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Auf Parties ist es immer das selbe. Ich stehe am Rand und beobachte das Geschehen, und eher früher als später finden sich ein bis mehrere Zyniker bei mir ein, die ebenfalls am Rande des Geschehens stehen und nun jemanden suchen, mit dem sie zynische Kommentare vom Beckenrand aus über das brodelnde Geschehen machen können. Dann schließen die Zyniker und ich Wetten ab, welche der anwesenden Damen beim Gockel des Abends in den Korb steigen darf. Ich bin ja leider zu zynisch, um mich bei Gockeln anzuglucken. Offensichtliches menschliches Balzverhalten bringt mich sofort dazu, anthropologische Beobachtungen anstellen zu wollen. Weil ich als Beobachter zwischen dem Gockel und den Hühnern eher fehl am Platze bin, begebe ich mich lieber gleich an den Rand und warte auf die Zyniker, dann können wir uns über unsere Beobachtungen austauschen.

Die Hennenkämpfe werden je nach Anlaß auf unterschiedliche Weise ausgetragen. Bei Veranstaltungen, bei denen eine Tanzfläche im Mittelpunkt steht, geschieht dies meist über die rhythmische Körperbewegung bei Männchen und Weibchen. Dabei spielt die Körperbeherrschung eine wichtige Rolle für die Attraktivität des Männchens, wobei ein striktes Dominanzverhältnis seitens des männlichen Tieres für beide Beteiligten eine entscheidende Rolle spielt.

Einmal machte einer den Fehler, mich zu fragen, ob ich tanzen könne. Ich mußte erst über die Frage nachdenken. Ich kann nämlich tanzen. Ich kann Walzer, Polka, Shoot The Donkey und die wichtigsten Grundformationen und Sets, kurz, ich beherrsche das Standardrepertoire einer durchschnittlichen irischen Dorfhochzeit plus Sylvesterwalzer in Wien. Was das Standardrepertoire einer durchschnittlichen deutschen Feldwaldundwiesen-Tanzfläche angeht, bin ich leider gründlich aufgeschmissen. Das macht mich zum Randsitzer.

Verlagsparties und Stehempfänge literarischer Art zeichnen sich dadurch aus, daß jegliches Geschehen strikt vermieden wird. Alle geben sich Mühe, Randerscheinung zu sein und alles beäugt sich gegenseitig. Die Stehtische stehen am Rand herum, die Menschen stehen an den Stehtischen, die Weingläser stehen oben auf den Stehtischen. Andere Steher stehen am Buffet an.

Aber auch hier gibt es Hennen, Literaturgroupies aller Altersklassen für Autoren aller Altersklassen, man scheißt auf Generationenkonflikte und stellt einen bunten Fraueneintopf her, in dem für jeden Geschmack was drin ist. Die Zyniker und ich beginnen, Wetten abzuschließen. Und während die Groupies noch glauben, am Rand herumzustehen, stehen sie schon mitten im Fokus unserer Aufmerksamkeit. Uns entgeht nichts, kein Augenaufschlag, kein Blickkontakt, kein zufälliges Streifen anderer Hände. Sie stehen am Bühnenrand und wissen es nicht, nur wir wissen es, wir sind das Publikum und amüsieren uns sehr gut.

Mein Problem ist, daß ich mehr Begabung zum Sarkasmus als zur rückhaltlosen Bewunderung habe. Wenn ich bewundere, dann fehlen mir meistens die Worte. Wenn nicht, dann kann ich ganz schlecht an mich halten und muß defätistisches von mir geben. Groupies sind niemals defätistisch, deshalb tauge ich nur ganz schlecht zum Groupie. Die Hühner am Stehtisch bemühen sich, ihre Bewunderung in immer neue Formulierungsmäntelchen zu kleiden und gegenseitig wie stolze Puppenmuttis vorzuführen. Wem gelingt die schillerndste Worthülse? Mir nicht.

Es ist spät und ich verzichte auf einen weiteren Scotch. Der Barmann hat seine Zunge in etwas Blondes gesteckt und ich möchte ihn nicht unterbrechen. Die Zyniker und ich gehen nach Hause. Manchmal haben wir aufs richtige Huhn gesetzt, manchmal danebengegriffen. Unterhaltsam war es allemal und die Getränke umsonst. Das Buffet auch besser, na also, geht doch bergauf mit der Wirtschaft.

Das Primatenhaus des Frankfurter Zoos macht mich immer so traurig. Deshalb verzichte ich bei Zoobesuchen auf die Affen und gehe lieber gleich hinter zu den Meerkatzen, die sind sowieso niedlicher und irgendwie nicht so nackt. Aber vielleicht ist das doch eine andere Geschichte.

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gab es nicht mal ein verlags- oder messefest in leipzig in der moritzbastei bei dem du dich nicht auf der tanzfläche umhergetrieben hast???

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ich kann mich sogar erinnern, dich in einen club tanzend gesehen zu haben, allerdings muss ich zugeben, dass du mehr mit dir selbst beschäftigt warst, als umwelt wahrzunehmen oder gar anzutanzen.

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jajaja, ihr habt ja recht. erstens, franz ferdinand. zweitens, die smiths. da dann schon mal. und ich erinnere an die vernissage mit den trommlern. da war ich dann auch nicht mehr soo nüchtern.
aber in den letzten wochen konnte ich eine gehäufte tanzabstinenz und erschreckende peripherieaffinität bei mir feststellen. das mußte ich gerade mal aufarbeiten und mittels text nachträglich mit sinn versehen.

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Der zynische Beobachter ist auch eine meiner bevorzugten Charakterrollen auf Partys. Was an zwei Punkten liegt:
A) Anbalzen um jeden Preis ist sowas von würdelos.
B) Ich tanze nicht in Öffentlichkeit. Exakter: Wenn mehr als meine Person anwesend ist. Dabei bin ich sonst eigentlich auch sehr schamlos. Wär bestimmt ein interessantes Thema für nen PsychoDoc. :-)

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Das erinnert mich auch an die tolle Tanzszene im 'Catcher in the Rye'. Da sabblet Holden sich ja von einem Fettnaepfchen ins naechste. It nearly killed me, it really did.

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retrospektiv
oh, sie waren bei franz ferdinand, die bekommen ja alle maedchen zum huepfen, außer, o.k. ich war mit dem falschen da. den eckstehenden zynikern sei empfohlen, einfach kopfhoerer aufsetzen - gute musik hoeren, z. B. dirty mouth von hot hot heat, laut mitsingen und diktiergeraet auf aufnahme stellen. also ich hab die schreie der nazguls so synchronisiert.

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Von Mensch und Tier
Da Du offenbar jeglicher Sinnenfreude, die sich in plumpen körperlichen Verrenkungen erschöpft, abhold bist und aus rein wissenschaftlichem Interesse die Methode der teilnehmenden Beobachtung pflegst – um den Gegensatz von Natur und Kultur aufs Köstlichste zu exemplifizieren –, dürfte Dir, als moderne Margaret Mead (oder Eibl-Eibesfeldt?), bald ein Lehrstuhl in Kulturanthropologie sicher sein.

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ist das eine drohung?
:-)

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Zu schade für den akademischen Zirkus
Wenn ich's mir genau überlege, dann wärst Du im Elfenbeinturm auf Dauer wohl schlecht aufgehoben. Einerseits könntest Du mit der venia legendi in der Tasche ein beschauliches Dasein bis ans Ende Deiner Tage fristen, andererseits liesse sich wirkliches Neuland wohl nur ausserhalb der heiligen Hallen erschliessen. Das "pralle Leben" findet zumindest nicht in wohlgeordneten Theoriegebäuden statt, oder habe ich da bisher etwas übersehen?... ;-)

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zja, das faßt ganz gut zusammen, was ich mir selbst so denke. einerseits, andererseits. aber solang ich weiß, worauf ich mich einließe, träte ich tatsächlich eine solche laufbahn an ...

noch ist alles konjunktiv. erstma magister.

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Avantgarde: Danke für den Link zum BR-Artikel, nur dort konnte es passieren, dass Christian Kracht als Provokations-Prolet bezeichnet wird. Das Gegrantl gegen Axtolmkill geht aber in Ordnung und kommt präzise zum Schluß: "Jeder Satz Hegemanns ist produziert und abgeschrieben –... ...
[eriktheodor am 2010.02.09, 22:43]

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Heinz Buttke, das wird ja immer schöner. Danke für den Hinweis. Ich auch, Simon, ich auch. ...
[andreaffm am 2010.02.09, 21:25]

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Nach alledem habe ich Schwierigkeiten, weitergehende Spekulationen aus meinem Kopf wieder zu verbannen ... ...
[simons am 2010.02.09, 19:10]

Beim Film scheint es ja ähnlich zu sein.
Schaut man sich bei youtube den kürzeren der beiden Trailer zu Hegemanns Film an, so wird dort der recht bekannte (über 2 Mio. Klicks) Viralspot mit der jungen Dame, die angeblich nur noch ihre Muschi zum Streicheln hat und deshalb... ...
[Heinz Buttke am 2010.02.09, 18:09]

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Die SZ sieht's auch locker: Und sollten Sie auch demnächst Ihre Blogeinträge in der großen Weltliteratur wiederfinden, trösten Sie sich mit folgendem Zitat des selten erreichten Theodor Fontane: "Über Plagiate sollte man sich nicht ärgern. Sie sind wahrscheinlich die aufrichtigsten aller... ...
[Avantgarde2010 am 2010.02.09, 18:00]



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