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andreaffm, Fr, 9.März.2007, 12:43 Damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet, daß zwei gesetzte ältere Herren in dunkelroten Strickpullovern in der Redaktion auftauchen, allen anwesenden Damen rote Nelken in die Hand drücken und ihnen dazu gratulieren, als Frau geboren worden zu sein. Die Herren in den Strickpullovern, das ist der DKP-Ortsverein, und mit den Nelken und den Gratulationen – warum wird mir eigentlich dauernd zu etwas gratuliert, wofür ich nichts kann? – ging auch ein Infozettelchen einher, auf dem steht, daß Armut und Arbeitslosigkeit weiblich sind, ein Umstand, dessen anläßlich des Weltfrauentags gedacht werden soll.
Also war das eigentlich gar keine Gratulation, sondern eher eine Beleidsbekundung? Seltsam. Ich bestreite ja gar nicht, daß dem gesamtgesellschaftlich so ist, aber in meinem Umfeld sieht es ganz anders aus, eher gegenteilig. Die meisten Frauen wurschteln sich durch und fallen immer wieder irgendwie auf die Füße. Zu pragmatisch, um stillzusitzen. In meinem Umfeld ist Arbeitslosigkeit eher männlich. Vielleicht liegt es an meinem Umfeld, vielleicht liegt es an den Leuten, die ich mir zum befreundetsein heraussuche, vielleicht ist es ein Trend, vielleicht eine statistische Unwahrscheinlichkeitsballung, ich weiß nicht, wüßte es aber gern. ![]() "Wie uffm Friedhof, mit dene ganze Nelke", sagt die Dame vom Front-Office in ihrem charmanten Südhessisch. Die Nelken kommen in eine Vase, aber das hilft dekorativ auch nicht wirklich weiter. Nelken sind einfach indiskutabel und harren nun wohl schon seit 25 Jahren ihres modischen Revivals. In der Floristik dauern Retro-Zyklen immer so entsetzlich lange. Und ausgerechnet mit Nelken will man mir also Beileid zu meiner Geschlechtszugehörigkeit bekunden, mit der traurigsten und muffigsten aller Blumen. Okay, zweitmuffigsten, nach der Begonie. Was gibt es eigentlich zum Weltmännertag? Da geht es nicht darum, daß Männer arbeitslos oder arm sind, sondern darum, daß sie nicht oft genug zum Arzt gehen und deshalb früher sterben. Selbst schuld, könnte man da sagen, der faule Sack. Von Nelken keine Rede, keine Begonien, keine Gratulation Ich wittere Gender-Trouble. Heute schon ein Geschlechterbild dekonstruiert? ... comment
lloib,
Freitag, 9. März 2007, 16:47
Fuehle mich als Mann auf diesem Blog sehr wohl, bei dieser ausgeglichenen und v.a. unterhaltsamen Berichterstattung.
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philit,
Freitag, 9. März 2007, 17:44
Trotz der sich reflexartig umkehrenden Peristaltik bei der postmodernen Erwähnung der Dekonstruktion kann ich mich des Schmunzelns nicht erwehren. Denn ich dürfte das nicht, da ist das Y-Chromosom davor und die versammelte Weiblichkeit würde mir den Garaus machen. Jedoch - der vermeintlich (und wohl oft auch tatsächlich) Benachteiligte darf das: Als Jüdin, wie etwa Ruth Klüger, sich über den Auschwitz-Tourismus echauffieren, meine dunkelhäutige Bekannte über das verzweifelte Suchen nach rassistischen Vorurteilen.
Weiß, männlich, einigermaßen wohl situiert, nicht adipös, keine ansteckenden Krankheiten, Haarausfall maßvoll unter Berücksichtigung des fortschreitenden Alters. Jährliche Gesundenuntersuchung. Wenn ich nur ein Mindestmaß an Beileid erhaschen will, muss ich den Zeugen Jehovas beitreten oder nach Bayern ziehen und mich öffentlich zur SPD bekennen. Ich will mich auch aufregen können ... ... link
philit,
Samstag, 10. März 2007, 15:14
Hm, die Idee ist nett und vom finanziellen Standpunkt aus gesehen eine Erwägung wert. Es steht allerdings zu befürchten, dass ich gewaltige Vorleistungen bezüglich Image und Äußerem leisten müsste, deren Rentabilität (vom bereits neoliberalen Standpunkt aus betrachtet) höchst zweifelhaft wäre.
Das müsste doch billiger zu haben sein. Mann sein allein reicht nicht? Und Weltmännertag am 3. November. Gleich nach Allerheiligen und Allerseelen. Das ist doch bloß zum Depressionen kriegen. ... link
andreaffm,
Samstag, 10. März 2007, 19:54
Ach so, da hätte ich genau das richtige für Dich. Merk Dir schonmal den 10. Oktober vor.
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philit,
Sonntag, 11. März 2007, 01:52
Herrje, schon vorbei. Kein Hinweis darauf, ob man mit alljährlicher Wiederholung rechnen darf. Und bei mortek.de hat man die feinsinnigen Berechnungen über den Zusammenhang zwischen Fallhöhe und Körpergewicht beim Erhängen entfernt (entfernen müssen). Mann hats schwer!
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mow,
Freitag, 9. März 2007, 19:24
Traditionsblume
Es sind Nelken, weil das die Symbolblume der französischen Sozialisten ist.
Aber in Deutschland ist es wegen der Assoziation zum Friedhof geschickter rote Rosen zu verschenken. Was meines Wissens auch zumindest bei der SPD angekommen ist. Marc ... link
andreaffm,
Samstag, 10. März 2007, 08:41
Das Ding von den Sozialisten da ist eine Rose ist eine Rose ist eine Rose. Aber ist klar, Symbol und so. Trotzdem: Muffig.
@tine: (Jetzt kamst Du mir zuvor) – Ja. Eh, ich hab ja auch eigentlich ein Herz für so sozialistische Folklore, die möchte ich immer sofort unter Artenschutz stellen. Aber gedenken? So abstrakt herumgedenken bleibt ja meist entsetzlich fruchtlos. Ich könte mit der Nelke ja Eva Hermann auspeitschen. Dann wäre doch allen gedient, oder? ... link
Irene,
Samstag, 10. März 2007, 15:33
Das Gratulieren haben die DKPler aus der Ostzone mitgebracht, wo ja die Frau schon mal mehr oder weniger gleichberechtigt war, und kombinieren das jetzt etwas ungeschickt mit neuen Herausforderungen.
Manche West-Feministinnen spotteten früher über den "sozialistischen Muttertag", vor allem solche, die mit den Linken nicht viel am Hut hatten. ... link
lloib,
Samstag, 10. März 2007, 22:45
Als Mann fühlt man sich ja an solchen Tagen leicht ausgegrenzt.
Zumal wir Zugehörigen des ehemals starken Geschlechts sowieso (wenn man gängigen Sachbüchern zum Thema glauben darf) vom Aussterben bedroht sind und die Zukunft sowieso "weiblich ist". Irgendwo habe ich mal gelesen, dass der Testosteron-Spiegel bei Männern seit einigen Jahrzehnten im Sinken begriffen ist. Wenn das so weiter geht gibt es irgendwann nur noch Frauen. Dann ist an solchen Ehren- und Gedenktagen niemand mehr ausgeschlossen (obwohl ich mir die Frage stelle, ob dieser Gedenktag nicht eigentlich eine männliche Erfindung ist). ... link
Irene,
Sonntag, 11. März 2007, 11:29
Vegetarier sind sexy
Irgendwo habe ich mal gelesen, dass der Testosteron-Spiegel bei Männern seit einigen Jahrzehnten im Sinken begriffen ist.
Das liegt nicht am Internationalen Frauentag, das hat andere Gründe. Was ist am Kalbfleisch denn das Schöne? Nicht der Geschmack - die Östrogene! Der Schniedel schrumpft, der Busen schwillt bald ist er Mamas Ebenbild! Sowas merkt man sich, wenn man mit 14 in einen Otto-Waalkes-Fan verliebt war. ... link ... comment |
seit 2762 Tagen sitz ich hierletzte Bestellung: 2009.07.04, 18:39 Suche und finde
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