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Heute haben ja alle was über Weblogs zu sagen. In diesem meinem Fall stimmt das sogar, denn ich komme gerade von einem Experten-Workshop mit dem schönen Titel "Vom Tagebuch zum Weblog" im hiesigen Museum für Kommunikation, wo ich Quotenbloggerin sein durfte. Denn im Frühjahr 2008 soll dort eine Ausstellung stattfinden, und so lud das vorbereitende Projektteam ein paar Spezialisten ein, um sich über die Materie informieren zu lassen.

Außer mir war nur ein weiterer Blogger zugegen, und auch der war vor allem als Blogforscher da: Jan Schmidt aus Bamberg. Mit Bloggern ist das ganz einfach, man hat sofort eine gemeinsame Basis. Wir haben uns am Vorabend beim Apfelwein-Wagner in trauter Runde kurz unterhalten, ach du bist das mit der Blog-Umfrage, ach du warst das auf der Tagung da, jaja, alles klar. Blogger werden von mir ja erstmal gnadenlos geduzt, da fällt gleich zu Beginn ein Höflichkeitszaun um und eine gewisse Vertrautheit ist da. Heute jedenfalls hatte ich keine Gelegenheit mehr zum Plausch mit Herrn Schmidt, denn der war im Abmahnungsstreß und mußte auch früher weg. Schade.

Dafür hat er ein paar interessante Thesen, wie zum Beispiel die vom Banalisierungsdiskurs. Demnach werden tagebuchähnliche Blogs, wie sie vor allem von Frauen geschrieben werden, als Strickblogs mit Katzencontent abgewertet. Dem gegenübergestellt wird das vermeintlich relevantere Faktenbloggen der Männer. Auch Klaus Schönberger, Kulturanthropologe und Betreiber eines Weblogs über Banküberfälle, weist in seinem Vortrag auf diese Klischees hin und zieht Parallelen zu den Debatten im 19. Jahrhundert, die um lesewütige, romanverschlingende Frauen geführt wurden, denen der romantische Eskapismus das Hirn zu vernebeln drohe.

Ich für meinen Teil hab das noch um den Aspekt ergänzt, daß es auch Abwertungsbewegungen gegenüber Männerblogs gibt, denen dann allerdings gern klassisches Geekverhalten nachgesagt wird: Verlassen selten das Haus, kommunizieren vor allem über elektronische Interfaces, haben keine Freundin und verfügen über abseitiges Expertenwissen. Immer aber geht es um eine "ungesunde" Art der Kommunikation, der der gesunde Echtwelt-Sozialkontakt gegenübergestellt wird.

Tja, und was ist relevant? Diese Diskussion ist ja nicht erst mit den Weblogs aufgekommen, die gibt es ja auch in der Literatur. Männer schreiben oft über die öffentliche Sphäre, Frauen schreiben oft über die private Sphäre, und daraus werden dann gern Wertigkeiten abgeleitet. Siehe so ziemlich jedes Jahr in Klagenfurt, wenn Radisch mal wieder über der Schilderung einer Koksparty in voll zeitgenössische Verzückung gerät. Hatten wir ja schon ein paarmal an dieser Stelle. Und ihr wißt auch, daß ich dann üblicherweise die Lektüre von Virginia Woolfs "A Room of her own" empfehle. Nein, das zitiere ich jetzt nicht, das kauft ihr gefälligst und lest es selbst.

Leider reichlich untergegangen ist die Anfrage des geschätzten Herrn Hagestedt nach der Aggressivität in Weblogs. Das führte dazu, daß die Herren Dusini und Schönberger sich über körperliche Aggression irgendwie in die Haare bekamen, was ich nicht ganz verstand.
"Haben Sie eigentlich verstanden, über was die sich eben gestritten haben?" fragt mich der Herr Hagestedt in der Kaffeepause, und ich kann ihm da auch nicht weiterhelfen.
"Ich dachte ja eigentlich", sag ich, "daß Sie mehr nach verbaler Aggressivität gefragt haben, so Kampfrhetorik."
Ja, das habe er gemeint, sagt er, und ich halte das tatsächlich für einen nicht ganz uninteressanten Aspekt. Sprache ist eine Waffe, und mit einem Weblog kann man natürlichen und juristischen Personen ganz schön das Google-Ranking versauen. Das hat ja auch etwas Reinigendes, und gibt einem die Gelegenheit, sich in gerechtem Zorn zu ergehen. Es ist eine Frage des Fingerspitzengefühls, eine Stilfrage, wenn man so will, ob das gutgeht. Ein kleinlicher Rachefeldzug kommt selten gut an, einmal gut gebrüllt dagegen kann vielen aus der Seele sprechen. Liebes Projektteam, bitte nehmt das als Nachtrag hinzu.

Dankbarerweise haben die Herren Schmidt und Schönberger schon die wichtigsten Begriffe erwähnt, so daß ich bei meinem Vortrag nicht bei Null anfangen mußte und vor allem ergänzt und aus dem Nähkästchen geplaudert habe. Das stelle ich aber separat hier rein.

Bleibt zu sagen, daß ich es reichlich erholsam fand, einmal nicht mit fünfzig Vorurteilen konfrontiert zu werden und weder Müll noch Klowand zu sein. Zur Abwechslung attestierte man mir Sendungsbewußtsein, das hab ich wirklich noch nicht gehört. Man fragte freundlich und interessiert nach und war allgemein ziemlich konstruktiv. Keine Herablassung nirgends. Großartig. Ich könnte fast meine Vorurteile gegenüber Germanisten, die ich als Anglistin selbstverständlich habe, über Bord werfen. Aber wir wollen ja nicht voreilig sein.

Nach den Vorträgen gings dann zur Sache. Hat irgendjemand eine Idee, wie Weblogs ausgestellt werden könnten? Bei Tagebüchern geht das ja noch, da ist noch ein Gegenstand da, den man in eine Vitrine legen kann, aber so ein Blog ist ja ein flüchtig Ding. Bleibt der Text, bleibt der Podcast zum Anhören, bleiben all die Utensilien, die so ein Blogger mit sich herumträgt. Wir schrieben also fleißig weiße und gelbe Zettel voll, was ausstellbar ist, und am Ende waren zwei Stellwände voll damit. Die Früchte der heutigen Arbeit. Was dann nächstes Frühjahr im Museum zu sehen sein wird, darauf bin ich jetzt schon gespannt.

Gerne würde ich auch auf das Weblog zur Ausstellung verweisen, aber da gibt es im Moment noch nicht viel zu sehen. Was sich aber sicherlich bald ändern wird.

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Zu dem Abwertungen hätte ich noch was Hübsches aus dem Archiv: Die kollektive Sammlung der Schimpfworte für Blogger.

Noch eine improvisierte These zur Männerrelevanz: Manche konstruieren ihre kollektive Wichtigkeit durch Schleimen. Sie preisen einander öffentlich: "Wie der hoch / höchst geschätzte Bloggerkollege Xy schrieb..." Unter Frauen scheint mir das fast undenkbar. Ich habe Dein Blog schon öfter irgendwo empfohlen oder verlinkt, aber ich kann mir nicht vorstellen, Dich bei voller geistiger Gesundheit als höchst geschätzte Kollegin Andrea Diener anzubeten und dabei zu hoffen, dass Dein Ruhm auf mich abfärbt oder Du gönnerhaft zurücksülzt.

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Bald bin ich ein 2000-Tage-Angeber, ha!

Hmm, das hat wohl mit der verstärkten männlichen Netzwerkneigung zu tun. Frauen neigen dazu, ständig nur wegen ihrer Fähigkeiten anerkannt werden zu wollen und kapieren oft erst zu spät, daß das so nicht läuft.

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Solche Plumpheiten sind kein Networking, das ist Narzißmus im Kollektiv.

Netzwerkpflege schützt nicht vor dem Übersehen werden. Ich habe z.B. letztes Frühjahr in der FR von einem bloggenden Exil-Iraner gelesen, der Tel Aviv besuchte. Was nicht im Artikel stand: Er kam auf Einladung einer Bloggerin in Israel, die eines der bekanntesten Blogs des Landes schreibt. Wenn eine Frau einen Mann einlädt, ist es privat. Wenn er hinfährt, ist es politisch.

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Ich hätte auch Nepotismus oder Amigo-Wirtschaft schreiben können, hab dann aber das neutrale Wort gewählt. Wobei ich auch nicht ausschließen möchte, daß hier und da nicht ein klein wenig Ironie mitspielt bei den hochverehrten Bloggerkollegen.

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Ja, hier und da schon. Aber ich fürchte, manche meinen das ernst.

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ach

Mädels

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Kommen Sie mir jetzt nicht im Altherrenmodus :o)

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Hr. Supatüp

is Frauenbeauftragter bestiemt in seine Fabrikk

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"Keine Mädels?"

Das übt er doch erst in der Blogosphäre. Er hakt immer in den Comments nach, wenn auf einem irrelevanten Podium über Web 2.0 keine Frauen eingeladen sind... Auf wichtigen Podien ist ja immer die höchst geschätzte Kollegin Andrea von und zu Reisenotizen vertreten.

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naja

es ist ja auch 1 bisschen wie modelleisenbahn, das auf dem 2.0 ticket reiten ist ja wohl jungenskram

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Donna Alphonsa, Maria Sixtus und Roberta Basic

sind die wahrscheinlich am wenigsten vermissten Bloggerinnen dieses Landes.

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ROFL!

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Ich ärgere mich richtig, dass ich die zweite Hälfte des Tages verpasst hab (nicht wegen der Abmahnung, sondern wegen einer Lehrverpflichtung.. :))... Aber das, was ich mitbekommen habe, fand ich sehr anregend - ich bin sehr auf die Ausstellung gespannt.

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Ich bin auch so gespannt, wie sich die Ausstellung weiterentwicklung. Und ich fand beim Workshop besonders interessant, dass blog und buch erstmal nicht gegeneinander gehalten wurden, quasi als unvereinbares gegensatzpaar, sondern dass man sich offen auf das thema eingelassen hatte.

Die Umsetzung bedarf allerdings wirklich noch guter Ideen. Sowohl Buch als Blog wird man nie 100% im Museumsraum abbilden können, fragt sich nur, was für eine Lösung gefunden wird, den Verlust so klein wie möglich zu halten.

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Mit Verspätung (aber es ist gerade auch viel nachzuholen und aufzuarbeiten und wie es weitergeht wissen wir seit gestern auch ein bisschen mehr) der Link zur Veranstaltung

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