker haben früher oder später eine Bade- und Kosmetikkultur entwickelt, weil Reinlichkeit ja auch ein Statussymbol ist. Und weil Kultur immer Entfremdung vom vermeintlich Natürlichen bedeutet.

Es ist unnatürlich, Auto oder Zug zu fahren, in Häusern zu wohnen und in Betten zu schlafen. Es ist unnatürlich, Pizza zu essen und Elektropunk zu hören und die Schriftkultur ist natürlich auch unnatürlich, weil da die ganze orale Tradition bei verloren geht, die dem Menschen ja viel näher ist als das stille Lesen von Buchstaben, das uns zu autistischen, vereinzelten Rezeptoren gemacht hat statt wie früher das Geschichtenerzählen die Menschen am Feuer zu verbinden. Muß man das jetzt auch alles anprangern?

Ich will damit zeigen, dass diese Idee, Gerüche müsse man immer wegmachen, schlecht ist. Es gibt Körperteile, die müssen riechen und Schleim haben und der Kampf dagegen ist falsch.

Und es gibt Menschen, die halten ihren Körpergeruch auch aus Rücksicht auf andere Mitmenschen, in der S-Bahn beispielsweise, so dezent zurück, daß man ihn erst dann riecht, wenn man mit der Nase drauf gestoßen wird, und zwar wörtlich. Ich glaube, es ist durchaus angebracht, sich regelmäßig zu duschen und die Kleidung zu wechseln, gerade dann, wenn man eng mit anderen zusammenlebt. Das ist eine Frage der Höflichkeit. Denn mindestens genauso tabubesetzt wie Körpergerüche selbst ist das Hinweisen anderer Menschen auf deren Geruch. Wem fällt es schon leicht, seinen Büronachbarn auf die Existenz von Dusch- und Waschmöglichkeiten aufmerksam machen zu müssen? Und wer hört sich das schon gerne an? Diese Peinlichkeit sollte man möglichst beiden Seiten ersparen.

Was man dann zu Hause auslebt, hat damit nichts zu tun. Denn die Moderne bringt es nun einmal auch mit sich, zwischen öffentlicher und privater Sphäre zu trennen. Diese Trennung versucht Roche, im Buch wie auch in Interviews zu nivellieren und als unnatürlich anzuprangern:

Als Menschen sind wir ursprünglich darauf angelegt, im Geruch des anderen den potentiellen Sexualpartner zu suchen und zu erkennen. Indem wir uns künstlich parfümieren, nehmen wir uns eine Quelle der Lust. Ich möchte das Geschlechtsteil des Mannes durch seine Hose hindurch riechen.

Ja, aber doch nicht das Geschlechtsteil des Sitznachbarn im Bus! Die Protgonistin des Buches, Helen, geht vor allem deshalb so auf die Nerven, weil sie nicht nur sich selbst, sondern auch anderen Menschen ständig ungefragt ihre Körperausscheidungen zumutet. Das mag bei einem jungen hübschen Ding auch noch irgendwie durchgehen, aber was, wenn Helen erst einmal fünfzig ist? Schmiert sie sich dann immer noch mit ihren Vaginalsekreten voll? Ich wage ja zu behaupten, daß das Buch vor allem deshalb viele so fasziniert, weil es mit einer jungen, gutaussehenden Heldin und einer jungen, gutaussehenden Autorin gesegnet ist. Alles andere würde wirklich verstören, und das wollen wir ja nicht.

Aber weg von der Hygiene, hin zur Heldin und ihren Motivationen. Warum verteilt Helen blutige Tampons im Fahrstuhl und läßt sich von wildfremden Typen intimrasieren? Weil sie ein Scheidungskind ist und Liebe mit wahlloser Sexualität verwechselt. Außerdem ist sie traumatisiert, weil ihre Mutter sich und den kleinen Bruder umzubringen versucht hat und Helen beide in letzter Minute retten konnte, darüber aber nie geredet wurde. So einfach ist das, leider.

Die Lebensaspekte im Buch, die nichts mit dem eigenen Körper zu tun haben, kommen dabei ziemlich kurz. So kurz, daß sich mir da ein Glaubwürdigkeitsproblem aufdrängt. Die rettende Liebe zu Pfleger Robin etwa, der Helen am Ende des Buches einfach mit nach Hause nimmt und damit vor ihrer schrecklichen, sprachlosen Restfamilie schützt. Woraus diese wiederum besteht, wird nicht besonders deutlich, denn die Eltern, wenn ich das richtig verstanden habe, haben nach der Scheidung durchaus wieder Partner gefunden. Erwähnt werden diese allerdings nicht näher, überhaupt werden den Eltern eigentlich kaum eigene körperliche Bedürfnisse zugestanden. Die stehen so als Neutren herum mit der alleinigen Aufgabe, sich um das Kind kümmern zu müssen. Erst gegen Ende des Buches versteht Helen, daß sie ihre Eltern nicht ändern kann – na immerhin das. Und auch so ein bißchen, daß Menschen eigene Leben haben.

Das macht mich langsam wahnsinnig. Ich bin hier eingesperrt, und die kommen und gehen alle, wann sie wollen. Und machen da draußen bestimmt auch noch Sachen, von denen ich nichts weiß. Ich würde gerne mitmachen, denke ich kurz. Aber Quatsch. Da draußen sind wir als Familie noch weiter auseinandergerissen, jeder für sich. Weil ich hier mit meinem Arsch ans Bett gefesselt bin, kreuzen sich die Wege meiner Verwandten ab und zu mit meinem.

Dann bastelt sie noch so gestaltungstherapeutisch ihre Traumasituation nach und geht einem neuen Leben in den Armen ihres Krankenpflegers entgegen. Und da verläßt es mich. Nicht, weil Helen offenbar ein selbstbezogenes, regressives und einigermaßen gestörtes Wesen ist, das sich dauernd vor lauter Unsicherheit an irgendwelche Leute klammert. Das darf sie ja, sie ist ja eine Romanfigur. Sondern, weil die Autorin den Ausdruck dessen, diese Pipikaka-Manie ihrer Protagonistin, mir als die eigentlich viel gesündere Lebenseinstellung verkaufen will. Da wünsche ich mir, sie hätte die Klappe gehalten und nicht dauernd in irgendwelchen Interviews erklärt, wie ich das Buch zu verstehen habe. Und ihre eigene Mission mal zurückgehalten zugunsten ihrer Geschichte, die auch ganz gut ohne den antihygienischen Privatfeldzug der Frau Roche zurechtkommt.

Viel verstörender als all die Körpersäfte ist übrigens der erste kurze Abschnitt des Buches, der viel verspricht, was dann nicht so richtig eingelöst wird. Diesen ersten Absatz sollte man kennen:

Ich halte sehr viel von der Altenpflege im Kreise der Familie. Als Scheidungskind wünsche ich mir wie fast alle Scheidungskinder meine Eltern wieder zusammen. Wenn sie pflegebedürftig werden, muss ich nur ihre neuen Partner ins Altersheim stecken, dann pflege ich meine geschiedenen Eltern zu Hause, wo ich sie in ein und dasselbe Ehebett reinlege, bis sie sterben. Das ist für mich die größte Vorstellung von Glück. Irgendwann, ich muss nur geduldig warten, liegt es in meiner Hand.

Das ist so wunderbar trostlos, daß es über den Ratschlag an junge Mädchen, sich doch auch mal schlecht riechen zu trauen, weit hinausgeht. Vermutlich läßt sich das Buch, das daraus hätte werden können, aber nicht so gut in Talkshows verkaufen.

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"und einer jungen, gutaussehenden Autorin gesegnet ist"

Soll das heissen, das Buch ist eine unter dem Namen einer mittelalten, ungepflegten TV-Blunze veröffentliche Fälschung? Wer ist diese Autorin?

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Die Dame ist vier Jahre jünger als ich und damit jung. Ich bin ja schließlich nicht älter als mittelalt – oder?
(Außerdem gelten in der Literatur andere Regeln, Jungautor darf man bis vierzig sein.)

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Das kann nicht sein, die Dame war doch schon Äbbelwoiausschenkerin vom Blauen Bock, dann Assistentin von Ilja Richter, Seniorenbeauftragte bei Wetten dass von Frank Elstner, und muss demzufolge ungefähr so Mitte 7o sein, wie sie wirkt.

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Beleidige mir mal nicht die gute Lia Wöhr, erste Produzentin des deutschen Fernsehens und Meilenstein weiblichen Medienschaffens. Die konnte wirklich was.

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Ob sich mein Buch besser verkauft, wenn ich mich nicht mehr wasche? Das ist schon eine marketingrelevante Frage, oder?

Aber mit 52 funktioniert das vermutlich nicht mehr.

Seufz. Da plant man sorgfältig Plot und Spannungsbögen, macht sich Gedanken um Charaktere und deren Motivation - aber es nützt nix. Andere stinken einfach nur ein bisschen, und der Ruhm ist da.
Da kann man dann tatsächlich nicht mehr gegen anstinken.

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Außerdem ist Frau Roche im Fernsehen berühmt geworden, und da riecht man sie ja nicht. Bei Lesungen ist das was anderes.

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Vielen Dank für die Besprechung - ich hatte schon vorher das Gefühl, dass es ein Buch ist, das ich nicht lesen sollte.

Ich bin so entfremdet, dass ich alles andere als sehr frischen Schweiss (...) als abstoßend empfinde.

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Man muß auch wirklich nicht alles lesen. Und man muß sich deshalb auch nicht schlecht fühlen. Braucht man sich gar nicht einreden lassen.

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«Fleur du maquis»
Der wunderbare Käse «Fleur du maquis» (auch bekannt als «saveur du maquis») kommt dabei in den «Sinn». Oder Napoleon, der in einem Brief an Josephine schrieb, sie möge sich nicht waschen, er komme (in zwei Wochen) heim. «Unsere Nasen», so Abe Opincar, «sind besonders empfindlich für Ammoniak und andere Nebenprodukte bakterieller Zersetzung wie etwa diejenigen, die Achselgeruch verursachen. Das Jacobson-Organ — zwei winzige Vertiefungen am vorderen unteren Ende der Nasenscheidewand registriert besonders die von Napoleon so geliebten Düfte und leitet die Informationen an die urtümlichsten Teile des Gehirns weiter.»

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Manchmal ergreift mich die fast postmoderne Befürchtung, alle Themen seien dem Schreibenden ausgegangen. Alles ist schon besprochen und beleuchtet aus allen möglichen Perspektiven. Und so, auf der Suche nach den raren Artefakten des Originellen fängt man an, bei sich selbst zu kramen, und kramt man/frau in diesem Falle irgendwo nicht dorten, wo es üblicherweise einem konventionellen Schriftbefangenen einfällt.

Ich könnte noch mutmassen, dass es dem Schreibenden gut tut, und erfreut, sich an der des eignen Körpers Fundgrube zu weiden, doch ob es die Leser interessiert - ist eine andere Frage.

Ich fürchte aber auch (heute bin ich der Furcht übersättigt), dass die ausverkauften Zeugnisse des obenkonkretisierten Körpers zeugen (auch wenn tautologisch) das animalische Interesse des Menschen am Körperlichen.

Mit anderen Worten, wie es Mephisto schon mal zu sagen pflegte (wenn wir über Lotte sprechen, muss auch der Goethe rein):

"Von Körpern strömt's, die Körper macht es schön,
Ein Körper hemmt's auf seinem Gange.
So, hoff ich, dauert es nicht lange,
Und mit den Körpern wird's zu Grunde gehn"

(die Kontextgierigen unter uns werden balde entdecken, dass dieser Ausschnitt aus dem Kontext heraus grausamerweise rausgerissen wurde, doch mir macht's Spass, an den Textauschnitten zu laben, wie es Lotte vergnügt, die eignes Körpers Funktionen zu präsentieren)

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Die meisten Völker haben früher oder später eine Bade- und Kosmetikkultur entwickelt, weil Reinlichkeit ja auch ein Statussymbol ist. Und weil Kultur immer Entfremdung vom vermeintlich Natürlichen bedeutet.

Mich fasziniert die Aquatic Ape Theory, wonach die frühen Hominiden (im Gegensatz zu den Schimpansen, die im Wald lebten) vor fünf Millionen Jahren in einem semiaquatischen Lebensraum entstanden sind. Demnach entspricht das tägliche Bad unserer frühesten Natur, und die Idealisierung des Schmutzigen der heutigen Kultur ;-)

www.aquaticape.org

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Klingt faszinierend, in der Tat. Bestimmt gibt es auch irgendwo Affen, die sich in Blütenblättern wälzen.

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"Das mag bei einem jungen hübschen Ding auch noch irgendwie durchgehen, aber was, wenn Helen erst einmal fünfzig ist?"

Ein guter Hinweis.

Japanmakaken baden in heißen Quellen.

Marc

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Ja richtig, die hab ich auch schon in Dokumentationen gesehen. Überhaupt, wenn man mal drüber nachdenkt, gibt es bei Tieren ziemlich viele Reinigungsrituale. Vögel und Elefanten baden ja auch.

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mann, unterm strich gehts ja nicht ums baden/reinigen.
sondern ums fremdriechen. und da sind viele mädels so schockiert vom buch, weil: haare unten, haare 2x oben, bischen zwiebelaura - oh gott, bloß nicht. uns geruchsaufgeklärte hier hat das ja noch nie gestört, aber bei den viva's hörts da schon auf.
ich find die charlotte ganz sympathisch, das buch kauf ich mir deshalb aber nicht. habs aber schon 8x verschenkt ;))

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Dann bin ich als Geruchsaufgeklärte wohl schlicht nicht Zielgruppe. Hätte sie halt doch besser ein Sachbuch geschrieben, das kann man einfacher an Personengruppen richten. So Literatur hat ja doch das Ideal, universell zu funktionieren.

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Frau Diener, Sie sind ja vollkommen wahnsinnig.

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Was, wie, warum?

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Wahnsinnig schlau und listig. Finde ich jedenfalls. :-)

Marc

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@Marc: Natürlich, natürlich, nur im speziellen Fall bin ich mir bei der List nicht so sicher.

@Andrea: Na, Sie begeben sich da ganz freiwillig in einen ganz förchterlichen Sumpf: Mit Frau Roche Körpernormierung diskutieren? Da sind Sie ihr aber schön auf dem Leim.

Da stehen Sie nun, Tante Andrea, und rufen empört und mit Ausrufungszeichen: Ja, aber doch nicht das Geschlechtsteil des Sitznachbarn im Bus! Da ist sie hervorgelockt, die Regung, und alles was Ihnen bleibt, wenn Frau Roche dann grinst und sagt doch doch, seinen ungewaschenen SCHWANZ! ist der unterdrückt-pikierte Trotz der Tanten: So seh' ich das eben, das muß ich halt nicht haben, das ist unhöflich!

Und, ich schäme mich ja fast, das anzumerken: Natürlich hat nicht die Autorin in Talkshows erklärt, wie ihr Buch zu verstehen sei. So etwas ist in Talkshows meines Wissens nach überhaupt noch nie vorgekommen. Was passiert ist, ist dieses: Ein Fernsehprofi & Mediapunk mit ausgezeichneten Instinkten hat fröhlich und unverschämt wie gewohnt allerlei Knöpfe bei möglichst vielen Zuschauern gedrückt. Das ist legitim und hat super funktioniert, das Buch verkauft sich und es entsteht ein schönes Checken und Gegenchecken von Körpernormgrenzen bei den Leuten: Man erzählt sich, wo man sich gedacht hat: Jetzt langt's mir aber, das ist doch bei aller Offenheit überhaupt gar kein positives Modell hier.

Und Roche, mit Loriot-Betonung: Ach?

Ah, épater le bourgeois, etc etc, und zudem ist nichts dem Selbstverständlichen so gefährlich wie das Gespräch, insofern: auch durchaus clever, das alles. Eben kein Sachbuch mit der Wahrheit drin, also der reinen, egalen Wahrheit von halt irgendwem, der mal was moderiert hat.

Und deswegen, mit Verlaub, sind Sie wahnsinnig, wenn Sie in die Diskussion eintreten, ob es angebracht ist, sich zu waschen. Da ist so gar nichts zu holen, man zeigt nur irgendwelche Zufälligkeiten her und spielt dabei in jedem Falle Roches politisches Spiel.

(Wogegen ich gar nichts habe, ich mag die ja sehr; und das ist alles sehr lustig rund um die Feuchtgebiete, einschließlich der üblichen bigotten Empörungen wegen der Talkshows.)

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Danke fürs Ausdeuten
Frau Roche, der weibliche Loriot? (<- Nebenbei: die deutsche Sprache ist grausam zu den Mädels, wa?). Na sowas? Wieso schreibt das keiner aufs Cover? (Nebenbei: wußte gar nicht, dass Loriot als Meister des Grind-, Schorf- & Körpersäftehumors gilt.) Das Buch am Ende gar ein Scherz, popkulturelle Abchecke-Prosa?

Was ich vom Buch-Pahö mitbekommen habe, war mir ja z.T. durchaus sympathisch, all diese ›tantenhaften‹ (um Spelanzanis Schublade aufzugreifen) Muss man mal sagen-Statements über das große Schweigen, dem nicht Wissen mit wem Tacheles Reden, wenn es um (Eigen)Körperempfinden und Sexualität geht. Wobei: am Ende treibt (gegen die Absicht der Autorin?) Roches Buch womöglich mit Ekel- und Erschreckreflexen die ›Kunden‹ in die gegenteilige Richtung, auch wenn die Autorin sich in der Öffentlichkeit gegen zu arge Stylisierung und Verunnatürlichung des Körpers ausspricht.

Wie dem auch sei, ein Essay, ein kämpferisches Pamphlet wäre sicherlich besser und der ›Sache‹ (welcher denn nun?) dienlicher gewesen. So konnte ich nur nach viertelstündigem Hin- & Herblättern im Buch Homer Simpson-mäßig feststellen: Laaaaagweilig.

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Frau Roche kann fünfzigmal sagen: doch doch, seinen ungewaschenen SCHWANZ! und damit überlegenen untantenhaften Gestus demonstrieren, das Blöde ist, ich nehme ihr das nicht ab. Nicht unter realen Bedingungen. Das ist Pose, da ist bei ihr die Klappe größer als die Toleranzschwelle hoch. Das ist Gelaber, nichts weiter.

Und das Gelaber ist dem Buch nicht förderlich. Dem Verkauf schon, aber nicht dem Buch als Werk, weil ich nämlich solche eklig altmodischen Kategorien habe und die auch verteidige – man glaubt ja sonst an nichts. Auch nicht an das Märchen von der Entfremdung and Stuff.

Und ich glaube ihr auch den Postschwarzerschen Feminismus nicht, solange er auf hübsche Zwanzigjährige beschränkt bleibt. Da habe ich bislang auch nicht mehr als Pose gesehen, so eine Wilde-Mädchen-Haltung, die sie eben am liebsten auf sich selbst appliziert zwecks Diskussionsförderung vor laufender Kamera und Markenbildung der eigenen Person.

Gegen sowas wirke ich gerne tantenhaft, ehrlich. Ich habe kein Problem damit, langsam endlich mal so alt zu werden, wie ich mich fühle.

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(lacht) ja, das geht mir schon seit Jahren genauso, allerdings heißt das ja nicht, daß man der Jugend ihre Schönheit nicht gönnen soll. Die eigene Besonnenheit ist ja mindestens ebensosehr eine Behinderung wie eine Qualität. Ich jedenfalls gebe das immer gerne zu.

Und: Über Werk im poetischen Sinne müssen wir hier ja nicht reden: Im besten Falle ist Feuchtgebiete clevere Körperpolitik, im schlechteren lustiger Pop mit guten Stellen. Und natürlich ist das alles Pose -- eben! eben! und genau deswegen lohnt sich ja eine inhaltlich kritische Haltung so gar nicht. Wenn man Distanz hält zu etwas, was nur aus Distanz besteht, wo landet man dann? Ich hab' keine Ahnung.

Postschwarzerscher Feminismus ist, glaube ich, wenn man sagt: "Die Schwarzer ist mir egal, die nehme ich nicht ernst". Zumindest im Spiegel-Interview hat Charlotte genau das als Antwort auf die reflexhafte Schwarzerfrage gesagt, und ich nehme ihr das jederzeit ab.

Falls es einen postschwarzerschen Feminismus gibt, der darüber hinausgeht: Woran erkennt man den? Falls es dabei nur darum geht, gleichzeitig für die Sache der Frauen und für Pornographie zu sein: Warum sollte man Charlotte das nicht abnehmen können?

Ich glaube, was Sie sagen, ist etwa dies: Das ist kein ernsthafter Beitrag zur Frauenfrage, zur Hygienefrage oder zur Literatur. Und da stimme ich natürlich vollkommen zu. Es ist vielmehr ein sehr unernster Beitrag zur Frauenfrage, zur Hygienefrage und zur Literatur, ein gradezu ausgelassener Beitrag.

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Der Titel ist toll
Aber der Rest ist auch nicht schlecht. Allerdings auch nicht überraschend.

Die Tatsache, dass Kultur immer Entfremdung (oder besser Entfernung) von Natur ist, ist allerdings noch keine Begründung dafür, dass jedes Kulturphänomen unkritisch hinzunehmen ist.

Die Nase ist ein Gewöhnungsorgan. Ich bin in der DDR aufgewachsen, und weiß noch, wie wir über die blöden Westdeutschen geschimpft haben, die behauptet haben, die Trabbis würden stinken. Inzwischen find ich es grauenvoll, wenn ich mal hinter so einem Gefährt auf der Landstraße fahren muss.

Deshalb denke ich: Gerüche sind Gewohnheitssache. Ihre Bekämpfung ist allerding mit vielen kulturellen Übertreibungen (der Chemie-Industrie incl. aller Tierversuche) verbunden. Die Idee, da wieder etwas locherer zu werden, ist nicht so schlecht (auch wenns mich Überwindung kosten würde, neben Frau Roche in der S-Bahn sitzen zu müssen, falls sie sich in der Wirklichkeit an ihr Buch-Ideal hält)

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Ihr tut dem Geröchel der Frau Roche alle unrecht tuten. Sie beschreibt das was sie gerne als ihre Empfindungen hätte, auf ihrem eigenen Niveau. Alleine das beschreiben von Empfindungen die sie haben könnte wenn sie denn Emfindungen hätte erregt sie sehr. Dieser Strauß an ungeahnten Möglichkeiten.

Das ist schön und erschreckend zugleich. Es erinnert ein wenig daran, was dabei herauskommt wenn Männer eine sexuelle Beziehung aus Sicht einer Frau beschreiben wollen. Porno zum lachen.

Aber was solls. Das Alter schreitet auch bei ihr voran. Schon bald fallen ihre Feuchtgebiete trocken und ihr bleiben die Erinnerung an die Empfindungen die sie hätte haben können, wenn sie den bereit gewesen wäre etwas zu empfinden.

Klingt wie Getreide-Ersatz-Kaffee. Es ist eigentümlich, immer mehr Leute wollen besseren Ersatz und fragen nicht mehr nach dem Original.

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Bloss nicht auch noch was über diese Alphamädchen und ihr ProPorn-Gequatsche.

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Hab ich nicht gelesen. Geb ich auch kein Geld für aus. Und für Jana Hensel schon gleich gar nicht.
Da warte ich lieber auf das Remittendenexemplar, das dürfte eh in einem halben Jahr fällig sein.

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seit 2762 Tagen sitz ich hier
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