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andreaffm, Di, 11.August.2009, 18:57 ![]() Zugegeben, ich schwitzte etwas und ich befand mich gerade auf einem Stepper und überhaupt im Fitneßstudio, was wirklich einer der Orte ist, an dem ich eigentlich nicht sein möchte, aber sein muß, weil mein Rücken sonst in unpassenden Situationen schmerzhafte Dinge veranstaltet. Abgesehen von all diesen Begleitumständen fühlte ich mich aber einigermaßen neutraler Stimmung, als mein Puls um etwa 128 schwankte, neben mir eine Rentnerin auf einem Fahrrad strampelte, im Kraftraum die harten Jungs schwitzten, ein Metalfan seiner spirreligen Metalfanfigur einige Wölbungen zu verpassen gedachte und die junge Dame, die heute auf den Laden aufpaßte, im Netz herumsurfte. Dazu tröpfelte das Dudelradio Geräuschkulisse in den Raum. Die Szenerie war ausnehmend friedlich. Dann kam sie. Sie war groß, dürr und bleich, sie hatte dünne aschblonde Haare und beige Sportsachen an und sie sah alles in allem aus wie ein Vollkornspaghetti. Ihr Gesicht war dabei eigentlich nicht unansprechend. Ob wir die Musik ausmachen könnten, fragte sie, das störe. Das sei so laut und überhaupt, sie unterhalte sich ja lieber. Bei dem Dialog, der sich im Folgenden entspann, dachte ich mir im Nachhinein, ich hätte lieber zwei Dudelsender gleichzeitig gehört als das. Vollkornspaghetti und die Rentnerin kannten sich offenbar, denn sie fragten sich gegenseitig, wie es ihnen so ginge. Ach, sagte die Rentnerin, ich bin jetzt jeden Tag hier. Solange, bis ich wieder in einen Zug einsteigen kann. Jeden Tag? Na wenn einmal die erste halbe Stunde um sei, dann sei schon viel gewonnen. Ob sie auf die Ernährung achte? Aber ja! Sie ernähre sich schon seit 40 Jahren vegetarisch. Vegetarisch oder vegan? Vegan habe sie sich auch schon ernährt, aber das sei lange her. Damals hatte man noch kein Wort dafür. Da müsse man aber sehr auf Ergänzungsstoffe achten. Besonders die B-Vitamine. Ja, sie nehme täglich B-Vitamine, dazu Kalzium und noch so einiges anderes. Aber das sei eigentlich nur bei veganer Ernährung wirklich notwendig, sagte das Vollkornspaghetti. Ihrer Erfahrung nach könne man vegetarisch gut zurechtkommen. Ich hörte mit halbem Ohr zu. Weil das Dudelradio aus war, gab es nichts anders zu hören außer diesem Dialog, der quer durch den Raum von Fahrrad zu Crosstrainer geführt wurde. Ich denke ja immer, ich esse eh so wenig Fleisch, daß es sich eigentlich nicht lohnt, Vegetarier zu werden. Ich würde auch den Fisch viel zu sehr vermissen. Ich habe eigentlich dauernd Heißhunger auf Fisch. Ich glaube, da ist irgendein Stoff drin, den ich brauche. Ich glaube, ich hätte jetzt gern einen Salat mit Sepia, gegrillt, ein Hauch Knoblauch. Man kann ja mit niemandem über unsere Ernährung reden, sagte die Rentnerin. Die denken immer alle, wir spinnen. Die Schweden waren da schon viel früher viel weiter. Früher hab ich mich nach Waerland ernährt. Wie ist das? Viel Rohkost, aber mit Kartoffeln und Getreide. Reine Rohkost habe sie auch schon probiert. Da müsse man dann aber auch mit Ergänzungsmitteln arbeiten, spätestens nach einem Jahr. Ich mußte an gehobelte Karotten denken. Ich kannte mal jemanden, der hat soviele Karotten gegessen, daß er ganz orangefarbene Handflächen hatte. Nicht mein Hase, eine richtige Person. Dann war die Zeit am Stepper abgelaufen und ich widmete mich meiner Rückenmuskulatur. Also von den Naturvölkern, die sich vegetarisch ernähren, sagte das Vollkornspaghetti, da kochen die meisten ihre Nahrung. Die Inder haben ja die vermutlich beste vegetarische Küche der Welt. Ob sie jemals in Indien gewesen sei? Nein. Es gebe aber ein hervorragendes Restaurant in Oberrad, die kochen ayurvedisch. Naja, viele Inder hier kochen ja eher Dreck, sagte die Rentnerin. Ob sie sich schon einmal makrobiotisch ernährt habe? Nein, das sei zu kompliziert mit dem ganzen Yin und Yang. Ich widmete mich meiner Bauchmuskulatur. Ich war ja auch in Urlaub, sagte Vollkornspaghetti. Ach, wo denn? In einem Biohotel. Die kochen da streng vegetarisch und biologisch. Die Köchin ist international renommiert, die kocht sogar für den Scheich von Dubai. Die backen ihr ganzes Brot und alles selber und mahlen auch das Korn selbst. Ich ging zum Rudergerät. Sie könne ihr Gewicht gut halten, sagte Vollkornspaghetti. Solange sie schon auf ihre Ernährung achte, habe sie nicht zugenommen. Ich will dich füttern, dachte ich beim Rudern, du siehst so erbärmlich aus. Es gebe ja überhaupt verschiedene Körpertypen, leichte und schwere. Sie wissen aber schon viel, lobte die Rentnerin. Sie beschäftige sich auch schon lange damit. Wie alt sie denn sei? 39. So sehe sie ja gar nicht aus. Sie sehen aber auch nicht aus wie 70, sagte Vollkornspaghetti. Doch. Seht ihr, dachte ich. Ihr seht beide genau so alt aus wie ihr seid. Macht euch doch nichts vor. Ich hatte fertiggerudert und ging zum Beintraining über. Das liege eben an der guten Ernährung. Nicht wie die anderen, die immer Dreck fressen, sagte die Rentnerin. Aber die verstünden das nicht, niemand verstünde das. Man werde von den Dreckfressern immer angesehen, als sei man irre. Sie verzichte jetzt auch auf schwarzen Tee, berichtete Vollkornspaghetti. Ich verzichte auf Torte, dachte ich. Mein Konditor ist in Urlaub. Es gebe jetzt auch Biosupermärkte in Bockenheim und in Bornheim, wußte die Rentnerin. Alnatura. Ob das nur biologisch sei oder biologisch-dynamisch? Beides. Einiges sei nur biologisch, anderes doch schon biodynamisch. Man muß ja aufpassen. Bio ist ja nicht gleich Bio. Ich nehme ja immer Demeterprodukte, sagte Vollkornspaghetti. Und sie kenne sich aus in der Szene. Ich glaube, ich will Torte, dachte ich. Mit rechten Winkeln. Zumindest aber ein paar Pralinen. Solche, bei denen beim Reinbeißen die dunkle Schokolade knackt. Wie oft sie defäkiere? fragte die Rentnerin. Einmal täglich, sagte Vollkornspaghetti. Das ließe sich noch steigern. Das werde dann auch weicher. Sie habe aber schon immer nur einmal täglich defäkiert. Es dauere sieben Jahre, bis der Darm vollständig gereinigt sei, sagte die Rentnerin. Ich kapitulierte. Ich stieg vom Beintrainer, nahm mein Handtuch, holte meine Tasche aus dem Schließfach und ging. Hinter mir hörte ich die Rentnerin, die sich noch ein bißchen verfolgt fühlte von den Dreckfressern und denen, mit denen sie nicht reden könne. Mein Darm ist voll Dreck, dachte ich, aber mein Leben hat einen Inhalt. ... comment
Hiwwelhubber,
Dienstag, 11. August 2009, 19:38
... toller Realsatiere, und beinahe hätte ich mich lachend in die Ecke gelegt!
Eine Kleinigkeit: Wenn das beige Etwas nur eines war, sollte es dann nicht Spaghetto heißen? Aber gut, normalerweise kommen die ja nicht einzeln vor. Und börartig heller Hartweizen schmeckt auch viel besser, als Vollkorn... grinst am Abend der HH. ... link
Hiwwelhubber,
Mittwoch, 12. August 2009, 16:57
Axo, DIESE Anspielung war mir natürlich mal wieder GLATT entgangen!
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eriktheodor,
Dienstag, 11. August 2009, 19:59
Es gibt Biohotels und gar mit eigener Mühle? Das klingt schon wieder so ökologisch, dass Draußenschlafen sicherlich eine Alternative ist.
Biologischer Abbau im Fitneßstudio, ein durchaus mutiges Stück, auch im Vergleich zur Transkription der Zensurprovideroffenbarung kürzlich. Mich hätte man ja kurz nach den Ergänzungsstoffen unter Tränen aus der Anlage entfernen müßen, dabei ist der verdreckte Darm ganz groß! Besten Dank. ... link
andreaffm,
Dienstag, 11. August 2009, 20:14
Ich habe das mit der Mühle natürlich recherchiert. Auf der Website des Hotels steht, es handele sich um eine Zentrophanmühle. Ich habe das natürlich gegoogelt. Das ist eine Mühle mit Naturstein, die das Korn nicht erhitzt und besonders schonend besonders fein zerkleinert. Da eröffnen sich einem Welten.
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schwarzmaler,
Dienstag, 11. August 2009, 22:28
Alle verrückt geworden. Sich übers ... unterhalten. Und Bio ist jetzt also dynamisch. Wahrscheinlich im Kosten-Nutzen-Verhältnis. Naja, je mehr Vegetarier umso mehr gutes Essen bleibt für uns übrig.
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eriktheodor,
Mittwoch, 12. August 2009, 03:29
Zentrophanmühlen scheinen ja der letzte Schrei in der dynamischen Bio-Szene zu sein. Es gibt wohl auch energetisch eingenordetes Demeterbrot. Kennt die Branche denn schon astralkonformes Internet? Ich würde für eine geringe Aufwandsentschädigung Wlan-Kabel spirituell eichen.
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katyhh,
Dienstag, 11. August 2009, 22:36
Der absolute Hammer.
Gratuliere zum Ernstbleiben. Ich glaub, ich wär irgendwann vor Lachen einfach geplatzt. (Ich bin vermutlich auch zu vollgestopft mit ... link ... comment
Gauss,
Mittwoch, 12. August 2009, 06:57
Perspektivenwechsel: Ich glaube, ich habe nie von mir aus bei Tisch über meinen Vegetarismus zu sprechen begonnen. Ich wollte nie jemanden bekehren, sondern nur nach meiner Weise leben.
Aber beim Essen kriegen die anderen das natürlich mit, und die fangen sofort an. Die allermeisten sagen, sie äßen nur wenig Fleisch. Ich kann es nicht mehr hören. Was ich mir alles für Geschichten anhören muste. Irgendwie fühlen sich viele Fleischesser durch einen bloß anwesenden Vegetarier unterbewusst in ihrem Wert herabgesetzt. Und die Fleischesser wissen immer alles fürchterlich genau. Dieses Thema polarisiert und radikalisiert in kürzester Zeit jede Tischgemeinschaft. Ich könnte ein Buch darüber schreiben. Inzwischen habe ich ziemlich zuverlässige Techniken entwickelt, wie ich das Gespräch am Tisch in Sekundenschnelle wieder von der Ernährung wegkriege - noch bevor die anderen merken, welche Gefahr der gemeinsamen Mahlzeit drohte. Nur ganz wenige Menschen bekommen es übrigens fertig - ohne mich oder andere herabzusetzen - zu sagen: Ich esse gerne Fleisch! Das sind mir die liebsten. Sie eignen sich für eine Freundschaft. ... link
andreaffm,
Mittwoch, 12. August 2009, 10:33
Ich esse auch gern Fleisch. Zum Beispiel Kaminwurzen aus Südtirol, das ist das unverzichtbare Mitbringsel überhaupt. Das oben abgebildete ist übrigens eine Best-A-Worscht mit Zitronencurry, die habe ich auch gern gegessen. Aber täglich muß das nicht sein.
Mir ist es ehrlich gesagt auch herzlich egal, ob Leute Fleisch essen oder nicht. Manchen schmeckt es ja auch einfach nicht, oder sie finden die Vorstellung eklig. Da gibt es ja nichts groß drüber zu diskutieren, man nickt, nimmt es zur Kenntnis und gut ist. Das ist ja nun auch keine große Sensation oder wahnsinnig exotisch. Ich fürchte, viele fühlen sich unter Rechtfertigungsdruck für ihren Fleischkonsum, weil sie innerlich denken: Mensch, das wäre eine Maßnahme, die uns noch ökologisch und gesundheitlich korrekter machen würde! Und die zieht dann ein anderer durch und man selbst ist plötzlich irgendwie defizitär. Aber das ist ja kein Wettrennen oder so, man bekommt auch keinen Preis. Man muß nur selbst damit zurechtkommen, was man tut. ich komme wunderbar damit zurecht, keinen Formvorderschinken zu essen und wenn Burger, dann glückliche hessische Exrinder beim Ökoburgermann (die schmecken eh besser) (und wie die besser schmecken). Jetzt ist das wieder so lang geworden. Ich hoffe, ich klinge nicht rechtfertigend? ... link
MichaelKN,
Mittwoch, 12. August 2009, 10:47
Zugegeben, die Damen sind nicht wirklich motivierend, aber ich habe mich gerade auf der Heimseite des Hotels umgesehen und muss sagen: Schön.
Ein perfektes Zeil für einen innerbayrischen Cabrioausflug... ... link
mow,
Mittwoch, 12. August 2009, 21:12
Mir würde ohne Wurst und Schinke auf dem Brot ja was fehlen. Und zur Zeit ist Grillsaison.. hm, Holzfällersteak ...
Eine Diplomandtin erzählte mal eine schöne Geschichte über Fleisch und Fleisch. Auf einer Familienfeier sagte sie der Tante, dass sie als Vegetarierin aber kein Fleisch isst. Wegen der Fragerei, und so. Alles klar, sagte die Tante, aber Braten nimmst Du doch? :-) Ist für mich eine Willensentscheidung, das eine wie das andere. ... link ... comment
ozmataz,
Mittwoch, 12. August 2009, 10:49
Scheich von Dubai sagt:
Die Veganer, so sie biodynamisch sind (und meiner induktiven Schlussfolgerung zufolge nur dann) sind verrückt. Sie haben nämlich Vergiftungsangst. Und das, nach einer deduktiv erschlossenen Erkenntnis von mir, ist der einzige Grund warum sie nicht ernsthaft schizzo werden. Der Biokult hält also die Gesellschaft am Laufen. Deswegen wird er auch staatlich gefördert, weil er systemrelevant ist. Tktk?tktk-brrrrb!
Das Restaurant ist möglicherweise aber in Bad Homburg? Die haben auch eine prima Ente. Mensch (biodynamisch nach sieben Jahren) kann sich seine Freunde eben nicht aussuchen) ... link
andreaffm,
Mittwoch, 12. August 2009, 11:15
Ente! Das ist doch Fleisch! Nein, das ist schon in Oberrad.
Ich hab ja aus aktuellem Anlaß einmal nachgeschaut, was es da alles für interessante Ernährungslehren gibt. Man greift sich ans Hirn. Spannend ist auch, wenn man das mal geschichtlich nachverfolgt, da landet man auch nicht immer in den hellsten und rühmlichsten Kapiteln der Geschichte. ... link ... comment
Damenwahl,
Mittwoch, 12. August 2009, 12:31
Herrlich! Ich an Ihrer Stelle wäre vor lachen von der Rudermaschine gekippt, fürchte ich. Die reinsten Ernährungsfundamentalisten. Wie fürchterlich muß es sein, mit solchen Menschen privat bekannt zu sein? Möglicherweise essen gehen zu müssen? Lieber nicht.
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timanfaya_,
Mittwoch, 12. August 2009, 12:53
kegeltour meets fundamenatalisten ökö-landeier ... eine ähnliche geschichte habe ich vor ein paar wochen dort (http://www.heubethof.de/) beim frühstück erlebt. da habe ich mir auch fast ins müsli gemacht. da war manch einer so hart drauf, dass er morgens mit eigenem edelstahl-topf erschien wo das makrobiotisch vorgekochte vom vortag drin war - kalt - und garniert mit einer runzeligen möhre. genau mein frühstück!
ich erinnere mich noch immer an eine innige diskussion wo man bei welchem wetter an welcher himmelsrichtung-hanglage die und die kräuter - zum thema defäkieren und so - zupfen kann ... wenn der rücken zipt empfehle ich kieser. und noch aus ganz anderen gründen: da kwatscht im normalfall niemand, es läuft keine musik und sollte da mal ein handy klingeln werde ich das eigenhändig aus dem fenster werfen. sehr sparta, sehr ruhig. ein wenig metallgeklakker mit etwas ächzen, mehr nicht. gut für körper und den kopf. ich gehe da immer besonders gern nach einem scheiß-tag hin wenn mir die brine raucht. mein rücken ist inzwischen tipp-topp, wie alles andere auch. mache ich seit anderthalb jahren und muß gerade aufpassen nicht aus meinen klamotten zu wachsen. und ich schwöre: man muß bei der anmeldung nicht seinen namen tanzen ... ... link
ozmataz,
Mittwoch, 12. August 2009, 13:02
@ Gauss @ Andrea
Tasächlich geht es um Konsequenz. Das Gefühl, so wie es Person X macht, wäre es (womöglich) richtig, aber ich habe nicht den Mumm dazu es ihr nachzutun, provoziert ungemein. Ich ärgere auch immer meine vegetarianischen Freunde... Ich kenne das Gefühl aber auch aus der Opfer-Perspektive: Ich bin Communist. ... link
Gauss,
Mittwoch, 12. August 2009, 15:19
Ich glaube, dass es letztlich um das Motiv geht. Da gibt es gesundheitliche, ethische und politische Gründe.
Wenn man Fleischlosigkeit als Verzicht ansieht, wenn man "durchhalten" muss, dann wäre es bloß eine quälende Diät. Wenn man Vegetarismus als Notwendigkeit betrachtet, dann ist er eine Lebensweise. Wir sehen uns hier ja immer die Sonnenseiten an. Wenn wir uns aber mit der Realität unserer Gesellschaft beschäftigen würden, wenn Andrea mit ihrer großen photographischen Kunst sich die Schlachthöfe und Massentierhaltungen in unserer Republik besähe, dann würde Tolstois berühmtes Zitat wieder lebendig werden. Aber dass man mich nicht falsch verstehe: Das ist nicht moralisch-überheblich gemeint, sondern (ohne eine besondere Farbe) realpolitisch. ... link
Irene,
Mittwoch, 12. August 2009, 16:30
Wenn es um artgerechte Tierhaltung geht, dann sind konventionelle Milchprodukte und Eier auch nicht das Gelbe.
Das ist ja das Schräge an den Moralisten unter den Vegetarieren und vor allem unter den Veganern: Bioschnitzel essen ist böse, aber flugzeugimportierte Ananas ist okay, der genmanipulierte Sojapudding auch, und die PVC-Tasche sowieso. Hauptsache es wird kein niedliches Zicklein geschlachtet. Das ist Bambi-Ethik. ... link ... comment
miner,
Mittwoch, 12. August 2009, 13:06
Ich gehe gerne beim Bio-Basic einkaufen...erschreckend ist jedoch die hohe Anzahl der Menschen dort, die irgendwie nach Krankheit und Depression aussehen. Eben halt wie eine Vollkornspaghetti. Wirklich eine geniale Metapher. Kommt das vom vielen Beschäftigen mit dem Essen ? Soviel unglückliche & blasse Gesichter sieht man in solch geballter Form im Rewe nicht.
Weiterhin fällt auf, dass in diesen Allnatura & Bio Basic Läden viele Frauen zwischen 35 - 60 immer irgendwelche Liedchen vor sich hinsummen wenn sie vor den Regalen stehen. Achtet einmal drauf, wenn ihr in so einem Ding drin seid. Es ist zwar fies, aber ich muss mittlerweile auch schon immer Grinsen, wenn wieder so eine Summbiene zwischen den Regalen rummsummt oder singt...es geht nicht anders. ... link
timanfaya_,
Mittwoch, 12. August 2009, 14:26
dieses "phänomen" gibt es in allen anderen läden auch. dort sind es überwiegend allein einkaufende männer der generation 50+ die mit hirnlosem rumgesumme und -gepfeife versuchen ihre offensichtlich eklatante unenkennntnis über die grundstruktur eines einkaufes zu vertuschen - und dabei irgendwie locker wirken wollen ...
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Don Ferrando,
Mittwoch, 12. August 2009, 21:05
Leider ist meine Schwägrin auf einmal auch auf so einem Trip, obwohl sie uns letztes Jahr noch zu einem wunderbaren Esssen mit Fleisch und allen Köstlichkeiten geladen hatte: Ich wundere mich immer, wie so etwas plötzlich kommen kann!
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londo,
Donnerstag, 13. August 2009, 09:48
Eine köstliche Realsatire..
...ich lag am Boden vor Lachen.
Mir selbst ist auch schon aufgefallen, dass bestimmte Leute, die sich ach soo gesund ernähren, ähnlich aussehen wie die Mrs. Vollkornspaghetti. Und wenn solche Leute dann den Mund auf machen und auch noch stolz verkünden, wie toll sie doch leben, bekomme ich immer große Lust, ihnen "Fleisch" von Rammstein vorzuspielen :) ... link
Hedonist,
Donnerstag, 13. August 2009, 10:19
Entlarvend
Die Realität übertrifft die schönsten Vorurteile desöfteren eben doch bei weitem an Skurilität. Manche Unterhaltungen muss man auch gar nicht kommentieren. Wem bei dem Dialog kein Licht aufgeht, dem ist wohl nicht mehr zu helfen.
Was ist eigentlich aus der guten Forderung von Ernährungswissenschaftlern geworden, sich ausgewogen zu ernähren und dabei einfach auf seinen Körper, also auch auf seine Lust zu hören, geworden? Ihren Ansatz finde ich dagegen sehr sympathisch, Frau Diener. Und meinen Respekt für Ihre Contenance. Mein persönlicher Ansatz in so einer Situation wäre wohl eher ironisch geprägt, wie der hier beschriebene: www.achgut.com ... link
andreaffm,
Donnerstag, 13. August 2009, 10:52
Ich denke manchmal, es geht eigentlich nicht um die Ernährung. Vor dreihundert Jahren hätten solche Leute einfach seltsamen Sekten angehört, Pietisten oder so. Es geht vermutlich vor allem um ein Regelsystem, das man befolgen kann, um länger/besser/ewig zu leben. Solche Regelsysteme verleihen Halt in sturmzerzauster Welt.
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Hedonist,
Donnerstag, 13. August 2009, 11:33
Da haben Sie vermutlich recht. Ich frage mich nur, warum es denn unbedingt ein leidensbasiertes Regelsystem sein muss und nicht ein genussorientiertes sein kann. Gehört zum Genuss soviel Spontaneität und Impulsivität, dass er sich nicht einem Regelsystem unterwirft? Könnte sein.
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andreaffm,
Donnerstag, 13. August 2009, 12:06
Das ist ja der Trick: Vorher muß kräftig gelitten werden. Erst Karthasis, Reinigung, Entsagung – das ist der Weg, der zu mehr Energie oder Erkenntnis oder sonstwas führt. Und immer hat es damit zu tun, wieder zu einem inneren Einklang zu kommen, den man im Laufe der bösen Zivilisation irgendwo verbummelt hat. Vermutlich gab es vor 2000 Jahren schon irgendwo Mönche, die sich diffus entfremdet gefühlt haben und versuchten, sich auf das Level der Jungsteinzeit zurückzufasten.
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Hedonist,
Donnerstag, 13. August 2009, 16:16
Nur, wofür braucht man in einem in jeder Hinsicht anämischen Leben eine Katharsis? Die muss man sich doch erstmal hart erarbeiten. Z.B. als Hedonist.
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Gauss,
Donnerstag, 13. August 2009, 17:56
Aber bitte, wo bleibt hier die intellektuelle Redlichkeit? Auch das hier propagierte Weltbild ist doch ein Werte- und damit Regelsystem, nicht minder streng im Urteil und nicht minder haltverleihend! Mit Verlaub, genauso wie Sie sich hier über "Pietisten" und "Mönche" erheben, erheben sich Vollkornspaghetti und Co. über "die Dreckfresser". Es ist dieselbe rhetorische und argumentative Ebene.
Stand's nicht schon im Nathan? ... link
Hedonist,
Donnerstag, 13. August 2009, 18:26
Nun ja, es ging allerdings gerade lediglich um einen Teilbereich des Lebens, der eigentlich mit Werten nichts zu tun hat und aus hiesiger Sicht von den Leidensfreunden zu einer recht freudlosen Philosophie aufgebauscht wurde. Soweit ich das sehe, werden in diesem Blog doch dagegen originäre Werte vertreten, die man teilen kann oder nicht. Kulinarischem Genuss dagegen, kann man sich hingeben oder nicht. Das ist höchstens rein dionysisches Prinzip, hat aber mit dem schnöden apollinischen nicht viel zu tun.
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andreaffm,
Donnerstag, 13. August 2009, 18:30
Gauss: Na wunderbar, mit der Argumentation haben wir gleich jegliche verbale Äußerung als verbindliches Regelsystem festgenagelt.
Ich glaube nicht, daß ich mich über Pietisten und Mönche auf ähnliche Art erhebe wie Vollkornspaghetti über mich. Ich bezweifle nämlich, daß man sich durch Verzichtsübungen irgendwie erheben kann. Ich glaube nichtmal an Erhebung. Ich wundere mich nur, was andere auf sich nehmen, um zu glauben, sie erheben sich irgendwie. Und wenn man nicht über ein Thema reden kann, ohne permanent zu betonen, wie verfolgt und unverstanden man sich fühlt, dann muß man sich schon einem sehr exklusiven Grüppchen zurechnen. ... link ... comment
straight chris,
Donnerstag, 13. August 2009, 21:17
Mit gemischten Gefühlen amüsiert
Die Realsatire wäre ja sehr amüsant, wenn
a) die Realität nicht so ernst wäre b) ich mir die feine Beschreibung eines Vollkornspaghetti nicht wirklich bildlich vorstellen brauchte. Ich müsste im Text quasi einige essentielle Dinge überlesen, denn ich weiß wie widerlich Spaghettis aussehen können. Ich war mal in einer Wohngemeinschaft mit einem Magersüchtigen zusammen. Zu allem Überdruss war er (bzw. ist es weiterhin) sportsüchtig; die geniale Kombination! Dreck wird keiner gegessen! Zuviel Fett wird schon vor dem Frühstück verbrannt, beim Laufen (also österreichisch) (bundesdeutsch: Rennen), (neudeutsch Run) zum Biobäcker. Einmal kam es zu einem komischen Dialog: "Warum schnüffelst du am Apfel?" "Das Stück Apfel lag im Kühlschrank direkt neben der halbierten Zwiebel, ich wollte prüfen ob kein Zwiebelgeruch anhaftet" "Aber warum legst du einen halben Apfel in den Kühlschrank, anstatt den Apfel im Ganzen zu essen?" "Ein halber Apfel ist genau die richtige Portion" Diese Spaghettibeine sind nichts für schwache Nerven. ... link
andreaffm,
Donnerstag, 13. August 2009, 21:33
Den Wahn der gesunden Ernährung gibt es auch als krankhafte Form: Orthorexia nervosa. Aber da sind die Grenzen zwischen Vernunft und Wahn wohl fließend. Magersucht ist natürlich eindeutiger, da geht es mit dem Körpergewicht rapide bergab, das sieht man dann auch.
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