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andreaffm, Fr, 7.September.2007, 19:55 Romantik ist wieder hip. Wurde ja auch Zeit, bei all dem Biedermeier dauernd. Und natürlich gibt es auch wieder ein Safranski-Buch zum Hype. Das habe ich noch nicht gelesen, aber ich habe einige Rezensionen gelesen, zum Beispiel die im Spiegel. Und was für eine Rezension, voll feuriger Emphase für die oh so glorreiche Epoche deutschen Geisteslebens. Lauschen wir ein wenig dem Meister Matussek:
Was für eine Truppe! Sie trugen ja tatsächlich noch Mantel und Degen, und sie ritten. Sie ritten durch die Nacht, sie ritten nach Weimar ins Theater, und später ritten sie in den Krieg gegen den Tyrannen Napoleon. Da werden sich die Germanistinnen aber die angestaubten Brillengläser reiben: Die Romantiker, Musketiere in Sachen halbgebildeter Aufruhr gegen alles mögliche. Schöngeistige Putztruppe mit Hang zur großen Geste, politisierte Drama-Queens. Am Ende des Artikels, soviel sei verraten, sind Fußball-WM und Caspar David Friedrich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zusammengekürzt. Denn: Die Romantik erlebt eine vertrackte Renaissance. Und: Es ist die Renaissance eines deutschen Gefühls. Was da im Pop und im Protest Weltkarriere gemacht hat, es wurzelt in der deutschen Romantik. Nicht in der englischen oder der französischen Romantik, nein, wo kämen wir denn da hin. Wir, ja WIR (kann man ruhig mal in Versalien sagen) haben's erfunden. Wenn irgendeiner die Welt retten will, ob nun Bono oder Bill Gates, dann tut er eigentlich etwas sehr deutsches, weil WIR es erfunden haben, das Weltrettenwollen: Sie alle borgen, ohne es zu wissen, von einem Vorrat an Philosophemen und Verzauberungen und Naturschwärmereien, der in Deutschland um 1800 angelegt wurde. Zunächst in Jena, dann in Berlin und Heidelberg. Nie zuvor hat irgendwer für die Natur geschwärmt. Vorher war alles so zack, zack, Schneise in die Landschaft. Rosseau hat nie gelebt und 80 Jahre Landschaftsgarten in England zählen nicht, weil England ja eh immer so komische Sonderwege geht. Nein, das ist alles UNS. Teutsch. Schwarz-rot-geil. Glückes Unterpfand und so. Die Romantiker sind die goldene Horde der deutschen Literatur und der stürmischste Beitrag der Deutschen zur Weltkultur, und ihre Erregungswellen pflanzten sich fort bis heute, bis zur politischen Protestkultur. Genau! Laßt uns durch nebelverhangene Täler wandern und blaue Blumen suchen! Laßt uns Shakespeare übersetzen! Volkslieder wollen wir singen! Märchen wollen wir erzählen! Mensch, zur Natur! Mönch, ans Meer! Und daß mir nicht wieder jemand kommt und mich als Gutmensch beschimpft, bloß weil ich meinen Müll trenne und im Bioladen kaufe. Ich tu das aus reinem Nationalgefühl. Mein stürmischer Beitrag als Deutsche zur Weltkultur. Spürt ihr schon die Erregungswellen? Schließlich ist Patriotismus eine romantische Erfindung. Vor der Romantik wurden Kriege, Aufstände und Revolutionen nie aus Patriotismus angezettelt, eher nur so aus Langeweile. Gut also, daß es die Romantiker gab, die das Nationalgefühl erfunden haben und dem endlosen Gemetzel damit wenigstens ansatzweise einen Sinn verliehen. Außerdem wüßte man sonst nicht, für welche Fußballmannschaft man jubeln sollte, und das wäre auch blöd. Und nur aus reiner Langeweile weise ich auch auf Paul Michael Lützeler hin, der in der Welt schreibt: Sicher lässt sich ein Buch über deutsche Romantiker schreiben, das nicht gleichzeitig eines über die europäische Romantik insgesamt ist. Man sollte aber nicht den Eindruck erwecken, als sei Romantik an sich etwas spezifisch und einmalig Deutsches, als hätte sich da etwas in Deutschland getan, was es vergleichbar bei anderen Nationen nicht gab. Amen. ... comment
kaltmamsell,
Samstag, 8. September 2007, 08:49
Tse, ein Romantiker hält sich doch nicht mit Recherche und Tatsachen auf. Der hat sowas im Gefühl!
(Und verbrennt Leute wie Sie als Hexen.) ... link ... comment
loreley,
Samstag, 8. September 2007, 09:11
Ich weiss schon, warum ich den Spiegel nicht lese. In der SZ gab es letzten Samstag einen sachlichen und gründlichen Veriss zu Safranskis Buch.
www.buecher.de ... link ... comment
sven e.,
Sonntag, 9. September 2007, 14:08
Romantik ist wieder hip? Heute sagt man aber statt Romantiker Emo, oder?
... link ... comment
molosovsky,
Sonntag, 9. September 2007, 20:28
Was für ein köstlicher Uffreger! Ich werd mich sputen Dich in Zukunft öfter in die langweilige und griesige Provinz zu schicken. Die Reisenotizen-Leser werdens zu schätzen wissen (har har har).
Ich les mit banger Enttäuschung von den groben Schnitzern, die der von mir eigentlich sehr verehrte Rüdiger mit seinem Romantik-Buch geschnitzt hat. Und warum geht mir in letzter Zeit immer Hotelier und »Deadwood«-Bürgermeister E.B. Farnum durch die Brine, wenn ich an Safranski denke? ... link ... comment
merzmensch,
Montag, 10. September 2007, 18:39
Wir sind Romantik. Führwahr.
Und der Byron, der war nur son komischer Vogel, der sein Herz in die enttäuschenden griechischen Ruinen rübertransplantieren liess. Dort liegt's begraben. Romantik als Mutter des Patriotismus... Hmm... Oder eher Vater des Patriotismus, denn auch hier drängelt sich das Matriarchat irgendwie wieder durch. Naja jedenfalls hab ich es nicht verstanden, ich meine es mit Pferden. Waren denn die Pferde so romantisch, oder liefen die so komisch, dass der Reiter romantisch wurde? Die Römer als Reiter - nee, die waren net romantisch, die waren eher barbarisch (recht hatten die Griechen). Aber die Römer selbst hatten nie recht über deren Barbaren, ich meine, die Germanen. Was denn für Barbaren? Romantiker, nix Barbaren :-) (Auch wenn ich nun in die falsche Epoche reingeraten bin) ... link ... comment |
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