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bonustrack: die autos und ihre hunde
andreaffm, Sa, 17.Mai.2008, 12:37 ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]()
momente der misanthropie
andreaffm, Sa, 17.Mai.2008, 12:33 Die Mille Miglia sollte auch eine Gelegenheit sein, meine neue Kamera im Kampfeinsatz zu testen. Ein Kampf wurde es dann auch, und zwar einer mit Handtaschen, Ellenbogen und schierer Frechheit als Waffen. Schiere Frechheit war jedenfalls die Hauptwaffe der bayerischen Matrone mit ihrem Bengel, die sich und den Nachwuchs rotzfrech vor mich und meinen bereits eroberten und bis dato erfolgreich verteidigten Platz parkte. Der Nachwuchs war vermutlich auch als Waffe vorgesehen, denn wer kann den lieben Kinderchen schon einen Platz ganz vorne versagen, wo sie dilettantisch auf ihren Kleinknipsen herumdrücken, die mir dann ins Bild ragen?
Ich. Ich kann das. Und meine Hauptwaffe war die bereits gewonnene Sympathie der Sicherheitsleute. Daß die Menschen das aber auch immer unterschätzen, wie wichtig es ist, sich anständig zu benehmen und nicht herumzudrängeln, damit die, die hier gerade einen Mörderjob zu erledigen haben, nicht noch unnötig gestreßt werden. Der Sicherheitsmann mußte mich nicht aus der VIP-Zone zerren, er mußte mich nicht von der Straße räumen oder mir erklären, mich bitte hinter das Gitter zu stellen, denn es ist ja schließlich ein Absperrgitter, das heißt, hier ist abgesperrt. Ich tat all das freiwillig. Die bayerische Matrone hingegen nicht. Und das ist der Grund, daß die bayerische Matrone ziemlich bald aus meiner Optik entfernt wurde mit dem freundlichen Hinweis, daß die Signora (damit war ich gemeint) hier ja schließlich zu arbeiten hätte. So bewährte sich meine neue Kamera auch darin, genügend Autorität aufzubauen, um Sicherheitsleuten gegenüber einen professionellen Gesamteindruck zu vermitteln. Was vor mir die bayerische Matrone, das sind hinter mir die Canon-Amateure. Fettes Rohr vorm Bauch baumeln, auf der Hüfte die voluminöse Kameratasche mit dem gesamten Arsenal von Fischauge bis Supertele. Solche Typen haben ja immer eine Canon und hinterfragen ihre Markenwahl auch nicht weiter, genauso wie sie schon immer einen Golf fahren und im Bad hängt ein Allibert. Das sind die hyperambitionierten Pseudoprofis, die man aber ziemlich leicht erkennt, weil sie immer mit dem Rohr vorm Bauch dastehen. Körpersprache: Ich warte ab, bis mir mein Motiv auf dem Silberteller gereicht wird und bin tendenziell zu faul, es mir selbst zu suchen. Weil die Canon-Amateure so unfelxibel sind, bin ich schneller. Außerdem kommt nun meine zweite Waffe zum Einsatz, und das ist die Kampfhandtasche. Die Kampfhandtasche macht einen breiter als man ist, selbst wenn man gerade beide Arme zum fotografieren braucht. Man kann sie als Absperrung nutzen, man kann Leute damit herumschieben oder sich den Rücken freihalten. Niemand wird nach der Handtasche greifen, wenn er nicht des Diebstahls verdächtigt werden will. Das ist alles nicht nett. Es wäre natürlich viel höflicher von mir, den bayerischen Matronennachwuchs vorzulassen und den Canon-Amateuren nicht vor der Linse herumzutanzen, damit sie auch mal ein Bild ohne Hände, Hinterköpfe und Ellenbogen anderer Menschen hinbekommen. Noch viel, viel weniger nett als ich sind allerdings die echten Profis. Die haben gleich drei Kameras, alle mit Batteriegriff, über der Schulter hängen und eine Fotoweste mit fünfzig Akkus drin übergestreift. Die werfen sich in den Schlamm und alte Damen um für ein gutes Foto. Die sind wirklich skrupellos. Die lachen über meine leichte Munition, die hätten die Matrone einfach überrannt. Insofern hatte sie wirklich Glück, daß sie an mich geraten ist, die einfach nur nett zu Sicherheitsleuten ist und ihren Job respektiert. Und dann, nach all der Arbeit, findet man eine kleine Bar, wo alte Herren draußen sitzen und Espresso trinken und hinter der Theke steht die Nonna und spült Tassen und es gibt eine kleine Auswahl an Pasta und Schnitzel. Die Signora nimmt die Bestellung entgegen, gleich kommt der erste Liter Wasser und man lehnt sich in freudiger Erwartung, man hat ja heute noch nichts gegessen, in den Stahlrohrstühlen mit Plastikgeflecht zurück und harrt der wohlverdienten Teller, die da kommen mögen. Und dann dringt langsam das Gespräch am Nachbartisch ins Gemüt vor, das auch allmählich lauter wird. Und es ist unmißverständlich, daß es sich um Schwaben handelt, die in finsterstem Dialekt unschönes verhandeln, junge grobe Klötze allesamt. Sie sind wegen der Audos ins ferne Idalien gekommen, wobei einer schonmal da war, und zwar am Lago Matschore. Dann gibts Spageddi Bolongnese. Die gibt es auch am Lago Matschore. Schmegge die? Jo, gans gud, die Spageddi. Dann geht es wieder um den Lago Matschore, wo er war, damals noch mit seiner Ex. Nahezu materiell greifbar formiert sich über unserem Tisch eine Denkblase folgenden Inhalts: Das ist jetzt auch wirklich kein Wunder, daß das deine Ex ist, bei dir und deinen Kumpels, habt ihr euch mal angeschaut in euren komischen T-Shirts mit fingierten Webfehlern drin und euren fabrikneu destroyten Jeans? Hört ihr euch eigentlich mal zu? Nehmt ihr eigentlich auch mal die Ellenbogen vom Tisch beim Essen? Und warum, warum müssen Schwaben das, was bei denen als Deutsch durchgeht, eigentlich immer mit einer Dezibelzahl verkünden, die eventuell vorbeifahrende Rennwagen aus den Zwanzigern locker übertönt? Warum muß sowas immer neben einem sitzen, Spageddi mit Gabel und Löffel essend, warum hat so etwas eine Schnittmenge mit einem, daß sich sowas zeitlich und örtlich zu einem selbst kongruent verhält, und es ist doch erstaunlich, was für Leute die Kombination Audo und Idalien so anlockt. Das ungefähr steht in der Denkblase. Dann kommt die Pasta, die über vieles hinweghilft, über Hunger, taube Füße, bayerische Matronen, Canon-Amateure und sogar über Schwaben am Nachbartisch.
die autos und ihre details
andreaffm, Sa, 17.Mai.2008, 12:30 ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() (Der ganze Car-Content, so die 100 besten Photos, kommt dann demnaechst auf Flickr.)
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