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In Turku liegt Schnee, und das nicht zu knapp. Aber die Finnen wissen damit umzugehen, der Schnee wird einfach am Straßenrand zu anderthalb Meter hohen Wällen zusammengeschoben, man geht dann halt drumherum. Auf dem großen Marktplatz in der Stadtmitte von Turku wird er mit einem Schaufelbagger zusammengeschoben, auf einen Lastwagen gekippt und abtransportiert wie hierzulande Bauschutt. Das weiß ich so genau, weil mein Hotelzimmer direkt auf den Platz schaut. Auf dem Platz gibt es ein Kioski und ein Grilli, die Grundversorgung ist also gesichert. Verhungern werde ich aber bestimmt nicht, denn das Hotel hat ein französisches Restaurant, das "Fransmanni" heißt.

Überhaupt klappt hier alles ganz vorzüglich. Während die meisten irischen Piloten die Sache mit der Landung eher rustikal angehen, Hauptsache man kommt runter, habe ich gerade die zwei butterweichsten Landungen meines Lebens hinter mir. Einmal in Helsinki, und dann in Turku, mit einer kleinen, knarzigen Propellermaschine, wo beim Abheben die Handgepäckfächer vertrauenserweckend krachten und die Fahrwerksklappe unter mir ziemlich schlecht geölt war. Krrrrklonk wäre wohl die angemessene onomatopoetische Umschreibung, und eigentlich gehört das noch in Versalien. Es fühlte sich an wie Krisengebiet, aber es gab Schokoriegel.

Am Abend sind wir aber nicht ins Restaurant Fransmanni, sondern ins Oscarin Olohuone Keittiö. Oscar ist der Gründer des Hotels Hamburger Börs, das zu Anfang Hamburger Biergarten hieß, nur halt auf Finnisch. Börs ist keine Börse im ökonomischen Sinne, sondern ein Ort der Zusammenkunft, erklärt man uns. Also Hamburger Börs. Daß Biergärten strenggenommen nicht unbedingt zur ureigensten hanseatischen Volkskultur zählen, nimmt man in Finnland nicht so genau. Damals, also um die Jahrhundertwende, zählte eigentlich nur, daß das Bier grob aus Deutschland stammt. Norden, Süden, das sind Feinheiten.

Am Nachbartisch grölen Finnen fröhlich bei einer Geburtstagsparty, und die Finnen an unserem Tisch tuscheln. Was tuscheln die? "Das sind bestimmt Ostfinnen. Oder solche mit schwedischer Abstammung." Ein Südfinne, der etwas auf sich hält, grölt nicht. Man freut sich leise in sich hinein. Der Turkuer an sich ist ein eigentbrötelnder Zeitgenosse, hat ein Sommerhaus mit Sauna irgendwo auf den Inseln oder im Seengebiet, verbringt dort den Sommer und fliegt im Winter, wenn es gar zu dunkel ist, nach Thailand. Der Finne an sich fährt außerdem kein großes Auto und gibt mit seinem Geld nicht an. Das erzählen uns die Finnen beim Abendessen, und mir bleibt vorerst nichts anderes übrig, als all das unbesehen zu glauben.

Frühstück. Der Frühstücksraum liegt im älteren Teil des Gebäudes, reiner Jugendstil, viel Glas und Metall und Kronleuchter. Aber das heißt hier nicht Jugendstil sondern Nationalstil. Finnland gibt es als eigenständiges Gebilde erst seit 1917, davor wurde dieser Landstrich zwischen Rußland und Schweden hin- und hergeschoben. Und 1917 wurde dieser Stil dann als Baustil der jungen Nation propagiert, als weder schwedisch noch russisch, da hat man was Eigenes. Neben besagtem Nationalstil steht hier noch eine Menge Klassizismus herum, das wiederum ist Carl Ludwig Engel zu verdanken, einem Schinkel-Freund, der die Städte Helsinki und Turku zum großen Teil geplant hat. Vor dem Klassizismus gab es Holzhäuser und dementsprechend dauernd Brände. Vom wirklich alten Turku steht nur noch ein kleiner Teil, das ist heute das Handwerksmuseum. In den alten Häusern gibt es Töpfer und Kürschner und so weiter, die in dem Museumsdorf arbeiten.

Das mit den Bränden ist ja die einzige wirkliche historische Konstante Turkus. Man konnte sich auf nichts verlassen, nur auf wiederkehrende Feuer. Das ganz große Feuer 1827 führte schleßlich dazu, daß nicht mehr Turku als älteste Stadt und Universitätsstadt auch die Hauptstadt war, sondern Helsinki diesen Status bekam. Deshalb fühlen sich die Turkuer immer noch als ein von diesen helsinkier Emporkömmlingen zurückgesetztes Völkchen und eigentlich als heimliche Hauptstädter. Allerdings ist Helsinki mittlerweile viel größer als Turku. Die meisten Turkuer bestehen darauf, daß Turku natürlich viel schöner ist.

Aber eigentlich wollte ich erst einmal erzählen, was es zum Frühstück gibt. Im Gegensatz zum ganzen Rest des Nordens (und einem Großteil des Südens) hat sich in Finnland nämlich eine ziemlich differenzierte Brotkultur entwickelt. Es gibt nicht nur weißen Flausch und Preßspan, sondern auch alles dazwischen. Ich hatte kernige Spitzbrötchen, es gibt knäckiges in allen Varianten, viel dunkles Brot, aber auch helleres, von fest bis krachig. Am Frühstücksbuffet stand ein ganzer Tisch voll, bestimmt zwanzig Sorten. Außerdem gibt es karelische Piroggen und isländische Pfannkuchen, die genauso schmecken wie deutsche Pfannkuchen, aber etwa fingerdick sind. Und neben Wurst und Käse gibt es Fisch. Das find ich gut, aber eher nicht zum Frühstück. Kaffee ("Kahvi") kann der Finne an sich offenbar keinen zubereiten (ich habe in vier Tagen nirgendwo trinkbaren gefunden), dafür ist der Tee ziemlich stark.

Raus zur Stadtführung. Unser Guide ist eine gebürtige Hamburgerin und Halbfinnin, die es nach Turku geweht hat. Sie steht damit in einer guten alten Tradition: Es hat im Laufe der Zeiten ziemlich viele Hamburger nach Turku geweht, die hier eine Art eigene wohlhabende Bürgerschicht gebildet haben und jahrhundertelang auch die Bürgermeister stellten. Deshalb wurde hier neben Schwedisch, Russisch und Finnisch oft auch deutsch gesprochen. Mittlerweile spricht man entweder Schwedisch oder Finnisch, je nach Gebiet. In Turku überwiegt das Finnische, draußen auf den Schären das Schwedische. Welche Sprache wo die Mehrheit stellt, kann man ganz einfach herausfinden: Die steht auf den Straßenschildern an oberster Stelle, dann erst kommt der schwedische Name: Turku und Äbo, Helsinki und Helsingfors. Und woanders eben andersherum.

Ein Stadtspaziergang also. Beginnend beim Dom, der ältesten Kirche Finnlands, die schon kurz nach der Christianisierung im 13. Jahrhundert hier hingesetzt wurde, durch den alten Teil mit seinen klassizistischen Häusern und den Parkanlagen, dann die vielen, kleinen Wohnhäuser aus Holz, niedrig und mit Eiszapfen behängt, die in der Sonne glänzen. Mitten durch die Stadt fließt der Aurafluß, der Aurajoki, mit sieben Brücken. (Dazu gibt es natürlich auch eine Geschichte. Die siebte Brücke hat nämlich den letzten Winter nicht überlebt und wird momentan ersetzt. Eines schönen Morgens ging ein nichtsahnender Bürger mit seinem Hund Gassi, als er bemerkte, daß die Brücke durchhängt. Er rief besorgt die Polizei an, ob das normal sei, daß die Brücke in der Mitte durchhängt. War es natürlich nicht. Was man festgestellt hat, als man sich endlich durchringen konnte, ihm zu glaben. Seitdem lacht ganz Finnland über Turkus Gummibrücken.)

Am Ufer des Auraflusses befindet sich die Burg von Turku (mittelalterlich), das Marinezentrum mit Hafen (19. Jahrhundert Backsteinbau), schließlich die Uferpromenaden innerhalb der Stadt. Dort haben Boote angelegt, die dort permanent liegen – weil sie so hoch sind und die Brücken so niedrig bleibt ihnen auch nichts anderes übrig. Auf ihnen sind Cafés und Restaurants, wo der Turkuer im Sommer einen trinken geht. Und der Turkuer trinkt üblicherweise Bier, Cidre oder finnische Longdrinks mit Beerengeschmack, die nach Limo schmecken, aber trotzdem Alkohol enthalten (potentiell gefährlich). Turku muß sehr schön sein, wenn es warm ist und man draußen sitzen kann.

Im Winter allerdings ist der Fluß zugefroren und mit einer weißen Schneeschicht bedeckt. Und die Bänke am Ufer sind im Schnee versunken. Man ist auf die Wege angewiesen, die freigeräumt und am besten auch noch mit Splitt gestreut sind, das sind zum Glück die meisten. Ich bin angesichts der Eisschicht, die auf Trottoir, Straßen und Treppen festgebacken ist, trotzdem froh, mir noch Antirutsch-Überzieher für die Schuhe gekauft zu haben. So bin ich nur einmal ausgerutscht und nicht dauernd. Die Bevölkerung erträgt das alles recht stoisch, die älteren Damen tragen alle ihre Pelzmäntel und Pelzmützen und der Rest Anoraks, Strickmützen und Vlieszeug. Zum Glück nicht in Kreischfarben. Keiner sieht hier aus wie Pistenmausi.

Aber nun werden wir wieder in den Bus gepackt, denn es geht raus ins Umland, in die Schären, die irgendwie auch auf finnisch heißen, aber meist the Archipelago genannt werden, mit Betonung auf -pe-. Das ist eine zerfaserte Geschichte mit rund hunderttausend Inseln, Inselchen und Brocken im Meer, vermutlich das Jugendwerk eines schwer bekifften Slartibartfaß. Es gibt eine Ring Road von Turku aus, und man kommt mit Brücken und Fähren dort gut herum (die Fähren sind sogar kostenlos). Während ich Schweden so rein vom Planetendesign her für eine eher einfallslose Sache halte, macht mir Finnland gerade richtig Spaß. Wir fahren über hügelige Landmasse, dann wieder über zugefrorene Ostsee, dann zur Abwechslung um einen See herum, dann kommt wieder Gehügel mit Kiefern drauf oder Birken oder Wiese oder allem zusammen.

Hier stehen auch die vielen Sommerhäuschen. So rund 80 Prozent der Touristen hier sind Finnen, sagt Mathilda, die unser Inselguide ist. Sie ist in einem der Hauptseebäder zugestiegen, einem kleinen Dorf an einem Hafen in der Bucht. Aber man ist hier ja nicht auf Badeorte angewiesen, man kann praktisch alle drei Meter irgendwo ins Wasser springen. Im Sommer sind alle hier, diese Zeit ist the cream on the cake in Finnland, und niemand käme auf die Idee, nach Italien oder sonstwohin in den Süden zu fahren. Interessanterweise scheint aber die Südfinnische Ring Road längst nicht so bekannt und beliebt zu sein wie die einschlägigen Trampelpfade Ring of Kerry und so weiter. Das macht die Sache natürlich auch wieder sehr attraktiv. Wenn ich in Urlaub bin, möchte ich so wenig Deutsche in Outdoorklamotten sehen wie möglich.

Nun hält der Bus an, und wir werden rausgeworfen zwecks Aktivität. Die Aktivität in Form eines Rudel Quads steht am Straßenrand bereit und stinkt vor sich hin. Die Jungs stürzen sich schon drauf, ist klar, die Mädels verzichten erstmal dankbar. Ich habe vor, noch ein wenig die Landschaft anzugucken. Also stapfen wir herum, probieren die Schneeschuhe aus und freuen uns am Wald. Anscheinend hat sich die Ansicht verfestigt, daß ich Angst vor diesen Quad-Dingern habe, und so redet man auf mich ein, ich müsse das dringend probieren, das sei gar nicht schlimm und mache überdies Spaß. Ich will aber eigentlich nur in Ruhe ein bißchen herumfotografieren, und dazu brauche ich beide Hände.

Dann kommen die Jungs wieder, es ist mittlerweile fast dunkel und demnach ist ohnehin nichts mehr mit fotografieren. Also mit stinkenden Dingern herumfahren, warum nicht. Die ersten paar Meter sind übelstes Holpergelände über Wurzeln und durch Matschlöcher, dann kommen wir auf einen etwas befestigteren Weg. Leider ist es nicht besonders schwer, diese Dinger dazu zu bekommen, im Schnee stecken zu bleiben. Aber wenn man erst einmal auf der Spur ist, läuft alles prima. Aber natürlich nur so schnell wie die Vorderfrau es zuläßt, und da scheine ich eine klassische Opelfahrerin erwischt zu haben. Bremsen in jeder Kurve, an jedem Abhang, an jedem Berg, bei jedem Steinchen. Es könnte so schön sein, hat aber was von A3 bei Würzburg, so wie das hier läuft. Oder Alpenpaß mit Holländer. Ich fluche in die Tiefe meines Helmes hinein und hoffe, daß mich niemand hört, was bei dem Krach aber nicht sehr wahrscheinlich ist, dann entwickele ich üble Drängelangewohnheiten, dann fahren wir auf einen gefrorenen See. Und da kann ich überholen, endlich. Ach, Freizeitstreß. Ich bin ja leider nicht so der Typ für Gruppenaktivität, und jetzt weiß ich auch wieder, warum. Nicht aus Angst, sondern aus Genervtheit, weil mir ständig jemand im Weg herumsteht und ich damit nicht umgehen kann. (Vermutlich hätte ich das tun sollen, was ich sonst auch immer mache: Bei den Jungs mitfahren.)

Wir Mädels müssen nach unserer Runde die Dinger wieder zum Bus fahren, während die Jungs in der Zwischenzeit Würstchen gegessen haben. Wir nicht. Unser Guide auch nicht. Wir haben ziemlichen Hunger. Nach der Aktivität kommt die Entspannung, so ist es vorgesehen, erst eine Runde Salmiakki auf nüchternen Magen, das wärmt, dann treffen wir uns am Saunagelände, das zu einem Hotel gehört. Und es gibt Würstchen für die hungrigen Mädels. Und dann Sauna. Das ist jetzt aber ein Kapitel für sich.

In Finnland hat so gut wie jedes Haus eine Sauna. Moderne Wohnungen haben eine eigene, Mietshäuser können sich eine teilen wie hierzulande den Wäschekeller. Üblich ist die elektrische Sauna, das ist die moderne Variante, eher exotisch ist die Rauchsauna. Die wird mit Holz beheizt und gilt als Urform. Ich habe das ausprobieren dürfen und kann feststellen: Das ist sehr angenehm, gar nicht qualmig und, wenn man Wasser auf den Ofen schüttet, auch hübsch heiß. Allerdings wird man ziemlich schwarz dabei und sieht am ganzen Körper so aus, als würde einem Wimperntusche herunterlaufen.

Außerdem saunen Finnen meist getrenntgeschlechtlich. Als ich erzählt habe, daß es in deutschen Schwimmbädern nur einen Frauen- und einen Männertag gibt und daß man sich auch an gemischten Tagen nicht immer zwingend im Badeanzug dort hineinsetzt, guckten mich die anwesenden Finninnen entsetzt an. Ehrlich? So machen das die Deutschen? Sodom und Gomorrha! Außerdem habe ich viel zu viele Fragen gestellt. Ich habe Saunagehen nämlich als durch und durch reglementierte Angelegenheit kennengelernt. Man muß ja entscheiden, wieviele Gänge bei welcher Temperatur man sich wie lange zumutet, ob man sich danach kalt oder lauwarm abduscht und ob man zur vollen Stunde gehen will, wenn der Saunameister mit der Kelle voller Latschenkieferöl bereitsteht. So ist das in Deutschland. Wieder guckten mich die Finninnen entsetzt an. Es gibt nur eine Regel, sagten sie: Wenn es zu heiß wird, geh raus. Das ist alles. Ansonsten kann man zehn Minuten oder drei Stunden da drin sitzen, bei sechzig oder hundert Grad, mit Bier oder ohne und hinterher in den Hot Tub steigen oder sich im Schnee wälzen. Man solle allerdings um Himmels Willen nur das tun, was einem Spaß macht.

Irgendwann liege ich dann in einem Hot Tub auf einer finnischen Insel, von dem aus ich das angrenzende Meer sehen könnte, wenn es nicht so dunkel wäre und das Meer nicht zugefroren. Also: Ich liege in Finnland, in 38 Grad warmem Wasser, über mir wachsen Kiefern, und neben mir im Schnee steht eine Dose Bier. Fünf weitere Damen liegen neben mir, fünf weitere Bierdosen stehen im Schnee. Wir seufzen. Okay, sagen wir deutschen Damen, wir haben das mit dem finnischen Lifestyle jetzt verstanden und finden ihn gut. Aus dem benachbarten Männer-Hot-Tub wehen Wortfetzen wie "Honmorarvergütung" und "Auflagenhöhe", aber wir hören einfach nicht hin.

(Hier gibt es kein Foto. Das hat erstens mit der Privatsphäre der Damen zu tun und zweitens mit der Warnung meines Fotohändlers, ich solle die Kamera um Himmels Willen nicht mit in die Sauna nehmen. Es folgte eine warnende Geschichte von technischem Versagen und menschlicher Verzweiflung, die ich mir zu Herzen nahm.)

Was dann folgt ist: Snappsi, Wein, Dessertwein (ungefähr da bin ich schon ziemlich fröhlich gestimmt), verdammt guter Lachs und Lammfleisch. Der verdammt gute Lachs ist ein besonderer Lachs, den man auf deutsch aber nur mit "Lachs" übersetzen kann. Die Finnen kennen ungefähr soviele Wörter für "Lachs" wie die Deutschen für Wurst. Dann fahren wir durch die Nacht zurück nach Turku.

Wir wollen noch nicht schlafen gehen, beschließen wir fröhlich gestimmten Menschen, wir wollen noch in die Old Bank. Das ist keine Bank mehr, sondern eine Kneipe. In der Schalterhalle wird gezecht, im Tresorraum ist die Toilette, überall stehen dicke, gepolsterte Ledersessel herum. Und an einem Tisch spielt sich gerade ein menschliches Drama ab: Eine nicht mehr ganz junge Dame mit auffallend blondem, auffallend fluffigem Haar und sehr, sehr großzügig geschnittenem Dekolleté sitzt an einem Tisch voller Gläser. Abgesehen hat sie es auf einen Mann, und sie ist mittlerweile in einem Stadium angekommen, da sie es nicht mehr auf einen bestimmten Mann abgesehen hat, sondern auf irgendeinen. Zunächst einmal fällt ihr Blick auf einen Kollegen (seines Zeichens Sportreporter) aus unserer Gruppe, und ziemlich unmißverständlich winkt sie ihn zu sich her. Er aber winkt dankend ab. Weil ja sein könnte, daß er sie nur nicht richtig verstanden hat, winkt sie noch einmal, diesmal vehementer. Und weil auch sein könnte, daß sie ihn nicht richtig verstanden hat, winkt er noch einmal ab, diesmal vehementer.

Ungefähr ab da sind wir fröhlich gestimmten Menschen gleich noch ein Stückchen fröhlicher. Der Kollege muß sich viel Hohn und Spott anhören über seine Verehrerin, die wir aufgrund ihrer hervorquellendsten körperlichen Merkmale bald nur noch "die Tittenfrau" nennen. "Das kann man doch nicht sagen!" wirft ein anderer Kollege, seines Zeichens Experte fürs Boulevardeske, ein. Wie es der Zufall so will, hat sich der Boulevardexperte einige Jahre als Betexter von Tittenmädchen bei der Bildzeitung verdingt, und so ist es nun an ihm, die Dame zu benennen. Er schaut kurz hin, und antwortet dann knapp:
"Bea."
Wir sind sofort noch ein wenig fröhlicher gestimmt. Bea, das ist genial. Da wäre keiner, wirklich keiner von uns drauf gekommen. Wir klopfen dem Tittenmädchenbetexter anerkennend auf die Schulter und sagen: "Gelernt ist gelernt."
"Hat auch nur drei Buchstaben", sagt er, "das paßt gut in die Zeile".

Bea (45) macht gerade den nächsten Macker klar. Der trägt einen Cowboyhut, deshalb nennen wir ihn den Cowboy. Bea schaut nun nicht mehr zum Sportkollegen herüber, Bea hat zu tun, trinken und Cowboy angraben. Während unser Grüppchen schon Beas Lebenslauf zusammenphantasiert hat, geht der Cowboy weg und sie ist wieder allein. Das geht hier schnell, aber ebenso schnell hat man jemanden an der Backe, den man dort womöglich nicht haben will. Fast jeder anwesende deutsche Journalist muß sich ausfragen lassen, was um Himmels Willen er in Turku verloren hat, auch ich. Es sind ja momentan nur 300 Journalisten hier, die morgen die Eröffnung des Kulturhauptstadtjahres mitverfolgen.

Auch Bea (45) hat nun wieder Anschluß, was der Sportkollege mit Erleichterung registriert. Ein Mann mit Glatze, besser als nichts, sitzt mit ihr am Tisch und geht kurze Zeit später mit ihr in Richtung Toilette. Aha, denken wir, volles Programm. Unsere Phantasie galoppiert mit uns davon, was kein Wunder ist nach der Getränkeabfolge Salmiakki - Saunabier - Snappsi - Wein rot - Wein weiß - Dessertwein und nun wieder das, was die Old Bank zu bieten hat. Und all das praktisch im Dienst. Beas brauner Nerz liegt nun verloren auf dem grünen Lederpolster. "Ich meine", sinniert der Boulevardexperte, "vielleicht ist sie ja auch die Universitätspräsidentin hier?"

Im Grunde ist Bea (45) ja der heimliche Höhepunkt der Reise. Erstens, weil es reicht, den Namen zu nennen, und ein Teil unseres Grüppchen bricht in heilloses Gekicher aus. Zweitens, weil wir den Einheimischen, aber auch uns selten so nahe gekommen sind wie an diesem Abend. Drittens, weil die Party an nächsten Tag so flau ausfällt, was nicht nur an unserer Müdigkeit liegt. Tapfer stehen wir auf, tapfer absolvieren wir den nächsten Programmpunkt, gehen Mittagessen, haben dann frei. Und schaffen es dann endlich, in die Markthalle zu gehen. Denn was wäre ein Besuch in einer fremden Stadt, ohne das einheimische Essen zu testen?

Geräuchertes Rentierfleisch und dunkles Brot nehme ich mit nach Hause, die Kuchenlandschaft sondiere ich vor Ort. Bunt sind die Törtchen hier, beerig, gern mit Baiserschichten, ein bißchen wie in Belgien. Dazwischen stehen Sachertorten, die gibt es hier wirklich überall. Lass uns in ein Café gehen, sagen meine Begleiter. Kein Problem, sag ich, ich find uns eins. Zu meinen wirklichen, echten Begabungen gehört es, daß man mich in einer fremden Stadt aussetzen kann und ich finde innerhalb einer Viertelstunde ein Café. So auch hier: Im Café Presidenti gibt es endlich halbwegs trinkbaren Kaffee, dazu einen Apfel-Zimt-Berg mit einem Baiser-Berg obendrauf. Ich kann über die hiesige Tortenlandschaft also beim besten Willen nichts schlechtes sagen.

Nach einem Stück Torte geht es mir besser. Nach zwei Stunden Schlaf geht es mir sogar gleich viel besser.

(wird fortgesetzt)

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Liebe Frau Diener,
noch viel Erfolg in Turku.
Auf die Fortsetzung freue ich mich schon!

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Danke, ich auch. Heute ist volles Programm, jetzt erstmal Stadtführung.

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Solche Sätze von Dir …
Es fühlte sich an wie Krisengebiet, aber es gab Schokoriegel.
… sind geradezu Raben-Kalender-tauglich!

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Yep! Ich werde mal eine Mail an Herrn Jakob schicken.

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Schön, Ihr Text versöhnt mich ein bißchen mit dem hiesigen Schietwetter. Hamburg macht seinem Ruf heute alle Ehre. Ich hatte schon befürchtet, dass die Finnlandreise ganz ausgefallen ist.
Päivää!

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Bei der Tochter der Mümmla! Ein Mumin. Einen faszinierenden Aufenthalt dann.

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Ach, herrje, ich wußte bis jetzt nicht, welchen Film ich heute einlegen sollte. Jetzt ist es klar: Kaurismäki. "Ariel", denke ich, oder? Finnland, Finnland, warum gibt es eigentlich dort so viele gute Filme? Wegen der Dunkelheit, wegen des Wodka? Bitte warten Sie nicht zu lange mit der Fortsetzung.

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...einfach schön, hier mal wieder von Ihnen zu lesen. Liest sich irgendwie authentischer als im Print...

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...schreibt sich halt auch so von der strapazierten Leber weg. (Ich sag nur Salmiakkilikööri.)

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Kaffee

Hmm, also wenn's in Turku nirgends gescheiten Kaffee gibt, ist Helsinki offenbar doch wesentlich weiterentwickelt. Dort konnte ich diesen Sommer sowohl beim Hotelfrühstück als auch in den diversen Cafés der Stadt guten Espresso bekommen - wenn auch ab und an zu Preisen, die den Frankfurter Flughafen als preiswert erscheinen ließen.

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(wird fortgesetzt)
.
Au ja, bitte!

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Oaahhhh! Sieht das toll aus da! Malerisch!
Schaffe ich dieses Jahr aber wohl nicht mehr.

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Ach, ich denke, das steht da noch eine Weile.

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Trägt der "Finne an sich" immer noch spitze Schuhe und eben solche Haartollen?

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Ich habe kein solches Exemplar gesehen, bewegte mich aber auch nicht in der musikalischen Subkultur. Da mag das noch vorkommen.

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Liebe Frau Diener,
als Barchetta Pilotin sind Sie doch allen motorisierten herausforderungen gewachsen.

Wird es von der gesamten Reise eine zusammenhängende Fotodokumentation, natürlich ohne Sauna, geben?

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Das war großartig heute im "Reiseblatt". Ich hab auf der ganzen Fahrt in die Firma nur so vor mich hingekichert, die Leute guckten schon komisch. Schade, daß die Bebilderung so sparsam war.

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Hehe, hat mir auch Spaß gemacht zu schreiben. Man darf dort einiges, und das gefällt mir.

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'einen hab ich noch'


hi,hi; kleiner Witz!wo geht's denn hier nachKönnen! , vor LACHEN!Übrigens mein Physiklehrer hatte noch den Witz auf Lager:Kunst kommt von Können und nicht von Wollen,sonst würde es Wulscht heißen! heiß, heiß, heiß...Ich wünsch Dir noch einen schönen Tag, Andrea.Bis denne,Hans  ...
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For the (holy) sake of Fun! (or: just for Fun)


Mir is was zur Aufheiterung eingefallen, das ich Dir nicht vorenthalten möchte.Das Wär mal angebracht (Ne: nicht der Griff zum Wegschmeißen, Außer: Rofl!, he, he)(echt Der Bringer!, respektive the Burner! on three Cookies!, he, he)(kurz gesagt:J.oke W.ith A.nnouncement!):Das fragsch Du... ...
[hadephy am 01.01.17 20:24]

American Standard wisdom: "I don't feel sorry For you"


And I would conclude with some wisdom of my own, "well": 'Life isn't That complicated!'The most important goal then would be to have an appreciable agenda over the daytime!First a ball ( or what did Ms. Sanchez-Vicario say? :-) )... ...
[hadephy am 10.12.16 16:05]

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Schreiben ist kein Hobby, es ist die Zeit in der uns unsere Gedanken nicht zufrieden stellen können. Es ist der Moment in dem wir nach unserem Glück Ausschau halten und versuchen, den Steckbrief unserer Wünsche zu formen. Und geben wir... ...
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