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andreaffm, Fr, 6.Mai.2005, 13:49 Ach, die Poetikvorlesung. Ja, die Poetikvorlesung. Folge drei ist eigentlich schnell abgehandelt, denn das war eine Erweiterung des Artikels in der Zeit. Als Zusammenfassung kann man also dem Link folgen, da hat man dann schon alles, was es mir wiederum einfach macht.
Dann kann ich also zu Folge vier übergehen? Prima. Die Sache war so: Herr Menasse war am Abend einen trinken. In einer Bar namens Pik Dame. Tut ja auch nichts zur Sache. Dann geht man so auf die Straße, verabschiedet sich, und dann kommt da so ein Rotzlöffel an, hebt den Arm wie andere Hunde das Bein und markiert sein Revier mit einem zunächst zögerlichen, dann markigen „Heil Hitler“. Herr Menasse, jeglicher Rauferei abhold, sah seine Gelegenheit gekommen: „Sag das nochmal.“ „Was ist denn dabei? Heil Hitler sag ich.“ Und der bis dato Prügelabstinente gab sich‘s und ihm dreckig. Der Heilhitlerjunge fiel um und knallte mit dem Kopf auf den Beton. Also, daß wir uns recht verstehen: Herr Menasse hat keinen Menschen umgebracht. Nicht nur, weil ein Holzschädel auf Asphalt wenig Schaden nimmt, auch, weil diese Episode als rein fiktives Gleichnis dient. Ist es nicht toll, der Gute zu sein, ach fühlt es sich nicht toll an? Ist das nicht geradezu lustvoll? Im Sinne der Moral? Wir sind die Guten, wir sind im Recht? Darf man Böses tun, weil man der Gute ist? Nein, sagt Herr Menasse, das ist alles furchtbar mittelalterlich, auf jeden Fall aber voraufklärerisch. Und nun, durch die Globalisierung, spaltet sich die Welt erneut in Gut und Böse, in moralisch und unmoralisch. Und die Zivilisation sucht sich eine Selbstvergewisserung, und das ist dann der Terrorismus. Und was macht dabei die Literatur? (Ja, darauf warte ich schon die ganze Zeit.) Die Literatur, die begibt sich an die Kreuzungspunkte der gesellschaftlichen und der individuellen Erfahrung, die zusammen das Ich ausmachen. Dieses Ich ist erstmal eine literarische Figur, wie der Prügelmenasse vom Anfang. (Ah. So. Also langsam stellen sich mir da ein paar Fragen. Nämlich: Warum Literatur? Warum nicht politischer Essay? Ja, das auch, aber warum dann auch noch Geschichten ausdenken? Wie entsteht da noch Fiktion? Wie kann da überhaupt Fiktion verantwortet werden? Wie geht die Welt in die Literatur ein, was bedingt diese Literatur, die Herr Menasse da schreibt? Und was versteht er unter dem nebulösen Begriff der „engagierten“ Literatur, die er immer wieder andeutet? In der fünften und letzten Folge soll sich die Lösung, soll sich der Umgang mit Welt und Fiktion allmählich am Horizont abzuzeichnen beginnen. Sagt Menasse. Ich höre nicht auf, zu hoffen. Und halte Euch auf dem Laufenden. Natürlich auch über den Stehempfang hinterher, falls sich Bemerkenswertes zutragen sollte.) ... comment
mutant,
Freitag, 6. Mai 2005, 14:06
am nacken fassen
und bisschen schuetteln, dabei drohen den mund mit seife auszuwaschen is more like it.
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fraktal,
Samstag, 7. Mai 2005, 09:56
fiktion
offenbar 'leistet' fktion etwas anderes als 'essay'. während das essay eher argumentativ (also eher wie der 'wumms vor die birne, sozusagen die 'aufgeklärte prügelei') ist, scheinen fiktive konstrukte andere qualitäten zu haben.
lässt sich hier natürlich nicht erschöpfend ausdiskutieren, es mag der hinweis genügen, dass das 'fingieren' (also das 'mal so tun als ob', das das essay nicht ist, sofern es nicht eine diskussion fingiert) offenbar auch im tierreich vorhanden ist: als spiel. und beim 'jungen menschen' auch, als rollenspiel, als imaginierte reise, als imitation der ewachsenenwelt. (julian, als 1,5-2 jähriger gefragt was er da tue sagte : 'arbeiten' [also: simulation dessen, was 'die großen' und 'bob baumeister' tun] - nicht 'spielen'.) 'geschichten erfinden' oder banaler 'vorgänge berichten, die sich nicht ereignet haben' scheint ebenfalls eine athropologische konstante zu sein. wenn die nun passieren um nicht nur (spirituell, oder Mann hätte gesagt 'geistig') zu 'erbauen' sondern (sozial) 'einzugreifen', dann käme wahrscheinlich 'engagierte literatur' heraus. literaturgeschichte ist ja vom entstehen des bürgertums (also sozusagen von der 'machtergreifung der betuchten masse') schwer abtrennbar. [Na, das blogg ich auch noch mal bei mir *g*, hat äntville kein trackback? ;) ] ... link
fraktal,
Sonntag, 8. Mai 2005, 22:57
ultraverkürzt gesagt
ultraverkürzt gesagt:
wenn's um 'nachfühlen' geht (imagination) -> fiktionaler text wenn's um 'argumente' geht (diskussion) -> essay oder ist das zu populistisch? Ich denke es ist ein **wesentlicher** Unterschied, ob man im fiktionalen Text nen Skin vermöbelt (cf walser: tod eines kritikers [da isses halt kein skin]) oder ob man im Spiegel nen Essay publiziert, der findet, man müsse Skins vermöbeln [da wird man sich argumentativ schwer tun]. Anders: Walser hätte seine 'Anklage' gegen Reich-Ranicki schwerlich als Essay formuliert. (Wobei ich einen solchen Essay erinnere, von Hermann Kinder in seinem Band 'Von gleicher Hand' (alles IIRC). Auch Rühmkorf 'hetzt' in 'Tabu 1' (also IIRC) 'nichtfiktional' gegen MRR. ... link ... comment |
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